Korn, und Korn füllte alle Kammern.„ (2) Als sie, mit einem Korb voll Brot den Turm hinabsteigend, einst von Ludwig IV. gefragt wurde, was sie im Korb hätte, deckte sie diesen auf und es erschien ein Korb voller roter Rosen.
Konrad von Marburg tritt in ihr Leben als Nachfolger von Bruder Rodeger und wirkt in strenger Weise einflussreich und bestärkend auf ihre barmherzige Lebensführung. Er selbst Asket verlangte von ihr absoluten Gehorsam und zwingt sie zu täglichen strengen Bußübungen. Elisabeths Überzeugungen wandeln sich trotz seiner stabilisierenden Wirkung ins Extreme: sie verlangt nach absoluter Armut, möchte bettelnd von Haus zu Haus gehen, das Leid der Armen mitfühlen, verstehen, ein Teil vo n ihnen sein. Sie verteilte ihre fürstlichen, warmen Kleider und trat in einfachsten Kitteln auf. Sie wollte ihrem weltlichen Reichtum entsagen - im September 1227 war ihr Mann Ludwig IV. in Italien während des Sechsten Kreuzzuges der Pest erlegen - Konrad von Marburg verhinderte - sie bzw. die Kirche schützend - die formelle Entsagung.
Dieser Lebensabschnitt der Landgräfin Elisabeth von Thürigen macht sie so zu etwas ganz besonderem. Frei von aller erwarteter Standestugend, in absoluter Selbstbestimmung und Gottvertrauen und in Vertrauen auf Richtigkeit und Notwendigkeit der eigenen Taten steht sie für Mitgefühl, Hilfe in der Not, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Die Wahrheit suchend versucht sie mit aller Kraft, das Leid zu bekämpfen. Sie erscheint bereits in jungen Jahren ernst, betrübt, unglücklich. Dem frohen Hofleben kann und will sie nicht folgen. Sie erntet Mißgunst und zahlreiche Feinde wünschen sie vertrieben. Sie scheint als wahre gütige Landherrin des Volkes. Heinrich Raspe IV. übernahm das Amt des Landesherren, da Ludwigs erster Sohn erst 5 Jahre alt war. Er, einer der Feinde Elisabeths Verhalten und Taten, soll Quellen nach diese von der Burg verwiesen haben, sie ihrer Witwengüter beraubt haben. Er soll so das Verlangen des Adels auf Zurückkehren zur standesgemäßen Tradition befriedigt haben. Andere Quellen stehen mehr im Einklang mit Elisabeths grundsätzlicher Einstellung. Sie soll es am Hof aufgrund von Falschheit und Betrug, Mißgunst und Neid nicht mehr ausgehalten haben. Zu sehr schien sie in Gottvertrauen und nach sittl. Moralvorstellungen, denen am Hof in keiner Weise gefolgt wurde. In Eisenach fand die nun ausgesetzte Elisabeth keine Unterkunft, sie ging nach Bamberg. Dort wurde ihr von ihrem Onkel eine neue Heirat angeboten. In Treue zu ihrem erst vor kurzem verstorbenen Mann schlug sie dieses Angebot aus. Sie maß so dem Gebot der Ehebruchs und dem Gehalt des Wortes „Ehe“ höchste Bedeutung bei. Sie blieb sich und ihren Prinzipien selbst in solchen Schicksalszeiten treu und standhaft.
In all ihren gütigen Taten sah sie die Rechtmäßigkeit der christlich-franziskanischen Ethikgrundsätze und trat am Karfreitag 1228 als eine der ersten Deutschen dem Dritten Orden des Heiligen Franziskus bei. Jedoch trotz ihrer Ordenszugehörigkeit blieb sie trotz schwindender Kräfte voller Schaffensenergie. In weltlicher Hinsicht kämpfte sie teils erfolgreich für die Rückgewinnung ihrer Güter - und verteilte sie selbstlos an wiederum Arme sowie inverstierte Gelder in den Aufbau eines Hospitals in Marburg. Selbstlosigkeit und Aufopferung kennzeichen demnach ihren Lebensabend - sie war zu der Zeit erst 21 Jahre alt. Elisabeth von Thüringen starb am 17.11.1231 in Marburg, wurde am 19.11. beigesetzt.
In 24 Lebensjahren war Elisabeth von Thüringen 9 Jahre intensiv nur für die arme Bevölkerung da. Trotz ihrer Stellung hebt sie sich so eindeutig von anderen Versuchen der Obrigkeit ab, Leid zu mindern. Sie opferte sich Jahr für Jahr mit maximalem Einsatz und aller Kraft für die Hilfe direkt an den Hilfsbedürftigen, scheute nie direkten Kontakt, suchte diesen. Teils in extremster Ausprägung folgte sie urchristlichen, ethischen Forderungen nach Barmherzigkeit, Tat, Hilfe, Güte, Sanftmut und Gerechtigkeit. Sie ertrug die Schere zwischen Arm und Reich nicht stillschweigend, rief zur Tat und ging mit so positiven, aufopferndem Beispiel voran.
Bald ereigneten sich an ihrem Grab zahlreiche Wunder. Wallfahrten zu ihrem Grab gehören zu den bedeutendsten und berühmtesten des Mittelalters. Bereits 4 Jahre nach ihrem Tode wurde sie von Papst Gregor IX. heilig gesprochen. Zahlreiche Spenden in der Folgezeit ermöglichten bald die Grundsteinlegung der Elisabethkirche zu Marburg.
Als „eine der zartesten, innigsten und liebenswertesten“ Heiligen im Mittelalter charakterisierte sie Friedrich Heer, Alban Stolz fasst sie in eins der bedeutendsten und beeindruckendsten Bilder:
Quellen: Encarta Enzyclopädie, Internet, Rüdiger Müller: „Die heilige Elisabeth. Das Leben der Landgräfin von Thüringen.“, (1) br-online.de (2) heiligenlexikon.de
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Robert Schulz, 2001, Lucius Annaeus Seneca - Elisabeth von Thüringen, München, GRIN Verlag GmbH
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