und Goethe verehrt. Äußerlich betrachtet ist er höflich, etwas unordentlich
gekleidet, von Gicht geplagt, einsam und isoliert. In ihm leben 2
Persönlichkeiten, die eines Wolfes und die eines Menschen. Er verachtet das
Bürgertum und fristet das Dasein eines Außenseiters.
Hermine ist eine junge Prostituierte, die durch ihr dominantes Auftreten Harry
zurück in das normale, bürgerliche Leben führt. Sie hat ein Knabengesicht und
ist trotz ihres Berufes eine gläubige Christin.
Pablo ist ein leichtleb iger, junger und hübscher Südamerikaner oder Spanier. Er
spielt mit Leidenschaft Saxophon und genießt das ausschweifende Leben. Er ist
der Besitzer des Magischen Theaters.
Maria, eine sehr schöne Prostituierte und Freundin Hermines ist im Roman ein
Symbol für das oberflächliche, vergnügungsorientierte Leben. Sie führt Harry in
diese schillernde Welt der Erotik und Ekstase ein.
Inhalt
Hermann Hesse in einem Brief an Georg Reinhardt (18.8.1925) :
„....es ist die Geschichte eines Menschen, welcher komischerweise darunter
leidet, dass er zur Hälfte ein Mensch, zur andern Hälfte ein Wolf ist. Die eine
Hälfte will fressen, saufen, morden und dergleichen einfache Dinge, die andere
will denken, Mozart hören und so weiter, dadurch entstehen Störungen, und es
geht dem Mann nicht gut, bis er entdeckt, dass es zwei Auswege aus seiner Lage
gibt, entweder sich aufzuhängen oder aber sich zum Humor zu bekennen.“
Der Roman ist in 3 Hauptabschnitte eingeteilt und weist 3 verschiedene
Erzählperspektiven auf. Der erste Teil ist das „Vorwort des Herausgebers“. Ein
fiktiver Editor übernimmt die Funktion eines Ich- Erzählers.
Im bürgerlichen Haus der Tante des Herausgebers mietet sich ein knapp 50
jähriger namens Harry Haller in die Mansardenwohnung ein. Der Neffe
berichtet von der Bekanntschaft zu Haller und beschreibt ihn als einen
ungeselligen, höflichen, unsorgfältig gekleideten Menschen, der sich nach
näherem Kennen lernen als ein hochgeistiger, intelligenter, belesener und
sensibler Zeitgenosse entpuppt. Haller bezeichnet sich selbst als den
„Steppenwolf“ und fristet ein isoliertes, einsames Dasein in seiner
unordentlichen und chaotischen Wohnung. Er führt während seines 9-10
monatigen Aufenthalts in der Stadt alles andere als ein geregeltes, bürgerliches
Leben. Ohne Beruf und tägliche Pflichten lebt er zurückgezogen in einer Welt,
bestehend aus Mozart, Goethe, Novalis und anderen Literaten und Musikern. Er
bezeichnet diese Genies als die „Unsterblichen“, die den Menschen ein großes
Kulturgut hinterlassen haben und sich von der Masse der Menschheit abheben..
Eines Tages verschwindet Harry spurlos aus der Stadt und hinterlässt nur ein
Manuskript, das den Namen „Harry Hallers Aufzeichnungen - Nur für
Verrückte“ trägt. Der Herausgeber findet diese tagebuchähnlichen Notizen
Hallers` beim Durchstöbern der verlassenen Wohnung.
In diesen Aufzeichnungen erfährt der Leser mehr von dem Ich- Erzähler Harry
Haller, einem Menschen, der nach der Scheidung seiner Frau dem Alltagsleben
immer mehr entrückt ist und allmählich an ihm verzweifelt. Das Manuskript ist
ein durchgehender innerer Monolog, in dem Harry von seinen ständigen
Selbstmordgedanken berichtet. Er verachtet das mittelmäßige, normale und
durchschnittliche Leben des Bürgers, ein sinnloses Leben, ohne intensive
Erfahrungen und Emotionen, ohne Leidenschaften, ohne Ekstase, Dichtung und
Erschütterungen, dessen verlogene Zufriedenheit Haller mehr als alles andere
verhasst ist. Komischerweise übt diese Bürgerlichkeit jedoch eine starke, nahezu
kindliche Anziehungskraft auf ihn aus. Er genießt beispielsweise die Sauberkeit
der bürgerlichen Häuser und ist vom Anblick perfekt und penibel arrangierter
Blumenensembles nahezu ergriffen und gerührt. Haller fühlt sich in der
schillernden Konsum- und Industriegesellschaft der 20er Jahre nicht wohl,
bezeichnet sich selbst als „Eremit“ und findet kein Vergnügen an allem, was
modern ist: weder kann er die Faszination von Jazzmusik, Tanzbällen und Bars
nachvollziehen, noch gelingt es ihm, ohne größten Widerwillen ein modernes
Buch zu lesen oder das Kino zu besuchen.
Als der Weltfremde eines späten Abends wieder einmal durch die regennassen
Gassen streift, erhält er unerwarteter Weise von einem Fremden (von Pablo, wie
sich später heraus stellt) ein kleines Büchlein, eine Art Jahrmarktheftchen, mit
dem Titel „Traktat vom Steppenwolf. Nicht für Jedermann“ überreicht. Zuhause
angekommen liest Harry sogleich das Heft mit gespannter Aufmerksamkeit. Ein
olympischer, bzw. auktorialer, allwissender Erzähler berichtet von Harry, dem
Steppenwolf und stellt eine Art Charakterisierung bzw. innere Biographie oder
Diagnose Hallers auf. Er beschreibt Harry als einen Menschen, der an einer
inneren Zerrissenheit leidet und glaubt, zur einen Hälfte ein Mensch und zur
anderen Hälfte ein Wolf, folglich ein Mensch mit 2 Seele n zu sein. Der Mensch
in ihm verrichtet gute Taten, ist höflich, klug, kultiviert und angepasst, während
der Wolf die animalische Natur vertritt: diese will körperlichen Trieben
nachgeben, sucht nach gefühlsintensiven Erfahrungen und urteilt ständig mit
verachtendem Blick über die Sittlich- und Manierlichkeit der Menschen. Das
Problem des Steppenwolfs ist, dass stets beide Komponenten seiner Seele
gleichzeitig zu Werke und selten im Einklang miteinander sind. Sein Handeln
und Denken ist so nie richtig, da es von der Gegenseite, also dem Mensch oder
dem Wolf stets kritisch überprüft wird. Harry glaubt, sich in einer solchen
Sinnesspaltung zu befinden, worin die Wurzel seines ganzen Leids und
Unglücks zu liegen scheint. Das Büchlein belehrt den Lesenden allerd ings eines
Besseren und entwaffnet diese Theorie als simplen Dualismus. Der Mensch
besteht nämlich nicht nur aus einer oder zwei Seelen, sondern sein Charakter ist
in unzählige Persönlichkeiten gespalten. Um diese Persönlichkeiten in Einklang
und Harmonie zu bringen und so das normale Alltagsleben zu ertragen und
genießen zu können gibt der Traktrat 2 Lösungsvorschläge. Der Steppenwolf
müsste einmal gezwungen sein, sich selbst gegenübergestellt zu werden und so
in das Chaos seiner eigenen Seele hineinblicken zu können. Entweder würde der
Steppenwolf so zerstört werden, sich also umbringen, oder aber es würde unter
dem Licht des Humors zu einer Vernunftehe zwischen dem Wolf und dem
Mensch, dem Trieb und dem Geist kommen.
Harry trägt sich nach dem Lesen des Büchleins erneut mit schweren
Selbstmordgedanken, die ihm jederzeit die Möglichkeit zur Flucht aus seinem
verkorksten Leben bieten und es ihm so erträglicher gestalten. Haller macht
noch einen weiteren Versuch, ins normale Leben zurückzufinden. Er nimmt die
Einladung eines ehemaligen Freundes, eines Professors an, beleidigt aber ein
Goetheabbild seiner Frau und verlässt nach einem daraus resultierenden Streit
wütend das Haus des Gelehrten. Nun ist er entgültig verzweifelt und beschließt,
durch seinen Freitod aus dem ihm verhassten Leben zu scheiden. Trotz seines
festen Entschlusses scheint er sich vor dem Tod und der Heimkehr in seine
Wohnung zu fürchten. Es verschlägt ihn in das Wirtshaus zum „Schwarzen
Adler“, wo er Hermine, eine junge Prostituierte kennen lernt. Haller ist sofort
verzaubert und fasziniert von dem dominanten, selbstbewussten Fräulein, dass
ihn und seine Entrüstung über das hässliche Goethebild versteht. Hermine ist
seine Anima, der weibliche Teil seiner Persönlichkeit. Sie verabreden sich zum
Essen und in den folgenden Tagen wird Hermine zu Harrys Tanz- und
Lebenslehrerin. Haller, dem alles Moderne, so auch das Tanzen aufs schärfste zu
Wider ist, beginnt unter den Fittichen Hermines aufzublühen. Sie lernt ihm,
Gefallen an der normalen, realen Welt zu haben. Dieser neue Horizont eröffnet
Haller ein Vergnügen bestehend aus Festen, Ausschweifungen, Drogen und der
schönen Prostituierten Maria, einer Freundin Hermines, die diese auf ihn ansetzt
und in die er sich verliebt. Er beginnt, die verhasste Welt als solche zu
akzeptieren und sieht sie nun aus einem positiven Blickwinkel.
Auf einem Maskenball wird Haller durch Drogen in die Welt des „Magischen
Theaters“ von Pablo versetzt. Das magische Theater ist eine unreale, zeitlose
Welt, in dem Harry der Zugang zu seiner Innenwelt und seiner damit
verbundenen Selbsterfahrung geöffnet werden soll. Ziel dieses Spiegelkabinetts
ist es, dass Harry seine zahlreichen Persönlichkeitsanteile kennen lernt und
begreift, dass ein glückliches Dasein des Menschen auf Humor basiert. Dieser
Lösungsvorschlag wurde bereits im Tractat angesprochen.
Als erstes betritt Harry eine Tür mit der Aufschrift „Auf zum fröhlichen Jagen!
Hochjagd auf Automobile“. Hinter diesem Eingang stößt Harry auf eine Welt, in
der Maschine und Mensch miteinander kämpfen. Autos fahren Fußgänger
zusammen und Menschen schießen auf umherkreisende Flugzeuge. Haller trifft
seinen Jugendfreund Gustav wieder , mit dem er sich leidenschaftlich auf die
Jagd auf Automobile macht. Versteckt in einem Baum erschießen sie begierig
und mordeslustig sämtliche Autofahrer. In dieser Phantasievorstellung kann
Harry seiner Abneigung gegen die Modernisierung der Welt freien Lauf lassen
und Selbstjustiz üben.
Anschließend tritt Harry in einen Raum mit der Anschrift „Anleitung zum
Aufbau der Persönlichkeit“. Dort wartet ein Schachspieler auf ihn. Seine
Schachfiguren sind allerdings keine gewöhnlichen, sondern Nachbildungen der
vielen Persönlichkeitsanteile von Harrys Seele. Der Spieler lässt nun die
Männchen miteinander spielen, woraufhin sie eine Variation von Beziehungen
eingehen. Einige heiraten, andere kämpfen oder vermehren sich. Der Spieler
macht Harry so deutlich, dass er sein eigenes Leben durch geschickte
Kombination der Figuren, bzw. der Seelen in völlig unterschiedliche
Existenzformen bringen kann. Derjenige, der die Fülle seiner
Lebensmöglichkeiten ahnt, ist zu Veränderung und Neuanfang bereit, wenn die
Umstände seines Lebens es verlangen.
Hinter der nächsten Fassade, dem „Wunder der Steppenwolfdressur“ baut sich
vor Hallers Augen eine Zirkuswelt auf. Ein Mensch führt dem Publikum einen
dressierten Wolf vor, der entgegengesetzt seiner wilden Natur mit einem Hasen
und einem Lamm friedlich posiert. Danach tauschen Bändiger und Wolf die
Rollen. Der Mensch vertritt nun das Ursprüngliche des Wolfes und frisst den
Hasen und das Lamm. Diese Szene zeigt die Doppelnatur, in der sich Harry zu
befinden glaubt.
Die nächste verlockende Anschrift, „Alle Mädchen sind dein“ führt Haller in
eine Welt der Liebe. Hier kann er alle verpassten Chancen seines bisherigen
Lebens wahrnehmen. Er liebt Tausende von Mädchen und findet so eine
absolute Erfüllung seiner Sinne und seiner sexuellen Triebe. Zuletzt tritt
Hermine vor ihm auf, in die er sich schließlich verliebt.
Sogar Mozart, einer der Unsterblichen taucht im „Magischen Theater“ auf.
Nach einem ernüchternden Gespräch mit dem Musiker gelangt Haller zur
nächsten Tür mit dem Titel „Wie man durch Liebe tötet“. Als er Pablo und
Hermine, vom Liebesspiel erschöpft auf dem Boden liegend erblickt, ersticht er
aus Eifersucht Hermine. Haller erkennt, dass Hermine durch den Mord zu den
Unsterblichen gelangt ist. Mozart erscheint erneut als Repräsentant für die
Unsterblichen und gibt Harry nun zu verstehen, dass sein innigster Wunsch,
ebenfalls unsterblich zu werden, nicht erfüllbar ist. Harry hat noch nicht gelernt,
über sich selbst zu lachen und so den Alltag des Lebens zu meistern. Mozart
klärt Haller über die Differenz von Ideal und Wirklichkeit auf. Er sagt: „Sie
sollen leben und sie sollen das Lachen lernen. Sie sollen die verfluchte
Radiomusik des Lebens anhören lernen, sollen den Geist hinter ihr verehren,
sollen über den Klimbim in ihr lachen lernen. Fertig, mehr wird nicht von ihnen
verlangt.“
Haller gelangt nach dieser „Standpauke“ zur letzten Logentür des Theaters,zu
„Harrys Hinrichtung“. Hier wird der Steppenwolf in einen Hof geführt und von
einigen Richtern aufgrund von Hurmorlosigkeit zu ewigem Leben verurteilt und
ausgelacht. Harry hat das magische Theater nicht als Schule des Humors
begriffen. Er war bisher in der Annahme, dass er nur durch Leiden und Askese
in den Kreis der „Unsterblichen“ aufgenommen und sich so von den normalen
Herdenmenschen abheben könnte. Nun hat er entgültig gelernt, dass er das
alltägliche Leben nur meistern kann, wenn er sich zum Humor bekennt,
Toleranz übt und seine Persönlichkeitsanteile in Einklang miteinander bringt.
Zum Schluss des Romans sagt Harry: „Einmal würde ich das Figurenspiel
besser spielen. Einmal würde ich das Lachen lernen. Pablo wartet auf mich.
Mozart wartet auf mich.
Intention
Hermann Hesse und Harry Haller scheinen nahezu identische Personen zu sein.
Hesse übt durch die Sicht des Steppenwolfs Haller Kritik an der Zeit der 20er
Jahre. Die zunehmende Technisierung der Welt war für ihn eine Bedrohung der
alten Kunst und Kultur und eine Zerstörung jeglichen Ästethikgefühls. Hesse
sagte einmal: „Auf eure Welt anders zu reagieren als durch Krepieren oder
durch den Steppenwolf, wäre für mich Verrat an allem, was heilig ist.“ Er
kritisiert die moderne Zivilisation, deren auffälligstes Merkmal eine dekadente
Lebensweise der Masse war. Der Mensch war nicht mehr edlen Werten
zugewandt, sondern durch seine oberflächliche Vergnügungssucht verblendet.
Goethe und Mozart hatten keinen Platz in einer solchen industrialisierten Welt,
in der Jazzmusik und Tanzbars Einzug genommen hatten. Dieser Normenverfall
griff auch auf die Friedens- und Kriegsvorstellungen der Menschen über. Eine
allgemeine Kriegstreiberei war die Folge. Die Bürger wurden damals
gewissermaßen zum Krieg erzogen, und gegen jegliche pazifistische
Einstellungen gehetzt. Hesse warnt im Steppenwolf mehrmals vor einem
bevorstehenden erneuten Krieg.
Vor allem aber stellte Hesse mit dem Steppenwolf seine eigene Krankheit und
Krisis der damaligen Zeit dar, aber nicht eine, die zum Tode führt, nicht einen
Untergang, sondern das Gegenteil: eine Heilung“. Er rettete sich durch die
Schaffung eines Kunstwerks aus seiner Unzufriedenheit mit den zeitlichen
Umständen und aus der Last seiner familiären Verhältnisse. Seine erste Frau,
Maria Bernoulli wurde geisteskrank, woraufhin Hesses Familienleben 1918
zerbrach. Die Identifikation mit der Romanfigur Harry Haller machte es Hesse
möglich, seine innere Zerrissenheit bis ins kleinste Detail zu analysieren. Der
Steppenwolf war für Hesse eine Katharsis, eine Reinigung und Überwindung
seiner utopisch-tragischen Weltsicht. Hesse plagten wie Harry schwere
Selbstmordgedanken und das Datum seines 50. Geburtstages sollte wie für
Haller ein Freibrief zum Selbstmord sein.
Es war auch das Ziel des Autors, eine Ich-Krise und die Spaltung einer
menschlichen Persönlichkeit allgemein verständlich zu machen und zu
vermitteln. Seine Krise war die einer ganzen Generation, die zwischen 2
Kriegen und zwischen 2 Welten lebte.
Einflüsse
Der Steppenwolf war sehr stark von der Philosophie Nietzsches geprägt.
Demzufolge gibt es Übermenschen, die Unsterblichen, die sich aus der Masse
der Herdenmenschen herausheben. Nietzsche verehrte eine absolutistische
Herrschaft und verachtete eine demokratische Gesellschaftsordnung. Er gab die
Verantwortung lieber in die Hände eines einzelnen Genies als in die Breite
Masse des dümmlichen Volkes. Es finden sich auch viele Ansätze von
Nietzsches Kulturpessimismus im Roman wieder. Hesse hat sich intensiv mit
den Schriften des Philosophen auseinandergesetzt, die ein Bild der Dekadenz
und des Normenverfalls der Menschheit entwerfen.
Auffällig sind auch das Verwenden vieler Grundlagen der Tiefenpsychologie
des Psychoanalytikers C. G. Jung. Hesse führte in der Zeit seiner Lebenskrise
häufig therapeutische Gespräche mit Doktor J.B. Lang, einem Schüler C. G.
Jungs. Die Theorien der beiden Wissenschaftler halten an der Heilung der
Psyche durch Symbole im Traum, hier durch die Versetzung in die
Phantasiewelt des Magischen Theaters fest. Hier werden die abgespaltenen
Persönlichkeitsanteile wieder integriert.
Die Rezeption
Der Steppenwolf rief bei seiner Erscheinung 1927 heftige konträre Reaktionen
bei Freunden und Gegnern Hesses hervor. Die Leser seiner früheren, von
Romantik und Empfindsamkeit geprägten Werke fühlten sich durch die
schroffen Bekenntnisse des Steppenwolfs brüskiert und lehnten die
psychoanalytische und schonungslose Darstellung menschlicher Abgründe
entrüstet ab. Egon Schwarz sagte damals: „Sein Buch bleibt eine giftige,
gefährliche Wirrnis, giftig in seiner ungezügelten Sinnlichkeit, gefährlich in
seiner radikalen und ätzenden Verneinung aller Lebenswerte, eine Wirrnis
abstruser, schillernder und paradoxer Ideen. Großes stilistisches Können ist hier
ziellos und maßlos vergeudet.“
Viele reagierten mit Hohn und Verachtung, viele weil sie Hesses Werk
missverstanden. Schriftstellerkollegen wie Thomas Mann dagegen reagierten
mit begeisterter Anerkennung. So sagte Thomas Mann: „...ist es nötig zu sagen,
dass der Steppenwolf ein Romanwerk ist, das an experimenteller Gewagtheit
dem Ulysses, den Faux- Monnayeurs nicht nachsteht? Der Steppenwolf hat mich
seit langem zum ersten mal wieder gelehrt, was Lesen heißt.“
In den folgenden Jahren setzte eher ein rückläufiges Interesse am Steppenwolf
ein.
Doch in den 60er Jahren erfuhr der Roman ein Revival in Europa und Amerika
und begründete den Weltruf des Autors. Vor allem die Hippie- Bewegung in den
Vereinigten Staaten konnte sich mit dem einsamen, verkannten Künstler-Ich
identifizieren und protestierte gegen das Establishment. Die jugendlichen
Aussteiger, die Verachtung für eine Welt des Konsums, der
Rassendiskriminierung und des Vietnamkrieges entgegenbrachten, fanden sich
im Steppenwolf wieder. Für sie wurde der Pazifist und unkonventionelle Hesse
zum Idol und Wegbereiter des modernen Lebens. In den USA wurden ca. 11
Millionen Bücher Hesses verkauft. Diese Rennaissance rührte aber auch daher,
dass im Roman auch Motive des Drogenrausches und Ansätze der fernöstlichen
Philosophie zu Finden waren.
Arbeit zitieren:
Esther Hautmann, 2001, Hesse, Hermann - Der Steppenwolf, München, GRIN Verlag GmbH
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Sehr zu empfehlen.
Hier wurde es in überzeugendester Manier geschafft, ein durch philosophische und psychologische Einflüsse hoch kompliziert wirkendes Werk, das zweifellos zu den besten seiner Zeit gehört, prägnant und präzise auf seine wesentlichen Inhalte und Aussagen zu komprimieren.
am Thursday, November 08, 2001-