Geltung zu verschaffen. In ihm ist Platz für eine Vielfalt der Meinungen, die es in offener Diskussion zu klären gilt.
Uns in diesem Grundsatz zusammenzufinden und seine Aussagen als Lebensform zu verwirklichen, ist die gemeinsame Aufgabe. Die Bewegtheit dieser Tage darf nicht ohne guten Gewinn bleiben. REDEANALYSE ZU GUSTAV HEINEMANN [Oberstufenklausur (überarbeitet); Note: 2]
Der Justizminister Gustav Heinemann hielt am 14.4.1968 eine Rede um die Situation in diesem Jahr ein wenig zu entspannen. Dieser Rede waren ein Attentat auf den Studentenführer Rudi Dutschke und Aktionen gegen den Springer - Konzern vorangegangen. Heinemann beginnt seine Rede, indem er zur Besinnung aufruft und die Bevölkerung bittet von Anklagen abzusehen. Er weist darauf hin, daß die Schuld für die vorangegangenen Aktionen nicht nur bei einer Partei zu suchen ist. "Wer mit [...] dem Zeigefinger [...] zeigt, sollte daran denken, daß [...] zugleich drei andere Finger auf ihn selbst zurückweisen." Vielmehr sucht Heinemann in seiner Rede nach den Ursachen, die zu diesen Gewalttaten geführt haben. Um allen die Ausmaße der Situation klar zu machen, benutzt er eine Klimax "[...] und daß Demonstranten sich in Gewalttaten der Verwüstung bis zur Brandstiftung verloren haben." In dem vorangegangenen Satz, in dem Heinemann die Ursachen auch bei den älteren Mitmenschen, nicht nur bei der Jugend sucht, sind eine indirekte rhetorische Frage, ein Parallelismus und ein Appell vorhanden "[...] daß wir uns alle zu fragen haben, was wir [...] dazu beigetragen haben könnten [...]" Der Redner verstärkt die Aussage dieses Absatzes durch Epiphern "[...] zu fragen haben, [...] beigetragen haben, [...] verloren haben." Auch im übernächsten Absatz benutzt Heinemann wieder rhetorische Fragen (Z. 16 ff.), in denen er seine Mitbürger auffordert auch junge Menschen und deren Kritik wahr und ernst zu nehmen. Um dies zu unterstreichen benutzt er eine Anapher : „Heißt das nicht ...haben? Heißt das nicht ...wird?“ Anschließend betont er , daß Besserungen nur gelingen können, wenn beide Seiten sich beruhigen. Diese Aussage wird durch eine Correctio stark betont: „Gefühlsaufwallungen sind billig, aber nicht hilfreich - ja sie vermehren die Verwirrung.“ Heinemann verweist darauf, daß nichts so sehr geboten ist wie Selbstbeherrschung - bei allen (Z. 24).
Mit dem nächsten Absatz beginnt auch neuer Teil der Rede. Im vorherigen Teil geht Heinemann mit Verständnis auf die Menschen und ihre Gefühle ein. Im nachfolgenden Teil befasst er sich mit der Gesetzesgrundlage und die dringende Notwendigkeit eine Lösung zu finden, während er versucht den Studenten andere Möglichkeiten aufzuzeigen. Den ersten Satz dieses zweiten Teils beginnt Heinemann mit einer Personifikation, die gleichzeitig auch eine Metapher ist: „Das Kleid der Freiheit ...“ [Im nächsten Satz gibt es ein Heniadyoin. (Anmerkung des Lehrers: Würde ich nicht sagen: Die Begriffe gehören zwar zusammen, sind aber nicht synonym!).] Die Repetitio von P olizei und Justiz im nächsten Satz verweist der Redner verstärkt darauf, wessen Aufgabe es ist, die Gesetze durchzusetzen. Der folgende Satz hätte durch einen Chiasmus statt des hier vorhandenen Parallelismus eine Verstärkung erfahren können (Z. 32 - 34). Noch einmal verweist der Sprecher auf die Sinnlosigkeit der Gewalt. Heinemann betont wiederholt auf das Recht auf Demonstration und freie Meinungsäußerung, jedoch auch, daß dies friedlich ablaufen sollte. Diese Aussage unterstreicht er wieder mit einer Antiklimax, bzw. Klimax: „... gemeines Unrecht und eine Dummheit...“, „Ausschreitungen und Gewalttaten...“ Heinemann verweist die nun direkt angesprochenen Studenten darauf, daß gerade sie, die politisch bewegt sind, dies begreifen müßten und darum zur Selbstbeherrschung zurückfinden sollten. Hier fällt wieder das Stichwort Selbstbeherrschung. Der Justizminister führt das Grundgesetz an und betont, daß es genug Raum gibt, für alle Meinungen, die in friedlicher Diskussion zu
besprechen sind. Der nächster Satz z eigt die Intention des Redners deutlich auf: „Uns in diesem Grundgesetz zusammenzufinden und seine Aussagen als Lebensform zu verwirklichen, ist die gemeinsame Aufgabe.“ Dieser Appell zeigt besonders deutlich, wie viel dem Redner daran liegt, eine friedliche, gemeinsame Lösung zu finden und gemeinsam einen freiheitlich - demokratischen Staat aufzubauen. Das Wort „gemeinsam“ prägt sich besonders ein, da vorher die Studenten immer als einzelne Gruppe betrachtet wurden. Heinemann zeigt jedoch ein gemeinsames Ziel auf, das nur zu erreichen ist, wenn die Gewalt aufhört. Der letzte Satz („Die Bewegtheit dieser Tage darf nicht ohne guten Gewinn bleiben“) ist ein stärkerer Appell als die vorangegagenenen. Ein Gewinn wäre eine gemeinsame Lösung, mit der alle zufrieden wären. Dieser Appell zeigt noch einmal überdeutlich, wie wichtig es ist, daß eine Einigung erzielt wird.
Zum Aufbau der Rede ist zu sagen, daß sie zweigeteilt ist. Teil eins geht von Zeile 1 bis 26, der zweite Teil von Zeile 26 bis 54. Die letzten ¾ (ab Zeile 32) des zweiten Teils bestehen fast ausschließlich aus Appellen. Diese Appelle unterstützen die Aussage der gemeinsamen Aufgabe. Auch die Rede endet mit einem Appell, der wieder deutlich auf die Intention des Redners eine Veränderung hinweist.
Die Brisanz der damaligen Situation ist in dieser Rede wiederzufinden.
Arbeit zitieren:
Jessica Hoischen, 2001, Redeanalyse zu Gustav Heinemann, München, GRIN Verlag GmbH
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Schüler
Was ist mit der Absicht und der Wirkung auf den Leser.
Guten Tag,
meines Erachtens hat diese Arbeit bei weitem nicht die Schulnote "2" verdient denn das Wichtigste fehlt:
Welche Wirkungen erzeugt der Autor mit der Rede beim Leser?
Was für Absichten ergeben sich daraus?
et cetera!
am Monday, September 25, 2006-