1. Einleitung
Das Thema dieser Arbeit ist Quartierentwicklung. Durch meine Arbeit im Gemeinschaftszentrum Grünau kam ich mit Quartierentwicklung in Kontakt. Das Gemeinschaftszentrum bezeichnet seine Arbeitsweise mit „Quartierentwicklung“. Unter diesem Begriff kann man sich viel vorstellen, deshalb wird versucht der Begriff Quartierentwicklung einzugrenzen. Hierzu haben mir verschiedene Publikationen zum Thema Gemeinwesenarbeit nützliche Informationen geliefert. Nachdem der Begriff eingegrenzt ist, kann eine Methodenauswahl vorgenommen werden. Hierzu habe ich mich vor allem auf die Methodenauswahl von Spierts (1998) gestützt, die er im Zusammenhang mit der Soziokulturellen Arbeit benennt. Nachdem auch die Methoden eingegrenzt worden sind, werden die Methoden, die für die Quartierentwicklung wichtig sind, auf die Interventionspositionen der Soziokulturellen Animation bezogen (Moser, Müller, Wettstein & Willener, 1999). Im letzten Teil werden am Beispiel, der Aktivitäten im Jugendtreff des Gemeinschaftszentrums Grünau, die Interventionsmöglichkeiten abgeleitet und den verschiedenen Interventionspositionen zugeordnet. Auch ein Projekt wird geschildert und die Aktivitäten auf die Interventionspositionen bezogen. Mein besonderes Interesse an der Verbindung von Jugendarbeit und Quartierentwicklung besteht darin, dass ich in den letzten zwei Jahren im Gemeinschaftszentrum Grünau im Bereich der Jugendarbeit tätig war.
2. Quartierentwicklung aus der Sicht der Soziokulturellen Animation
Um zu verstehen, was der Begriff Quartierentwicklung beinhaltet, ist es nötig den Blick zuerst auf die Gemeinwesenarbeit zu richten. Was ist Gemeinwesenarbeit? Gemeinwesenarbeit wird als Arbeitsprinzip verstanden. Dazu Oelschlägel: „Das Arbeitsprinzip GWA bezieht sich mit seinen Strategien auf ein „Gemeinwesen“, d. h. auf einen Ort (zumeist eine sozialräumliche Einheit: Quartier, Institutionen o. ä.), wo die Menschen und ihre Probleme aufzufinden sind. GWA als Arbeitsprinzip hat eine ganzheitliche und dialektische Betrachtungsweise; ihre Arbeitsgrundlage sind die Lebensverhältnisse, Lebensformen und Zusammenhänge der Menschen“ (1985, zit. in Schulze, 1993, S. 265- 266). Schulze bezieht sich auf die Gemeinwesenarbeit in den Soziokulturellen Zentren: „Übertragen auf die Soziokulturellen Zentren soll nach dieser Definition von GWA nunmehr analytisch unterschieden werden: zwischen gleichsam „von selbst“, ungeplant, vielleicht sogar ungewollt allein durch ihre
Existenz im Sozialraum auf das Gemeinwesen treffenden Auswirkungen (z. B. Verkehrslärmbelastungen im Quartier, die durch den Veranstaltungsbetrieb eines Zentrums ausgelöst werden oder eine Aufwertung des Viertels, die dann zu Mietpreissteigerungen führt) und einer bewussten Hinwendung auf Interessen, Bedürfnisse und Lebenslagen der Menschen im Wirkungsbereich durch die professionellen Fachkräfte der Zentren, ihre Trägervereine oder durch die dort arbeitenden Initiativen und (Selbsthilfe-) Gruppen. Allein diese Hinwendung wird hier als Gemeinwesenarbeit bezeichnet“ (Schulze, 1993, S. 266). Die Hinwendung auf die Interessen, Bedürfnisse und Lebenslagen der Bewohner eines Quartiers oder der Benützer/innen eines Gemeinschaftszentrums, das wird als Arbeitsprinzip Gemeinwesenarbeit verstanden. Diese Hinwendung zu der Lebenswelt der Beteiligten hat auch die Soziokulturelle Arbeit. Deshalb bezeichnet Spierts (Spierts, 1998, S. 190) die Gemeinwesenarbeit als ein Fokussierungsgebiet der Soziokulturellen Arbeit. Doch gibt es auch Unterschiede, die beachtet werden müssen, wenn die Gemeinwesenarbeit aus der Sicht der Soziokulturellen Arbeit und Animation betrieben werden will. Die Unterschiede bestehen in der Tatsache, dass sich die Gemeinwesenarbeit auf die Arbeit an sozialen Brennpunkten, d. h. in unterversorgten Quartieren stattfindet und auf benachteiligte Gruppen beschränkt ist. Zum Zweiten darin, dass der Einbezug der Betroffenen nicht obligatorisch ist. Doch sind die Überschneidungen als grösser, als die Unterschiede (Moser, Müller, Wettstein & Willener, 1999, S. 33). Demzufolge muss einer der Unterschiede zur Gemeinwesenarbeit sein, wenn sie aus der Sicht der Soziokulturellen Animation betrieben werden will: 1. die Arbeit ist nicht nur auf benachteiligte Quartiere beschränkt. 2. die Betroffenen müssen miteinbezogen werden. Interessant ist vor allem der zweite Unterschied. Nämlich die Beteiligung der Betroffenen an der Arbeit der Fachleute. Spierts sieht das Hauptziel der Gemeinwesenarbeit bei der Selbstorganisation. Nach dem Positionierungsvorschlag von Moser, Müller, Wettstein und Willener (Moser, Müller, Wettstein & Willener, 1999, S. 38) sehen sie die Hauptziele der Animation im Bereich der Partizipation und Selbstorganisation. Hier wird der Begriff Partizipation erwähnt. Diese zwei Begriffe, Selbstorganisation und Partizipation, sind die Schlüsselbegriffe, wenn es darum geht, Gemeinwesenarbeit mit einer Soziokulturellen Brille zu betreiben. Doch ist die Gemeinwesenarbeit nicht stehen geblieben. Vielfach wird das Arbeitsprinzip der Gemeinwesenarbeit einfach anders genannt. Im Editorial des Sozialmagazins (Jg. 25, Heft 4, April 2000, S. 16) wird die
aktuelle Diskussion um die Gemeinwesenarbeit aufgegriffen. Der Artikel fragt provokativ, ob die Gemeinwesenarbeit ein
Auslaufmodell ist und kommt zum Schluss, dass die neuen Methoden eine Weiterentwicklung der Gemeinwesenarbeit sind, einfach mit einem anderen Namen. Dazu Manderscheid: „Koevolution von Selbstorganisationsprozessen im Stadtteil als Dienstleistungsangebot lässt sich nicht eindeutig in die in der Fachliteratur diskutierten Konzepte der Gemeinwesenarbeit (GWA) einordnen. Zuordnen kann man es zwischen Ansätzen von Stadtteilarbeit / -koordination und Community Organisation (Manderscheid, 1997, S. 264). Hier wird der Unterschied auch im Bereich der Selbstorganisation geortet. Diese stellen auch eines der Hauptziele der Animation dar. Auch bei der Animation wird Wert auf Selbstorganisation gelegt, was nichts anderes bedeutet als Mitbeteiligung an der Gesellschaft, also Partizipation.
2.1. Methoden
Nachdem die Begriffe Selbstorganisation und Partizipation im Zentrum stehen, kommt die Frage auf: “ Welche Methoden fördern die Selbstorganisation der Bewohner/innen des Quartiers und der Besucher des Gemeinschaftszentrums?“. Zuerst sollen allgemeine Methoden der Quartierentwicklung bzw. der Gemeinwesenarbeit geschildert werden. Wie schon festgestellt worden ist, sind einige Gemeinsamkeiten zwischen der Soziokulturellen Arbeit und Animation und der Gemeinwesenarbeit bekannt. Spierts sieht auch einige gemeinsame Methoden: “Seit dem Aufkommen der sozialen Erneuerung Ende der 80-er Jahren haben die soziokulturelle Arbeit und die Gemeinwesenarbeit angefangen, wieder vermehrt gemeinsame Wege zu gehen. In vielen lokalen Situationen sind die beiden zusammen die treibende Kraft hinter der Quartierverwaltung (-pflege). Auch hat innerhalb der Soziokulturellen Arbeit die Aufmerksamkeit für spezifische Arbeitsmethoden der Gemeinwesenarbeit zugenommen (Spierts, 1998, S. 212). Doch welche Methoden sind damit gemeint?
2.2. Die methodisch - agogischen Grundformen
Spierts (1998, S. 122) bietet eine Methodenauswahl an, die den Gemeinwesenaufbau aus dem Blickwinkel der Soziokulturellen Arbeit betrachtet. Um diese Methoden zu verstehen, ist es zuerst nötig einen Blick auf methodisch - agogischen Grundfor- men zu werfen. Die Grundformen werden folgendermassen eingeteilt.
2.2.1. Arrangieren
Beim Arrangieren geht es um die Schaffung optimaler Situationen, z. B. für das Lernen oder die Erholung. Doch bezieht sich das arrangieren von Situationen auch auf die anderen Grundformen des Handelns. Auch beim Unterricht, beim Informieren oder bei der Beratung ist ein auf die Situation abgestimmtes Arrangement sinnvoll (Spierts, 1998, S. 122).
2.2.2. Animieren
Bei der Grundform Animation geht es darum, die Benützer/innen dahingehend zu animieren, ein Arrangement zu nutzen, das heisst Arrangement und Animation bedingen sich gegenseitig (Spierts, 1998, S. 123).
2.2.3. Informieren
Beim Informieren sollten die Teilnehmer über die Ziele der Institution informiert werden. Die Institution nimmt aber auch Informationen auf, mittels Gesprächen mit den Bewohner/innen des Quartiers und den Benutzer/innen des Gemeinschaftszentrums auf (Spierts, 1998, S. 123).
2.2.4. Beraten
Beim Beraten sollen sich die Beratungen einerseits an Gruppen richten, um Know -How zu vermitteln, andererseits kann die Beratungsform auch für Probleme eingesetzt werden. Wobei beachtet werden muss, dass, wenn der Animator/in nicht über das entsprechende Wissen verfügt, die Beratungsformen der Weitervermittlung und Überweisung in Anspruch genommen werden müssen (Spierts, 1998, S. 124).
2.2.5. Unterrichten
Die Grundform des Unterrichts bezieht sich einerseits auf die ausserschulische Unterstützung, jedoch auch auf darauf, dass die teilnehmenden Personen befähigt werden, ihre Anliegen, ihre Sorgen und ihre Wünsche anmelden und durchsetzen können. Alle diese Grundformen können in allen vier Fokussierungsgebiete angewendet werden (Spierts, 1998, S. 124).
2.3. Die Grundformen in der Gemeinwesenarbeit
Nun müssen die Grundformen auf die Gemeinwesenarbeit bezogen werden. Die Grundform, die besonders benötigt wird, sieht Spierts (Spierts, 1998, S. 214)
vor allem in der Grundform Arrangieren. Bei der Gemeinwesenarbeit steht die Selbstorganisation im Vordergrund, deshalb sieht Spierts die Grundform des Arrangierens mit den Grundformen des Beratens und der Information verbunden. Daraus ergeben sich die Methoden.
2.3.1. Arrangieren
Für das Fokussierungsgebiet des Gemeinwesenaufbaus wird vor allem die Grund-form Arrangieren beansprucht. Spierts meint dazu: „Bei der Grundform Arrangieren im Sektor Gemeinwesenarbeit liegt die Betonung auf Organisation, genauer, auf Unterstützung der Bewohner/innen- und Interessengruppen bei der Selbstorganisation und der Organisation ihrer Basis (Anhängerschaft)“ (S. 214). Die Benutzer/innen sollen mittels dem Arrangement zur Selbstorganisation animiert werden (Spierts, 1998, S. 214).
2.3.2. Beraten
Ist Selbstorganisation oder Interessenvertretung das Ziel, ist die Grundform des Arrangieren verbunden mit den Grundformen der Beratung und der Information. Spierts teilt in drei Beratungsformen ein. Die sozial - organisatorische Beratung, die strategische Beratung und die Bildungs- und Erziehungsberatung. Die sozial - organisatorische Beratung bezeichnet vor allem die Gruppenarbeit mit Initiativgruppen, die interne und externe Netzwerkentwicklung. Die strategische Beratung bezeichnet die Wahl der Ziele, die Planung, das Vorgehen bei Beschlüssen und Verhandlungen. Die Bildungs- und Erziehungsberatung zielt darauf ab, dass die Bewohner/innen ihre Anliegen selbstständig benennen und vertreten können. Werden dazu Training und Kurse benötigt, damit die Personen die entsprechenden Kompetenzen erlangen, wird die Grundform Unterricht für den soziokulturellen Bereich interessant (Spierts, 1998, S. 215).
2.3.3. Information
Die Grundform Information bezieht sich auf die Beschaffung, die Analyse und die Weitergabe der Informationen. Die Grundform Information bezieht sich somit auf das Monitoring. Spierts zum Monitoring: „Sie (Soziokulturelle Arbeit) wartet nicht immer bis zum Augenblick, da Interessengruppen um Unterstützung anklopfen, sondern macht auch selber Defizite in den Umgebungsbedingungen ausfindig und entwickelt Massnahmen und Projekte, womit diese Defizite bekämpft werden können. Um diese
Aufgabe der gesellschaftlichen Formgebung und „sozialen Architektur“ erfüllen zu können, ist ein permanentes Monitoring erforderlich, dass heisst die Beschaffung, Analyse und Weitergabe von Informationen über das Arbeitsgebiet, wobei der gesellschaftliche Kontext jeweils einkalkuliert werden muss“ (Spierts, 1998, S. 212). Hier stellt Spierts verschiedene Informationsflussrichtungen fest. Eine Flussrichtung stellt der Informationsfluss von den Bewohner/innen zu den Fachleuten dar. Dies ist die Beschaffung. Nimmt die Information den umgekehrten Weg, von den Fachleuten zu den Bewohner wird die Weitergabe der Information gemeint. Die Analyse bezeichnet die Auswertung der Informationen und wird meist von den Fachleuten durchgeführt. Ein Bericht im Sozialmagazin stellt eine Art der Informationshandhabe für die Beschaffung und der Weitergabe vor (Jg. 25, Heft 4, April 2000, S. 34). • Persönliche Bekanntmachung durch: -Selbstdarstellung (door knocking)
• Information durch: -Artikel in der Stadtteilzeitung
2.3.4. Netzwerke
Netzwerkaufbau ist eine wichtige Methode in der Gemeinwesenarbeit, sowie in der Soziokulturellen Arbeit. Kooperation und Information stehen im Vordergrund. Hier ist in erster Linie der Informationsaustausch zwischen Institutionen gemeint. „Die Basis aller Zusammenarbeit ist die gegenseitige Information: „Was gibt es Neues, was tun wir, - was tut ihr“ ist sinngemäss nicht zufällig der erste Tagesordnungspunkt der Treffen. Eine gegenseitige Transparenz über die Arbeitsinhalte und Arbeitsformen wird damit hergestellt. Dieser vielleicht banal erscheinende Informationsaustausch ist keineswegs selbstverständlich. Oft genug kommt es vor, dass unterschiedliche Einrichtungen über lange Zeit in dem gleichen Stadtteil arbeiten, teilweise gar mit den gleichen Zielgruppen und dabei wenig voneinander wissen“ (Sozialmagazin, Jg. 25, Heft 4, April 2000, S. 22). Hier wird der Informationsaustausch erwähnt. Im Beitrag „Quartierarbeit als neue Herausforderung für soziale Arbeit“ stellen die Autoren die
Kooperation in den Vordergrund: „Zentraler Bestandteil der Arbeit ist die Organisation der Kooperation unter den Trägern sozialer Dienste und anderer Organisationen (Vereine, Kirchgemeinden usw.) sowie die Zusammenarbeit mit politischen Entscheidungsinstanzen und kommunalen Dienststellen“ (S. 34). Doch gibt es verschiedene Arten von Netzwerken. Spierts teilt in vier Arten von Netzwerken ein (Spierts, 1998, S. 244).
Issue- Netzwerk (Thematisches Netzwerk)
Beim Issue- Netzwerk nehmen die Akteure gemeinsam ein aktuelles Problem oder eine kritische Angelegenheit in Angriff. Das Issue- Netzwerk besteht meist nur tem-porär. Nach Erreichen des Zieles kann das Netzwerk aufgehoben werden. Es besteht in der Regel aus formellen Gruppen und institutionellen Organisationen (Spierts, 1998, S. 244).
Organisationsnetzwerke
Dagegen weisen Organisationsnetzwerke häufig eine permanente Struktur auf. Die Zusammenarbeit verlangt eine grössere Regelmässigkeit und Kontinuität. Dies kann jedoch genutzt werden, um die Entwicklungen von neuen Dienstleistungen sowie das kreieren neuer Lösungen für ein Problem zu begünstigen. Diese Organisationsstruktur können Institutionen zur Zusammenarbeit nutzen, sowie auch Initiativen und Organisationen der Quartierbewohner (Spierts, 1998, S. 245).
Soziale Netzwerke
Beispiele sozialer Netzwerke sind Nachbarschaftsnetzwerke, Freundeskreise, Teilnehmer/innen an Aktivitäten innerhalb eines Dienstleistung- oder Gemeinschaftszentrum usw. Zu Beachten ist das Verhältnis zwischen Organisationsnetzwerken und sozialer Netzwerken. Beide sind abhängig voneinander. Die Organisationsnetzwerke benötigen die Informationen aus den sozialen Netzwerken, die sozialen Netzwerke hingegen benötigen vielfach den professionellen Rat der Institutionen d. h. der Rat der Organisationsnetzwerke (Spierts, 1998, S. 245).
Unterstützungsnetzwerke
Beispiele für Unterstützungsnetzwerke sind Selbsthilfegruppen, Dienste für Gelegenheitsarbeiten (Jobbus) und Beistandsgruppen. Meist handelt es sich um zeitlich be- fristete Gruppen (Spierts, 1998, S. 246).
Vergleicht man die verschiedenen Netzwerktypen, so fallen zwei Dinge auf. Das eine ist die Zusammensetzung der Gruppen, die entweder aus formellen Gruppen, aus institutionellen Organisationen, aus einzelnen Personen oder informellen Gruppen bestehen. Das andere bezeichnet die Länge der Zusammenarbeit. Es wird zwischen temporärer und permanenter Zusammenarbeit unterschieden (Spierts, 1998, S. 247).
Spierts erstellt folgendes Schema (S. 247).
2.4. Die Interventionspositionen
Die Grundformen Arrangieren, Beraten und Informieren, mit dem Ziel Selbstorganisation, sind die Grundformen, ergänzt durch die Vernetzungsarbeit, die in der Gemeinwesenarbeit beansprucht werden, das ist der Schluss aus Spierts Überlegungen (Spierts, 1998, S. 214). Nun kann dies auf die Interventionspositionen der Soziokulturellen Animation bezogen werden. Dazu muss jedoch wieder zuerst kurz die Interventionspositionen der Soziokulturellen Animation erläutert werden (Moser, Müller, Wettstein & Willener, 1999, S. 121). Die vier Positionen heissen Animator/in, Organi-sator/in, Mediator/in und Konzeptor/in. Der Interventionsposition des/der Animator/in bekommt bei diesem Modell eine zentrale Rolle zugesprochen. Es funktioniert sozusagen als Drehscheibe im Zentrum der anderen drei Positionen. Die Position Animation, ist immer mit einer anderen Position zu kombinieren. Jede Position hat ihre eigenen Mittel, Zwecke und Ziele. Wobei klar unterschieden wird, zwischen Zweck und Ziel. Daraus ergibt sich folgende Tabelle.
(Moser, Müller, Wettstein & Willener, 1999, S. 123)
2.4.1. Animator/in
Wie bereits erwähnt bekommt die Position des/der Animators/in eine Drehscheibenfunktion. Dazu Moser, Müller, Wettstein und Willener: „Zweck dieser Position ist es, mit entsprechenden Interventionen die Aktivierung von Individuen, Gruppen oder Gemeinschaften mit dem Ziel Selbsttätigkeit zu ermöglichen. Die konzeptionelle Ausrichtung entscheidet darüber, ob sich diese Aktivierung in einer Mitgestaltung der Lebenswelt, im schöpferischen Erproben kreativer Möglichkeiten oder im Versuch zur Veränderung und Verbesserung der Lebenslage“ (Moser, Müller, Wettstein & Willener, 1999, S. 128). Eng verbunden mit der Tätigkeit animieren ist die Handlungs-form „arrangieren“. Vergleichbar mit arrangieren sind die Begriffe „Setting“ oder „Design“. Ein Arrangement bezeichnet die institutionellen Voraussetzungen. Dabei können die Räume eines Jugendtreffs gemeint sein oder auch eine momentane Aktion (Moser, Müller, Wettstein & Willener, 1999, S. 128).
2.4.2. Organisator/in
Grosse Nähe zu der Position Animator/in hat die Position des/der Organisators/in. „Dabei geht es um eine unterstützende Intervention, die Individuen, Gruppen und Gemeinschaften ermöglicht, sich in unterstützenden Aktivitäten zu finden (Moser, Müller, Wettstein & Willener, 1999, S. 136). Das Ziel ist die Selbstorganisation der Gruppen und Individuen. Es wird auch zwischen Konsum- und Transfermodell unterschieden. In das Konsummodell werden z. B. Aktivität und Programm eingeteilt, in das Transfermodell Aktion und Projekt. Mit Aktivität wird der Besuch einer
Kulturveranstaltung umschrieben. Während die Aktion, die Organisation einer Kulturveranstaltung bezeichnet, welcher von einer Gruppe zusammen mit einem/einer Animator/in organisiert wird (Moser, Müller, Wettstein & Willener, 1999, S. 137).
2.4.3. Mediator/in
Bei der Position des/der Mediators/in handelt es sich um eine Schlüsselposition. Die Position bedient sich dem Mittel des Vermittelns. Dabei wird unterschieden zwischen Vermitteln als Problematisieren, Vermitteln als Übersetzen, Vermitteln als Interessenausgleich und Vermitteln als Konfliktlösen. Beim Vermitteln als Problematisieren sollen zwischenmenschliche Probleme in Gruppen frühzeitig erkannt und angesprochen werden. Es soll sich um eine seriöse Zustandsbeschreibung handeln, die nicht in Denunziation und Tratscherei ausarten soll. Diese Art des Vermittelns besitzt einen präventiven Charakter. Beim Vermitteln als Übersetzen soll zwischen Gruppen, zwischen Menschen und Verwaltung und zwischen Einzelnen und Gruppen vermitteln und in die jeweilige Sprache übersetzt werden. Vermitteln als Interessenausgleich soll eine zwischen den verschiedenen Lebenswelten der Menschen und deren Interessen einen Ausgleich finden. Diese Vermittlungstätigkeit bewegt sich zwischen Verhandlungslösungen und Schiedsgerichtverfahren. Beim Vermitteln als Konfliktlösung handelt es sich um die klassische Version des Vermittelns. Es wird vor allem beim Konflikt von zwei Individuen eingesetzt, doch gibt es auch Anwendungsmöglichkeiten für Gruppen (Moser, Müller, Wettstein & Willener, 1999, S. 145).
2.4.4. Konzeptor/in
Der/Die Konzeptor/in ist ein/e Forscher/in. Aufgrund von Bestandesaufnahmen und Funktions- und Wirkungsanalysen soziokultureller Einrichtungen werden Angebote und Projekte ausgearbeitet. Dazu müssen die erhobenen Daten ausgewertet werden. Genauso wichtig ist der direkte Kontakt zu den Schlüsselpersonen im Quartier. Auch diese Daten müssen verarbeitet und in Angebote und Projekte einfliessen (Mo- ser, Müller, Wettstein & Willener, 1999, S. 155).
2.5. Die Grundformen auf die Interventionspositionen bezogen
Diese Interventionspositionen gilt es nun in das Modell von Spierts einzufügen. Bei der Gemeinwesenarbeit sieht Spierts die Grundform Arrangieren mit den Grundformen Beratung und Information als wichtig an, welche je nach Sachlage auch durch die Grundform Unterricht ergänzt werden können.
2.5.1. Arrangieren
Spierts sieht in der Grundform Arrangieren vor allem die Organisation von Situationen, die die Bewohner/innen (Benützer/innen) zu Selbstorganisation animieren. Beim Modell von Moser, Müller, Wettstein und Willener ist arrangieren ein Mittel der Position Animator/in, dessen Ziel die Selbsttätigkeit ist. Das Ziel Selbstorganisation ist das Ziel der Position des/der Organisators/in. Deshalb ist in der Quartierentwicklung die zentrale Position der/die Organisator/in. In dieser Position mitzudenken ist immer die Position des/der Animator/in.
2.5.2. Informieren
Die Grundform Information kann in die Interventionspositionen Konzeptor/in und Me-diator/in eingeteilt werden. Das Sammeln, das Analysieren und die Weitergabe der Informationen befindet sich in der Position des/der Konzeptor/in und bezeichnet das Monitoring. Die Weitergabe der Informationen hat auch Elemente des/der Media-tor/in, weil die Daten in die Umgangssprache der Bewohner/innen und Benützer/innen übersetzt werden muss, und somit das Vermitteln als Übersetzten benötigt wird.
2.5.3. Beratung und Unterricht
Die Beratung und Unterricht können nicht grundsätzlich in eine Interventionsposition eingeteilt werden. In beiden Grundformen können alle vier Interventionspositionen beansprucht werden. In welcher Position die Intervention stattfindet, darüber entscheiden das Arrangement und die Ziele.
2.5.4. Vernetzungsarbeit
Hier müssen auch die verschiedenen Netzwerkstypen unterschieden werden. Orga-nisatorische Netzwerke sind in der Position des/der Konzeptors/in einzuteilen, weil es sich hier um die Koordination zwischen verschiedenen Bereichen eines Gemein- schaftszentrums geht oder es sich um die Koordination verschiedener Institutionen
im Quartier handelt. Hier werden die Angebote aufeinander abgestimmt, aber auch neue Angebote besprochen und konzipiert. Auch die Arbeit in einem Issue Netzwerke kann in die Position Konzeptor/in eingeteilt werden, weil in dieser Art des Netzwerkes die Entwicklung von Projekten im Vordergrund steht. Die Sozialen Netzwerke bezeichnen die Besucher eines Gemeinschaftszentrums. Soziale und Organisatorische Netzwerke bedingen sich gegenseitig, deshalb kann hier der Reibungspunkt (der die Intervention darstellt) zwischen den Netzwerken in zwei Positionen eingeteilt werden. Einerseits wird aus der Position des/der Mediator/in gehandelt, weil ein Vermitteln als Übersetzen nötig ist, um in die jeweiligen Umgangssprachen der Netzwerke zu übersetzen. Andererseits wird die Position Organisator/in benötigt, um die Selbstorganisation der Besucher/innen (Soziale Netzwerke) zu fördern. Unterstützungsnetzwerke können Selbsthilfegruppen sein, auch hier ist eine hohe Selbst-organisation vorhanden, darum ist die Position, die des/der Organisator/in.
2.5.5. Ort Gemeinschaftszentrum
Wenn die Quartierentwicklung in einem Gemeinschaftszentrum betrieben wird, kommt der Position des/der Mediators/in eine besondere Bedeutung hinzu. Eine ständige Vermittlung zwischen den verschiedenen Benutzergruppen ist nötig, um eine angenehme Atmosphäre zu schaffen (Spierts, 1998, S. 183).
3. Interventionsmöglichkeiten der Soziokulturellen Animation
Es wurden mögliche Methoden aufgezählt, um eine quartierorientierte Arbeitsweise zu betreiben. Die Methoden sind Arrangieren, Beraten, Informieren und Vernetzungsarbeit. Um die Methoden auf die Praxis zu beziehen, werden nun zuerst die bestehenden Institutionen und deren Funktionen und Aufgaben im Quartier Grünau aufgezählt. Der Blick gilt besonders jenen Institutionen, die sich an die Zielgruppe 13 - 18 Jahre wenden. Anschliessend werden die daraus resultierenden Netzwerke aufgezählt. Im nächsten Schritt wird der Betrieb im offenen Jugendtreff im Gemeinschaftszentrum Grünau geschildert. Die Tätigkeiten werden hierbei in die Interventionspositionen eingeteilt, und die daran beteiligten Netzwerke aufgezählt. Dieselbe Vorgehensweise wird beim Projekt gewählt, das anschliessend an die Ju- gendtrefftätigkeiten geschildert wird.
3.1. Institutionen
Gemeinschafszentrum Grünau
Das Gemeinschaftszentrum ist die Soziokulturelle Institution im Quartier. Es hat verschiedene Bereiche, die sich an verschiedene Altersgruppen richten. Daneben bietet es Raum an, für selbstorganisierte Gruppen. Die Bereiche sind wie folgt aufgeteilt: Jugend, Kinder, Kinder und Erwachsene, Integration, Kultur, Robinsonspielplatz, Werkstatt und Café. Die Bereiche sind mit verschieden hohen Stellenprozenten vertreten und präsentieren sich als Institution in einer Institution. Damit sind die verschiedenen Bereiche innerhalb des Gemeinschaftszentrums Grünaus ein Organisationsnetzwerk der Soziokulturellen Animation. Es findet einmal wöchentlich eine Teamsitzung statt, in der die verschiedenen Aufgaben geplant und koordiniert werden. Das Caféteam stellt einen Sonderfall dar, weil der Selbstorganisationsgrad in diesem Bereich sehr hoch ist, d. h. die Mitglieder des Teams sind Quartierfrauen, die den Betrieb führen. Ein Mitglied des Caféteams nimmt auch an den wöchentlichen Teamsitzungen teil. Somit ist dieses Team eigentlich ein Organisationsnetzwerk, das aus einer formellen Gruppe gebildet wird und durch die Teilnahme an der Teamsitzung eine direkte Verbindung zum Team des Gemeinschaftszentrums Grünau hat. Das Gemeinschaftszentrum hat fünf Räume, die den Benützer/innen angeboten werden. Dazu kommt der Robinsonspielplatz, der ca. 500 Meter entfernt vom Gemeinschaftszentrum ist. Die fünf Räume sind wie folgt aufgeteilt: Saal, Atelier, Café, Werkstatt und Jugendraum. Im Saal werden meistens Kinderveranstaltungen, wie Kinderkino oder Basteln durchgeführt. Auf dem Robinsonspielplatz befinden sich verschiedene Tiere, und das Angebot richtet sich vor allem an Familien. Im Atelier sind am Morgen eine bis zwei Spielgruppen beheimatet. Die Werkstatt dient dem Hausdienst, sie ist aber auch öffentlich zugänglich. Das Café ist der grösste Raum und die allgemeine Treffmöglichkeit aller Zielgruppen. Der Jugendraum ist den Jugendlichen vorbehalten. Er ist mit einer Bar und einem DJ Pult ausgerüstet. Alle Räume ausser der Werkstatt können auch von selbstorganisierten Gruppen gemietet werden (http://www.zukunftschaffen.ch). Jugendbereich
• Der Jugendbereich ist der Bereich im Gemeinschaftszentrum, der sich ausschliesslich an die Jugendlichen richtet. Der Jugendbereich hat innerhalb des Teams am meisten Stellenprozente (120- 170%), welche sich mehrere Teammitglieder
teilen. Der Jugendbereich und seine Angebote wird weiter unten ausführlicher geschildert. Vert.Igo
• Vert.Igo ist ein Integrations- und Bildungsprojekt, dass sich an Jugendliche
und Erwachsene richtet. Jugendliche mit Schwierigkeiten können dort eine Zeit lang verschiedenen beruflichen Tätigkeiten nachgehen und werden schulisch betreut. Erwachsene, die längere Zeit ohne Stelle waren, erhalten im Vert.Igo die Möglichkeit einer selbständigen Tätigkeit nachzugehen. Sie können sich ein Atelier einrichten und die Produkte, die in den Ateliers hergestellt werden, verkaufen. Vert.Igo war ursprünglich ein Projekt des Gemeinschaftszentrums Grünau, ist inzwischen jedoch finanziell unabhängig. Das Projekt hat klare pädagogische Ziele. Doch hat der Erwachsenenteil auch eine Animationskomponente, indem die Selbstorganisation der Erwachsenen gefördert wird (http://vert.igo.ch). Oberstufenschule
• Im Quartier hat es keine Oberstufenschule. Die Jugendlichen aus dem Quart-ier gehen in Altstetten in die Schule. Dort werden die Jugendlichen normalerweise auf zwei Schulhäuser verteilt. Organisatorische Netzwerke • Gemeinschaftszentrum Grünau
Stellt mit seinen verschiedenen Bereichen ein Netzwerk der Anbieter von Soziokultur dar. Die Vernetzung äussert sich durch wöchentliche Teamsitzungen. Das Gemeinschaftszentrum ist auch mit Vert.Igo vernetzt. Ein Mitglied des Vert.Igo Teams nimmt an der wöchentlichen Teamsitzung teil. • Netzwerk Jugendtreffs
Der Jugendbereich ist auch mit den anderen Jugendtreffs der Gemeinschaftszentren vernetzt. Dieses Netzwerk ist wiederum mit dem Netzwerk des Vereins der Zürcher Jugendtreffs vernetzt. Somit ist eine gesamtstädtische Vernetzung aller Jugendtreffs garantiert. Es findet ca. alle zwei Monate eine Sitzung statt. • Netzwerk Schule und Jugendtreff
Da das Quartier keine eigene Oberstufe besitzt, ist der Kontakt nur sinnvoll, wenn es um die Jugendlichen persönlich geht. Um die Infrastruktur eines Schulhauses zu benutzen, wie z. B. die Turnhalle oder der Sportplatz, wendet sich der Jugendbereich an die Primarschule, die im Quartier ist.
Issue Netzwerke
• Es bestand ein temporäres Netzwerk zwischen den Jugendbereichen der
Gemeinschaftszentren Loogarten, Bachwiesen und Grünau (Kreis 9, Altstetten). Es wurden zwei Open Airs gemeinsam durchgeführt.
Das Issue Netzwerk zwischen dem Jugendbereich und Vert.Igo, wird vor allem bei Ferienaktionen aktiviert, da der Personalaufwand solcher Aktionen für eine Institution allein nicht zu verkraften ist. Soziale Netzwerke
• Benützergruppen des Gemeinschaftszentrums
Es haben verschiedene Gruppen Zugang zum Zentrum. Es soll als Drehscheibe für Netzwerke funktionieren. Spierts schreibt hierzu: „In Gesprächen mit den Besucher/innen hörte man immer den gleichen Tenor heraus: Das Zentrum sollte ein Be-gegnungsort sein. „Atmosphäre, Geselligkeit/Gemütlichkeit und auf angenehme Art miteinander umgehen“ standen an vorderster Stelle. Das Zentrum sollte auch einladend wirken, d. h. es sollte selbstverständlich ein Ort sein, wo man Leuten unterschiedlichster Couleur begegnen konnte. Die Netzwerke, die auf diese Weise ent-standen, boten nicht nur Geselligkeit, sondern auch praktische Vorteile, reichend von der Hilfestellung im Krankheitsfall bis zum Werkzeugtausch“ (Spierts, 1998, S. 182). Für die Jugendlichen bedeutet dies, dass nicht nur ihre Wünsche berücksichtigt werden können. Es sind immer noch andere Bereiche wie Kinder oder Erwachsene, die einen Teil der Räume und deren Infrastruktur beanspruchen.
3.2. Jugendtreff
Zuerst wird der Alltagsbetrieb im Jugendtreff kurz geschildert. Der Jugendtreff besteht aus einem Raum. Das Angebot ist niederschwellig aufgebaut, dass heisst es existiert kein Club-, Miet- oder Schlüsselsystem. Die Zielgruppe sind die Jugendlichen im Quartier Grünau im Alter zwischen 13- 18 Jahren. Es war ein früherer Lagerraum, der umgebaut wurde. Der Treff besitzt einen eigenen Eingang. Weil der Raum kein Tageslicht hat, wird er vor allem am Abend benutzt. Während des Tages benutzen die Jugendlichen oftmals das Café im Gemeinschaftszentrum als Treffpunkt. Die Trefföffnungszeiten sind grosszügig ausgelegt. Die Trefföffnungszeiten betragen 32 Std. pro Woche verteilt auf fünf Tagen. Auch die Jugendarbeit hat die Ziele Selbstorganisation und Partizipation. Bei allen Tätigkeiten wird auf einen möglichst hohen Selbstorganisationsgrad geachtet. Die Treffmöglichkeit steht im Vordergrund.
Während der Öffnungszeiten werden Aufgabenhilfe und Beratungen bei Stellenbewerbungen angeboten. Einmal in der Woche wird eine Kinoveranstaltung durchgeführt, bei der die Jugendlichen die Bar selbständig betreuen. Interventionsposition Animator/in
Besteht aus der Grundform Arrangieren. Vor allem das Mittel des Arrangieren wird hier benötigt. Das Arrangement im Jugendtreff muss veränderbar sein. Es soll dazu animieren selbsttätig zu werden im Hinblick auf die Gestaltung des Raumes, sowie des Angebotes. Interventionsposition Organisator/in
Da ist die sozial - organisatorische Beratungsform gemeint, welche die Gruppenarbeit beinhaltet (Spierts, 1998, S. 215). Die Bargruppe ist in die Gruppenarbeit einzuteilen, und die Beratung dabei reicht von der Abrechnung bis zur Auswahl der Produkte, die angeboten werden sollen. Das Ziel ist eine möglichst hohe Selbstorganisation. Z. B. erweist sich eine Jugendgruppe als zuverlässig, ist das Ziel ein autonomer Abend pro Woche. Auch die Beratung bei Stellenbewerbungen, ist in der Position Organisator/in zu zuordnen. Es handelt sich hierbei um die Beratungsform Bildungs-und Erziehungsberatung (Spierts, 1998 S. 215). Das Ziel dieser Beratung ist die Selbstorganisation, daher wird diese Art der Beratung in die Position Organisator/in eingeteilt. Die Aufgabenhilfe gehört in die Grundform Unterricht (Spierts, 1998, S. 216). Vor allem die Umgangssprache und die Sprache werden gefördert. Wer seine Anliegen verbal formulieren kann, der ist in der Lage, seine Anliegen selbstständig anzumelden und erreicht somit die Selbstorganisation. Damit wird Aufgabenhilfe in die Position Organisator/in eingeteilt, weil auch hier das Ziel die Selbstorganisation ist.
Interventionsposition Mediator/in Vermitteln als Problematisieren:
Da das Zentrum von mehreren Gruppen benützt wird und die Jugendlichen tagsüber das Café benützen, ist die Position des/der Mediators/in besonders gefragt. Die Vermittlung zwischen Gruppen kann als Vermitteln als Problematisieren bezeichnet werden. Vermitteln als Übersetzen:
Ein weiterer Aspekt ist, die Ziele der Institution den Jugendlichen zu erklären, aber auch die Bedürfnisse der Jugendlichen in die Institutionensprache zu übersetzen. Damit ist vor allem der Austausch zwischen Sozialen und Organisatorischen
Netzwerke, bzw. der Austausch zwischen Jugendarbeiter/innen und den Jugendlichen gemeint. Interventionsposition Konzeptor/in
Diese Position wird vorwiegend im Monitoring beansprucht. Hier gilt es, dass die gewonnenen Erkenntnisse aus dem Monitoring in Angebote umgemünzt werden können, die zur Selbstorganisation führen. Darum ist der Informationsaustausch wichtig. Die Informationen müssen beschafft, ausgewertet und transformiert werden. Der In-formationsaustausch bezieht sich auch auf die Vernetzungsarbeit. Netzwerke dienen dem Informationsaustausch und der Koordination. Die Koordination beinhaltet die Anpassung der Angebote, der im Quartier ansässigen Institutionen und kann deshalb in der Position Konzeptor/in verorten werden. Beteiligte Netzwerke Organisatorische Netzwerke • Gemeinschaftszentrum Grünau
• Netzwerk Schule (Oberstufe & Primarschule) und Jugendtreff • Netzwerk Jugendtreffs (Jugendtreffs in den Gemeinschaftszentren und Verein Zürcher Jugendtreffs) Soziale Netzwerke • Benützer des Jugendtreffs
3.3. Jugendraumumbau
Um aufzuzeigen, wie die Interventionspositionen in einem Projekt zum Tragen kommen, wird an dieser Stelle ein Projekt geschildert. Das Ziel ist die Selbstorganisation. Die Selbstorganisation soll beratend erreicht werden. In der Projektmethode werden alle Interventionspositionen der soziokulturellen Animation gebündelt und fokussiert. Projekte bedeuten meistens einen erhöhten personellen und administrativen Auf-wand. Schliesslich benötigt ein Projekt auch zusätzliche finanzielle Ressourcen (Moser, Müller, Wettstein & Willener, 1993, S. 170). Der Jugendraumumbau besass die Merkmale eines Projektes. Das Projekt benötigte mehr Aufwand an Personal, es wurde ein Issue Netzwerk entwickelt werden. Es mussten auch ausserordentliche finanzielle Mittel beantragt werden.
Planung: Die Jugendlichen verspürten den Wunsch, den Jugendraum aufzufrischen. Ein neuer Anstrich sollte her. Der Raum wird durch eine 1.50 Meter hohe Wand durchtrennt, die stark unter der Benutzung gelitten hatte. Auch diese Backsteinwand
sollte neu angestrichen werden und neu aufgemauert werden. Die Wünsche wurden aufgenommen und an der nächsten Teamsitzung durch den Jugendarbeiter dem Team mitgeteilt. Aufgrund des Umfanges der Arbeiten wurde dem Team die Projektvariante vorgeschlagen und als Ausführungsdatum die Sportferien bestimmt. Auch das Budget wurde mit der Teamleitung besprochen und bestimmt. Damit die Kosten niedrig gehalten werden konnten, wurde beschlossen die alten Backsteine zu verwenden, somit musste nur Zement für das Aufmauern eingekauft werden. Ausserdem wurde vom Team bestimmt, dass die Mauer verlängert wurde und somit nur noch ein Zugang zum hinteren Teil des Raumes vorhanden war. Somit wurde der Bar einen speziellen Platz zugewiesen, der ganz vom Raum her abgeschlossen war. Damit die Verlängerung der Mauer keine hohen Kosten verursachte, wurde beschlossen, die Mauer aus Gips herzustellen und diese auf ein Holgerüst zu montieren. Damit die Professionalität gewährleistet war, wurde der Hausdienst und ein Mitglied des Kinderbereichs, der früher Schreiner war, um Unterstützung angefragt. Somit waren die institutionellen Sachen organisatorisch festgelegt. Nun galt es, die Jugendlichen zu informieren. Gleichzeitig mit der Information wurden die ersten Termine abgemacht, dass heisst wann die nötigen Materialien organisiert werden und an welchen Tagen gearbeitet wird.
Ausführung: Zuerst wurde die alte Mauer abgerissen und die Steine vom alten Ze-
ment befreit. Diese Arbeit wurde von den Jugendlichen ausgeführt. Danach wurde das Holzgerüst für die Gipsmauer gesetzt. Diese Arbeit wurde von einem Fachmann ausgeführt. Somit konnten zwei verschieden Arbeiten miteinander getätigt werden: 1. das Montieren der Gipsplatten auf das Holzgerüst, sowie deren Verputzung. 2. das Aufmauern der neuen Mauer. Damit wurde den Jugendlichen eine Auswahlmöglichkeit bereitgestellt. Nachdem diese Arbeiten abgeschlossen waren, kam der Anstrich an die Reihe. In zwei Wochen waren die Arbeiten abgeschlossen, und die Jugendlichen präsentierten stolz ihre geleistete Arbeit denen, die sie noch nicht bewundert hatten.
Interventionsposition Animator/in
Das Ziel war die Selbsttätigkeit. Der Jugendraum sollte von den Jugendlichen selbst gestaltet werden. Interventionsposition Organisator/in
Die Position Organisator/in wird vor allem bei der Ausführung beansprucht. Das Ziel ist eine möglichst grosse Selbstorganisation der Jugendlichen. Sie sollen die
Arbeitstage bestimmen, die Arbeitszeit und bei der Beschaffung der Materialien unterstützt werden, z. B. durch die Begleitung eines Autos bei der Besorgung der Materialien, welche die Jugendlichen nicht selber fahren dürfen. Die Jugendlichen sollen selber bestimmen, wer welche Arbeiten ausführt. Dies ist eine sozial - organisatorische Beratung, weil einerseits die Jugendgruppe betreut und die Organisationsform bestimmt werden musste. In die Bildungs- und Erziehungsberatung wird die Hilfestellung bei der Arbeitausführung eingeteilt. Die Arbeitsschritte werden gezeigt anschliessend sollen die Jugendlichen die Arbeiten selber ausführen. Weil das Ziel Selbstorganisation ist, wird die Bildungs- und Erziehungsberatung in die Position des/der Organisators/in eingeteilt. Beide hier genannten Beratungsformen werden bei diesem Setting in die Position Organisator/in eingeteilt, weil das Ziel die Selbstorganisation ist. Interventionsposition Mediator/in
Die Wünsche der Jugendlichen müssen an das Team übersetzt werden. Dies ist ein Vermitteln als Übersetzen. Bei der Ausführung muss zwischen den verschiedenen Benützergruppen vermittelt werden, weil Schmutz- und Lärmbelästigung entstehen. Dies ist ein Vermitteln als Problematisieren. Interventionsposition Konzeptor/in
Bezeichnet die Beschaffung, die Analyse und Weitergabe der Informationen. Das Informieren befindet sich in der Position des/der Konzeptor/in. Durch Gespräche mit den Jugendlichen wird der Wunsch nach einer Veränderung des Jugendraumes erhört. Durch Nachfragen wird festgestellt, was gerne verändert werden will. Dies stellt die Beschaffung dar. Die Analyse bezeichnet den Projektentwurf, der zuerst vom Jugendarbeiter anhand der Informationen der Jugendlichen ausgearbeitet wird. Dabei steht die Selbstorganisation im Vordergrund. Mit dem Team wird das ganze Projekt besprochen und der Institution angepasst. Dabei werden das Ausführungsdatum und das Budget festgelegt. Auch muss die Finanzierung gesichert werden. Die Weitergabe der Informationen findet statt, wenn die Jugendlichen erfahren, welche Sachen im Jugendraum umgebaut werden dürfen. Der Umfang der Arbeiten machte ein Issue Netzwerk notwendig. Wie schon bereits angetönt, wird die Netzwerkarbeit in die Position Konzeptor/in eingeteilt.
Beteiligte Netzwerke Soziale Netzwerke • Jugendgruppe Issue Netzwerk
• Netzwerk zwischen den Bereichen Jugend, Kinder und Hausdienst.
4. Schlusswort
Eine Bedingung für Gemeinwesenarbeit ist die Hinwendung auf die Interessen, Bedürfnisse und Lebenslagen der Bewohner/innen. Doch soll Gemeinwesenarbeit aus der Sicht der Soziokulturellen Animation und Arbeit betrieben werden, muss auf Selbstorganisation und Partizipation geachtet werden. Die Bezeichnungen für diese Arbeitsweisen lauten, Quartiermanagement, Stadtteilkoordination und Community Organisation. Damit kann die Arbeit in einem Gemeinschaftszentrum auch Quartierentwicklung genannt werden. Um dieses Ziel zu erreichen eignen sich die Methoden von Spierts, die er für die Gemeinwesenarbeit aus der Sicht der Soziokulturellen Arbeit benennt. Die Methoden lassen sich auch in die Interventionspositionen der Soziokulturellen Animation nach Moser, Müller, Wettstein und Willener einfügen. Für die Quartierentwicklung kann aus allen vier Positionen gehandelt werden. Die zentralen Positionen sind Animator/in und Organisator/in. Die Position des/der Animators/in wirkt im Arrangement. Das Arrangement im Gemeinschaftszentrum soll zur Selbsttätigkeit animieren. Die Position Organisator/in ist für verschiedene Bereiche zuständig, jedoch vor allem für die Selbstorganisation der Besucher (Soziale Netzwerke). Diese Positionen werden ergänzt durch die Position Mediator/in. Einerseits um im Gemeinschaftszentrum ein gutes Einvernehmen zwischen den Gruppen zu schaffen, andererseits um die ermittelten Daten aus dem Monitoring in die Sprache der Benutzer/innen zu übersetzen. Die Position Konzeptor/in wird vor allem bei der Beschaffung und Analyse der Informationen eingesetzt. Doch ist darin auch die Vernetzungsarbeit und die Netzwerkentwicklung verortet, weil in Netzwerken die Koordination der Angebote ein Thema ist und die Koordination die Analyse der Informationen bezeichnet. Auch der Informationsaustausch ist in Netzwerken ein Thema und die Informationsbeschaffung ist in der Position des/der Konzeptors/in eingeteilt.
Quellenverzeichnis
Manderscheid H. (1997). Selbstorganisationsprozesse im Stadtteil, kommunale Sozialpolitik und Verbände- Wohlfahrt. In H. A. Ries, S. Elsen, B. Steinmetz & H. G. Homfeldt (Hrsg.), Hoffnung Gemeinwesen (S. 253-266). Berlin: Luchterhand.
Moser, H., Müller, E., Wettstein, H., & Willener, A. (1999). Soziokulturelle Animation. Grundfragen, Grundlagen, Grundsätze. Luzern: Verlag für Soziales und Kulturelles.
Schulze, J. (1993). Soziokulturelle Zentren- Stadterneuerung von unten. Essen: Bundesvereinigung sozio- kultureller Zentren e.V.
Sozialmagazin. (Heft 4, 25. Jahrgang, April 2000). Stadtteil. Das ist neu: Quartiersmanagement. Weinheim: Juventa Verlag Gmbh.
Spierts, M. (1998). Balancieren und Stimulieren. Methodisches Handeln in der sozio- kulturellen Arbeit. Luzern: Verlag für Soziales und Kulturelles.
Arbeit zitieren:
Roger Wehrli, 2000, Quartierentwicklung aus der Sicht der Soziokulturellen Animation, München, GRIN Verlag GmbH
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