1998 in den Vordergrund, der Anteil an Internationalisierungsleitlinien geht zurück; grundlegende Probleme scheinen hier gelöst zu sein (Honold, 2000).
2. Kultur:
a.) Versuch einer Definition
Kultur ist i.A. ein unscharfer Begriff und wurde zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Gesellschaften mit verschiedenen Konnotationen versehen. Eine von Kroeber & Kluckhohn (1963) vorgenommene Inhaltsanalyse zeigte, dass sich verschiedene psychologische Kulturdimensionen in inhaltliche Kategorien zusammenfassen lassen:
Weitere für die MMS interessante Unterkategorien sind:
Kroeber & Kluckhohn hatten zum Ziel, eine integrative Definition von Kultur zu finden. Ihre Kulturdefinition lautet:
"Culture exists of patterns, explicit and implicit, of and for behavior acquired and transmitted by symbols, constituting the distinctive achievement of human groups, including their embodiments of artifacts; the essential core of culture exists of traditional (i.e. historically derived and selected) ideas and especially their attached values; culture systems may, on the one hand, be considered as products of actions, on the other hand as conditioning elements of further action."
(Kroeber & Kluckhohn, 1963, S.357; zitiert nach Honold, 2000)
Insgesamt scheint es aber für die einzelnen Forschungsvorhaben produktiver zu sein, die Definition von Kroeber & Kluckhohn lediglich als Meta-Definition zu betrachten und eine auf das konkrete Forschungsvorhaben zugeschnittene Definition von Kultur zu formulieren, die die jeweils relevanten Aspekte des Konstruktes akzentuiert.
b.) Konstrukte der Ermittlung und Vermittlung von Kultur
Die zentrale Frage bei interkulturellen Untersuchungen oder Untersuchungen zu Einflüssen von Kultur auf Verhalten ist, wie "Kultur" und "kulturelle Inhalte" ermittelt werden können.
• Kulturdimensionen: Besonders einflussreich auf das Verständnis von Kultur als Abgrenzung zwischen Angehörigen verschiedener kultureller Gruppen haben sich die Kulturdimensionen von Geert Hofstede erwiesen. Unterschiedliche Kulturen lassen sich so durch eine relative Anordnung auf bipolaren Skalen anschaulich darstellen. Hofstede führte zwischen 1968 und 1974 umfangreiche Studien zu Arbeitswerten in 60 Ländern durch. Anhand einer Faktorenanalyse ermittelte er fünf Kulturdimensionen, die er "Machtdistanz", "Unsicherheitsvermeidung", "Maskulinität/Feminität", "Individualismus/Kollektivismus" und
"Langzeit- vs. Kurzzeitorientierung (bzw. konfuzianistische Dimension)" nannte.
• Kulturstandards: Nach Thomas (1991, 1996; zitiert nach Honold, 2000) konstituiert sich Kultur aus Kulturstandards. "Unter Kulturstandards werden alle Arten des Wahrnehmens, Denkens, Wertens und Handelns verstanden, die von einer Mehrzahl der Mitglieder einer bestimmten Kultur für sich persönlich und andere
als normal, selbstverständlich, typisch und verbindlich angesehen werden. Eigenes und fremdes Verhalten wird auf Grundlage dieser Kulturstandards reguliert. ... Die individuelle und
gruppenspezifische Ausprägung von Kulturstandards kann innerhalb eines gewissen Toleranzbreiches variieren. ... Zentrale Kulturstandards einer Kultur können in einer anderen Kultur völlig fehlen oder nur von peripherer Bedeutung sein. Verschiedene Kulturen können ähnliche Kulturstandards aufweisen, die aber jeweils unterschiedliche Funktionen erfüllen können, in unterschiedlichen Handlungsfeldern wirksam werden und unterschiedlich weite Toleranzbereiche aufweisen."
Kulturstandards beschreiben das typische kulturelle Orientierungssystem einer Kultur aus der Sicht einer anderen Kultur. Sie werden durch Untersuchungen bikultureller Interaktionssituationen ermittelt.
• Kulturelle mentale Modelle und Schemata: Shore (1996, zitiert nach Honold, 2000) beschreibt Kultur als die Interaktion zwischen (inneren) Kognitionen und (äußerem) Handeln. Das konkrete Erleben und Handeln innerhalb einer bestimmten Umwelt liefert die Grundlage für jede weitere Form des Wahrnehmens, Denkens und Handelns. Institutionalisierte Modelle sind Abstraktionen und Generalisierungen dieses konkreten Erlebens, die für alle Mitglieder einer bestimmten Kultur offen zugänglich sind. Als Basis-Schemata bezeichnet Shore stark abstrahierte Modelle, die von den Mitgliedern einer Kultur meist völlig internalisiert sind und in sehr heterogenen Lebensbereichen wirksam sind. Diese drei Bereiche (konkretes Erleben, institutionalisierte Modelle und Basis-Schemata) beeinflussen sich wechselseitig durch Assimilation und Akkomodation (vom konkreten Erleben zum institutionalisierten Modell zum Basis-Schema und umgekehrt).
Erst durch Erinnern und bedeutungssuchendes Analogiebilden des einzelnen Individuums und erst durch sein Handeln in der Welt
werden kulturelle Modelle konkret wirksam. Somit wird der dynamische Aspekt von Kultur betont.
3. Kultur in der Psychologie
Honold (2000) beschreibt verschiedene Forschungstraditionen, die sich unterschiedlich mit dem Konzept "Kultur" auseinandersetzen:
a. die kulturvergleichende Psychologie, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Vertretern verschiedener Kulturen untersucht und versucht, diese auf Ursachen und Wirkungszusammenhänge zurückzuführen, b. Kulturpsychologie, die zum Ziel hat, die Wechselwirkungen zwischen Individuum und spezifischem kulturellem System zu verstehen, und
c. interkulturelle Psychologie, die interkulturelle Überschneidungssituationen mit den daraus resultierenden Fragestellungen untersucht.
a.) Kulturvergleichende Psychologie
Innerhalb der kulturvergleichenden Psychologie wird Kultur als externe Variable betrachtet, die das Verhalten von Menschen in verschiedenen Ländern beeinflusst. Die Welt wird als großes Labor betrachtet, das unterschiedliche Bedingungen für vergleichbares Verhalten (etwa Erziehung oder Führungsverhalten) schafft. Somit kann Kultur Unterschiede im Verhalten erklären und vorhersagen. Die kulturvergleichende Psychologie versucht, die kausal wirkenden Faktoren zu isolieren, um Kultur auf ein Bündel messbarer Variablen zurückzuführen. Dieser Annahme liegt zugrunde, daß es universale Gesetzte des menschlichen Wahrnehmens, Denkens, Verstehens und Handelns gibt, die sich wissenschaftlich ermitteln lassen. Die kulturvergleichende Psychologie hat sich v.a. mit der kulturellen Angemessenheit verschiedener Erhebungsmethoden beschätigt.
b.) Kulturpsychologie
Die Kulturpsychologie bricht mit der empirischen Tradition der kulturvergleichenden Psychologie und hebt die Trennung von Kultur und Individuum auf. Es wird angenommen, daß Kultur und Geist sich gegenseitug durchdringen und jedes Verhalten unausweichlich kulturell ist. Der Versuch, Kultur von Verhalten zu isolieren, ist sinnlos, denn Menschen ohne Kultur sind nach Ansicht der Kulturpsychologie undenkbar.
Das Ziel der Kulturpsychologie besteht darin, ein analytisches Modell zu entwickeln, daß die Wechselwirkung zwischen "intentionalen Menschen" und "intentionaler Welt" erfasst. Es wird nicht davon ausgegangen, daß die Grundlagen menschlichen Lebens von Natur aus festgelegt sind. Vielmehr wird die Psyche als etwas betrachtet, das mit der Umwelt in Interaktion steht und sich durch die Auseinanderetzung mit den mentalen Repräsentationen der umgebenden Welt auch verändert. Die Kulturpsychologie ist eher auf das Verstehen als auf das Vorhersagen von Verhalten ausgerichtet, wobei auch ein Vergleich zwischen Kulturen durchgeführt wird, da das Fremde immer nur in Abgrenzung zum Eigenen erkannt werden kann (Boesch, 1996; zitiert nach Honold, 2000).
c.) Interkulturelle Psychologie
Nach Thomas (1996; zitiert nach Honold, 2000, S.28) versteht man unter interkultureller Psychologie "... die Analyse psychischer Bedingungen, Verlaufsprozesse und Wirkungen menschlichen Erlebens und Verhaltens in Sonder- und Grenzsituationen, ..., die dadurch gekennzeichnet sind, daß Menschen aus verschiedenen Kulturen bedeutsam füreinander werden und eventuell einander begegnen. Analysiert und beeinflußt werden sollen dabei die verhaltenssteuernden, psychologisch relevanten Prozesse wie beispielsweise Wahrnehmungsvorgänge, Informationsverarbeitungs-, Bewertungs-und Urteilprozesse,
Attributionen, Emotionen in ihrem jeweils kulturspezifischen Einfluß auf
Arbeit zitieren:
Thomas Vöhringer-Kuhnt, 2002, Kulturelle Einflüsse auf die Gestaltung von Mensch-Maschine Systemen, München, GRIN Verlag GmbH
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