Inhalt
Einf ührung. 2
1. Zu Elias Canetti. 3
1. 1 Canettis Leben und seine besondere Beziehung zur Sprache. 4
2. Über das dramatische Prinzip der „akustischen Maske 6
2.1 Die Bedeutung der Maske in Canettis „Anthropologie 7
3. Beispiele zur Verwendung der „akustischen Maske 10
3.1 Die Dramen Hochzeit und Komödie der Eitelkeit. 10
3.2 Der Roman Die Blendung. 12
3.3 Der Ohrenzeuge. Fünfzig Charaktere. 14
Schlussbemerkungen. 16
Literaturverzeichnis. 18
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Einführung
In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich mit dem Canetti‘schen Prinzip der „akustischen Maske”, das der Autor selbst in einem Interview im April 1937 in der Wiener Zeitschrift „Sonntag” bestimmt hat. Trotz seiner Wichtigkeit für das Verständnis von Canettis Werke, wurde der Begriff nicht sofort erfaßt. Er wurde erst später zum Gegenstand literarischer Auseinandersetzungen. Dies geschah vor allem in den sechziger Jahren als das Buch Masse und Macht und die dritte Ausgabe des Romans Die Blendung veröffentlicht wurden, was den Autor zugleich in den Blickpunkt der „Öffentlichkeit” gebracht hat.
Das Prinzip der „akustischen Maske“ wurde von Canetti als „das wichtigste Element dramatischer Gestaltung” bezeichnet, da für ihn das Drama in den Sprachen lebte. Aber ein Überblick über seine Romane, Essays, zahlreichen Aphorismen oder Bücher wie z. B. Der Ohrenzeuge genügt, um zu bemerken, daß das Prinzip später nicht mehr nur als dramatisches Element wie am Anfang gemeint war, sondern die Charakterisierung der Figuren durch Sprache im Mittelpunkt aller seiner Werke steht. Aber die „akustische Maske” ist „nur in erster Linie Sprachcharakterisierung” 1 , wie der Kritiker H. Feth beobachtet.
Eine erweiterte Auffassung des Begriffes der „akustischen Maske“ zeigt eine enge Verbindung mit den antropologischen Ansatzpunkten Canettis. Einige Kritiker haben das Prinzip sogar als etwas fast unfaßbares betrachtet, wenn man diese Bezüge nicht herstellt. Dies hilft uns, besser zu verstehen, warum der Autor das Prinzip der „akustischen Maske” nicht nur für seine Dramen angewendet hat. Die Werke, die das Prinzip der „akustischen Maske“ am besten ausdrücken, sind die frühen Dramen Die Komödie der Eitelkeit und Hochzeit, das Roman Die Blendung und das Buch Der Ohrenzeuge.
1 Feth, H. Elias Canettis Dramen. Frankfurt / M 1980. S. 51.
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1. Zu Elias Canetti
Elias Canetti wurde am 25. Juli 1905 als erster Sohn sephardischer Eltern in Rustschuk (Bulgarien) geboren. Mit sechs Jahren zog er mit seiner Familie nach England um. Nach kurzer Zeit starb dort der Vater und die Mutter entschloß sich mit ihren Söhne in der Schweiz zu leben.
Nach einem kurzen Sommeraufenthalt in Lausanne, wo der junge Canetti Deutsch lernte, zog die Familie nach Wien um. Dort besuchte er die Volksschule. 1916 ließ sich die Familie Canetti in der neutralen Schweiz nieder. Im folgenden Jahr besuchte Canetti das Realgymnasium der Kantonschule Zürich. 1921 ging er allein nach Frankfurt am Main und besuchte das Köhler-Realgymnasium bis zum Abitur in Jahr 1924. Nach dem Abitur fuhr Canetti nach Wien, wo er ein Studium mit dem Hauptfach Chemie an der Universität anfing. Dort lernte er Karl Kraus und seine spätere Frau Veza Tauber-Calderon kennen. Im Jahr 1928 fuhr er nach Berlin, wo er einen Angebot als Übersetzer bekam. Dort hatte er die Möglichkeit, Intellektuellenkreise zu besuchen, wo er Personen wie Bertold Brecht, Isaak Babel und George Grosz kennenlernen konnte. In dem nachfolgenden Jahr entwarf er die nicht beendete Romanreihe Comedie Humaine an Irren. Im Herbst 1931 wurde der Roman Kant fängt Feuer (später Die Blendung) abgeschlossen, der nur vier Jahre später in Wien, Leipzig und Zürich erschien, aber zu diesem Zeitpunkt unbeachtet blieb. In diese Zeit schrieb er auch die zwei Dramen Hochzeit (1932) und Komödie der Eitelkeit (1933), die aber nicht aufgeführt wurden. 1938 marschierte Hitler in Wien ein und Elias und Veza Canetti, verheiratet seit 1934, verließen die Stadt und fuhren nach London. Dort begann er das Buch Masse und Macht zu schreiben. Die Arbeit an diesem Werk dauerte dreißig Jahre. 1960 wurde das Buch schließlich in Hamburg veröffentlicht. Inzwischen war auch die französische und englische Übersetzung des Romans Die Blendung. Eine zweite Auflage auf Deutsch blieb weiterhin unbeachtet. 1963 starb Veza Canetti, im selben Jahr gab es eine Neuauflage der Die Blendung, die jetzt verstärkt eine große Akzeptanz erzeugte. Eine größere Öffentlichkeit führte dazu, daß die frühen Dramen uraufgeführt wurden, sie provozierten
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ambivalente Reaktionen bei den Zuschauern. Von hier an bekam er endlich Anerkennung und es wurden ihm zahlreiche Preisen verliehen. Werken wie Die Stimmen von Marrakesch (1968), Die gespaltene Zukunft (1972), Der Ohrenzeuge (1974) und die drei Bände der Autobiographie Die gerettete Zunge (1977), Die Fackel im Ohr (1980), Das Augenspiel (1983) trugen zu seiner Popularität bei. 1981 erhielt Canetti den Nobelpreis für Literatur. Er starb am 14. August 1994 in Zürich. 1.1 Canettis Leben und seine besondere Beziehung zur Sprache Für die Analyse des Themas „akustische Maske” ist die Beziehung zwischen Canettis Leben und der Sprache herauszuheben. In den ersten Lebensjahren lernte Canetti Ladino, eine sephardische Sprache, die zu Hause gesprochen wurde. Diese Sprache „geht zurück auf die Nachkommen der 1492 aus Spanien und Portugal vertriebenen Juden.” 2 Bei den religiösen Gelegenheiten hörte das Kind auch Jüdisch und durch die Bediensteten und das Kindermädchen lernte es Bulgarisch. In der kleinen Stadt, wo die Familie wohnte, war die Mehrheit der Bevölkerung bulgarischer Abstammung, aber ein großes Viertel war von Türken bewohnt. Außerdem lebten dort Griechen, Russen, Albanien, Armenier und Zigeuner. So konnte man auf den Straßen sieben oder acht verschiedene Sprachen hören. Nach der Übersiedlung der Familie nach Manchester lernte Canetti Englisch in der Schule und hatte Französischunterricht bei der Gouvernante. Mit acht Jahren war er wegen des Aufenthaltes in der Schweiz gezwungen, sehr schnell Deutsch zu lernen, eine Sprache, die ihn auf seinem weiteren Lebensweg sehr geprägt hat.
Festzustellen ist, daß die verschiedenen Umzüge der Familie Canetti dem Jungen die Verbindung zwischen der Entdeckung neuer Welten und der Erfahrung neuer und fremder Sprachen ermöglichten. Dies schuf schon früh ein enges Verhältnis zur Sprache und führte zu einer Sprachreflexion, die nicht nur im Mittelpunkt seines ganzen Lebens stehen würde, sondern wie ein roter Faden sein gesamtes Werk durchläuft. Ein
2 Barth, M.: Canetti versus Canetti. Identität, Macht und Masse im literarischen Werk Elias Canettis. Frankfurt/M., 1994. S. 19.
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Schlüsselerlebnis in diesem Zusammenhang war ohne Zweifel die Begegnung des 19jährigen Canetti in Wien mit Karl Kraus. Canetti besuchte seine Vorlesungen und war sehr beeindruckt, wie Kraus das Publikum in seinen Bann zog. Er selbst hat geschrieben:
Als zweites hat mir Karl Kraus das Ohr aufgetan, (...). Dank ihm begann ich zu fassen, daß der einzelne Mensch eine sprachliche Gestalt hat, durch die er sich von allen anderen abhebt. 3
So wird für Canetti die Sprache „immer mehr als bloß ein Medium der Kommunikation” 4 . Er denkt durch seine literarische Welt immer wieder über „die Möglichkeiten und Grenzen der Sprache” nach. Sie wird in Canettis Werk nicht nur als „ein Element der Handlung” betrachtet, sondern „in ihr repräsentiert sich direkt und unmittelbar die Handlungsstruktur des Romans bzw. der Stücke: Canettis Protagonisten sind in erste Linie Sprechende (statt Handelnde), deren Kommunikationsweise ein zentrales Thema ist.” 5 Die Thematisierung der Sprache spielt sowohl in den frühen Dramen als auch in den Roman Die Blendung, in den Stimmen von Marrakesch, Der Ohrenzeuge und in zahlreichen Aphorismen und Essays eine Hauptrolle.
3 Canetti, E. Karl Kraus. Schule des Widerstand. In: Canetti, E.. Das Gewissen der Worte. Essays. München, Wien 1983. S. 44.
4 Knoll, H.: Das System Canetti. Zur Rekonstruktion eines Wirklichkeitsentwurfes. Stuttgart 1993. S. 86.
5 Ebenda, S. 87.
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Arbeit zitieren:
Mag.a Stefania Selvaggi, 1999, Das dramatische Prinzip der akustischen Maske und seine Anwendung in Canettis Werk, München, GRIN Verlag GmbH
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