Vorwort
Konzertsäle als eine Spezialform von Räumen für Musik müssen und können auf ganz besondere Art darauf reagieren, dass sie eben nur für Konzerte genutzt werden.
Diese Tatsache eröffnet ihren Erbauern und den mitwirkenden Akustikplanern die Chance, sich eingehend mit dem Phänomen der Schallverteilung im Raum und den Verhältnissen von Raum und Zuhörer, Zuhörer und Musiker und auch Musiker und Raum zu beschäftigen. Die Problematik der Anordnung von Hinter-, Neben- und Vorbühnen spielt im Konzertsaalbau so gut wie keine Rolle. Als Besonderheit in diesem Zusammenhang erwies sich die Anordnung des Podiums in der Mitte des Raums.
Anhand zweier Beispiele sollen die Möglichkeiten, die sich aus der besonderen Einzelnutzung und aus der zentralen Anordnung des Orchesters ergeben, analysiert werden. Die Beziehungen zwischen Raum und Akustik in Konzertsälen ist Gegenstand dieser gebäudekundlichen Arbeit.
Inhalt
1. Entwicklung von Konzertsälen
Der Konzertsaal als Zentralraum
2. Einführung - Allgemeine akustische Anforderungen
3. Philharmonie, Berlin
3.1 Städtebauliche Einbindung und konzeptioneller Ansatz
3.2 Gebäudebeschreibung und Grundrissorganisation
3.3 Konstruktion und Material
3.4 Akustik und Licht
4. Philharmonie, Köln
4.1 Städtebauliche Einbindung und konzeptioneller Ansatz
4.2 Gebäudebeschreibung und Grundrissorganisation
4.3 Konstruktion und Material
4.4 Akustik und Licht
5. Vergleich
1. Entwicklung von Konzertsälen
Der Konzertsaal als Zentralraum
Die Bauform des reinen Konzertsaals existiert an und für sich erst seit dem 19. Jahrhundert. Bis dahin hatte Musik lediglich begleitende Funktion bei Kultveranstaltungen gehabt. Der Ursprung kulturelle Veranstaltungen ist sicherlich in der Antike zu suchen. Zur Zeit der Griechen waren sie, wie zum Beispiel Sport- und Theaterveranstaltungen, bereits fester Bestandteil des Lebens. In den griechischen und römischen Theaterbauten erkennt man auch die Ursprünge der Zentralbauweise.
Abb. 1 Theater in Epidauros, ca. 350-340 v. Chr. Die akustischen Eigenschaften des antiken Freilufttheaters beruhen auf der Brennpunktbildung durch die Kreisform. Allerdings kann aus heutiger Sicht bei einer Nutzung durch ein Ensemble
oder Orchester bestenfalls von akustischen Zufallsergebnissen gesprochen werden. Die Qualitätsansprüche an das Ausbalancieren des Orchesterklangs können mit den damaligen akustikplanerischen Mitteln nicht befriedigt werden. Zum Beispiel wird das rekonstruierte Theater des Herodes Attikus in Athen für Konzerte genutzt. Der räumlich Eindruck ist mit Sicherheit sensationell, die akustischen Qualitäten sind jedoch kaum mit denen eines eigens dafür konzipierten Konzertsaal zu vergleichen.
Im Mittelalter begann sich die Musik als eigene Kunst im Bereich der Kirchenmusik zu emanzipieren. Zum Beispiel ergaben sich in Venedig die ersten Tendenzen zur Raummusik, bei der Teile des Chors oder des Orchesters im Raum verteilt werden, um eine räumliche Polyphonie zu erzeugen. Diese Entwicklung wurde bis in die heutige Zeit fortgeführt und spielt auch in der Philharmonie eine Rolle.
Vom 17. bis ins 19. Jahrhundert gab es so gut wie keine Ansätze zum Zentralraum im Theaterbau. Viel mehr bemühte man sich um Bühnentechnik und das Schaffen von räumlichen Illusionen. Die Zuschauer sitzen in schubladenförmigen Rängen, wobei es eine festgelegte Abb.2 Theatro alla Scala
Ordnung gab, mit der Kaiser- oder Ehrenloge in der Flucht der Mittelachse, um die beste Sicht
2. Einführung - Allgemeine akustische Anforderungen
Die akustischen Anforderungen an ein Gebäude, in dem Musik gemacht werden soll, sind extrem groß. Dabei ist die Wahrnehmung des Zuhörers ebenso wichtig wie die des Musikers. Bei der Akustikplanung geht es „vor allem um die akustische Qualität einer räumlichen 2 Konstellation (...) und der Zusammenhang mit der bildlichen Form.“ Jeder kennt das Problem und das Unbehagen, das man verspürt, wenn Ton und Bild nicht synchron laufen. Raumakustische Maßnahmen dienen also auch der Orientierung; woher der Ton kommt und wer ihn erzeugt. Natürlich könnte man in einem Konzertsaal auch die Augen schließen, aber das visuelle Moment ist auch bei einer solchen Aufführung nicht unwichtig. Schließlich wird jedes Erlebnis mit jedem Mehreinsatz eines Sinnes intensiver.
In einem Konzertsaal gelangen die Schwingungen von allen Seiten an das menschliche Ohr, am lautesten direkt von der Bühne. Die unzähligen durch die Akustikplanung erzeugten Echos verwandeln dann diese Schwingungen in eine „zarte musikalische Umarmung“, die je nach Raum die Qualität eines Hörerlebnisses beeinflussen. Der Musiker versetzt die Luft mit seinem Instrument in Schwingungen und der Raumgestalter verändert mit seinen Ausbauten die 3 dreidimensionale Ausbreitung, um die gewünschte Überlagerung der Töne zu erzeugen.
In der Regel ist es so, dass der Akustikplaner erst dann zu Rate gezogen wird, wenn das Raumkonzept bereits fertig ist. Er ist also nicht Schöpfer des Raumes. In diesem Fall stellte sich die Frage, warum nicht alle Konzertsäle nach einem perfekten Grundmodell erschaffen wurden Abb. 4 Raum mit Schlagzeug und werden.
Arbeit zitieren:
Stefanie Dräger, 2002, Konzertsäle: Die Philharmonien in Berlin und in Köln im Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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