Überschrift “versprochene“, und bis jetzt nicht erwähnte oder behandelte Verfall zum Ausdruck. Ein Hauch von Verfall lässt ihn erzittern. Urplötzlich sieht er nicht mehr die freien Vögel gegen Süden fliegen, sondern die klagende Amsel auf dem entlaubten Zweig. Das Laub unterliegt dem Verfall, der Vogel muss leiden, Genauso wie ein Mensch im Krieg. Der rote Wein dann, die erste Farbe in dem Gedicht, schwankt an einem verrosteten Gitter. Rot wird als aggressive Signalfarbe interpretiert, Gitter als hart, undurchdringlich und freiheitsberaubend. Durch die Jahreszeit und die Zeit an sich bedingt(Oxidation), unterliegen auch sie dem Verfall. Durch das Komma am Ende der dritten Strophe wird jetzt eine Verbindung zur vierten hergestellt. Das Tempo beim Lesen wird so erhöht und eindringlich werden nun immer düstere Bilder hergestellt. Blasse, also kranke Kinder, tanzen den Tanz des Todes um dunkle Brunnen, in welche sie wohl unweigerlich stürzen werden, weil die Ränder verwittern - frei interpretiert, aber sicherlich möglich. Die blauen Astern wirken ebenfalls halb tot. Sie neigen ihre Köpfe, und blau ist eine kalte Farbe, wie z.B. der Tod selbst kalt ist. Georg Trakl wünscht sich eine andere, bessere Welt. Seine gesamten Werke waren fast ausnahmslos melancholisch. Vielleicht war dies auch von seiner schweren Kindheit her bedingt. Vielleicht war auch seine Lebenslust gedämpft, weil er die noch bevorstehenden Ereignisse ahnte. Trakl starb 1914 an einer Herzlähmung, hervorgerufen durch eine Überdosis Kokain. Seine Werke werden heute noch gelesen, allerdings will ich in meinem Alter noch nichts von Sinnlosigkeit und Melancholie wissen.
Analyse “Abend“
Das zweite Gedicht “Abend“ stammt aus dem Jahre 1650 und wurde von dem bekannten Barockdichter Andreas Gryphius verfasst. Entsprechend der Zeit, in welcher die Kluft zwischen den Klassen extrem groß war, ist auch bei diesem Gedicht die einzige Hoffnung Gott und der Tod. Die Pest wütete über das Land, Kinder verendeten wegen Seuchen schon in der Wiege, und niemand starb an Altersschwäche. Die Arbeit war hart und keiner hoffte auf die Hilfe der Adligen. Die Flucht ging in den Glauben und die Vorstellung, dass der Tod, und damit der Eintritt ins Jenseits, einem nicht nur Erlösung, sondern auch ein “besseres“ Leben beschert. Das lyrische Ich begreift in diesem Sonett die Nichtigkeit des Seins aus einer tiefen Depression heraus. Nachdem ein weiterer anstrengender Tag zu Ende ist, macht sich nun Einsamkeit breit. Es drängt sich unweigerlich die Frage auf: Ist da sonst gar nichts mehr? Das lyrische Ich bemerkt, dass es sich mehr und mehr dem Hafen des Todes annähert(“Port“), wie jedes andere Leben und Ding auch. Viel zu schnell vergeht das Leben, als wäre er auf der “Rennebahn“. In seiner Verzweiflung bleibt ihm nur der Schrei nach Gott und nach Erlösung durch ihn.
Dieses Gedicht kann typischer für den Barock nicht sein. Aus einschlägiger Literatur habe ich erfahren, dass auch die Form für Gryphius typisch war. Wir finden hier den Alexandriner, welcher eine Versart ist, die sich durch einen sechshebigen Jambus in der Mittelzäsur auszeichnet. Diese Versart soll in Sonetten mit solchen Themen den Ausdruck und die Wirkung auf den Rezipienten unterstützen. Die Quartetten und Terzetten passen inhaltlich zueinander. Erstere sind mit umarmenden Reimen geschrieben, letztere mit Schweifreimen. Er benutzt männliche und weibliche Kadenzen, außerdem sind alle Reime rein. Die Satzstellung ist etwas ungewöhnlich und die Sätze passen nicht unbedingt zusammen. Besonders interessant ist die Stelle:
„…Der Menschen müde Scharen
Verlassen Feld und Werk; wo Tier‘ und Vögel waren, Trauer itzt die Einsamkeit…“
„Wo Tier‘ und Vögel Waren“ kann entweder der Schluss vom Satz davor sein, oder der Anfang vom darauffolgendem. Im übrigen ist der Satzbau eher parataktisch. Die ersten beiden Strophen werden als „Momento mori“ beschrieben. Das Leben wird pessimistisch dargestellt. Es ist sozusagen ein antithetisches Weltbild. Die erste Zeile teilt uns eine Missgunst gegenüber dem Tag mit. Schnell ist er, und unerwünscht. Die Nacht ist viel wichtiger. Die einzige Zeit in der Mensch überhaupt Mensch sein kann. Das lyrische Ich bemerkt wie unsinnig sein Tun ist, wie vertan die Zeit ist(Zeile 4). Wird nicht gearbeitet, herrscht Einsamkeit, die auch noch trauert. Jetzt, in der zweiten Strophe gelangt das Ich zu noch bedrückender erscheinenden Erkenntnissen. Alles wird vergehen, alles wird in den Hafen des Todes(“Port“) einfahren, genauso schnell wie das Tageslicht dem abendlichen Dunkel weichen musste(Zeile 5,6). Viel zu schnell vergeht ihm das Leben. Es ist eben wie auf der Rennbahn: Kaum begonnen, ist es auch schon wieder vorbei. Sinn und Zweck bleiben auf der Strecke. Nach dieser zutiefst erschütternden Erkenntnis ist kein Ausweg mehr in Sicht. Nur Gott kann ihm noch helfen auf der Rennbahn(“Laufplatz“) des Lebens zu bleiben. Das lyrische Ich möchte nicht vom Weg abgebracht werden, egal was immer ihn verleiten möchte(Zeile 10). Sehr eindeutig fordert er Gott mit seiner wiederholenden Aufforderung „Laß“ auf, ihn zu unterstützen, zu leiten und allgegenwärtig zu sein. Auch wenn das biologische Leben endet, möchte er geführt werden. Gerade dann möchte das Ich aus dem Leben gerissen werden, aus dem „Tal der Finsternis“. Der sterbliche Leib soll die wache Seele freigeben. Und genau dann, am letzte Tag des aus „Gliedern bestehenden Kahns“, des Körpers, soll es sich bezahlt machen ein Leben nach Gottes Willen geführt zu haben. Obwohl vom Tod gesprochen wird, erscheint er nicht furchtbar, sondern nach den Beschreibungen der ersten beiden Strophen, als erlösende Befreiung von den Qualen des Lebens. Dieses wirklich eindringende Sonett lässt mich als Leser in einen schwarzen, tiefen Brunnen fallen. Es regt zum Nachdenken an, aber ich sage mir, solange ich denke, bin ich auch. Nur die Verbindung von Seele und Körper kann leben. Wir sollten alles dafür tun, dass in unserer Welt der Mensch auch leben kann und nicht als schindendes und kränkelndes Werkzeug endet. Ich lebe nicht um zu arbeiten, ich arbeite um zu leben.
Zusammenfassung
In der nun folgenden Zusammenfassung werde ich versuchen auffällige Gemeinsamkeiten und Unterschiede festzustellen. Eigentlich sollten gravierende Unstimmigkeiten zu finden sein, denn die Verfassungsdaten liegen 263 Jahre auseinander. Während Gryphius ein Barockdichter war, war Trakl ein Expressionist. Doch wenn man die Hintergründe der Geschichte betrachtet, kann man doch viele Parallelen ziehen. Beide Autoren schrieben ihre Gedichte in einer Zeit, in der das einzelne Leben nicht viel Wert hatte. Trakl wusste anscheinend, dass es zum Krieg kommen würde, bei welchem Leben oder Sterben reine Glückssache ist. Genauso war es Glückssache im 17. Jahrhundert der Pest oder ähnlichen Krankheiten zu entkommen. Somit war die Grundvoraussetzung für beide gleich: Keine Chance, dem Leben Spaß abzugewinnen. Formal gesehen fällt schnell auf, dass beide Werke Sonetten sind. Die Satzwahl ist bei beiden eher parataktisch. Die Re imformen unterscheiden sich nur bei den Terzetten. Beide Autoren benutzen viele sprachliche Bilder, Vergleiche und personifizieren gern. Wobei diese Bilder und Vergleiche in den ersten Strophen noch verständlich und auch eindeutig sind, werden sie bei beiden Gedichten zum Schluss hin zunehmend komplexer und interpretationswürdiger. Was mir beim Lesen besonders aufgefallen ist, dass sich beide Gedichte, meiner Meinung nach, inhaltlich überschneiden. Nach dem “Verfall“ kann man sagen, kommt das Ende, der “Abend“. Bei Trakls Gedicht kommt wenigstens am Anfang noch ein Hauch Lebensfreude auf, denn solange man noch die „Glocken Frieden läuten“ hört und man „wundervollen Flügen“ folgen kann, ist die Welt als solche noch lebenswert. Im Gegensatz dazu, findet das lyrische Ich beim “Abend“ schon in den ersten Versen heraus, wie “vertan“ die Zeit doch ist. Dies sagt schon der Titel aus: Der
Abend ist schon da, der Verfall muss aber erst noch geschehen. Erst bei den Terzetten kehrt das Ich aus „Verfall“ in die Realität zurück und sieht die tatsächlichen Umstände des Seins. Wahrscheinlich ist dies auch epochal bedingt, denn die Kriegsgegner, wie Trakl wohl einer war, hatten zu dieser Zeit noch die Hoffnung eine Wende in der Entwicklung der Auseinandersetzungen zu erleben. Allerdings nur die Hoffnung. Verändern konnten sie kaum etwas, genauso wenig wie die Künstler des Barock. Ihre Möglichkeiten Verbesserungen herbeizuführen waren ebenfalls sehr begrenzt. Der König herrschte uneingeschränkt. “Politische Gegner“, wenn man diese überhaupt so bezeichnen konnte, machten sich kaum Chancen aus, die Welt zu bekehren. Sie konnten nur Realität darbieten und den Zusammenhalt festigen. Die einzige Hoffnung der Mittellosen lag in der Gnade Gottes. Der Tod als Flucht aus dem “Tal der Finsternis“. Vielleicht nutzte dies auch Georg Trakl. In seiner Sterbeurkunde wurde als Sterbeursache Freitod durch eine Überdosis Kokain festgehalten. Obwohl er in seinem Gedicht mit keinem Wort Gott direkt erwähnte, war für ihm der Tod wohl auch die bessere Art zu “leben“. Wie man so bei beiden Gedichten erkennen kann, ist es, egal wann man lebte, immer noch besser zu sterben, als ein menschenunwürdiges Leben zu führen. Die Suche nach Hilfe ist dann meist vergebens. Denn realistisch gesehen ist der Glaube an Gott ein Triebzug der Selbsterhaltung. Im Gegensatz zu Trakl hatte das Ich bei Gryphius noch etwas, auf was man sich freuen konnte: Der Tod, die Erlösung. Menschen werden wohl immer so, oder so ähnlich reagieren, wenn sie allein und ohne Unterstützung sind, wie in diesen beiden Gedichten.
Mir persönlich geht Trakls Werk näher. Wahrscheinlich liegt das an der zeitlichen Nähe. Auch bewundere ich jemanden, der, obwohl fast das gesamte Volk für einen Krieg war, mit als einziger die Konsequenzen bedachte. Es ist nicht leicht in unserer Welt einen klaren Kopf zu behalten und uns nicht von der Propagandabombardierung der Medien beeinflussen zu lassen. Die fast gebetsartigen Hilferufe aus “Abend“ entsprechen wohl nicht mehr ganz unserem Zeitgeist, obwohl der Einzelne, realistisch gesehen, auch heute noch kaum etwas ändern kann.
Arbeit zitieren:
Steve Kapocsi, 2001, Gryphius, Andreas - Abend - Gedichtsvergleich mit Trakl, Georg - Der Verfall, München, GRIN Verlag GmbH
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Literature and Religion: Pascal, Gryphius, Lessing, Holderlin, Novalis
Walter Jens, Hans Kung, Hans Kng
solenne
stil !!! :(.
Du liebe Güte- hat sich wirklich jemand getraut, dieses Machwerk (!) als Hausaufgabe im Deutschunterricht vorzulegen??
Miserabler Stil: Parataxe, an Parataxe, nachfolgende Arbeitsschritte ("im Folgenden werde ich...") NICHT ankündigen, sondern AUSFÜHREN- Jugendjargon ("krass", "will ich nichts von wissen") hat in derartigen Texten nichts, aber auch wirklich garnichts zu suchen.
am Thursday, January 31, 2002-
Anonym
Abend.
finde ich gut!!!!
am Sunday, November 30, 2003-
hä
bla.
wo ist krass in der beziehung denn bitte jugendjargon?
am Wednesday, April 11, 2007-