Barbara Brodinger Matrikelnr.: 14.08.01
Funktionen von Verlegenheit:
Über die Ursachen von Verlegenheit gibt es zwar eine lebendige Debatte. Bei den Funktionen von Verlegenheit sind sich die Forscher jedoch grundsätzlich einig. Eine wichtige soziale Funktion von Verlegenheit ist es gegenüber anderen Beschwichtigung zu signalisieren. Wenn das unpassende Verhalten einer Person ihren Status in einer wichtigen sozialen Gruppe bedroht, dann dienen sichtbare Zeichen von Verlegenheit dazu, non-verbal die Anerkennung von gemeisamen sozialen Standards zu siganlisieren. Die anderen Gruppenmitglieder sollen dadurch beschwichtigt werden. Es wurde auch in Experimenten gezeigt, dass die Menschen eher positiv auf andere reagierten, wenn diese nach einem sozialen Verstoß sichtlich verlegen waren. Verlegenheit wird also durchaus als Imagereparatur gesehen und gebraucht. Eine zweite Funktion von Verlegenheit ist es, übermäßige, übertriebene Selbstreflektion zu verhindern. Gefühe von Verlegenheit unterbrechen Kreisläufe von Meta-Reflektion. Also, wenn das Selbst über das Selbst nachdenkt, das über das Selbst nachdenkt, das über das Selbst nachdenkt........
Verlegenheit und Scham:
Gibt es einen Unterschied zwischen Scham und Verlegenheit? Einige Forscher erwähnten Verlegenheit als Element von Scham, als Scham-Variante. Eine dominantere Sichtweise unterscheidet Verlegenheit und Scham anhand von der Intensität des Affekts und/oder der Schwere des Verstoßes. Es wird generell angenommen, dass Scham die intensivere Emotion sei. Scham resultiert also aus schwereren Fehlern und moralischen Verstößen, während Verlegenheit eher auf triviale soziale Verstoße oder auf unpassende, ungehörige Interaktionen gezeigt wird. Einer anderen Ansicht nach können Scham und Verlegenheit durch die unterschiedliche Attribuierung unterschieden werden. Scham ist mit den empfundenen Mängeln des Kernselbsts verbunden, während Verlegenheit aus Mängeln des präsentierten Selbsts resultiert. Scham ist also mehr mit unserer spezifischen Person und mit globalen Fehlern und anhaltenden negativen Attribuierungen über das Selbst verbunden, während Verlegenheit an situationsspezifische Fehler und Missgeschicke gebunden ist. Neueren Studien zufolge sind Scham und Verlegenheit sogar noch unterschiedlicher wie Scham und Schuld.
Scham wird verglichen mit Verlegenheit als intensivere, schmerzvollere Emotion erlebt, die mehr auf moralische Verstöße bezogen ist. Daneben unterscheiden sich Scham und Verlegenheit deutlich in einer Reihe von affektiven, kognitiven und motivationalen Dimensionen. z. B.: Versuchspersonen, die sich schämten, fühlten größere Verantwortung und größeres Bedauern. Sie waren wütender und mehr angewidert von sich selbst und dachten, dass andere auf sie wütend sind. Gegebenheiten, die Verlegenheit verursachten, integrierten mehr Humor und entstanden eher unvorhergesehen und plötzlich. Verlegenheit war zudem von mehr physiologischen Veränderungen begleitet (z. B. Erröten) und die Versuchspersonen fühlten sich eher bloßgestellt und hervorstechend.
Individuelle Unterschiede bei Verlegenheit:
Wie bei Scham und Schuld gibt es auch bei Verlegenheit individuelle Unterschiede in dem Grad wie sehr Leute dazu neigen Verlegenheit zu erleben. Ab dem dritten Lebensjahr ist diese Neigung ziemlich stabil.
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Die Forschung hat gezeigt, dass Menschen, die zu häufigen und exzessiven Verlegenheitsreaktionen neigen, selbstbezogener sind als durchschnittliche Personen. Außerdem sind sie empfindlicher gegenüber negativen Beurteilungen von anderen. Es konnte jedoch gezeigt werden, dass diese erhöhte Selbstbezogenheit und die Angst vor negativer Beurteilung nicht einfach darauf zu beziehen sind, dass diese Menschen weniger soziale Fähigkeiten haben. Eine Schlüsselfaktor war viel mehr eine erhöhte Sensitivität bezüglich sozialer Normen. Menschen, die zu Verlegenheit neigen, achten besonders auf soziale Regeln und Standards. Solche Menschen sind aber auch sozialen und emotionalen Schwierigkeiten ausgesetzt. Vermehrte Verlegenheit wird z. B. auch mit Neurotizismus verbunden und solche Menschen fallen eher unangenehm auf. Auf der anderen Seite ist es wichtig Verlegenheit erleben und ausdrücken zu können. Bei einer Studie wurde gezeigt, dass aggressive, kriminelle Jungen weniger Verlegenheit zeigten bei einer kognitiven Aufgabe als gut erzogene Jungen.
Zukünftige Forschung:
Bisher konzentrierte sich die Forschung stark auf die Phenomenologie von Verlegenheit und ihren Ursachen. In letzter Zeit begannen die Forscher auch die Verhaltensweisen zu erforschen, die verlegene Menschen zeigen. Man versucht auch Kosten und Nutzen von Bewältigungsstrategien für Verlegenheit zu ergründen. Welche Kosten bzw. welchen Nutzen hat das Individuum selbst und die Menschen und Beziehungen, die ebenfalls involviert sind?
Es wird auch nach Möglichkeiten gesucht, wie Menschen mit exzessiven Verlegenheitsmomenten mit den täglichen Missgeschicken und Fehlern zurechtkommen können.
Außerdem hat man kürzlich damit begonnen, Verlegenheit auch in anderen Kulturen zu untersuchen.
STOLZ:
Von den selbstbezogenen Emotionen wurde Stolz bisher bei der Forschung am wenigsten Aufmerksamkeit gewidmet. Die meiste Forschung kommt aus der Entwicklungspsychologie.
Laut Mascolo und Fischer dient Stolz dazu, den Selbstwert einer Person zu stärken und noch wichtiger ist wahrscheinlich, dass zukünftiges Verhalten gefördert wird, das konform geht mit sozialen Standards und lobenswert ist.
Aspekte der Entwicklung:
Entwicklungspsychologen versuchten Entwicklungsschritte anhand von Stolzerlebnissen und anhand dessen, wie Stolz ausgedrückt wird, aufzuzeigen. Es wird vermutet, dass es entwicklungsbedingte Veränderungen gibt bei den Kriterien wie Kinder Erfolg und Misserfolg beurteilen. Außerdem gibt es Veränderungen bei den Arten von Situationen, die zu Stolzerlebnissen führen. Kinder können vor dem Alter von 33 Monaten das Konzept des Wettbewerbes nicht verstehen. Erst nach 33 Monaten zeigen Kinder verstärkte Stolzantworten, wenn sie bei einem Wettstreit gewonnen haben.
Zusätzlich gibt es Entwicklungsschritte, die die Wichtigkeit von Lob anderer betreffen. Bei einer Studie mit 13-39 Monate alten Kindern fand man heraus, dass alle Kinder altersunabhängig Freude zeigten, wenn sie etwas erfolgreich gemacht hatten. Aber ab
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zwei Jahren suchten sie Augenkontakt mit den Eltern. Und elterliches Lob wurde immer wichtiger und verstärkte die Freude der Kinder über ihren Erfolg. Sehr kleine Kinder freuen sich auch, wenn sie einfach nur etwas verändert haben in ihrer Umwelt. Wenn sie aber Selbstbewusstsein entwickelt haben und mit sozialer Beurteilung vertraut sind, spielen die Reaktionen anderer eine wichtige Rolle und formen ihre affektiven Reaktionen auf Erfolg und Misserfolg. Später werden diese Standards mehr und mehr internalisiert und Stolzerlebnisse werden autonomer. d. h., sie sind nicht mehr so von Lob und Tadel anderer abhängig. Weiters wurde untersucht welche Auswirkung die Zielsetzung der Eltern zusätzlich zu Lob auf die Kinder hat. Dabei kam heraus, dass die Kinder stolzer waren auf ihre Erfolge, wenn sie von den Müttern gelobt wurden. Bei der Zielsetzung waren jedoch nicht die Zielsetzungen der Mütter, sondern ihre eigenen Zielsetzungen wichtig und entscheidend.
Zwei Arten von Stolz:
Für negative selbstbezogene Emotionen - also Scham, Schuld und Verlegenheitwurden verschiedene Typen gefunden. Nun stellt man sich die Frage: Gibt es auch bei positiven selbstbezogenen Emotionen verschiedene Formen?
Tangney unterscheidet zwischen zwei Stolz-Formen. "Alpha" Stolz, wenn man auf sich selbst stolz ist, und "beta" Stolz, wenn man auf sein Verhalten stolz ist. Wobei es individuelle Unterschiede gibt, ob man eher dazu tendiert "alpha" oder "beta" Stolz zu erleben.
Lewis unterscheidet zwischen Stolz und Hybris (= freche Selbstüberhebung). Man erlebt Stolz, wenn der Erfolg auf eine bestimmte Handlung oder ein bestimmtes Verhalten zurückgeführt wird. Hybris taucht auf, wenn der Erfolg auf das globale Selbst zurückgeführt wird. Laut Lewis ist Hybris eine automatische Reaktion, die sie aber eher negativ bewertet und deshalb vermieden werden soll. Unter anderem bewertet sie Hybris deshalb als negativ, weil man danach süchtig werden kann. Sie meint, dass Menschen, die zu Hybris neigen, gerne Situationen kreieren, nur um zu ihrer Anerkennung zu kommen. Solche Menschen werden meist von anderen nicht gemocht und sind mit einer Reihe von zwischenmenschlichen Problemen konfrontiert.
Zukünftige Forschung:
Bezüglich Stolz gibt es noch viel zu erforschen! In erster Arbeit wurden Entwicklungsschritte bei den Situationen und sozialen Kontexten, die das Stozlerlebnis der Kinder formen, aufgezeichnet. Es gehört aber noch viel getan. Speziell auf die interpersonellen Aspekte von positiver Selbstbewertung sollte man noch näher eingehen. Außerdem gibt es noch nicht viele Arbeiten, die die Frage ergründen warum manche Menschen eher Stolz auf sich selbst sind und andere eher auf ihre Leistungen. Gibt es vielleicht Sozialisationsfaktoren, die darauf einen Einfluss haben? Und es stellt sich die Frage, ob die Unterscheidung in globalen und spezifischen Stolz empirisch sinnvoll wäre.
PS Kognition und Emotion_Referat 4
Arbeit zitieren:
Barbara B., 2000, Verlegenheit & Stolz, München, GRIN Verlag GmbH
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martina
frage.
liebe babsi!
ich bin gerade auf der suche nach literatur zum thema "scham". deswegen meine frage: welche quellen hast du für dein referat benutzt? wäre sehr nett, wenn du mir ein kurzes e-mail schicken könntest.
lg, martina.
am Wednesday, December 18, 2002-