Eckzähne Nahrung wird in kleinere Stücke gespalten (Wirkungsweise vergleichbar mit einem Keil)
Große Nahrung wird zerquetscht (Wirkungsweise wie bei Backenzähne Mühlsteinen oder bei der Handkaffeemühle)
Die verschiedenen Zahnarten mit ihren unterschiedlichen Funktionen sind in den beiden Zahnreihen in sinnvollster Weise zueinander angeordnet. Die Zahnreihe des Oberkiefers greift beim Zubeißen leicht über den Zahnbogen des Unterkiefers.
Milch-, Wechsel- und Dauergebiss
Der Mensch erlebt im Laufe seiner Kindheit einen Zahnwechsel. Das Milchgebiss mit 20 Zähnen wird nach und nach durch das Dauergebiss mit mindestens 28, höchstens 32 Zähnen ersetzt bzw. erweitert.
Von einem Wechselgebiss spricht man, wenn einige Milchzähne bereits durch bleibende Zähne ersetzt, andere aber noch gleichzeitig im Gebiss vorhanden sind.
Im Unterschied zu den Dauerzähnen sind die Milchzähne kleiner. Die Zahnzwischenräume im oberen Zahnbogen des Milchgebisses sind im allgemeinen breiter als die im Dauergebiss. Bei den Schneidezähnen sind die Kanten gezackt. Die Form der Zahnbogen differiert bei Milch- und Dauergebiss (Abb. 2a und 2b)
Bau der Zähne
Der Bau der Zähne entspricht ihren erheblichen Beiß- und Kauleistungen.
Zähne bestehen zum größten Teil aus mineralisierten Hartsubstanzen. Der weißliche Zahnschmelz bildet die äußere Schicht der Zahnkrone.
Er muß starken Belastungen standhalten und ist aus der härtesten Substanz gebildet, die der menschliche Körper erzeugt: aus Apatitkristallen. Apatit ist härter als Stahl. Die Qualität des Zahnschmelzes hängt von der Menge des in ihm vorhandenen Fluorids ab. Je mehr Fluorid enthalten ist, desto widerstandsfähiger ist der Zahnschmelz.
Das Zahnbein ist nicht ganz so hart wie der Zahnschmelz. Es ist von feinsten Kanälchen durchzogen. In diese Kanälchen reichen Fortsätze von Nervenzellen der Markhöhle. Sie reagieren auf Temperaturunterschiede und können Schmerzempfindungen signalisieren. Die Markhöhle enthält das Zahnmark; dieses besteht aus Bindegewebe, kleinsten Blutgefäßen und Nervenfasern. Das Zahnmark heißt in der Umgangssprache ''Nerv''.
Wo die Zahnkrone an das Zahnfleisch grenzt, liegt das Gebiet des Zahnhalses. Ihm schließt sich unsichtbar für uns die Zahnwurzel an. In jeder Zahnwurzelspitze befindet sich eine Öffnung (bei einwurzeligen Zähnen oft auch zwei Öffnungen) für den Durchtritt der Blutgefäße und Nervenfasern. Unsere Zähne sind nicht fest im Kiefer verkeilt.
Der Zahnhalteapparat sorgt für ihre elastische Verankerung.
Zu ihm gehören:
das Zahnfleisch, das kragenförmig den Zahnhals umgibt
das Zahnzement, eine knochenartige Schicht, die im Wurzelbereich das Zahnbein umgibt die Wurzelhaut, ein Bindegewebe mit federnd gespannten Fasern (vergleichbar Gummizügen), die zwischen Zahnzement und Knochenfach angeordnet die elastische Verankerung bedingen und den Kaudruck auffangen (Nachweis der
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geringen Eigenbeweglichkeit gesunder Zähne: Ein mittlerer Schneidezahn wird mit Daumen und Zeigefinger gepackt
Gebisserkrankungen
Karies: Karies (Zahnfäule) ist die am weitesten verbreitete Zahnkrankheit.
Bei uns werden von dieser Zivilisationskrankheit nahezu alle Menschen Befallen.
Wodurch entsteht Karies ?
Die Faktoren die zur kariösen Zerstörung der Zähne führen, haben viel gemeinsam mit den Problemen, die wir aus dem Umweltschutz kennen: Die natürlichen Regulationskr äfte in einem biologischen System sind aus dem Gleichgewicht geraten; Aufgabe beim Umweltschutz wie beim Schutz der Zähne vor Krankheit ist, das Gleichgewicht wiederherzustellen.
Die natürliche Umgebung der Zähne ist der Speichel. Er ist mehr als ein gewöhnlicher Schutzfilm auf schwer beanspruchtem und korrosionsgefährdetem Gerät. Der Speichel fließt ständig. Er ist zugleich Schutz- und Reparaturflüssigkeit für die Zahnhartsubstanzen. Sie sind das härteste, was der menschliche Organismus hervorbringt, aber als Gefüge aus Calciumphosphaten (Apatit) doch nicht ganz unlöslich gegenüber dem Einfluß von Säuren. Das ist ein wichtiger Punkt, denn zur natürlichen Umgebung der Mundoberflächen (wie aller K örperflächen) gehören auch Bakterien. In dünner Lage sind sie normal und unschädlich, obwohl sie aus Zucker Säuren produzieren. Der Speichel kann die Säuren naturalisieren, er kann sie wegspülen und eine eventuelle Mikroentkalkung wieder aus seinem eigenen Calcium- und Phosphatgehalt auffüllen (Abb. 13).
Ganz anders sieht das in einer Mundhöhle aus, in der das natürliche Gleichgewicht gestört ist: Zu häufige zuckerhaltige Nahrung lässt den dünnen Bakterienfilm zu einem dicken Zahnbelag (Plaque) anwachsen.
Ist die Nahrung auch noch weich, fällt jede Selbstreinigung (wie beim Kauen harter Nahrung) weg, und die Säuren, im Bakterienbelag gebildet, können nicht ausgewaschen werden, sondern entkalken den Zahn (Abb. 13). Nur wenn die Plaque regelmäßig mit der Zahnbürste entfernt wird, geht der Bakterienwildwuchs wieder zurück, und die Zahnoberflächen werden für den schützenden Speichel wieder zugänglich.
Zahnbelege finden sich häufig: - in den Grübchen von Zahnkronen
- dort, wo die Zähne eng stehen oder sich berühren
Wie verläuft Karies ?
Bei der Zerstörung eines Zahnes durch bakterielle Säuren kann man vier Phasen unterscheiden:
1.Phase:
Durch Säureangriffe kommt es zur Anl ösung von Schmelzkristallen unter der Zahnschmelz-Oberfläche (Entkalkung). Dieser Zustand ist bald äußerlich erkennbar an einem kreidig-weißen Fleck im Zahnschmelz. Die Entkalkung kann zum Stehen gebracht werden, wenn z.B. die Aufnahme von Süßigkeiten zwischen den Mahlzeiten unterbleibt und das Gebiss belagfrei gehalten wird. Durch Calcium- Phosphationen aus dem Speichel, unterstützt durch Fluoride aus der Zahnpasta kann die porös gewordene Stelle wieder remineralisiert werden. Der Kreidefleck kann danach übrigens wie eine Narbe weiter sichtbar bleiben. Zahnärztliche Kontrolle ist notwendig.
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2. Phase
Wenn die häufige Aufnahme von Süß igkeiten nicht unterbleibt und Plaque nicht entfernt wird, führen ständige Säureangriffe
schließlich zu einem kleinen ''Loch im Zahn'' (Kavität). Von diesem Stadium ab kann sich der Zahn nicht mehr selbst regenerieren. Zahnärztliche Kontrolle und eventuelle Behandlung ist notwendig. Damit u.a. Karies möglichst schon in diesem Stadium entdeckt wird, ist die halbj ährliche Inspektion des Gebisses durch den Zahnarzt so wichtig.
3.Phase:
In die entstandene Kavität gelangt Plaque mit den Mundbakterien, die aus dem angebotenen Zucker laufend Säure erzeugen: Das Loch vergröß ert sich. Durch Zähneputzen können Kavitäten nicht gereinigt werden. Erreichen die Säuren das Zahnbein, dehnt sich die Karies hier schneller aus, weil die Substanz des Zahnbeins weicher ist als der Zahnschmelz. Kurz andauernde Zahnschmerzen treten in diesem Stadium bereits auf, wenn z.B. heiße oder sehr kalte Nahrungsmittel (Eis) aufgenommen werden. Soll die Vitalität des Zahnes erhalten bleiben, muss spät. Hier die zahnärztliche Behandlung stattfinden.
4.Phase:
Durch die ständigen Säureangriffe bedingt, erreicht die Karies endlich das Zahnmark. Bakterien können eine Entzündung des Zahnmarks verursachen. Schließlich wird das Zahnmark zerstört. Die im toten Zahnmark lebenden Bakterien können einen Wurzelspitzen-Absze ß hervorrufen (Abb. 15). Wenn die Krankheitserreger von hier durch den Kieferknochen und die Knochenhaut unter die Haut des Gesichts gelangen, entsteht die sogenannte dicke Backe. Ist keine konservierende Behandlung in dieser 4.Phase der kariösen Zerstörung mehr möglich, muss der Zahn vom Zahnarzt entfernt werden (Extraktion).
Die Individualprophylaxe
Karies und Parodontopathien (Zahnfleischerkrankungen) sind überwiegend verhaltensbedingte, und meist selbst zu verantwortende Krankheiten. Sie können durch systematische häusliche Mundhygiene und unterstützend durch professionelle Prophylaxe Maßnahmen in der Zahnarztpraxis vermieden werden.
Zur zahnärztlichen Individualprophylaxe gehören:
Regelmäßige Kontrolluntersuchungen;
Mundhygienestatus;
Speicheltest;
Professionelle Zahnreinigung;
Lokale Fluoridierung;
Fissurenversiegelung
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Maria Glinka, 2001, Zähne, Munich, GRIN Publishing GmbH
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