- seine Stücke waren darauf angelegt, die Trennung von Produzent und Konsument aufzuheben, letzterer wird als Mitwirkender mit einbezogen (1939 Musteraufführung mit Maßnahme, bei dem neben drei Schauspielern 400 Sänger als Chor beteiligt waren, der die anwesenden Zuschauer in den Gesang einbezog; wurde von der Kritik als Sensation und als Möglichkeit zur völlig neuen Form des Theaters empfunden)
- 1924 Umzug nach Berlin, da ihm München trotz Großstadtcharakter zu eng und zu spießig wurde, wo er im November mit Helene Weigel Sohn Stefan bekam
- 1928 mit Uraufführung der Dreigroschenoper der durchschlagende Erfolg im Theater Schiffbauerdamm, das ihm bis 1933 für seine Experimente zur Verfügung stand (Gegenstück zu John Gays Beggar´s Opera (1728), offene Kritik an gesellschaftlichen Missständen; der Räuber Macki Messer veredelt seinen gesetzesbrecherischen und mörderischen Beruf durch Wohlanständigkeit, er benutzt das Gesellschaftssystem, das selber ähnliche Geschäfte unter dem Mantel der Legalität macht; zum Schluss wechselt er ins Bankfach, um die Menschen indirekt auszurauben)
- er beobachtete distanziert und skeptisch den aufstrebenden Hitler
- seine Werke wurden wegen seiner gesellschaftskritischen Einstellung immer politischer - in dieser Zeit erste Kontakte mit Marx und der kommunistisch orientierten Arbeiterbewegung, für ihn die einzige Alternative zu einem seiner Meinung nach zusammenbrechenden Staat; außerdem bot ihm allein der Marxismus, die undurchschaubaren ökonomischen Zusammenhänge, die einerseits zu Wohlstand, andererseits zu Verelendung führten, aufzudecken und künstlerisch zu verarbeiten
- seine Werken prangerten die unheilvolle politische Entwicklung Deutschlands an, das brachte ihn nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten auf deren schwarze Liste
- den Reichtagsbrand am 27. Februar 1933 erkannte Brecht sofort in seiner Bedeutung, nämlich einen Grund zu finden, missliebige Gegner auszuschalten und er emigrierte noch am selben Tag über Umwege auf die dänische Insel Fünen
- 1934 schrieb er mit dem Komponisten Hans Eisler seine erste große politische Lyriksammlung Lieder Gedichte Chöre und das satirisches Stück Die Rundköpfe und die Spitzköpfe (prangert Hitlers Rassentheorie und dessen ökonomischen und machthaberischen Interessen an)
- 1935 Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft
- bis 1939 Furcht und Elend des III. Reiches, Die Gewehre der Frau Carrer, Svendborger Gedichte (Beschreibung typischer Szenen aus dem nationalsozialistischen Alltag mit Angst vor Denunziation, Rechtsbeugung bis zur Ausrottung Andersdenkender)
- 1938 erste Fassung des Leben des Galilei (diese Fassung behandelt das Thema des noch möglichen Widerstandes in Nazideutschland und beschreibt den Wissenschaftler, der unter den Bedingungen der Unterdrückung versucht, seine gesellschaftliche Verpflichtung als Forscher einzulösen; Galileis Widerspruch wird als kluge List dargestellt: Augenschwäche vortäuschend, schrieb er hinter dem Rücken der Kirche die Discorsi neu ab und veranlasst den Schüler Andrea das Manuskript ins Ausland zu bringen – seine wissenschaftlichen Entdeckungen bleiben durch seinen Schüler wirksam; Brecht meinte, dass sich die Wahrheit auf Dauer von selbst durchsetzt)
1938/39 Mutter Courage und ihre Kinder (nach Galilei das bekannteste Antikriegsdrama: Mutter Courage
- zieht im Dreißigjährigen Krieg den Truppen hinterher, um „ihren Schnitt zu machen“ und bezahlt ihre ökonomischen Interessen mit dem Verlust ihrer drei Kinder und persönlichem Ruin – durch die Uneinsichtigkeit der kleinen Leute wird der Krieg der „Großen“ erst möglich gemacht)
- 1939 sah sich Brecht in Dänemark gefährdet und floh über Schweden nach Finnland (in dieser Zeit entstanden die Stücke Der gute Mensch von Sezuan und Herr Puntilla und sein Knecht Matti)
- 1941 floh er über die Sowjetunion nach Santa Monica in den USA (er fühlte sich in der Sowjetunion persönlich gefährdet, hatte aber auch zu den USA eine kritische Haltung, die sich in der Gangsterparabel Der Aufstieg des Arturo Ui niederschlug)
- 1944 Parabel Der Kaukasische Kreidekreis als Warnung davor, dass sich nach Kriegsende die alten Verhältnisse restaurieren und propagierte den Aufbau des
Sozialismus in Deutschland
(Im Gegensatz zum Salomonischen Urteil der Bibel, das der leiblichen Mutter das Kind
- 1944/45 zweite Fassung von Leben des Galilei zusammen mit Charles Laughton (behandelt nun, mit dem Hintergrund der Atombombenabwürfe, die Frage nach der Verantwortung der Wissenschaftler für das menschliche Leben; Galilei wird als Verräter der wissenschaftlichen Grundprinzipien aufgefasst; Brecht eliminierte die Widerstandshandlungen der ersten Fassung und zeigte nun vor allem die Folgen des Widerrufs, der ermöglichte, dass die gesellschaftlichen Konsequenzen vor dem Volk verborgen wurden und dass das Geheimwissen politisch einsetzbar war; Brecht überlegte die Einführung des „Hippokratischen Eids“ für Naturwissenschaftler Dieser englische Text war in seiner Übersetzung ins Deutsche die Grundlage für die dritte Fassung, die sich von der zweiten kaum unterscheidet.)
1947 Rückkehr nach Europa, in die Schweiz (bearbeitete er Antigone von Sophokles: Antigone wird zur
- Widerstandskämpferin, die der Gewaltherrschaft des Kreon
- 1949 siedelte er in den Ost-Sektor von Berlin um und arbeitete in dem von Helene Weigel gegründeten Berliner Ensemble und widmete sich nun vor allem der praktischen Theaterarbeit
- 1950 erwarb er die österreichische Staatsbürgerschaft, um sich nicht auf eine Seite festlegen zu müssen
- seine Entscheidung für die DDR entsprach seiner Überzeugung, dass nur ein sozialistisches Deutschland Zukunft habe, ein kapitalistisches dagegen Grund neuer Kriege sei; er stand der DDR kritisch gegenüber, der Herausbildung eines Funktionsstaates und der Steuerung durch die Sowjetunion
- 1950 Mitglied der Deutschen Akademie der Künste in Berlin/DDR
- 1951 Nationalpreis der DDR
- 1954 Stalin-Friedenspreis
- als letzte Arbeiten schrieb Brecht die klassischen Ausformulierungen seiner Theatertheorie und im Sommer 1953 als Reaktion auf den 17. Juni die Gedichtsammlung Buckower Elegien
- 14. August 1956 starb Brecht an einem Herzinfarkt
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Marcus Stange, 2001, Brecht, Bertolt - Leben & Werk, Munich, GRIN Publishing GmbH
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Da haben sich aber einige FEHLER eingeschlichen !
on Saturday, April 14, 2007-