-2- Einführung zu Karlheinz Zinnecker Landschaften+Masken
Nach dem Studium der freien Malerei und Grafik bei dem legendären Professor Ernst Weil an der Nürnberger Akademie der Künste, entstehen eine Reihe großformatiger Rupfenbilder, von eigenwilliger abstrakter Ornamentik bestimmt, die erst auf den zweiten Blick ihre Bildwelten offenbaren: Gesichter und Landschaften.
Selbst wenn Zinnecker zu geometrischen Formen findet, wie in seinen strahlend bunten Mandala-Variationen, haben diese ihren Ursprung in einem seiner Leitmotive, der Landschaft: entstanden durch ständige Vereinfachung und Reduzierung auf reine Form und Farbe.
Doch wenden wir uns den hier gezeigten Landschaften zu. Die Titel führen uns zu realen Orten, den Originalschauplätzen: Glatzenstein, Alte Veste undsoweiter - doch ich persönlich könnte auf Titel verzichten: Binden oder führen diese mich zu sehr an einen bestimmten Ort, den ohnehin niemand gleich wahrzunehmen vermag.
Auch wenn dieser Künstler oft direkt nach der Natur malt, und ganze Skizzenbücher mit Landschaftstudien füllt, sind diese Landschaften nicht das Abbild der Natur, Können und wollen es auch gar nicht sein.
Die kraftvollen Landschaften Zinneckers verkünden dem Betrachter, es sei eine Lust zu malen
Die Aufrichtigkeit dieser Überzeugung teilt sich unmittelbar mit. Seine Aquarelle und Ölbilder leben aus der Farbe und in der Farbe. Diese fast spontane, wenn auch nicht unreflektierte, von Zweifeln nicht unangefochtene Freude hat nichts mit jenem blinden Optimismus zu tun,
der eine besonders gefährliche Form von Schwachsinn ist, und auch nichts mit jener unechten Naivität, welche die Wirklichkeit vor sich selbst zu verheimlichen sucht.
-3- Einführung zu Karlheinz Zinnecker Landschaften+Masken
Eine Landschaft zu malen ist für Karlheinz Zinnecker keine schematische Angelegenheit.
Und weder sind seine Bilder Impressionistisch im Sinne „der Wiedergabe des Eindrucks“ noch Expressionistisch im Sinne des „Strebens nach Ausdruck“
Jedes seiner Bilder trägt einen eigenen, unverwechselbaren Charakter.
Jedes seiner Bilder ist ein Konzentrat aus bildnerischer Idee und zugrundeliegender Erfahrung von äußerer Wirklichkeit, dem Reichtum der Natur, von Landschaft, Berg, Fluß, Meer, Nacht und Licht und von innerer Befindlichkeit - das heißt: Heftigkeit, Freudigkeit aber auch Dunkelheit, Verlorenheit. In diesen Landschaften werden Farben von Bewegung erfaßt, dringen aufeinander ein, berühren sich, prallen ineinander oder kommen zusammen, um in polyphoner Harmonie zu erklingen - die äußeren Strukturen erzeugen Innere und umgekehrt. Zwar sind hier Assoziationen zur Sichtbarkeit der Natur, sowie der Zivilisation- manchmal auch prosaisch: Hochspannungsmaste vor Happurg und stop-and-go auf dem Frankenschnellweg (mit alter Veste im Hintergrund). Aber da es gibt auch Bilder, wie hi er beispielsweise die Gletscherlandschaft, eine Kunstlandschaft, in der die Naturassoziation fast getilgt ist.
Wo dies anklingt, sind es nicht länger Gegenstände, nicht mehr ein Baum, nicht mehr ein Bach, ein Berg, ein Fluß sondern ein Gleiten, Fliesen, Miteinander und Ineinander, unten ist scheinbar oben, oder zumindest dort, wo Himmel und Meer sich berühren - dann sind es Kräfte, die alles hervorbringen, was in der Natur ist.
-4- Einführung zu Karlheinz Zinnecker Landschaften+Masken
„Unbeständigkeit, dein Stil ist Kunst“ - mit diesem Zitat Sandro Chias möchte ich zu den Masken überleiten. Denn „Das Antlitz“ und „Gesichter“, sind das zweite große Thema im Werk Zinneckers.
Einer der wesentlichsten Aspekte der Masken ist hier Karlheinz Zinneckers Umgang mit dem „Material“ und der „Farbe“ Im Gegensatz zu seinen Landschaftsaquarellen und seinen anderen Arbeiten ist es bei den Masken die „Nicht"-Farbe, die diese Arbeiten bestimmt.
Hier herrscht eine Farbigkeit, die sich dem Material verdankt, dem Pappmaché, einem Stoff von, man könnte sagen, “essentieller“ Tristesse.
Der bewußte Verzicht auf Farbigkeit läßt dem Künstler mehr Raum für eine weitere Dimension: den Ausdruck. Das Material Pappmaché ist hier nicht aus Nützlichkeitserwägung oder Recyclinggedanken gewählt, sondern weil bereits im Arbeitsprozeß, mit beiden Händen aus knappen Formen, wie dem Kreis und das Oval, seelisches und Emotionalität stärker hervortreten.
Hier geht es um elementares, bildnerisches Gestalten - Bezüge sind eventuell im Primitivismus oder der Volkskunst zu finden und deren Ausprägung der jeweils kultischen oder religiösen Traditionen. Es verwundert also nicht, daß viele maßgebende Künstler seit dem ersten Viertel des 20. Jahrhunderts in ihren eigenen Werken an genau dies e Ursprünge zurückgingen, und sich mit dem Faszinosum „Maske“ beschäftigten: Max Ernst, Karl Schmitt-Rotluff und Emil Nolde, um nur einige zu nennen. Hier befindet sich unser Künstler also in bester Tradition und Gesellschaftebenso wie hier, vertreten im bemerkenswerten Ausstellungsprogramm einer ambitionierten Galeristin, wie Frau Dr. Anna Scholz und Ihren kunstverständigen Gästen - - meine Damen und Herren, ich danke Ihnen.
Arbeit zitieren:
Charlotte Forster, 2000, Landschaften und Masken von Karl Zinnecker, München, GRIN Verlag GmbH
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