Inhalt
1. Vorbemerkung
2. Habermas` Handlungstypologie
2.1. Erfolgs- versus verständigungsorientiertes Handeln
3. Universalpragmatik - Habermas` Theorie der kommunikativen Kompetenz
EXKURS: Zum Verfahren rationaler Nachkonstruktion
4. Die Pragmatik des kommunikativen Sprachgebrauchs
EXKURS: Der Originalmodus der Sprache
4.1. Der Sprechakt
4.1.1. Searle und Austin als Basis
4.1.2. Die Weiterführung durch Habermas
4.2. Zu Habermas` Klassifikation von Sprechakten
4.2.1. Geltungsansprüche
4.2.2. Ein Beispiel
4.2.3. Die Sprechaktklassen
4.3. Die diskursive Klärung der Geltungsansprüche
EXKURS: Habermas` Wahrheitsbegriff
5. Zusammenfassende Darstellung
6. Schlüsselthesen
7. Anstelle einer Schlußbetrachtung
8. Abkürzungsverzeichnis häufig verwendeter Schriften von J. Habermas
9. Literaturverzeichnis
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“Die Theorie des kommunikativen Handelns ist keine Metatheorie, sondern Anfang einer Gesellschaftstheorie, die sich bemüht, ihre kritischen Maßstäbe auszuweisen.” (Jürgen Habermas: aus dem Vorwort zur “Theorie des kommunikativen Handelns”)
1. Vorbemerkung
Die hohe Popularität der Habermas`schen Gedanken und Ideen, auch wenn kritische Stimmen oftmals lauter sind als die der Befürworter, verdankt sich nicht zuletzt seinem Interesse, eine theoretische gesellschaftskritische Konzeption zu erarbeiten. Das Anliegen von Habermas ist es, eine kritische Gesellschaftstheorie wieder an soziologische Theorie- und Methodendiskussionen zu binden. Der Versuch, die rationalen Maßstäbe einer Gesellschaftskritik auszuweisen, erweist sich als die zentrale Idee, die sich wie ein roter Faden durch sein Gesamtwerk zieht. Anders als ältere kritischen Theorien (speziell Adorno und Horkheimer) bemüht sich Habermas, die normativen Grundlagen, die die Kritik der sozialen Verhältnisse erlauben, zu verdeutlichen.
In der zweiten Phase seines Schaffens, die sich insgesamt als das Unterfangen einer kommunikationstheoretisch fundierten kritischen Theorie bezeichnen lässt, rückt der diskursive und intersubkjetive Charakter sozialen Handelns in den Mittelpunkt seiner Forschungsbemühungen. Ausgangspunkt aller weiteren Theorieschritte wird der Gedanke, dass sich die normativen Grundlagen der Gesellschaftskritik mit Hilfe der Analyse kommunikativer Verständigungsprozesse explizieren lassen, wobei das eigentliche Wesen sprachlich vermittelter Interaktionsprozesse das der gegenseitigen Verständigung ist. Der Grundbegriff für Habermas´ Konzipierung eines gesellschaftstheoretischen Ansatzes wird der des ´kommunikatven Handelns`. In den 70er Jahren erarbeitete sich Habermas die Grundlagen der sogenannten Universalpragmatik bzw. Theorie der kommunikativen Kompetenz, die aus der Sicht kompetent sprechender und handelnder Akteure die pragmatischen Voraussetzungen der auf Konsens zielenden Verständigung analysiert. Diese Gedanken sind auch Inhalt der vorliegenden Arbeit. In der 1981 veröffentlichten “Theorie des kommunikatven Handelns” bringt er seine grundlagentheoretischen Überlegungen nun
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systematisch zusammen. Die gesamte Theorie des kommunikativen Handelns zu bearbeiten, würde den Rahmen einer ´normalen` Hausarbeit s prengen, da Habermas´ Schaffen und Gedankengut für diese Zwecke einfach zu umfangreich sind, obgleich aber nicht weniger interessant. Aus diesem Grunde trägt der Titel dieser Arbeit auch den Zusatz ´Ausgewählte Aspekte`.
Ebensowenig erhebt diese Arbeit d en Anspruch darauf, eine gebührende Darstellung der Herkunft und Entwicklung seiner Ideen bzw. einen vollständigen Querschnitt über intellektuelle Vorgänger und zeitgenössische Einflüsse zu liefern.
In inhaltlicher Hinsicht befasst sich die vorliegende A rbeit sowohl damit, einen darstellenden Überblick über eben jene ausgewählten Aspekte der Theorie des kommunikativen Handelns zu geben, als auch mit methodologischen Fragen und der Explikation und Verarbeitung des Habermas`schen Begriffsapparates.
2. Habermas´ Handlungstypologie:
Ein leitendes Thema der modernen Soziologie ist das Problem der Möglichkeit sozialer Ordung. Habermas wählt zur Beantwortung der Frage ´Wie ist soziale Ordnung möglich?` eine handlungstheoretische Ausgangsposition. Eine Handlungstheorie, die diese Frage zu beantworten versucht, “muss diejenigen Bedingungen angeben können, unter denen Alter seine Handlungen an Ego´s Handlungen ´anschliessen` kann” 1 . Für eine soziologisch
ansetzende Handlungstheorie, die am Problem der sozialen Ordung interessiert ist, besitzt die Frage nach den Anschlussmechanismen einen zentralen Stellenwert. Habermas nimmt eine folgenreiche Unterscheidung von zwei Mechanismen der Handlungskoordinierung vor, auf der, wie im Folgenden noch deutlich werden soll, die gesamte Theorie des kommunikativen Handelns aufbaut.
2.1. Erfolgs- versus verständigungsorientiertes Handeln
Die Unterscheidung zwischen strategischen/zweckrationalen und kommunikativen/verständi-gungsorientieren Handlungen bildet die kategoriale Ausgangasbasis für alle weiteren Überlegungen von Habermas. Soziale Handlungen lassen sich für ihn danach unterscheiden, “ob sich eine soziale Beziehung allein auf Interessenlagen oder auch auf normatives
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Einverständnis stützt”. 2 In dieser Weise unterscheidet Habermas zwischen Einflussnahme und Verständigung. Diesen beiden Mechanismen, die nach Habermas eine vollständige Alternative bilden, d.h., die sich aus der Sicht der Aktoren gegenseitig ausschließen 3 , entsprechen zwei Handlungsformen bzw. in Habermas´ Terminiologie zwei Handlungsorientierungen: erfolgsorientierte (instrumentell-strategische) und
verständigungsorientierte (kommunikative) Handlungen.
Die Differenzierung dieser beiden Handlungsorientierungen ist in erster Linie durch Habermas` Versuch geleitet, einen Paradigmenwechsel in der Handlungstheorie von der Bewusstseins- bzw. Subjektphilosophie hin zur Kommunikationstheorie hinsichtlich des Phänomens der Intersubjektivität von Verständigung herbeizuführen. 4 Habermas dazu: “Der Fokus der Untersuchung verschiebt sich damit von der kognitiv-instrumentellen zur kommunikativen Rationaliät. Für diese ist nicht die Beziehung des einsamen Subjekts zu etwas in der objektiven Welt, das vorgestellt und manipuliert werden kann, paradigmatisch, sondern die intersubjektive Beziehung, die sprach- und handlungsfähige Subjekte aufnehmen, wenn sie sich miteinander über etwas verständigen.” 5
Das Modell des erfolgsorientierten Handelns geht davon aus, dass ein Handelnder primär an der Erreichung eines Ziels orientiert ist, und zu diesem Zweck die Mittel wählt, die ihm in der gegebenen Situation geeignet erscheinen, um das Ziel zu erreichen. Der Erfolg ist definiert als das Eintreten des gewünschten Zustandes. In Opposition zum erfolgsorientierten Handeln sind bei verständigungsorientierten Handlungen die Handelnden nicht vorrangig am eigenen Erfolg interessiert. Sie verhalten sich kooperativ und versuchen, ihre Handlungspläne, gerichtet auf ein gemeinsames und trotzdem subjektives Ziel, einvernehmlich aufeinander abzustimmen. 6 Habermas selbst spricht von verständigungsorientiertem bzw.
kommunikativem Handeln “wenn die Handlungspläne der beteiligten Aktoren nicht über egozentrische Erfolgskalküle, sondern über Akte der Verständigung koordiniert werden. Im
1 VuE , S. 571.
2 TkH1, S. 381.
3 vgl. VuE, S. 573ff. bzw. TkH1, S. 385ff.
4 vgl. dazu Kneer, S. 49f.
5 TkH1, S. 525.
Der Aspekt der Gesellschaftlichkeit bzw. des kommunikativen und interaktiven Modus von Sprache nimmt in Habermas´ Arbeit einen richtungsweisenden Stellenwert ein. (Sprachliche) Kommunikation stellt insgesamt das Medium für Verständigung, Handlungskoordinierung und somit eben für Vergesellschaftung (Überlieferung, Intergration, Sozialisation) dar.
“Unter dem funktionalen Aspekt der Verständigung dient kommunikatives Handeln der Überlieferung und der Erneuerung kulturellen Wissens; unter dem Aspekt der Handlungskoordinierung dient es der sozialen Integration und der Herstellung von Solidarität; unter dem Aspekt der Sozialisation schließlich dient kommunikatives Handeln der Ausbildung personaler Identitäten.” (VuE, S.594).
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kommunikativen Handeln sind die Beteiligten nicht primär am eigenen Erfolg orientiert, sondern verfolgen ihre individuellen Ziele unter der Bedingung, dass sie ihre Handlungspläne auf der Grundlage gemeinsamer Situationsdefinition aufeinander abstimmen können”. 7
Nach Habermas können die Handlungsformen nicht wechselseitig aufeinander zurückgeführt werden. Dennoch postuliert er, dass in beiden Formen, bezieht man sich auf die Ebene der sie realisierenden Aktoren, eine gemeinsame Struktur impliziert sei: die teleologische, subjektbezogen-zielgerichtete Handlungsstruktur. “(...) Aktoren, indem sie sich miteinander verständigen, um ihre Handlungen zu koordinieren, (verfolgen;Anm.d.Verf.) jeweils bestimmte Ziele (...). Insofern ist die teleologische Struktur für alle H andlungsbegriffe fundamental.” 8 Die beiden Handlungsformen unterscheiden sich allerdings darin, und das ist
für Habermas das Wesentliche, wie sie sich zu dieser teleologischen Struktur verhalten. Verständigungsorientierte Aktoren verfolgen, ebenso wie erfolgsorientiert Handelnde, durchaus auch ihre eigenen Handlungspläne. Beim kommunikativen Handeln erfolgt die Koordination der zielgerichteten Einzelhandlungen jedoch auf eine grundsätzlich andere Weise. Während Letztere ihre Handlungen über Prozesse der egozentrischen Einflussnahme miteinander verknüpfen, übernehmen hier kooperative Deutungs-, Interpretations- und Verständigungsprozesse die Funktion der Handlungskoordination. Das zweckrationale/ strategische Handeln verharrt sozusagen in dieser teleologischen Struktur und kann nicht Verständigung, sondern, wie gesagt nur das “Ineinandergreifen egozentrischer Nutzenkalküle” 9 ermöglichen. Das kommunikative Handeln dagegen kennzeichnet sich
dadurch, dass es auf der Basis individueller Handlungspläne Verständigung zwischen den Kommunikationsteilnehmern und Einvernehmen hinsichtlich ihrer zielgerichteten,
subjektbezogenen Handlungen zum Ziel hat. Verständigung meint, so Habermas, einen Prozess der gegenseitigen Überzeugung, der in ein kommunikativ erzieltes Einverständnis mündet, “der die Handlungen mehrerer Teilnehmer (...) koordiniert. Verständigung bedeutet die auf gültiges Einverständniss abzielende Kommunikation”. 10 Kommunikatives Handeln
bildet sozusagen die Grundlage für eine “einvernehmliche Koordinierung der jeweils individuell verfolgten Handlungspläne”. 11
Im kommunikativen Handeln basiert die Handlungskoordinierung somit auf gemeinsamen
6 vgl. dazu Kneer, S. 51.
7 TkH1, S. 385.
8 ebenda, S.150f.
9 Holzer, S.20.
10 TkH1, S.525.
11 ebenda, S.397.
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Quote paper:
Antje Leupold, 2000, Jürgen Habermas` Theorie des kommunikativen Handelns. Ausgewählte Aspekte - Universalpragmatik / kommunikative Kompetenz, Munich, GRIN Publishing GmbH
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