1 Außenwirtschafliche Schocks und ihre Wirkungen in der Europäischen Währungsunion (EWU) 1.1 Definition
Von einem außenwirtschaftlichen Schock spricht man in der Ökonomie im allgemeinen dann, wenn exogene Einflussfaktoren, wie zum Beispiel ein Ölpreisanstieg, eine drastische Änderung in einem ökonomischen Modell bewirken. Es wird hierbei meist zwischen Angebots-, Nachfrage-und Finanzschocks unterschieden. Ich möchte mich bei meiner Arbeit auf die ersten beiden Arten konzentrieren, da diese in der Praxis am Häufigsten anzutreffen sind. Eine feinere Unterscheidung erfolgt durch Symmetrie und Asymmetrie der jeweiligen Schockarten. Dies wird in einem gesonderten Kapitel später erläutert.
1.2 Arten von Schocks 1.2.1 Angebotsschocks
Ein Angebotsschock bewirkt stets die Verschiebung der Angebotskurve in einer negativen Art und Weise (Dornbusch/Fischer, 1994, S.275ff). Nehmen wir zur Erklärung der Sachlage das gängigste Beispiel der Steigerung der Rohstoffpreise, was im Extremfall zu einem Angebotsschock führen kann. In Deutschland war im Jahre 1971 Rohöl, mit einem Anteil von 55 von Hundert am Primärverbrauch, der wichtigste Energieträger, und ist es übrigens bis heute, bei immer noch circa 40 von Hundert (Stand 1998). In Abbildung 1.1 ist der reale Ölpreis zwischen 1971 und 1992 dargestellt. Der relative Ölpreis wird hier als der Weltrohölpreis definiert. Er wird als ein Index ausgedrückt, der im ersten Quartal 1981 den höchsten je erreichten Wert von 100 annimmt. In den siebziger Jahren kam es zu zwei sogenannten Ölpreisschocks. Die Folge war eine Preis- und somit auch eine Produktionskostensteigerung auf dem Rohölmarkt. Die Folge eines starken Preisanstiegs des Rohöls ist häufig, dass die Verbraucher ihre Verbrauchsmengen zumindest kurzfristig senken, indem sie zum Beispiel weniger Auto fahren. Bei drastischen Preissteigerungen wirkt sich die Abhängigkeit der deutschen Volkswirtschaft von Rohöl negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung aus. Der erste OPEC-Schock fand zwischen 1971 und 1974 statt und hatte eine Vervierfachung des Ölpreises und die Rezession von 1971 bis 1975 zur Folge, der zweite zwischen 1979-1980 verdoppelte den Ölpreis und zog eine Inflationsbeschleunigung nach sich. Die Inflation wurde durch geldpolitische Maßnahmen bekämpft, führte allerdings die
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Volkswirtschaft in eine noch tiefere Krise. Die Lage beruhigte sich erst, als der Ölpreis in den 80er Jahren (vor allem 1985 bis 1986) stark fiel. Ein erneuter, allerdings sehr viel schwächerer Anstieg erfolgte 1990, der allseits bekannte Grund war die irakische Invasion in Kuwait. Schon allein anhand dieser beiden sehr stark ausgeprägten Ölpreissteigerungen und den darauf folgenden Rezessionen wird die Erklärung und die Bedeutung von Angebotsschocks sehr deutlich und zeigt den unbedingten Handlungsbedarf der Fiskal- bzw. der Geldpolitik auf. Was sich zur Zeit auf dem Rohölmarkt abspielt ist nicht mit den Ölpreisschocks der 70er Jahre zu vergleichen, da ganz andere Rahmenbedingungen herrschen. Der ökonomische Rahmen erweist sich heute als sehr viel günstiger. So traf der Ölpreisschock in den Jahren 1973/74 in ein inflationäres Umfeld bei konjunktureller Überhitzung, während heute eine Aufschwungphase mit niedriger Inflation vorherrscht.
Index, 1981: 1=100 (im ersten Quartal 1981 höchster je erreichter Wert von 100)
60
50 40 30 20 10
0 1960 1965 1970 1975 1980 1985 1990
Abb. 1.1: Der reale Ölpreis, 1971-1992 ( Quelle: Dornbusch/Fischer, 1994)
Prof. Dr. Peter Bofinger nennt die gravierende Veränderung von Rohstoffpreisen als Hauptursache von Angebotsschocks (Bofinger, 2000, Abschnitt 2.5.2). Langfristig sieht er bei derartigen Schocks einen Rückgang der Produktivität und dadurch das Risiko der Steigerung der Arbeitslosenquote. Die bisherigen Szenarien werden allgemein als ungünstige Angebotsschocks bezeichnet, da externe Einflüsse sich negativ auf das Angebot im eigenen Land auswirken. Die
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Angebotskurve im p-Y-Diagramm (p steht für Preisniveau, y für Output) wird durch den Schock nach oben und links verschoben, da die Produktionskosten zu jedem Outputniveau höher sind. Ein ungünstiger Angebotsschock besitzt also gleich zwei Nachteile: Höhere Preise und den dadurch beeinflussten niedrigeren Output (siehe Abbildung 1.2).
Nun müsste die Frage aufkommen, warum nach dem ersten Ölpreisschock von 1973 seitens der Fiskal- oder der Geldpolitik nicht umgehend und hinreichend reagiert wurde. Da die Angebotsschocks zum damaligen Zeitpunkt für die Wirtschaftswissenschaftler und die Politiker noch neu waren, bot sich beiden Lagern kein hilfreiches Gegenmittel. 1975 wurde dann eine stimulierende Geld- und Fiskalpolitik betrieben, woraufhin sich die Wirtschaft schneller wieder erholte. Bisher wurde nur von einer negativen Wirkung eines Angebotsschocks gesprochen, es gibt aber auch positive Angebotsschocks. Während der ungünstige Fall kurzfristig das Bruttosozialprodukt (BSP) senkt und den Reallohn vermindert, folgt im günstigen Angebotsschockfall meist ein schnelleres Wirtschaftswachstum bei niedrigerer Inflation; so geschehen in den Jahren 1987 und 1988, ausgelöst durch eine Ölpreissenkung, also einen günstigen Ölpreisschock. Es ist zwar schwierig allein die Ölpreissenkung für das Wachstum des Bruttosozialprodukts und die niedrige Inflation verantwortlich zu machen, aber zumindest teilweise trifft es laut Dornbusch/Fischer zu. Dies ist aufgrund der starken Bedeutung des Ölpreises für sämtliche Wirtschaftszweige auch leicht nachvollziehbar.
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1.2.2 Nachfrageschocks
Auch hier ist es am sinnvollsten, den Schock an sich anhand eines Beispiels aus der Vergangenheit zu erläutern. Ich habe hierzu die Wiedervereinigung Deutschlands 1989 gewählt. Es kam damals zu gravierenden Veränderungen sowohl auf dem Arbeits-, als auch auf dem Gütermarkt. Es entstand ein extremer Zuwachs bei der Güternachfrage aus Ostdeutschland nach dem Fall der Mauer. Dieser Nachfrageschub wurde durch öffentliche Transfers größtenteils finanziert und betrug in den ersten Jahren etwa 200 Mrd. DM pro Jahr. Die Wirkung auf den Westen Deutsch-lands entsprach zusätzlichen Exporten nach Ostdeutschland. Dies stimulierte die sowieso schon prosperierende Volkswirtschaft und verstärkte die konjunkturelle Hochphase. Hier kann man also eindeutig von einem positiven Nachfrageschock sprechen. In Ostdeutschland dagegen brach die Produktion geradezu zusammen und sorgte für starke Verluste auf dem Arbeitsmarkt und einem deutlichen Rückgang an gesamtwirtschaftlichem Output. Seit 1993 bewegen sich die neuen Bundesländer langsam aber stetig auf das westdeutsche Niveau zu. Ein interessantes Modell des ZEW Konjunkturreports vom Beginn des letzten Jahres untersuchte, wie sich die westdeutsche Wirtschaft entwickelt hätte, wenn der Nachfrageboom nach dem Fall der Berliner Mauer nicht so stark ausgefallen wäre (ZEW Konjunkturreport 01/2000). Sie kommen zu dem Ergebnis, gegeben die Situation der geringeren Nachfrage, dass das Brottoinlandsprodukt (BIP) in Westdeutschland gegen Ende des Jahres 1993 fast zwei Prozent niedriger als beobachtet ausgefallen wäre. Dies war nur ein Teil der Ergebnisse aus dem Modell, es würde aber zu weit gehen, das ganze Modell mit allen Ergebnissen hier anzuführen. Ein ganz aktuelles Beispiel für einen Nachfrageschock ist übrigens auch der Rinderwahnsinn. Plötzlich fällt für eine Region die Nachfrage nach einem Produkt aus und sorgt hier für wirtschaftliche Nöte. Rückgang des Bruttoinlandprodukts und meist auch Beschäftigungsprobleme sind die Folge. Nachfrageschocks treten sehr häufig in der Praxis auf und wirken sich drastisch auf die Wirtschaft aus, wie in dem obigen Beispiel gesehen. Es wird also sehr interessant sein zu sehen wie man solchen Schocks entgegenwirkt und effektive Gegenmaßnahmen einsetzt. Die Europäische Zentralbank hat folgende Einstellung gegenüber Nachfrageschocks: Die Preisstabilität soll mittelfristig gesichert werden. Das Problem ist, dass aber die Reaktion auf kurzfristige Nachfrageschwankungen unterbleibt. Es kommt zu der Gefahr einer mangelnden Zinsreagibilität. In der Praxis reagierte die EZB allerdings auch auf kurzfristige Nachfrageschocks (Beispiel: Zinssenkung vom 9.April 1999). Nachfrageschocks werden auch in
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der EU in Zukunft von großer Bedeutung sein. Waren Exportnachfrageschocks in der Vergangenheit eher selten, wird diesen nun angesichts des Umbruchs in Zentral- und Osteuropa, des raschen technischen Fortschritts, der Veränderungen von Verbraucherpräferenzen usw., mehr Bedeutung zukommen.
1.3 Gründe und Bedeutungen für Asymmetrien bei Schocks für die Europäische Währungsunion und deren Messung
Neben der Frage nach relevanten Arten von Schocks in der Europäischen Währungsunion (EWU) ist zu prüfen, inwieweit die Schocks asymmetrische Wirkungen in den betroffenen Ländern hervorrufen.. Es wird also gefragt, ob sich Schocks auf alle Länder gleich auswirken oder nicht.
Abbildung 1.3: Asymmetrischer Nachfrageschock
Bei der Abbildung 1.3 handelt es sich um eine Nachfrageverschiebung, bzw. einen Nachfrageaustausch zwischen den Ländern A und B. Aus Preis- oder Qualitätsgründen wird ein bestimmtes Gut oder eine Produktgruppe lieber aus dem Land B bezogen. Ein konkretes Beispiel und mögliche Lösungsansätze zu dieser asymmetrischen Situation sind in Kapitel 3.1 aufgeführt. Weiter gibt es Schocks, die sich wegen ihrer grundsätzlichen Eigenschaften notwendigerweise asymmetrisch auswirken müssen, und Schocks, die im Prinzip alle vergleichbaren Wirtschaften
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auf vergleichbare Art und Weise treffen. Nur im Falle der Asymmetrie wäre es nachteilig, mit der Errichtung der Währungsunion auf länderspezifische Anpassungsmaßnahmen zugunsten einheitlicher Maßnahmen in der gesamten Währungsunion zu verzichten. Es wird grundsätzlich unterschieden zwischen asymmetrischen Schocks natürlicher Art (zum Beispiel Naturkatastrophen), oder durch Entwicklungen in Märkten (zum Beispiel Ölpreisschocks) hervorgerufene, und Schocks, die dem politischen System entstammen. Die letzte Art ist allerdings kaum so groß, dass sie (statt Regionen) gesamte Volkswirtschaften betrifft, sondern ist auf Länderebene von großer Bedeutung, und soll über die Fiskalpolitik abgefedert werden, die in der EWU aus gutem Grund national bleiben wird. Genau dadurch werden Asymmetrien in den betroffenen Ländern reduziert oder gar nicht erst auftreten.
Der Grad der Asymmetrie der Wirkungen von Schocks hängt von der Ähnlichkeit der Außen-handels- und Wirtschaftsstrukturen der Mitgliedsländer der Währungsunion ab. Zudem gilt, je spezieller eine bestimmte Region ist, um so größer ist ihre Anfälligkeit für asymmetrische Schocks. Ein Gebiet mit hoher regionaler Spezialisierung ist als Einheitswährungsraum ungeeignet. Auf der anderen Seite ist ein Gebiet mit einer großen Vielfalt an Produkten, dass dadurch auch autark ist, sehr geeignet. In vielen Mitgliedsländern werden fast die selben Produkte importiert und exportiert. Bei einer Vielzahl von Wirtschaftszweigen führen sektorale Schocks nicht zu länderweiten Schocks. Außerdem können sich nach Gros (1996) diversifizierte Volkswirtschaften leichter an Schocks anpassen als monostrukturierte Ökonomien. Weitere Berechnungen von Gros kamen zu dem Ergebnis, dass Belgien, Frankreich, Deutschland, Österreich und die Niederlande, die als sogenannte Kernländer bezeichnet werden, aber auch Spanien, ähnliche Außenhandels- und Wirtschaftsstrukturen aufweisen. Ganz anders sieht das in den Ländern Portugal, Dänemark, Finnland und Griechenland aus, die sich am stärksten von den durchschnittlichen EU-Strukturen unterscheiden (Gros, 1996). Gros ermittelt also für die um Deutsch-land herum gruppierten Kernländer ähnlichere Wirtschaftsstrukturen, als für die übrigen EU-Länder. In einer Kern-EU dürfte es nach Gros also eher selten zu asymmetrischen Schocks kommen, denen dann nicht mehr mit Abwertungen und nationalen geldpolitischen Maßnahmen begegnet werden kann. Auch Krupp/Cabos (S.174) sehen zu Beginn der Währungsunion eine Annäherung der nationalen Konjunkturzyklen seit Beginn der neunziger Jahre. Eine deutliche Diskrepanz allerdings sehen sie hier zwischen Spanien und Irland, ansonsten jedoch wird die Lage durch immer intensivere Handelsbeziehungen noch besser. Weitere Symmetrien hinsichtlich der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen der Europäischen Währungsunion (EWU)
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folgen in dem dementsprechenden Kapitel. Ein weiterer Punkt wird von Bofinger aufgenommen. Innerhalb der EU kann die EZB nur auf Schocks reagieren, die den gesamten Währungsraum treffen. Somit kann die Geldpolitik nationale Schocks nicht mehr kompensieren. Was wie ein großer Nachteil aussieht, wird allerdings im Hinblick auf die Geschichte relativiert, zeigt sich doch hier, dass vor der EWU, der geldpolitische Kurs in Europa von Deutschland aus bestimmt wurde. So führte z.B. die Wiedervereinigung als expansiver Nachfrageschock in Deutschland europaweit zu einer restriktiven Geldpolitik (Bofinger, 2000)
Entscheidend für die Asymmetrie eines Schocks ist also, ob der Schock länderspezifisch ist, das heißt sich auf einen Währungsraum beschränkt, oder nicht. Die Kommission des Europaparlaments kommt in „One Market, One Money“ (1990) zu der Feststellung, dass länderspezifische Schocks im europäischen Kontext kraft Definition asymmetrisch sein müssen (European Parliament, Workingpaper, 1999). Größere Naturkatastrophen werden als Beispiel angeführt und natürlich auch unmittelbare Auswirkungen politischer Großereignisse, wie eben die Wiedervereinigung, wobei hier die Betonung auf unmittelbar gelegt werden muss, da die Gesamtwirkung weit über die Grenzen des Landes hinaus ging.
Da diese Schocks unvorhersehbar sind, wäre es unlogisch, so die Kommission des Europaparlaments, getrennte Währungsräume zur Bekämpfung einzurichten. So müsste man in Gebieten mit hoher Erdbebengefahr einen unabhängigen Währungsraum einrichten. Weiter wird in „One Market, One Money“ argumentiert, dass sämtliche Schocks, je nach ihrer Struktur, entweder symmetrische oder asymmetrische Auswirkungen auf unterschiedliche Wirtschaften haben können, und die Vollendung des Binnenmarktes zu einer Verringerung der Asymmetrie führen kann. Gewissheit darüber gibt es aber freilich nicht. Genau wie Gros (1999) kommt die Kommission auch zu der Feststellung, dass die asymmetrische Wirkung von Schocks in der EWU deutlich zurückgehen wird, da die EWU selbst eine V erhaltensänderung bewirkt: „...Institutionen, die sich im Verlauf der Geschichte entwickelt haben (...) sich neuen Gegebenheiten rasch anpassen können, wenn diese für permanent erachtet werden“ (European Parliament, 1999).
Entscheidend ist nun, wie eine solche Asymmetrie nach der Feststellung gemessen wird. Die einfachste Variante liegt in der Bewertung der Wechselkursschwankungen. Folgt auf ein beliebiges Ereignis eine Paritätsänderung (Abwertung bei festen Wechselkursen), so kann die Auswirkung des Ereignisses als asymmetrisch bezeichnet werden. Ein schwerwiegendes Problem ist die Schwierigkeit, zu deuten, ob die Veränderung der Wechselkurses wirklich aufgrund des Er-
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eignisses statt fand, da sich Wechselkurse aus den unterschiedlichsten Gründen ändern. Es dürfte sehr schwer sein, die Auswirkung des Ereignisses zu isolieren, um wirklich sicher zu sein. Ein weiteres Problem liegt in der Unmöglichkeit Asymmetrien innerhalb von Währungsräumen zu messen, da nur zwischen Währungsräumen gemessen werden kann. Genau dieses aber wäre bei der EWU relevant, da hier aus unabhängigen Teilgebieten eine Währungsunion geschaffen wird. So erscheint diese Messmethode nicht gerade sehr hilfreich im Falle des vereinten Europas. Eine weitere Möglichkeit liegt in der Betrachtung der Inflationsraten einzelner Währungsräume. Zwischen und innerhalb von Währungsräumen lassen sich die Auswirkungen an der unterschiedlichen Entwicklung der Verbraucherpreise, der Lohnstückkosten oder Änderungen des Bruttoinlandsproduktes ablesen. Für Messungen innerhalb von Währungsräumen sollte im Vorfeld überprüft werden, ob vergleichbare nationale oder regionale Statistiken verfügbar sind. Eine sehr präzise statistische Grundlage bietet die Arbeitslosenquote, selbst für sogenannte Pendler-Einzugsgebiete, was eine Reihe jüngerer Studien dazu bewegt Asymmetrien anhand der Auswirkung auf die Beschäftigungslage zu definieren (European Parliament, Workingpaper, 1999). Belke und Gros (1997) weisen in einer Studie darauf hin, dass sie „...keinen stabilen und statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und externen Schocks ermitteln konnten...“ (aus: European Parliament, Workingpaper, 1999). Andere Studien weisen auf eine feste Beziehung zwischen Veränderungen des Bruttoinlandprodukts und der Änderung der Arbeitslosenquote hin. Es lässt sich abschließend sagen, dass ein Ereignis asymmetrische Auswirkungen auf die Beschäftigungslage haben kann, ohne dass dies auch für die Inflation zutreffen muss. Es erscheint jedoch sehr schwierig, statistische Daten für unterschiedliche Teilgebiete miteinander zu vergleichen. Die Isolierung eines beliebigen Ereignisses von anderen störenden und überlagernden Ereignissen bleibt aber Hauptziel.
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2 Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bei B erücksichtigung außenwirtschaftlicher Schocks
2.1 Rahmenbedingungen zu Beginn der Europäischen Zentralbank (EZB) und geldpolitische Maßnahmen in der Europäischen Union
Man kann den Beginn der Währungsunion als eine neue Ära betrachten. Die Geldpolitik wird gemeinsam von der Europäischen Zentralbank durchgeführt, während die Einkommens- und Finanzpolitik von nationaler Ebene aus gesteuert wird. Im folgenden will ich nun auf die einzelnen Elemente der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eingehen. Wie im vorherigen Kapitel schon erwähnt nähern sich die nationalen Konjunkturzyklen der einzelnen Teilnehmerstaaten immer mehr an. Ausnahmen bilden hier noch Irland und Spanien, im Laufe der weiteren Globalisierung der Märkte und der Intensivierung der Handelsbeziehungen jedoch wird auch hier ein baldiges Angleichen erfolgen.
Die Preisniveaustabilität ist sehr hoch in der Europäischen Währungsunion (EWU), die durchschnittliche Inflationsrate der Teilnehmerstaaten sank in den neunziger Jahren von anfangs 4% auf 1% (1998), überschreitet aber mittlerweile wieder das gesetzte Ziel von 2% um 0,6% (Stand März 2001). In Tabelle 2.1 werden tabellarisch einige aktuelle Inflationsdaten von Ausreißerstaaten in der EWU anhand des HVPI (wird verwendet, um die Zahlen der einzelnen Länder korrekt vergleichbar zu messen) aufgeführt.
Tabelle 2.1: Inflationsraten (HVPI) und Arbeitslosenquoten einiger EWU-Länder
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(Quelle: EUROSTAT, 2001)
Die Arbeitslosenquote liegen in einem indiskutablen Bereich (siehe Tabelle 2.1). Auch die öffentliche Verschuldung lag 1997 bei den meisten Mitgliedsstaaten weit über der tolerierbaren Grenze von 60%. Es besteht in jedem Falle Konsolidierungsbedarf, vor allem seitens der Geldpolitk, da der Fiskalpolitik die Hände gebunden sind. Dass Preisstabilität als höchstes Ziel in der EWU ansteht macht sehr wohl Sinn. Alle weiteren Ziele, so Matthes/ Italianer weiter, müssen dem der Preisstabilität untergeordnet werden, da sie dadurch beeinflusst werden. Eine Inflationsrate von 2% gilt allgemein als Ziel. Dazu die EZB: „Preisstabilität wird definiert als Anstieg des Harmonisierten Verbraucherindex (HVPI) für das Euro-Währungsgebiet von unter 2% gegenüber dem Vorjahr.“ Das vorrangige Ziel der Geldwertstabilität ist auch in dem Mastrichter Vertrag (Art.105) festgesetzt. Neben d iesem Vorhaben ist die Europäische Zentralbank aber selbstverständlich auch dazu verpflichtet, die anderen wirtschaftspolitischen Ziele, zum Beispiel die Arbeitslosigkeit gering zu halten, nicht aus den Augen zu verlieren. Jedoch werden alle anderen Ziele ausdrücklich dem Hauptziel untergeordnet. Bei geldpolitischen Entscheidungen müssen immer Inflation und Wachstum gleichermaßen in das Kalkül einbezogen werden. Wird eine Geldpolitik verfolgt, die der Deutschen Bundesbank entspricht, so wird auf Abweichungen der vorgegebenen Werte für Inflation und Wachstum mit Zinsänderungen reagiert werden. Wächst die Wirtschaft also zum Beispiel stärker an als vorgesehen, werden Produktionskapazitäten eng und die Preise steigen an. Eine zur Preisstabilität verpflichtete Zentralbank wird hier nun die Zinsen erhöhen um den unternehmerischen Anreiz zu investieren, zu dämpfen, da dadurch die Kredite „teurer“ werden. Somit würde die Wirtschaft weniger wachsen, was in diesem Falle der Hochkonjunktur im Sinne der Zentralbank wäre.
Krupp/Cabos fragen, ob sich der potentielle Beitrag der Geldpolitik zur Beschäftigung, auf die Stabilisierung des Preisniveaus beschränkt (Krupp/Cabos, 1999, S.176f). Eine eindeutige Ant-wort finden sie hierauf nicht. Bei Inflationsraten unter 10% lässt sich kein Zusammenhang zwischen Inflation und Beschäftigung nachweisen. Dies gilt aber nur für langfristige Prognosen, zyklische Effekte fallen dabei raus. Ich möchte dieses Thema nicht weiter vertiefen, da es sehr umfangreich ist und nicht direkt in diese Arbeit gehört.
Zum Schluss dieses Kapitels möchte ich noch auf die Rede des Präsidenten der EZB, Duisenberg, eingehen, die er am 24.August 1998 vor dem Wirtschaftsbeirat der Union in München hielt (Duisenberg, 1998). Er betonte die Bedeutung der Geldwertstabilität als besten Beitrag der
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Geldpolitik zu anhaltendem Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum, und fügte hinzu:„Stabile Preise tragen zu einem besseren Funktionieren des Binnenmarktes und zur Schaffung einer international anerkannten Währung bei.“ Er betonte, dass der institionelle Rahmen des EU-Vertrags von Mastricht die stabilitätsorientierten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Geldpolitik erfülle, da die EZB eine umfassende Unabhängigkeit inne habe, die nicht auf Weisungen nationaler Regierungen und Institutionen oder europäischen Organe bzw. Einrichtungen der Gemeinschaft reagieren müsse. Auch das ist von größter Wichtigkeit, um die geldpolitischen Aufgaben durchzuführen. Angst, es gebe dadurch keinerlei Kontrolle und die EZB könnte willkürlich agieren ist unbegründet, da es selbstverständlich die Kontrolle durch die Öffentlichkeit gibt, der die EZB ihre Politik unterbreiten wird und auch muss. Es herrscht zudem weiterhin die Pflicht der Veröffentlichung wirtschaftspolitischer Daten zu genau definierten Zeitpunkten. Weiter hob Duisenberg hervor, dass bei geldpolitischen Entscheidungen ausschließlich auf die wirtschaftliche Entwicklung im gesamten Währungsgebiet geschaut werden müsse, nicht auf die Situation in einzelnen Ländern. Nur so kann eine stabilitätsorientierte Geldpolitik langfristig dauerhaft durchgeführt werden.
Nachdem nun die Rahmenbedingungen und die geldpolitischen Ziele kurz erläutert wurden, möchte ich nun auf die große Problematik bei der Durchführung einer solchen Politik eingehen. Es handelt sich um die Zeitverzögerung, den so-genannten time-lag, dem ich das nächste Kapitel widme.
2.2 Time-lags bei der Umsetzung der Geldpolitik und ihre Bedeutung bei der Dämpfung außenwirtschaftlicher Schocks
Will man ein konjunkturpolitisches Instrumentarium zeitgerecht einsetzen, denn nur so ist es wirksam, treten Probleme hinsichtlich der Prognostizierbarkeit und der Länge der Handlungs-und Wirkungsverzögerung auf. Beide Probleme müssen gelöst werden, indem die Lage der timelags konstant, also prognostizierbar, und relativ kurz gewählt werden muss. Bei nichtkonstanten,
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also variablen lags besteht die Gefahr, dass eingesetzte Mittel zur falschen Zeit wirksam werden und unter Umständen konjunkturpolitisch negative Auswirkungen haben können.
BSP
Y*
0 t0 t1 t2
Abbildung 2.1: Lags und destabilisierende Politik (Quelle: Dornbusch/Fischer, 1994)
Die Abbildung 2.1 zeigt eine Störung zum Zeitpunkt t0. Der Output verringert sich unter das Beschäftigungsniveau, welches bei Y* erreicht wäre. Erst bei t1 reagiert nun die Politik und eine weitere Verzögerung tritt ein, bis die Politik zu wirken beginnt. Wenn die politischen Auswirkungen voll zum Tragen kommen, wäre der Output auch ohne politische Maßnahmen wieder auf sein Vollbeschäftigungsniveau zurückgekehrt (Zeitpunkt t2). Durch den politischen Eingriff jedoch erhöht sich der Output kurzzeitig über Y* und schwankt dann um diesen Wert. Nur aufgrund der lags wurde die Politik also zur Ursache von Outputschwankungen. Es gibt nun die unterschiedlichsten Gliederungen der lags. Ich habe mich für die Unterteilung von Dornbusch/Fischer entschieden, da diese eine klare Linie aufweist. Sie definieren lags als zeitliche Verzögerung bei den Auswirkungen der Politik (Dornbusch/Fischer, 1994, S.547ff). Als Ausgangssituation gehen sie von einem Nachfrageschock aus, der sich auch auf die Beschäftigung auswirkt. Da diese Schocks meist ohne Vorwarnung auftreten, wurde im Vorfeld politisch auch nichts unternommen. Nun müssen die Politiker sich also entscheiden, wie und in welchem Umfang sie reagieren sollen. Dazu müssen die Störungen erst mal genauer betrachtet werden, um zu sehen, ob es sich um permanente oder eher transitorische, also kurzfristige, Störungen handelt. Bei letzteren sollte in der Regel gar nichts getan werden, da sie sehr häufig auftreten und meist
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keine großen Auswirkungen haben, bzw. diese schnell wieder verflachen. Voraussetzung ist die richtige Reaktion der Produzenten, die diese Nachfrageverluste durch interne Produktionsänderungen seitens der Lager- oder Produktionspolitik kompensieren können. Sie müssen den Nachfrageschock aber eben als kurzfristig erkennen, da sie sonst unter Umständen „falsch“ reagieren. Es ist also kein Bedarf von Seiten der Politik hier einzuschreiten, dies würde durch den time-lag die Volkswirtschaft sowieso zu spät treffen. Wir merken uns also: Bei kurzfristigen Störungen bringen politische Eingriffe nichts, sondern würden eher die Volkswirtschaft zu einem Zeitpunkt treffen, wo diese sich in einem Vollbeschäftigungsniveau befindet. Diese Maßnahmen würden zu spät greifen und die Volkswirtschaft von diesem Niveau weg bewegen. Die Hauptschwierigkeit liegt aber im Nachweis der temporären Störung. So war am Beispiel des arabischen Ölembargos 1973/74 nicht zu erkennen, wie lang es sich hinziehen würde, oder ob die hohen Ölpreise von Ende 1973 bestehen bleiben würden. Optimisten prophezeiten ein baldiges Ende des Ölkartells und damit eine Ölpreissenkung in naher Zukunft. Diese „nahe Zukunft“ erwies sich im nachhinein als eine Zeitspanne von zwölf Jahren.
Gehen wir nun davon aus, man wüßte, es handele sich um eine Störung mit langfristigen Auswirkungen. Nun unterscheidet man den inneren lag, also die Zeitspanne, die nach dem Erkennen der Störung benötigt wird, um politische Maßnahmen durchzuführen, sei es nun eine fiskalische Steuersenkung oder eine Erhöhung der Geldmenge, und den äußeren lag, der die Zeit bis zur Auswirkung der politischen Entscheidung auf die Volkswirtschaft beschreibt. Der innere lag kann in Erkenntnis-, Entscheidungs- und Durchführungslag weiter unterteilt werden (Dornbusch/ Fischer, 1994, S.549). Für die Geldpolitik ist der Entscheidungslag von besonderer Bedeutung, weshalb ich diesen hier noch kurz erläutern möchte. Es handelt sich um die Verzögerung zwischen der Erkenntnis des notwendigen Handelns und dessen Umsetzung, also die politische Entscheidung an sich. Die Länge dieses Zeitverzugs hängt entscheidend davon ab, wie oft sich die Verantwortlichen treffen und beraten was zu tun ist. Das Offenmarktkomittee in den USA tritt häufig zusammen, somit ist in diesem Falle dieser lag für die Geldpolitik kürzer als in anderen Ländern. Insbesondere da in den USA hauptsächlich Offenmarkttransaktionen als geldpolitische Maßnahmen getroffen werden und diese praktisch sofort nach Einigung ergriffen werden können. Der äußere lag ist im Gegensatz zum inneren lag ein verteilter Verzug. Verteilt meint, dass, wenn die politischen Maßnahmen erst mal getroffen wurden, sich die Auswirkungen auf die Zeit verteilen. Gerade bei der Geldpolitik hat ein Einwirken in die Geldmenge oder die Zinssätze erst mehrere Quartale später Einfluss. Somit ist der äußere lag in der Geldpolitik länger als der innere,
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ganz im Gegensatz zur Fiskalpolitik. Nach einem Beschluss wirkt sich genau dieser sehr viel schneller auf die Volkswirtschaft aus. Das liegt an der Komplexität der Geldpolitik und der ungemein schwierigen Entscheidung wann nun einzugreifen ist. Das birgt die Gefahr, dass die zum Zeitpunkt der gefällten Entscheidung richtige Korrektur zu spät greift und das Gegenteil bewirkt. Warum aber sind die äußeren lags in der Geldpolitik so lange? Alleine die Komplexität kann nicht die Ursache sein. Es hängt sehr stark damit zusammen, dass sich z.B. ein Offenmarktgeschäft erst mal auf die Zinssätze und nicht auf das Einkommen auswirkt, da die Gesamtnachfrage sehr stark von verzögerten Einkommenswerten und den Zinssätzen abhängt. Im nächsten Schritt beeinflussen die Zinssätze mit einer weiteren Zeitverzögerung die Investitionen. Es ist also äußerst kompliziert und verlangt den Politikern einiges ab, zu einem Zeitpunkt zu handeln, zu dem eigentlich noch kein Handlungsbedarf besteht, aber wegen der time-lags schon so früh entschieden werden müsste. Wenn im Vorfeld seitens der Verantwortlichen falsch reagiert wurde, werden dann wieder die Stimmen laut, das hätte man schon lange kommen sehen. Im nachhinein ist man eben immer schlauer. Hierzu passt sehr schön folgender Satz: „Sehr selten wird die Zentralbank gelobt, wenn sie richtige Entscheidungen trifft, doch wird sie ganz sicher kritisiert, wenn sie einen Fehler macht“ (Dornbusch/Fischer, 1994, S.169).
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3 Möglichkeiten der Absorption externer Schocks durch geldpolitische Entscheidungen der Zentralbank
3.1 Bedeutung des Wegfalls des Wechselkursinstruments
Durch die EWU wurden fixe Wechselkurse unwiderruflich festgelegt und somit die flexiblen Einzelwährungen innerhalb der Gemeinschaft abgeschafft. Was hat das für eine ökonomische Bedeutung? Nun, mit festen Wechselkursen werden Wechselkursrisiken ausgeschaltet. Bei flexiblen Kursen können sich die tatsächlichen Wechselkurse ganz anders entwickeln, als man das erwartet. Dies stellt für Wirtschaftszweige eine Gefahr dar, die sowohl im- als auch exportieren. Aus diesem Grund werden feste Wechselkurse von Produzenten in der Wirtschaft zu Recht vorgezogen. Gehen wir nun kurz auf die Vorteile flexibler Wechselkurse bezüglich Schocksituationen ein. Flexible Wechselkurse eignen sich als Schockabsorber, also Schockabwehr, vor allem bei asymmetrischen Situationen. Nehmen wir als Beispiel die Situation einer Nachfrageverschiebung bei Autokäufern, die vorher deutsche Autos (z.B. Mercedes-Benz oder Audi) gekauft haben und sich nun mit französischen Automobilen (z.B. Renault oder Peugeot) begnügen (siehe Abbildung 1.3). Es droht nun ein Beschäftigungsrückgang auf der deutschen Seite, in Frankreich hingegen würden nun neue Arbeitsplätze geschaffen. Am einfachsten wäre nun, wenn die in Deutschland arbeitslos gewordenen Arbeiter nun in Frankreich bei Renault oder Peugeot einsteigen würden. Es dürfte wohl klar sein, dass dies nur im Modell funktioniert. Sprachschwierigkeiten sind nur einer von vielen Gründen, die eine Mobilitätssteigerung seitens der Arbeiter verhindert. In der EWU herrscht, verglichen mit Ländern wie den USA, eine sehr geringe Mobilität an Arbeitskräften, was sowohl innerhalb der EWU als auch außerhalb gilt. Die plausibelste Erklärung hierfür, neben den linguistischen, kulturellen und rechtlichen Unterschieden dieser Staaten, sind hauptsächlich die mit den Wanderungsbewegungen von Arbeitskräften einhergehenden Kosten, die im allgemeinen schwerer wiegen als die Erträge. Dies gilt sowohl für die betroffenen Regionen, als auch für die Arbeitskräfte selbst. Nun würden Wechselkursänderungen ins Spiel kommen, die, um im Beispiel zu bleiben, eine Abwertung der DM gegenüber dem FRF vorsehen würden, und somit eine Nachfrageverschiebung zugunsten deutscher Produkte mit sich bringen würden. Somit müssten die deutschen Mitarbeiter nicht nach Frankreich wechseln, sondern könnten sich bei einem anderen Betrieb in
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Deutschland Arbeit suchen. Anhand dieses Beispiels von Prof. Dr. Läufer (1997) wird deutlich, wie Gegner der EWU, oder allgemeiner gesprochen Gegner der festen Wechselkurse, argumentieren. Länder, die bisher auf externe Schocks teilweise mit einer Abwertung reagierten, müssen in der Währungsunion eine flexiblere Einkommens- und Arbeitsmarktpolitik verfolgen, um einen Anstieg der Arbeitslosigkeit, der drohen würde, zu verhindern. Indirekt ergeben sich so auch positive Auswirkungen für die früheren Hartwährungsländer wie Österreich, da die Partnerländer nun keine Möglichkeit zur Abwertung im Gefolge eines solchen Schocks haben. Läufer hingegen relativiert die Bedeutung des Wegfalls variabler Wechselkurse erheblich. So stellt er zum Beispiel fest, dass die Wirkungen von Wechselkursänderungen nur temporär, also nicht dauerhaft sind. Zudem spielt auch hier ein gewisser time-lag eine Rolle, so treten die Wirkungen auf den internationalen Handel ein bis zwei Jahre später auf. Zudem sind die Wirkungen sehr schwer prognostizierbar. Wirtschaftspolitische Instrumente sollten deshalb vorsichtiger eingesetzt werden, je ungewisser die Zukunft ist. Dies würde also dafür sprechen, dass man auf Wechselkursinstrumente vollständig verzichten könnte. Die Wirksamkeit dieses Instruments, so Läufer weiter, beruht nur auf der Marktunvollkommenheit, also der ungleichen Anpassung von Güterpreisen und Löhnen im Vergleich zu Preisen auf Geld-, Kapital- und Devisenmärkten. Es handelt sich nur um vorübergehende Anpassungen, also nur um einen Aufschub bis andere Instrumente gefunden sind. Es lässt sich nicht bestreiten, dass flexible Wechselkurse ein, wenn auch problematisches, Anpassungsinstrument bei Schocks ist, aber eben nur dann, wenn die Geldpolitik auf uneinheitlichen nationalen Geldpolitiken beruht. Andersherum formuliert, ein verzichtbares Absorberinstrument darstellt, wenn die Geldpolitik kooperativ gestaltet wird. Diese These spielt in dem Kapitel der Schockabsorption asymmetrischer Schocks eine große Rolle, nämlich wenn es darum geht, Asymmetrien in der Konjunkturlage unterschiedlicher Länder, entstanden durch Schocks, zu kompensieren. Ich möchte noch einmal auf das „Rinderwahnbeispiel“ aus Kapitel 1.2.2 zurückkommen. Der Nachfrageausfall (nach Rindern, oder besser deren Fleisch) müsste nun der Theorie der Wechselkursanpassung zufolge durch allgemeine Preissenkungen ausgeglichen werden. Dies würde typischerweise durch eine Abwertung erfolgen. Die Probleme der Viehzucht in dieser Region müssten also durch eine Wettbewerbsfähigkeit gegenüber der britischen Industrie kompensiert werden. Dies kann aber nicht im Interesse eines vereinten Europas und eines funktionierenden Binnenmarktes sein. Bofinger meint dazu, dass sich durch die Abwertung zwar die Preise der Binnenprodukte im Ausland verringern, aber eben auch die relativen Preisniveaus sich im Vergleich zum Ausland
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ändern würden (Bofinger, 2000). Negative Nebenwirkungen wären Verteuerungen bei den aus dem Aus-land importierten Gütern. Unter gewissen Voraussetzungen kann es so zu einer importierten Inflation kommen, dass heißt das Gesamtpreisniveau im Inland steigt. Eine Veränderung des relativen Preisniveaus im Inland würde deshalb nicht erreicht. Die meisten Wirtschaftswissenschaftler sind sich einig, dass sich nicht einmal Ungleichgewichte aufgrund von asymmetrischen Schocks allein, durch das Vorhandensein flexibler Wechselkurse absorbieren lassen. Empirische Tests anhand ökonometrischer Modelle testeten Schockabsorption bei flexiblen und bei festen Wechselkursen (siehe Emerson‘s Quest-Modell der EG, 1992). Es wurde ein Schock auf den französischen Export in Höhe von fünf Prozent angenommen. Die Auswirkungen auf den Output Frankreichs waren immens. Im Falle eines festen Währungskurses bezüglich des Francs wurden Outputeinbußen von 1,3 Prozent im ersten Jahr festgestellt, die anschließende Erholungsphase dauerte sieben Jahre an. Bei flexiblen Währungsparitäten betrug der anfängliche Rückgang zwar nur 0.6 Prozent, jedoch war die Erholungsphase sehr viel länger. Belke und Gros (1997) führten eine ähnliche Studie durch. Auch sie gingen von einem Exportrückgang von fünf Prozent aus. Die Differenz des Outputrückgangs zwischen flexiblen und festen Wechselkursen betrug nur 0,5 Prozent. Freilich war der Rückgang bei festen Kursen höher. Eine entscheidende Frage ist nun, ob sich Wechselkursschwankungen an sich schon negativ auf den Handel auswirken. Die Befürworter der EWU argumentieren, dass der Binnenmarkt eine einheitliche Währung benötigt, da Währungsrisiken eine Art Handelsbarriere darstellen. Die Gegner hingegen bringen an, dass eine direkte Beziehung zwischen Rückgang der Handelstätigkeit und Wechselkursschwankungen nicht nachgewiesen sei. Zudem könnten Währungsrisiken abgesichert werden. Einen letzten Punkt, den ich noch kurz aufgreifen möchte, beschäftigt sich mit dem Zweifel daran, ob flexible Wechselkurse mit schrankenlosen Märkten vereinbar sind, denn genau dies trifft ja beim europäischen Binnenmarkt zu. Es gibt Kritiker, die einen Auf- oder Abwertungswettlauf der Nicht-Euro-Länder befürchten. Bordes und Discoll (1990) beschreiben zum Beispiel, wie einzelne Länder bei einem europaweiten Schock ihre Zinssätze, und damit den Wechselkurs, anheben um damit die Inflationsauswirkungen im eigenen Land zu drücken versuchen. Dies könnte von anderen Ländern, also zum Beispiel Handelspartnern imitiert werden und würde zu einer deflationären Spirale führen. Belke und Gros (1997) meinen, dass sämtliche Wechselkursveränderungen eine Nachfrageverlagerung in das andere Land mit sich bringen.
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3.2 Lösungsansatz bei externen Schocks
Was gibt es also nun für Absorptionsmöglichkeiten, wenn ein Land von einem Schock betroffen wurde? Nachdem ich auf die Bedeutung des Wegfalls des flexiblen Wechselkurses als Schock-absorber eingegangen bin, soll nun im nächsten Kapitel auf weitere Möglichkeiten hingewiesen werden, wie man erfolgreich gegen externe Störungen ankämpfen kann. Die Ökonomen sind sich zwar nicht einig, ob es in der Zukunft viele asymmetrische Schocks geben wird, jedoch findet man in der Fachliteratur praktisch nur Maßnahmen gegen genau diese Art von Störungen. Da, wie im Kapitel über die Gründe und Bedeutung asymmetrischer Schocks (Kap.1.3) bereits erwähnt, in der EWU Länder mit unterschiedlichen Spezialisierungen, und dadurch einer großen Produktpalette, zueinander wachsen werden, werden asymmetrische Schocks eher weniger werden. Diese sind mit größerer Wahrscheinlichkeit in Ländern zu finden, die sich durch eine hohe regionale Spezialisierung auszeichnen. Zudem sprechen die ähnlichen Wirtschaftsformen dagegen, welche in den Kern-EU-Ländern anzutreffen sind. Trotzdem sind diese Arten von Schocks nicht auszuschließen, betrachten wir doch nicht nur die Kernländer, sondern das gesamte EU-Gebiet. So sind Länder wie Griechenland, Finnland, Dänemark oder Portugal allein wegen ihrer andersartigen Wirtschaftsstruktur weiterhin stark gefährdet. Relativierend lässt sich sagen, dass die Produktionsstrukturunterschiede zwischen den teilnehmenden EWU-Staaten um die Hälfte geringer sind als die zwölf „Federal Reserve Districts“ der USA. Auf Länderebene werden Schocks asymmetrischer Art sehr relevant sein, da die Fiskalpolitik in der EWU national bleibt. Fast sämtliche Publikationen berühmter Wirtschaftswissenschaftler in diesem Gebiet beschäftigen sich eben genau mit diesen asymmetrischen Störungen und deren Absorption. Ich will mich deshalb auf die Absorption dieser asymmetrischen Schocks begrenzen, gibt es doch auch Befürchtungen, dass unerwartete Marktstörungen, also wirtschaftliche Schocks, bei festen Wechselkursen zu einer erhöhten Arbeitslosigkeit führen. Diese Unterstellung ist Teil der Theorie optimaler Währungsräume, auf die ich hier aus Platzgründen nicht weiter eingehen kann (siehe: Mundell, 1961).
3.3 Absorption asymmetrischer externer Schocks
Die Europäische Währungsunion hatte zu Beginn einen reibungslosen Start. Die Frage einiger Ökonomen ist nun aber, wie sie sich in Zukunft bewähren wird. Es sind hauptsächlich diejenigen,
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die der Wirtschaft Inflexibilität vorwerfen und somit nicht glauben, dass der Schockabsorber Wechselkurs einfach abgesetzt werden kann, der sich in der Vergangenheit ihres Erachtens sehr gut eignete, wenn es darum ging asymmetrische Schocks auszumerzen. Müller und Buscher beschäftigten sich mit der Frage, ob Wechselkursänderungen (und auch Zinspolitik, dies möchte ich hier aber vernachlässigen) in der Vergangenheit als Instrument einer nationalen Politik dienten, um die eigene Wirtschaft von der Entwicklung der übrigen Staaten abzukoppeln oder um zu einer besseren Synchronisation der konjunkturellen Entwicklungen zwischen den Staaten zu führen (Müller/Buscher, 1999). Sie unterschieden Kernländer (Österreich, die Niederlande, Frankreich), also Länder die ihre Geldpolitik in der Vergangenheit parallel zu Deutschland führten, und typische Nicht-Kernländer (Italien und Großbritannien). Ein Ergebnis ist, dass die flexiblen Wechselkurse in Kernländern halfen, Wirtschaftszyklen zu synchronisieren, während sie in den Nicht-Kernländern eingesetzt wurden, um die Wirtschaft von der Entwicklung der anderen Staaten abzukoppeln, also unabhängig zu werden. Es müssen also Alternativen gefunden werden, um diese Schocks auch in der Zukunft abzuwehren. Flexible Preise oder Löhne und vor allem Kapital- und Arbeitskräftemobilität wären mögliche Instrumente. Man muss aber sehen, dass die meisten Ökonomen, so auch Müller und Busch, sich einig sind, dass die Absorberwirkung dieses nun wegfallenden Instruments relativ gesehen gering war. Trotzdem wird es auch in der Zukunft immer wieder zu asymmetrischen Schocks kommen, die es abzuwehren gilt. Um nun also langfristig erfolgreich bei der Bekämpfung externer (asymmetrischer) Schocks zu sein, muss die Reaktion einer Volkswirtschaft bei dieser Art von Störungen auf struktureller Ebene erfolgen. Dies bedeutet Flexibilität in den Löhnen und sektorale Mobilität. Grenzüberschreitende Migration von gesamtwirtschaftlicher Relevanz wird in der EU keine politische Unterstützung finden und ist deshalb unrealistisch. Die sprachliche und kulturelle Vielfalt Europas stellt ein Hemmnis dar, sobald das Einkommensniveau in potentiellen Abwanderungsgebieten über dem Substanzwert liegt. Reallohnflexibilität und sektorale Mobilität sind im Prinzip wirkungsvolle Mechanismen, die es beim Übergang zur Europäischen Währungsunion zu stärken gilt. Eine Auflistung politischer Maßnahmen zur Förderung der Harmonisierung, die gleichzeitig die Mobilität der Arbeitskräfte erhöht, findet sich bei McLennan (1998). Ich möchte nur kurz auf ein paar konkrete Ansatzpunkte eingehen, da die meisten Punkte zu speziell sind. McLennan fordert zum Beispiel eine flexiblere Nutzung von Grundsteuer zur Verringerung der Preisschwankungen bei Wohneigentum, um der verbundenen Einschränkung der Mobilität der Arbeitskräfte entgegenzuwirken, die eine Friktion im Wohnungsmarkt mit sich bringt. Darüber
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hinaus fordert er eine Förderung des privaten Mietsektors und des Übergangs zu Marktmieten im größtmöglichen Teil des Sozialwohnungssektors.
In bezug auf das außenwirtschaftliche Gleichgewicht wird die Fiskalpolitik eine durchaus wichtige Rolle einnehmen. Aus dem stabilitätspolitischen Vakuum in der EWU könnte insofern ein Bedeutungsgewinn der Finanzpolitik resultieren, deren Wichtigkeit angesichts der Aufhebung einer eigenständigen Geld- und Wechselkurspolitik bewiesen werden sollte. Spezifische Störungen und Probleme können nur dann wirksam bekämpft werden, wenn den nationalen Regierungen innerhalb der EWU eine großzügige Fiskalautonomie für Stabilisierungsmaßnahmen gewährt wird.
3.4 Kooperationsgedanke 3.4.1 Grundgedanken
Nun ist die Frage, ob die EWU auch dank ihrer Größe an politischer Bedeutung gewinnen wird und damit auch besser Schocks aus Nicht-EWU-Ländern verkraften kann. Die Einschätzung hierzu ist recht vage. Ich möchte nun die Auswirkungen der EWU auf die internationale politische Kooperation genauer beleuchten. Nehmen wir also irgendeine Volkswirtschaft, oder noch allgemeiner irgendein Wirtschaftssubjekt. Das Ziel dieses Subjektes wird es immer sein, sich wirtschaftlich im Rahmen seiner Restriktionen und Möglichkeiten zu verbessern. Hinsichtlich einer möglichen internationalen Kooperation bedeutet das nichts anderes, als dass diese nur funktioniert, wenn alle Beteiligten in der neuen Situation dazugewinnen, schlechtestenfalls gleichbleiben, niemals aber verlieren werden. Funktionieren tut das alles in der dargestellten Situation nur dann, wenn alle beteiligten Länder dazugewinnen können. Problematisch ist die Frage, wie dieser Gewinn aussieht, und ob es sich wirklich um einen Gewinn handelt, spielen doch in einer Volkswirtschaft sehr viele Parameter eine Rolle. Man geht allgemein davon aus, dass die staatlichen Behörden ein Inflations- und ein Outputziel haben (siehe: European Parliament, Workingpaper, 1998, Chapter III, 1). Beide Variablen sollen sich also ihren Zielwerten annähern, sie optimalerweise erreichen.
Eine große Rolle nimmt bei Kooperationsfragen auch die Spieltheorie ein. Die Spieler haben im einfachsten Beispiel die Möglichkeit des kooperierens oder des verweigerns mit unterschiedlicher
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Auswirkung auf den Gesamtertrag (meist in Form von Auszahlung). Hier gilt, dass es sich im Hinblick auf den gemeinsamen Gewinn immer lohnt zu kooperieren.
Abbildung 3.1: Nutzen-Matrix für das Prisoner’s Dilemma Game (Quelle: Axelrod, 1997)
Es gibt nun bei endlich vielen Spielrunden unterschiedliche Strategien. Dabei hat sich herausgestellt, dass die sogenannte „Tit-for-Tat“ Methode, zu deutsch „wie-du-mir-so-ich-dir“, langfristig als die für alle Seiten effektivste im Sinne der Allgemeinnutzenmaximierung herausgestellt hat. „Tit-for-Tat“ sagt aus, dass man im ersten Zug (in der ersten von n Spiel-runden) stets zu kooperieren hat und danach das tun soll, was der Gegner im Zug zuvor gemacht hat. „Tit-for-Tat“ versucht den Gegner also gewissermaßen davon zu überzeugen, dass es sich auszahlt zu kooperieren (wenn beide kooperieren gibt es nämlich den optimalen Gesamtnutzen, wie auch in Abbildung 3.1 ersichtlich). Erfinder dieser verblüffend einfachen, effektiven und nicht zuletzt freundlichen Variante („freundliche“ Methoden kooperieren stets im ersten Zug) ist der Spieltheoretiker Anatol Rapoport, der bei einem Spielturnier, welches von dem Politologen Robert Axelrod in den späten siebziger Jahren an der University of Michigan veranstaltet wurde, teilnahm und verblüffenderweise sämtliche Teilnehmer besiegte, die komplizierteste Taktiken anwandten, um möglichst reale Effekte zu erzeugen.
Deutlich wird die Effizienz der Zusammenarbeit auch an biologischen Beispielen wie dem Ameisenstaat oder mehrzelligen Organismen, da es sich auch hier auszahlt zu kooperieren und das Zusammenwirken kleinerer Einheiten zur Bildung komplexer, resistenter Strukturen geführt hat. Bei höheren Lebewesen kann Kooperation dadurch ausgebildet und erhalten werden, dass sie häufig wieder aufeinander treffen und erneut zu entscheiden haben, ob in der jeweiligen Situation
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(„Spielrunde“) kooperiert oder verweigert wird. Man nennt das auch das iterative „Prisoner’s Dilemma Game“ (kanonische Nutzen-Matrix siehe Abbildung 3.1). Dieses theoretische Modell kann folgendermaßen bedingt auf die EWU übertragen werden. Auch hier treffen unterschiedliche Staaten mit unterschiedlichen Interessen aufeinander und haben über eine gemeinsame Geldpolitik für das gesamte EWU-Gebiet zu beratschlagen. Auch hier steht der Gesamtnutzen im Vordergrund und nicht nationale Interessen und egoistische Belange, die anderen Staaten schaden oder zumindest die gemeinschaftlichen Ziele nicht tangieren bzw. unterstützen.
3.4.2 Interessenunterschiede hinsichtlich einer Kooperation zwischen Europa und den Vereinigten Staaten von Amerika
Wie sieht nun das Interesse einer globalen Kooperation, die freilich als Schockabsorber sinnvoll wäre, in der Realität aus? Es hat sich herausgestellt, dass die europäischen Länder weniger Interesse haben, mit, den USA global zu kooperieren, wenn das innereuropäische Koordinationsproblem erst mal gelöst ist. Folgender Fall soll hier als Beispiel dienen (European Parliament, 1998, Chapter III.1.1): Zwei europäische Länder und die USA leiden unter einem inflationären Angebotsschock. Dies führt zu einer Preissteigerung und einer Outputsenkung. Nehmen wir nun zunächst einmal die Auswirkungen bei flexiblen Wechselkursen. Die politische Reaktion auf diesen symmetrischen Schock wäre eine Aufwertung der Währung eines jedes einzelnen Partners gegenüber den Währungen der anderen beiden Partnern, um die eigene Währung zu stabilisieren, also eine zu restriktive Maßnahme. Wenn alle drei Länder die gleichen Maßnahmen ergreifen würden, würde zwar der Wechselkurs stabilisiert, der Output dafür drastisch sinken. Es müsste bei einer Kooperation in diesem Beispiel also das Ziel der Stabilität durch Wechselkursvariationen aufgegeben werden, was dann die drastischen Outputrückgänge reduzieren und die Inflationsschwankungen nicht verstärken würde. (Im Falle asymmetrischer Schocks ist eine solche globale Kooperation schwerer zu verwirklichen, da dann auch die Maßnahmen asymmetrischer Art sein müssten.) Nun muss auch erwähnt werden, dass sich Marktstörungen der US-Wirtschaft auf die einzelnen EU-Mitgliedsstaaten weitaus drastischer auswirken, als die in den einzelnen europäischen Volkswirtschaften auf die anderen Weltmärkte, was eine größere Kooperationsbereitschaft der europäischen Länder mit den USA bedeutet. Zudem sind die innereuropäischen Auswirkungen von Marktschocks nachhaltiger als die transatlantischen. Werden nun erst mal die innereuropäischen Ineffizienzen der Maßnahmen überwunden, werden die Maßnahmen auf einen symmetrischen Schock sowohl in den USA als auch in Europa
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symmetrisch sein, die Reaktionen sind dann also in beiden Regionen gleich. (Auch das spricht dafür, dass asymmetrische Schocks in der EWU an Bedeutung verlieren werden.) Es folgt, dass der Anreiz der Europäer mit den Amerikanern zu kooperieren genau so groß oder so klein ist, wie vice versa. Und das bedeutet entweder eine Abschwächung der transatlantischen Beziehung oder, was wahrscheinlicher sein wird, eine größere Ausgeglichenheit bei Verhandlungen zwischen den USA und Europa. Es wird als wahrscheinlich angenommen, dass sich das Interesse der Europäer an einer globalen Kooperation durch die EWU verringert, das der USA dagegen erhöht wird (European Parliament, Workingpaper, 1998, Chapter III.1). Dies setzt aber eine innereuropäisch völlig einwandfrei funktionierende Wirtschaft voraus, da Europa hier als ein einziger Akteur gesehen wird. Die Zukunft der internationalen Kooperation wird in der Praxis davon abhängen, wie sie innerhalb der EWU organisiert ist.
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4 Evidenz von außenwirtschaftlichen Schocks in der EWU 4.1 Bedeutung externer Schocks in der EWU
Nachdem in den vorangegangenen Kapiteln externe Schocks definiert, beschrieben und Möglichkeiten der Absorption erläutert wurden, möchte ich noch einmal kurz auf die Bedeutung in der EWU eingehen. Wie nun schon mehrfach erwähnt wurde, kann man wohl davon ausgehen, dass vor allem asymmetrische Schocks in einer gemeinsamen Währungsunion in Europa immer weniger vorkommen werden. Dadurch, dass durch diesen Zusammenwachsprozess eine Gemeinschaft entsteht, die sich auch durch ihre Größe der Volkswirtschaft der USA messen lassen kann, und deren Geldpolitik zentral geführt wird und nicht auf nationale Missstände einzugehen braucht, wird ein außenwirtschaftlicher Schock besser verkraftet und abgewehrt werden können, als dies in der Vergangenheit in den einzelnen Staaten der Fall war. Der Euro als gemeinsame Währung der EWU-Mitgliedstaaten wird an internationaler Bedeutung gewinnen und zu einer größeren Übereinstimmung zwischen Europa und den USA führen. „Die Währungsbeziehungen, die in der Vergangenheit durch Asymmetrien gekennzeichnet waren, werden sich entsprechend wandeln. Die Möglichkeiten der EG, in Währungsangelegenheiten zu kooperieren, werden gefördert werden, während zugleich die möglichen Kosten eines Währungskonflikts für Europa im Verhältnis zu seiner wirtschaftlichen Größe sinken“ (Henning, 1991, S.324ff). Sicher wird der Euro den US-Dollar nicht als führende internationale Währung ersetzen, er wird aber sicherlich einen Teil seiner Rolle übernehmen. Die gesamtwirtschaftliche Erzeugung in den EWU-Ländern wird in naher Zukunft denen der USA entsprechen. Die Wachstumsaussichten der EU liegen über denen der USA, so dass sich das Bruttosozialprodukt in der EWU - insgesamt gesehen - in naher Zukunft über dem der USA befinden dürfte. Diese, zugegebenerweise, sehr optimistischen Aussichten lassen darauf schließen, dass sich die gemeinsame Währungsunion unter bestimmten Voraussetzungen zu einem guten Puffer gegenüber Schocks aus dem Ausland entwickelt.
4.2 Resume
Das Thema Schockbekämpfung wird auch in der Zukunft von Bedeutung sein, wenn auch die sogenannten asymmetrischen Schocks an Bedeutung verlieren werden, da die EWU-Staaten von ihrer Wirtschafts- und Außenhandelsstruktur viele Gemeinsamkeiten aufweisen. Zudem herrscht
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in dem Währungsgebiet eine große Vielfalt an Produkten und eine hohe regionale Spezialisierung, was die Gefahr von asymmetrischen Schocks hemmt. Keine Frage, dass es vor allem zu sektoralen Schocks führen kann, diese weiten sich jedoch meist nicht zu länderweiter Größe aus. Es ist aber auch ganz klar, dass asymmetrische Schocks in Zukunft nicht ganz auszuschließen sind und der Spielraum nationaler automatischer Stabilisatoren dann unzureichend sein wird, wenn die nationalen Haushalte über gewisse Zyklen hinweg nicht im Gleichgewicht sein werden. Eine einheitliche, am EWU-Durchschnitt orientierte Zinspolitik könnte zwar für einige Volkswirtschaften ungeeignet sein, Probleme in einzelnen Ländern würden dann aber über eine nationale Fiskalpolitik zu verhindern sein. Eine Konsequenz hieraus ist, dass die EU-Kommission dem EU-Rat einen Stabilisierungsfonds zur Bekämpfung länderspezifischer Schocks (Art. 103a EUV) vorschlägt, um im Ernstfall Länder die von asymmetrischen Schocks bedroht sind mit Liquidität zu versorgen.
Eine für die Ökonomen sehr interessante Frage ist die, wie nun die EWU, nach dem Verlust des Wechselkursinstruments als Schockabsorber, auf Störungen reagiert. Eine große Gruppe von Wirtschaftswissenschaftlern verweist darauf, dass dies von jeher nur eine stumpfe Waffe war, von „Verlust“ somit kaum gesprochen werden kann. Es wird sehr viel davon abhängen, wie preisstabil die Währungsunion sich erweisen wird und wie die Geldinstrumente eingesetzt werden. Früherkennung eines Schocks und die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt, also lags so kurz wie möglich zu halten, wird mit Sicherheit durch die Größe der Gemeinschaft nicht einfacher. Kritiker bemerken außerdem, dass die Mentalität der EWU-Befürworter, ganz nach dem Motto „one size fits all“, in bezug auf eine europäische Geldpolitik niemals für sämtliche Mitgliedsstaaten zutreffen kann. Man wird sehen, wie sich das Ganze entwickeln wird. Ich denke aber, dass durch eine einheitliche Geldpolitik gerade in dem europäischen Währungsgebiet, sich relevante Schocks weniger stark ausprägen können und dadurch auch eine Absorption einfacher vorgenommen werden kann. Wo die Geldpolitik versagt, vor allem also bei den länderspezifischen Schocks, müssen eben nationale fiskalpolitische Maßnahmen ergriffen werden. Häufige Treffen aller Beteiligten EZB-Mitglieder und konstruktive Gespräche sind genauso Voraussetzung für eine Früherkennung externer Störungen, wie die Außerachtlassung sämtlicher nationaler Interessen oder politische Einreden in geldpolitischen Fragen. Solche konstruktiven Gespräche führen schließlich auch der Spieltheorie nach zu dem größten gemeinsamen Erfolg. Nur so können externe Schocks für die gesamte Gemeinschaft unbedeutsam klein bleiben oder rechtzeitig abgefedert werden.
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