Das eigentlich Geschmacklose an diesem Spiel sind aber die Zwischentexte. Als Beispiel sei hier nur einer genannt: „Als ihre SS - Soldaten gestern wieder an den neuen Gefangenen herumexperimentierten, bemerkten sie bei einem Juden ein sehr sonderliches Verhalten. Der Jude machte den Eindruck drogenabhängig zu sein. Intensive Forschungen ergaben, dass er Zyklon B abhängig war. Er erzählte uns, dass er im vorherigen Lager einmal vergast werden sollte. Da er aber aus einer türkischen Ecke Jerusalems stammte, war er gegen alles immun. Darüber hinaus ist er nun schon so abhängig, dass er eine ernste Gefahr für unsere Zyklon B - Reservelager ist. Es könnte ja sein, dass er sich heimlich an Lagereigentum vergreift.“³
Was - wenn man einmal von dem ekelerregenden Antisemitismus absieht - ich persönlich für interessant halte ist, dass der Programmierer, im Gegensatz zu anderen Publikationen, aus dem rechtsradikalen Dunstkreis , die Verbrechen an den Juden nicht nur nicht leugnet, sondern sich ihrer sogar rühmt! Meiner Meinung nach richtet sich dieses Spiel überwiegend an die zehn- bis fünfzehnjährigen, die auf diese Weise NS - Jargon, Rassenhaß, Sadismus und Mord kennen- und „schätzen“ lernen. 3. Film und Fernsehen
Zunächst einmal sollte man - wieder einmal - festhalten, dass die ersten, welche diese Art der Propaganda für sich entdeckten und professionell ausnutzten, die Nationalsozialisten waren. Unter der Führung von Reichspropagandaminister Goebbels wurden dem Publikum mit Hilfe von Wochenschau und Propagandafilmen nationalsozialistischen Inhalte nähergebracht. Das Muster, nach dem dies geschah, möchte ich hier an drei völlig unterschiedlichen Filmen zeigen.
„Der ewige Jude“ ist, wie sein Regisseur Fritz Hippler nach dem Krieg selbst zugibt, die „Negation alles Humanen“ (allerdings sprach er bei der Uraufführung von einer „Symphonie des Grauens“). Dieser Film, der sich als Dokumentation ausgibt, sollte die Endlösung der Judenfrage im Volk des dritten Reiches vorbereiten, da damals noch viele Deutsche gegen eine gewalttätige Verfolgung der Juden waren. Also bezeichnete man sie in dieser „Dokumentation“ einfach als die Ratten der Menschheit, welche, wie die gleichnamigen Tiere, alle möglichen Krankheiten übertragen und als Parasiten leben, sich auch überall einnisten und zum Beispiel das deutsche Kulturempfinden mit ihrem perversen Geschmack, welcher nur daher kommt, dass sie eine totale „Mischrasse“ sind und keinen Sinn für Schönes haben, herunterziehen. Laut „Der ewige Jude“ versuchen sie ihre wahre Identität vor Anderen zu verbergen, um das deutsche Volk zu infiltrieren. Besonders grausam sind die Schächtszenen, die dazu dienen, dem Zuschauer die Brutalität der Juden zu zeigen, und gleichzeitig zu betonen, dass der tierliebende Deutsche zu so etwas gar nicht fähig wäre.
Durch Ansprechung der primitivsten Triebe des Menschen wird hier Hetze gegen die Juden gemacht. Abschließend möchte ich noch sagen, dass dieses üble Machwerk zu Recht verboten ist, trotzdem muss ich aber leider festhalten, dass Raubkopien dieses Films in der rechtsextremen Szene Kultstatus erlangt haben.**
In „Ich klage an“ geht es um etwas ganz anderes. Hier sollte der vor allem in kirchlichen Kreisen immer noch starke Widerstand gegen aktive Sterbehilfe aufgebrochen werden . Ein Arzt gibt seiner Gattin, welche unheilbar an
Multiple Sklerose erkrankt ist, auf deren intensives Bitten hin einen tödlichen Trank. Im darauffolgenden Mordprozess gegen den Doktor wird dem Publikum durch dessen Verteidigung Euthanasie nähergebracht. Dann musste man mit Hilfe der Propaganda den Leuten nur noch einreden, dass man geistig Behinderte ebenfalls von ihrem Leiden und lebensunwerten Leben erlösen muss. Laut Goebbels dienten diese Filme nur dazu, ihnen die Liquidierung dieser Menschen psychologisch zu erleichtern.
Die große Mehrheit der in Hitlerdeutschland produzierten Filme waren Komödien. In „Hauptsache glücklich“ spielt Heinz Rühmann einen kleinen Angestellten, der von seinen Vorgesetzten ständig schikaniert wird und der herausfindet, dass sie die Firma mit gefälschten Spesenabrechnungen betrügen. Schließlich geht er zum Direktor und erzählt ihm mit dem Mut der Verzweiflung von der Korruption und den Schikanen seiner Vorgesetzten. Der Direktor zeigt sich erschüttert. Die korrupten höheren Angestellten werden gefeuert, Rühmann selbst wird befördert.
Die Botschaft des Films ist so einfach wie raffiniert. Der Hass der Bevölkerung auf die Bonzen der Nazis wird in das u nverfängliche Klima eines Betriebes übertragen. Der Direktor, der als Metapher für den Führer dient, weiß nichts von ihrem Treiben, aber als er schlußendlich doch davon erfährt, reagiert er sofort. Damit wollte man den Zusehern einreden, dass der Führer ja sofort helfen würde, aber leider weiß er vieles von den Problemen der einfachen Menschen nicht. Aber wenn er es erfährt, dann wird er mit der Korruption aufräumen, und zwar gleich! ***
Alles in allem sind die Komödien bisher zu Unrecht von der Forschung in dieser Beziehung vernachlässigt worden. Denn gerade weil niemand bei solchen Filmen damit rechnet, eignen sie sich besonders gut, um politische Inhalte zu transportieren. 4. Jugendkultur
Immer wieder kommt es vor, dass Horrormeldungen in den Medien dringenden Handlungsbedarf, was die Gewalttätigkeit unserer Jugendlichen betrifft, suggerieren. Diese Schlagzeilen sind hervorragend für den Kulturkampf gegen rebellische Teenager geeignet. Vergessen wird dabei nur, dass gerade junge Menschen sehr sensibel a uf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren, und
letztlich lediglich das, was sie in der Welt der Erwachsenen sehen, auf die Spitze treiben. Als Beispiel möge hier der sogenannte „Rechtsrock“* der 80er und 90er Jahre dienen.
Am Anfang desselben stand der Punk. Dessen Vereinnahmung, welche ihn immer kompatibler mit der Gesellschaft machte, bewirkte auch, dass nicht alle Punks so enden wollten. Viele von ihnen wurden zu Skinheads, die Gewalt spielte von Anfang an eine wichtige Rolle. Die Mehrheit waren männliche Jugendliche aus der Arbeiterklasse. Doch wenn es zu Schlägereien bei den Konzerten kam, waren meist unpolitische Faktoren der Auslöser. Aber gerade deshalb waren sie ein Seismograph der damaligen Gesellschaft. Der Rassismus feierte damals fröhliche Urständ´ an den Stammtischen, in den Medien, aber vor allem in der Politik Margaret Thatchers. In deren Windschatten konnten neonazistische Gruppen wie die „National Front“ kleinere Erfolge verbuchen.
Die 1986 von Nick Crane gegründete Musikerorganisation „Blood & Honour“ hatte im Jahre 1994 ungefähr 4000 Mitglieder vor allem in Großbritannien, Deutschland, Italien und Schweden.** Sie stellt demnach eine Minderheit dar, ist allerdings aufgrund ihrer Militanz nicht zu unterschätzen. Ihre wichtigsten Sprachrohre seien hier kurz erwähnt:
- In Großbritannien ist es die Band „No Remorse“ (Keine Reue). Sie wurde 1986 gegründet, und ruft seither zum Terror gegen Gegner, sowie zu Mordanschlägen gegen Nicht - Weiße auf, weil sie ihr Land und ihre Rasse verteidigen, sowie die Wahrheit des Nationalsozialismus durchzusetzen.
- In den USA kann man die Rockgruppe „Bound For Glory“ als wichtigste Sprecher von „Blood & Honour“ bezeichnen. Sie wurde 1989 in St. Paul gegründet, und bezeichnet ihre Musik als „weißen revolutionären Reich´n´Roll“. Sie hält Kontakt zur „White Aryan Resistance“, sowie zu einigen anderen rechtsextremen Gruppierungen. Die Mitglieder von „Bound For Glory“ verstehen sich als „revolutionäre Nationalsozialisten“.³
Abschließend muss man noch sagen, dass die derzeitige Strategie der Justiz mit ihren Indizierungen eher nach hinten losgeht, da sich durch die Aura des Verbotenen ein regelrechter Mythos um manche dieser Gruppen aufbaut (ein gutes Beispiel hierfür i st „Störkraft“, deren Musik erst nach einem Spiegel -Interview bekannt wurde, so dass schlussendlich wirklich 14jährige die Kaufhäuser stürmten, auf der Suche nach der „ultraharten Nazi - Band“). „Rechtsrock“, dessen Fans früher eine Minderheit waren (Klaus Farin sagt in diesem Zusammenhang, dass er eine stabile Fangemeinde von maximal 5000 Jugendlichen hatte) wurde so durch oberflächliche, schlampig recherchierte
Berichterstattung in den Zeitungen und im Fernsehen zum Massenphänomen aufgebauscht.
Arbeit zitieren:
Udo Seelhofer, 2001, Politische Propaganda in den modernen Medien, München, GRIN Verlag GmbH
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Susanne Terwey
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hi!.
gute arbeit!
am Tuesday, May 27, 2003-