Tatsache läßt natürlich seine Enttäuschung hochkommen und verletzt seinen Stolz zutiefst. So
ist es auch kein Wunder, daß er rückfällig wird. Daraufhin wird er allerdings als
Wiederholungstäter ins Zuchthaus gebracht, in dem ihn der Umgang mit Mördern und
anderem Gesindel völlig ins Negative verändert und in dem er seinen Stolz und sein
Ehrgefühl verliert.
Ich bin der Meinung, daß doch an diesem Beispiel des Christian Wolf von Schiller heftigste
Kritik an der damaligen Obrigkeit, genauer gesagt an der damaligen Justiz geübt wird, die er
praktisch dazu verurteilt, aus einem im Grunde guten Menschen einen Mörder gemacht zu
haben, der zur Bedrohung für das Wohl der Gesellschaft selbst wurde.
Die Darstellung des sozialen Konfliktes in dem Stück „Die Räuber“ geht in etwa in die
gleiche Richtung wie beim „Verbrecher aus verlorener Ehre“. Man kann zwar nicht sagen,
daß die Gesellschaft im allgemeinen Karl zum Verbrecher werden ließ, doch schließlich
gehört auch Franz in gewisser Weise zu Karls Umwelt. Und dieser ist, wie man aus dem
Schauspiel weiß, eigentlich die Person, die aus Karl mittels seiner gefälschten Briefe einen
Gesetzlosen werden läßt. Denn ausschlaggebend dafür, daß Karl den Weg ins Verbrechen
wählt, ist ja, daß er nach dem Erhalt des Briefes so von seinen Emotionen, wie Enttäuschung,
Wut und Unverständnis, beherrscht wird. Er war wahrscheinlich gar nicht mehr in der Lage,
rational zu denken und zu handeln, sondern ließ sich von der Stimmung des Momentes
berauschen und stimmte dem Vorschlag seiner Gefährten zu, Hauptmann der Räuber zu
werden.
Es ist klar, daß Schillers Schauspiel für die damalige Zeit, in der in Deutschland noch das
Ständewesen herrschte, absolut revolutionär gewesen sein muß. Denn noch niemals vorher
wurde ein Theaterstück über die Menschen geschrieben, die in der Gesellschaft praktisch auf
der untersten Stufe standen, wie zum Beispiel Zigeuner, Vagabunden und eben Diebe und
Räuber. Doch für Schiller gab es in der Darstellung des sozialen Konfliktes in den „Räubern“
in dieser Richtung kein Tabu. Völlig unverblümt spricht er ein zu damaliger Zeit
hochbrisantes Thema wie die Ständeordnung an. Schiller ging doch auch soweit, daß er nicht
einfach nur über diese, von der Gesellschaft verstoßenen Menschen schrieb, er erhob sie
sozusagen auch noch in einen gewissen Heldenstatus und setzte einen adeligen Hauptmann an
deren Spitze, was für die Obrigkeit dieser Zeit sicherlich ein Schock war und auch an dem
etwas verstaubten Weltbild, welches die meisten Adeligen ohne Zweifel hatten, rüttelte.
Um nun zu Georg Büchners Werk „Woyzeck“ zu kommen, muß man sagen, daß dieses
wieder erstaunliche Parallelen zu Schillers „Verbrecher aus verlorener Ehre“ aufweist.
Auch hier wird eine Person, nämlich Woyzeck, zum Mord getrieben, an dem er selbst sicher
nur eine Minimalschuld zu tragen hat. Allerdings sind in dem Fragment „Woyzeck“ die
negativen Einflüsse der Gesellschaft noch viel extremer als bei Schiller. Natürlich muß man
sagen, daß Woyzeck eine Teilschuld trifft, doch wird diese eher unbedeutend, wenn man sich
einmal genau die Ursachen für den Mord ansieht.
Vom Hauptmann muß sich Woyzeck zum Beispiel ständig Hänseleien anhören, die seinem
seelischen Gleichgewicht sicher nicht gerade förderlich waren. Vom Doktor sogar nur als
Versuchsobjekt angesehen, um Experimente durchzuführen, war es nach dem Verlust von
Marie an den Tambourmajor nur noch eine Frage der Zeit, bis das „Dynamit“ Woyzeck
explodieren würde. Denn Marie war die Person auf der Welt, die für Woyzeck den Sinn
seines Lebens darstellte, an der er Halt finden konnte. Woyzeck arbeitete und schuftete dafür
eigentlich ununterbrochen, um Marie und sein Kind versorgen zu können. Doch Marie
erkennt das gute Herz des einfachen Soldaten nicht und wendet sich lieber dem
gesellschaftlich weit höher gestellten Tambourmajor zu. So gesehen war der Mord, den
Woyzeck an seiner Geliebten Marie beging, eine logische Konsequenz einer Verkettung von
Enttäuschungen und Demütigungen, die Woyzeck erleben mußte.
So muß man sagen, daß „Woyzeck“ eine strenge Kritik an der Gesellschaft ist und deren
Schwächen schonungslos aufdeckt, da sie nicht einmal bemerkt, wie eines ihrer Mitglieder
unaufhaltsam auf einen Abgrund der Verzweiflung zutreibt, an dessen Ende der Tod steht,
sondern ihm vielmehr noch einen Stoß gibt, der ihn endgültig in diesen Abgrund befördert.
Am Ende kann man über die drei Werke sagen, daß sie in gewisser Weise alle eine Kritik an
der Gesellschaft und ihren Strukturen darstellen und einen Appell an dieselbe, feinfühliger mit
Menschen, die ein Verbrechen begangen haben, zu sein und eine Person nicht gleich als
schlecht hinzustellen, sondern zu hinterfragen wie und warum sich ein Mensch so ins
Negative verändern konnte.
Wörter: 1357
Arbeit zitieren:
Dirk Petter, 1998, Schiller, Friedrich - Die Räuber, Der Verbrecher aus verlorener Ehre und Büchner, Georg - Woyzeck unter dem Gesichtspunkt der Darstellung sozialer Konflikte in der Literatur, München, GRIN Verlag GmbH
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Voll der Schrott.
Voll die Scheiße!!! Wie kann man nur 1.49 Euro für so einen Mist verlangen.
Lern erst einmal richtig Deutsch!!! Deine Arbeit dient nur als Brennholz!!
am Tuesday, September 21, 2004-