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Die Passage, bei welcher Käthchen dem Grafen von Strahl einen Brief, in welchem er vor einem Angriff auf das Schloss Thurneck gewarnt wird, übergeben möchte, und der Graf sie erneut abweist, zeigt, dass er sich im Zwiespalt zwischen Verstand und Gefühl befindet. Auch im weiteren Verlauf der Szene zeigt sich seine äusserliche Abneigung Käthchen gegenüber, indem er sie als unverschämte, landstreichende Dirne bezeichnet und zudem die Peitsche hervorholt, um zu verdeutlichen, dass sie endlich nach Heilbronn zurückkehren soll. Im Moment, als er die Peitsche wieder sieht, realisiert er, einen Fehler begannen zu haben. Dies bestätigt sich darin, wie er ihr kurz darauf anbietet, sie bei sich im Wirtshaus aufzunehmen. In seinem Innern weiss er, dass Käthchen von Grund auf gut ist und will sie nun dementsprechend behandeln. In der Szene, in der das Schloss in Brand steckt, und Käthchen versucht, das Futteral zu holen, zeigt er seine Besorgnis um sie offen. Für ihn bricht eine Welt zusammen, als er Käthchen tot glaubt. Daher merken wir, wieviel Käthchen ihm in Wahrheit bedeutet. Die Bestätigung dafür wird im darauffolgenden Monolog vom Graf von Strahl ersichtlich. Er kann es nicht mitansehen, wie sich Käthchen ihm völlig hingibt, obwohl sie seiner Meinung nach den herrlichsten Bürger zum Mann haben könnte. Beim Gespräch zwischen dem Grafen von Strahl und Käthchen, indem sie ihm von ihrem Traum erzählt, wird dem Grafen klar, dass es sich in seinem Traum nicht um Kunigundens Gestalt handelte, sondern ihm Käthchen erschienen war. Nun stellt sich ihm das Problem, weshalb es sich in seinem Traum um eine Kaiserstochter handelte, denn Käthchen gehörte bis anhin zur bürgerlichen Gesellschaftsschicht. Gleich darauf macht sich der Graf von Strahl auf den Weg, um die nötigen Beweise bezüglich Käthchens Abstammung zu beschaffen. Nun ist er der festen Überzeugung, dass Käthchen eine Kaiserstochter ist, aufgrund seines Traumes, indem er offensichtlich Käthchen sah und sie dort eine Tochter des Kaisers war. Als der Graf den Kaiser persönlich konsultierte, gab der Kaiser zu, vor Jahren mit Käthchens Mutter Gertrud geschlafen zu haben. Beide gehören demnach dem gleichen Stand an und können so ungehindert eine Ehe eingehen. Somit stellt sich nichts mehr zwischen eine Beziehung vom Grafen von Strahl und Käthchen.
Käthchen selbst weiss ganz genau was sie will. In ihrem Herzen ist sie völlig sicher und überzeugt, in dem was sie tut. Käthchen handelt einzig und allein aus ihren Emotionen, ohne sich Gedanken über die daraus resultierenden Folgen zu machen. Sie hinterfragt und bedenkt keinerlei gesellschaftliche Normen oder Werte, als sie sich ihren Gefühlen hingibt und dem Grafen von Strahl folgt. Dies ist der Grund dafür, weshalb sie auf die beiden Herren Wenzel und den Grafen von Strahl zu Beginn des Stückes einen verwirrten Eindruck hervorruft. Ihre Sicherheit basiert auf einer Traumvision, in der ihr der Graf von Strahl erschienen ist. Sie träumte davon, wie sie in einem weissen Brautkleid vor dem Grafen stand. Sie ist sich deshalb sicher, den Grafen einst zu heiraten. Dies ist der Grund dafür, dass sie auf die Abweisungen des Grafen ignorierend reagiert. Sie lässt sich nicht von ihrer Überzeugung abbringen, mag sich der Graf auch noch so ablehnend und zurückweisend verhalten. Sie lässt die grössten Strapazen über sich ergehen. Selbst stundenlanges Gehen und Übernachtungen in Ställen machen ihr nichts aus. Nicht einmal die Beziehung zwischen Kunigunde und dem Grafen von Strahl lassen bei ihr Zweifel über die Wahrwerdungen des Traumes aufkommen. Ihr absolutes Vertrauen in den Traum, lässt sie naiv erscheinen. Ihre Naivität kommt unter anderem zum Ausdruck, als sie ohne zu zögern Kunigundens Befehl, deren Futteral aus dem brennenden Schloss zu holen, folgeleistet. Aus der Wirkung, die Kunigunde auf die Männer hat, lässt sich einiges über das Frauenbild in der damaligen Zeit herauslesen. Mit Hilfe ihrer Schönheit zieht sie die Männer auf ihre Seite. Der Graf von Strahl äussert sich darüber im Gespräch mit Flammberg. Auch er als Mann hat festgestellt, dass Kunigunde wegen ihrer Schönheit jeden Mann um den Finger wickeln kann. Ihre Schönheit wirkt auf die Männer so überwältigend, dass ihr alle zu Füssen liegen. Als er sie in der Köhlerhütte mit gefesselten Händen und verstopftem Mund am Boden liegen sah, und ihm nicht bewusst war, dass es sich dabei um seine Feindin Kunigunde handelt, fühlte er sich von ihr gleich angezogen. Er half ihr von dort aus zu entfliehen, und nahm sie gleich in seinem Schloss auf. Obwohl er eigentlich weiss, wie Kunigunde ist und ihre Schönheit zu ihrem Vorteil anwendet, muss er sich später eingestehen, wie er selbst ihren Reizen nachgegeben hat. Käthchen hat zwar dieselben körperlichen Reize wie Kunigunde, doch erzielte nicht von Anfang an die selbe Wirkung auf
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den Grafen, da sie einem untergeordneten Stand angehört. Bei Kunigunde stellt sich dem Grafen von Strahl nicht das Problem des Standesunterschiedes in den Weg, denn sie gehört zum Stamm der alten sächsischen Kaiser. Dies sind die Gründe, weshalb er zuvor glaubte, dass es sich in seinem Traum um Kunigunde handelte. Der Graf von Strahl ist jedoch nicht der Einzige, der den körperlichen Reizen von Kunigunde verfallen war. Der Rheingraf musste diese Erfahrung auch schon durchleben. Dieser war mit Kunigunde verheiratet und hatte mit der Zeit erkannt, wie sie wirklich ist. Der Rheingraf wurde von ihr betrogen und weiss über ihren schlechten Charakter und ihre absolute Falschheit bescheid. Er hat erkannt, dass er sie einmal verehrte, sie es aber aufgrund ihres inneren Wesens nicht wert war. Wegen seiner Kenntnis über Kunigunde will er nicht zulassen, dass der Graf von Strahl dieselben Erfahrungen durchmachen muss. Eine Hochzeit der Beiden schliesst er aus, weil er davon überzeugt ist, dass es nicht lange dauern wird bis Kunigunde ihre Falschheit ans Licht bringt und den Grafen ebenfalls betrügt. An dem Tage, als sie in der Grotte baden war, kommt zum Vorschein, wie sie in Wirklichkeit aussieht. Käthchen bekam zufälligerweise mit, wie es wirklich um Kunigundes physische Erscheinung steht. Ihr ganzer Körper ist nämlich aus gekauften Objekten zusammengestellt. Ihre ganzen Werte, weshalb sie von den Männern bewundert wurde, sind demnach falsch. Das heisst, alles, womit sie die Männerwelt beeinflussen und sich dadurch eigene Vorteile verschaffen konnte, ist erloschen. Sobald der Graf von Strahl von dieser Neuigkeit erfuhr, hat Kunigunde für ihn keinen Wert mehr. Nur ihre inneren Werte zählen jetzt noch, welche jedoch keine positiven Eigenschaften aufweisen. Sie hat nichts mehr, womit sie die Aufmerksamkeit der Männer auf sich lenken kann.
Kunigunde ist sich vollständig bewusst, was für eine Wirkung sie auf die Männer hat. Sie setzt dies gezielt ein, um an für sie wichtige Geschäfte zu gelangen. Anders als Käthchen handelt sie überlegt und macht sich schon im Voraus Gedanken darüber, welche Folgen ihr Handeln im späteren Verlauf haben werden. Im Gegensatz zu den Männern weiss nur sie zu Beginn des Stückes, dass sie falsch und betrügerisch ist und lässt sich deshalb nach Aussen perfekt erscheinen. Sie missbraucht das Vertrauen der Männer, weil sie der Überzeugung ist, dass sie jeden Mann verführen kann, den sie will und niemals alleine dastehen wird. Kunigunde schreckt vor nichts zurück und schliesst den Gedanken an einen Mord an Käthchen nicht aus. Denn einen solchen plant sie, als sie Käthchen ins brennende Schloss und somit in den nahezu sicheren Tod führt. Bewacht von einem Cherub überlebt Käthchen jedoch das gefährliche Unterfangen und Kunigunde sieht sich abermals genötigt, ihre Feindin loszuwerden. Sie beauftragt Rosalie deswegen, Käthchen zu vergiften. Kunigunde ist nur daran interessiert, ihre Ziele zu verfolgen, bei welchen ihr Käthchen im Wege steht. Kunigunde sieht Käthchen als eine Konkurrentin bezüglich des Grafen von Strahl. Sobald sich herausstellt, dass Kunigundens Schönheit nur gestellt war, weiss sie, dass ihre intrigischen Kämpfe keine Erfolge mehr erzielen können. Ihrer Wertlosigkeit ist sich Kunigunde völlig bewusst und hat keine Aussichten mehr auf die Erreichung ihrer ursprünglichen Ziele. Kunigunde kann es nicht ertragen als Verliererin dazustehen und muss selbst am Schluss, als für sie das Spiel schon gelaufen ist, ihre schlechten Charakterzüge und skrupellosen Absichten völlig entfalten. Am Ende des Stückes ist Kunigunde nicht bereit aufzugeben und schwört auf ewige Rache.
Die beiden Frauen, Käthchen und Kunigunde, stehen im totalen Gegensatz zueinander. Das Denken und Handeln der Beiden unterscheidet sich in allen Bereichen. Durch die sture Verfolgung Kunigundens Ziele, wird immer wieder deutlich, dass sie von Grund auf böse ist. Die Figur Käthchens wird als eine Frau definiert, die angesichts der Ansprüche der Gesellschaft nicht perfekter sein könnte. Für Käthchen bedeuten wichtigste Grundwerte innere Reinheit und Unschuld, wobei bei Kunigunde Äusserlichkeiten die höchste Bedeutung darstellen. Daraus resultiert, wie Käthchen und Kunigunde These und Antithese aufzeigen. Während Kunigunde eine Intrigantin und Falschspielerin ist und mit ihren skrupellosen Handlungsweisen die Erwartungen der damaligen Gesellschaft nicht erfüllt, verkörpert Käthchen im Kontrast dazu, die Frau, welche Reinheit, Tugendhaftigkeit und natürliche Schönheit repräsentiert und somit der ethischen Erwartungshaltung in der damaligen Zeit entspricht. Käthchen verkörpert aufgrund dessen das Idealbild einer Frau von damals.
Das Käthchen von Heilbronn
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Das Käthchen von Heilbronn
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Désirée Hummer, 2001, Kleist Heinrich von - Käthchen von Heilbronn - Das Frauenbild, München, GRIN Verlag GmbH
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