In einfachen Worten heißt das so viel wie wenn ein Autor ein Überlebender einen Text einen Roman schreibt so dürfen diese Informationen nicht immer als 1:1 wahrheitsgemäß hingenommen werden. Was aber nicht heißt das es den Holocaust nicht gegeben hat und das alle Zeugnisse der Überlebenden falsch sind. Wie bei einem Roman der über eine wahre Begebenheit handelt, Tatsachen mit literarischen Mitteln verknüpft werden, so kommen bei der Beschreibung des Grauens, des Genozid ebenfalls literarische Mittel vor. Diese Mittel so Young kann man kritisieren. Den wie in jeder anderen Literaturart gibt es auch in der Holocaust Literatur, schlechte und gute Werke. Einen Werk als schlecht darzustellen fällt natürlich auch heute noch sehr schwer. Kritiker werden sofort in das Licht des Antisemiten gerückt. Darum sind auch viele Kritiker Juden oder zumindest nicht Deutsche (Österreicher).
Das ist vielleicht auch gut so, den Holocaust Literatur und Kritik ist ein politisch höchst brisantes Thema.
Viele Autoren versuchen auch jede Literarisierung ihrer Texte zu vermeiden. In Peter Weiss Die Ermittlung, wird fast der gesamte Wortlaut des Protokolls der Frankfurter Auschwitz- Prozesse wiedergegeben. Hier stellt sich auch die Frage ob Werke von Autoren wie eben Peter Weiss, die „das Lager“ nicht erlebt hatten zur Holocaust- Literatur gerechnet werden können.
Ich möchte hier wieder James E. Young zitieren:
„Indem der Holocaust in die Sprache und in die Metaphern eingeht, wird die Erinnerung weit über das Leben der authentischen Zeugen hinaus bewahrt: »In diesem Fall ist eine missbrauchte Erinnerung, mit der wir uns kritisch auseinandersetzen können, besser als gar keine Erinnerung.«“ Als fiktive Literatur über den Massenmord kann akzeptiert werden, da uns der dann wenigstens in Erinnerung bleibt Grundsätzlich ist also alles der Literatur des Holocaust zuzuordnen die sich entweder mit den Gescheenniseen oder den direkten bzw indirekten Auswirkungen des Massenmordes an den europäischen Juden befasst.
Tabus
Was sind Tabus? Versteht der eine unter Tabu einen notwendigen Schutzschild gegen die Verletzung von Werten und Regeln, begreift es der andere als eine künstliche Barriere, die es endlich zu überwinden gilt. Tabus werden in der Literatur in der Kunst meist schnell gebrochen. Anders in der Shoa- Literatur. Hier entstanden in der Nachkriegszeit Tabus die wohl auch auf einen viel größeren Tabubruch zurückgehen. Den millionenfachen Massenmord.
Bsp für Tabus: die Schilderung von nicht durch und durch guten jüdischen Figuren, die Verbindung von Holocaust und Humor, die künstlerische Umsetzung in „unangemessene“ Gattungen (Comics, Liebesroman...) usw.
Diese Verbote sind heute allesamt gebrochen oder wie man auch sagen kann „überwunden“. Auch sogenannte Schwarz- Weiß- Klischees wie sie gerne in Hollywood- Dramen vorkommen verschwinden mehr und mehr. Die Nazi- Bösewichter auf der einen Seite und die Verfolgten auf der anderen Seite. Jüdische Menschen werden nicht mehr idealisiert , sie werden als normale Menschen mit Vor- und Nachteilen dargestellt. Aber die Erfahrung zeigt, dass es nicht allein darauf ankommt, wie die Tabus durchbrochen werden, sondern auch, durch wenn dies geschieht. „ (...)sogar dort, bei den Schornsteinen, gab es in der Pause zwischen den Qualen etwas, das dem Glück ähnlich war. Alle fragen mich immer nur nach Übeln, den Gräueln : obgleich für mich vielleicht gerade diese Erfahrung die denkwürdigste ist. Ja, davon, vom Glück der Konzentrationslager, müsste ich ihnen erzählen, das nächste Mal, wenn sie mich fragen.“(BUCH S 14) So schrieb Imre Kertesz in seinem „Roman eines Schicksallosen“. So kann nur ein Überlebender des Lagers schreiben. Wenn ein Autor der diese Erfahrung des Lagers nicht mitgemacht hat und über Glück im Konzentrationslager schriebe was würde wohl passieren. Nun es wäre sein politischer Mord, er würde ins rechte Eck gestellt werden, sein Werk von den Kritikern „zerrissen“ werden. Seine Aussagen könnten nein würden falsch verstanden werden. Gewisse Tabubrüche könne eben nur von jüdischen bzw. „überlebenden“ Autoren vollzogen werden. Da bei ihnen ihre Aussagen abgesichert sind. Heißt sie sind frei von jeden Zweifel etwas zu verharmlosen.
Arbeit zitieren:
Christian Ebner, 2001, Holocaust Literatur, München, GRIN Verlag GmbH
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