modische Form des Briefromans gleichsam dramatisch akzentuierte. Auch Matthias Claudius benutzte zeitweise diesen Briefstil (siehe S.5).
Ein anderes Merkmale dieser Epoche waren die Fabeln. Der wohl berühmteste Fabeldichter der damaligen Zeit war Jean de La Fontaine. Er erweist sich als unerschütterlicher Anwalt der Vernunft und praktizierter Humanität. Seine Tierfabeln lesen sich als Lehrstücke für vernunftmäßiges Handeln und leistet diese Aufgabe ohne jede pädagogische Penetranz. Viele andere Dichter versuchten diesen Stil zu übernehmen, u.a. auch Matthias Claudius (siehe S.5-
8, Bsp.: "Fuchs und Bär"), wodurch man eine Fülle verschiedenster Fabeln erhielt.
Desweiteren entwickelte sich ein Literaturstil, der sich mit der christlichen Wahrheitssuche beschäftigte und dessen Texte mit frommer Inbrunst verfasst wurden. Dieser Stil spiegelte sehr deutlich die religiösen Auseinandersetzungen der Epoche wieder. Viele Dichter, darunter auch Matthias Claudius, gaben im festen Gottvertrauen ihren Versen schlichte Innigkeit und Gefühlstiefe.
Auch des nüchternen Skeptizismus war man in der Zeit des 18. Jahrhunderts überdrüssig. Die jungen Dichter der neuen Generation erkoren Friedrich Gottlieb Klopstock (*1724, †1803) zu ihrem Idol und begeisterten sich an der hymnischen Sprachgewalt und dem Klangzauber des Versepos "Messias", mit dem Klopstock der Dichtung gleichsam wieder Offenbarungscharakter zuwies. Viele Jünglinge, feierten, in Anlehnung an Klopstock, in Gedichten die göttliche Schönheit der Schöpfung in volksliedähnlicher Schlichtheit der Verse. Matthias Claudius, der damals selber ein großer Verehrer Klopstocks war, verwendet diesen neuen Stil in vielen seiner Gedichte.
Geschichtlicher und politischer Hintergrund
Matthias Claudius lebte in einer sehr aufgewühlten Epoche. Er erlebte mehrere Kriege und Herrschaftswechsel, sowie Revolutionen mit.
Die ersten Kriege, die M. Claudius in seiner Kindheit und Jugend mitbekam waren die "Schlesischen Kriege". Der 1. Schlesische Krieg (1740-1742) begann mit einem preußischen militärischen Einfall unter Friedrich II. in Schlesien. Einige Siege und die Ausdehnung des Konflikts zum Österreichischen Erbfolgekrieg brachten Preußen im Frieden von Berlin fast ganz Schlesien und Glatz. Den 2. Schlesischen Krieg (1744/1745) begann Preußen wegen der diplomatisch-militärischen Erfolge Österreichs, die, unter der Führung von Maria Theresia, 1744 ins Elsaß vorrückten, Schlesien aber nicht zurückerobern konnten. 1745 kommt es im "Frieden von Dresden" zu einem Arrangement zwischen den verfeindeten Ländern. Da jedoch viele Konflikte ungeklärt blieben, kam es 1756 zum 3. Schlesischen Krieg, besser bekannt unter dem Namen "Siebenjähriger Krieg". Dieser bezeichnet nicht nur die Auseinandersetzungen zwischen Österreich und Preußen, sondern auch den Krieg zwischen den französischen und den englischen Kolonien. Eröffnet wurde der Si ebenjährige Krieg wieder von Preußen, dessen militärische Stärke durch die Reformen Friedrich II. in den letzten Jahren stark angewachsen war. Durch diesen Militärschlag zwang er die meisten Reichsstände, wie Frankreich, Rußland und Schweden an die Seite Österreichs und stand somit einer vielfach überlegeneren Armee gegenüber, die Preußen gänzlich überforderte. Trotz der Teilerfolge focht Preußen einen auf die Dauer aussichtslosen Überlebenskampf. Erst mit dem Tod der Zarin Elisabeth trat eine Wende ein, die schließlich am 15.2.1763 zum "Frieden von Hubertusburg" führte. Nach diesen zermürbenden Kriegsjahren widmete sich jeder Herrscher erst einmal dem Wohlergehen seines Landes, die Wirtschaft wurde wieder stabilisiert und zahlreiche Reformen durchgeführt, w odurch ein stabiles dynastisch bestimmtes Machtgefüge in Europa entstand. Doch die Ruhe dieser dreißigjährigen
Friedenszeit war trügerisch. Nachrichten aus Frankreich berichteten von einer Staatskrise die angesichts der Erstarrung des französischen Absolutismus ausweglos schien. 1789, einige Monate später, brach dann auch schon die Französische Revolution aus. Zu diesem Zeitpunkt war Matthias Claudius 49 Jahre alt. Aus Angst davor, dass sich die revolutionären Gedanken auch in Deutschland ausbreiten könnten, schloss die deutsche Regierung, d.h. Preußen und Österreich sich zu einem Verteidigungsbündnis zusammen, um den alten Staat gegen die Revolution zu schützen. Damit gaben sie den Franzosen einen willkommenen Anlaß zum Krieg, um von den inneren Schwierigkeiten innerhalb Frankreichs ablenken zu können. Dort hatte man inzwischen die königliche Familie gefangen genommen und eine republikanische Verfassung entworfen. Zur Verteidigung der Revolution gegen die äußeren Feinde machte Frankreich mobil und startete einen Eroberungskrieg, der mit der Herrschaft Napoleons endete.
1796 trat der Krieg Frankreichs gegen die Koalition in ein neues Stadium. Der junge General Napoleon Bonaparte erhielt den Oberbefehl über das französischen Heer in Oberitalien und warf in einem glänzenden Feldzug die Österreicher zurück. Um seinen jungen Ruhm nicht welken zu lassen wagt Napoleon die Fahrt nach Ägypten, besetzt Malta und erobert Kairo. Dadurch steigt seine Popularität gewaltig, was die Voraussetzung für den im Jahre 1799 gelungenen Staatsstreich war. Er stürzt das Direktorium und macht sich selber zum ersten Konsul mit diktatorischen Vollmachten. Durch weitere Siege und ein Friedensabkommen wächst auch die Begeisterung des Volkes für Napoleon. Diese nutzt er um sich 1802 zum Konsul auf Lebenszeiten ernennen zu lassen. Am 2.12.1804 krönt er sich in Anwesenheit des Papstes zum Kaiser und beendet somit das revolutionäre Zeitalter mit einer absoluten Monarchie. Nach und nach macht Napoleon immer mehr Staaten von sich abhängig, meist mit Hilfe von Kriegen und vergrößerte somit seinen Einflussbereich (s. Abb. Nr.2).
Das 17./18. Jahrhundert war jedoch nicht nur das Jahrhundert des Krieges, sondern auch ein Jahrhundert der Denker und Philosophen, der Aufklärung. Sie stellt ein eindrucksvolles, aus vielen Elementen errichtetet Gebäude dar, das sich um das Bild des Selbständigen Menschen aufbaut. "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit", formulierte Imanuel Kant den Kern des Gedankenentwurfes und machte daraus ein Lebensgefühl: "Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung".
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Gisela Bruckwilder, 2001, Claudius, Matthias, Munich, GRIN Publishing GmbH
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