schließlich zu einem tragischen Ende kommt.Er schaffte es allerdings nicht immer , diesen Humor in die richtige Verbindung zum tragischen Hintergrund zu bringen.
Marie ist ein gutes Mädchen und den Männern gegenüber nicht abgeneigt. Sie ist allerdings unerfahren im Umgang mit jenen , wodurch später in der Geschichte schwerwiegende Probleme entstehen.Außerdem ist sie ein typisch bürgerliches Mädchen und psychisch labil , weil sie immer schnell zu weinen beginnt.Am Anfang ist Marie dem Stolzius versprochen , der sie aufrichtig liebt und heiraten will.DieseBeziehung wird allerdings nur durch Briefe am Leben erhalten , da die beiden in verschiedenen Städten leben , und kann somit schon nicht von Dauer sein , da die Beziehung dadurch an Intensität verliert.
Nach einem Besuch des Desportes ist Marie von seinem Charm ganz angetan und plant mit ihm in die Komödie zu gehen.Ihr Vater , Herr Wesener , verbietet es ihr allerdings , da er um ihren Ruf fürchtet.Er ist ein strenger Vater , der sehr großen Wert auf Tugenden legt und seine Töchter vor der Verunsittlichung und dem Gerede der Leute beschützen will: „Meine Tochter ist nicht gewohnt , in die Komödie zu gehen ,das würde nur Gerede bei den Nachbarn geben , und mit einem jungen Herrn von den Milizen dazu“(S.8 , Z.38-40).
Die Situation um Marie spitzt sich immer mehr zu und ihr sozialer Unter-Gang wird eingeleitet.Der Baron Desportes umgarnt sie von Begegnung zu Begegnung mehr mit Komplimenten und beschenkt sie reichhaltig.Z.B. schenkt er ihr ein Herzchen mit kleinen Steinen besetzt in einem Ring. Ebenso schreibt er Verse für Marie , in denen er sie mit „Du allerschönstes Licht“(S.16 , Z.10) anredet und ihr versichert sie in alle Zeit zu lieben: „Ich bet dich an , ich will dich ewig lieben“(S.10 , Z.8).Desportes redet ihr auch ein , dass sie zu Höherem bestimmt und für keinen Bürger gemacht sei:
„...sie sind für keinen Bürger gemacht“(S.25 , Z.8).Herr Wesener überdenkt die Sache noch einmal sorgfältig und kommt dann zu dem Schluss , dass der Baron seine Tochter wirklich lieben muss: „Er denkt doch honett , seh ich“(S.10 , Z.18).Jetzt erkennt der Vater , dass der Baron wohl vorhat Marie auf die Seite des Adels zu ziehen.Wesener denkt egoistisch und sieht nur den Vorteil für sich , endlich seinen Lebensstil zu verbessern.Dies passt vorzüglich in das Bild des Bürgertums , an dem Lenz scharfe Kritik übt.Diese Kritik richtet sich einmal gegen die Engstirnigkeit , die Beschränktheit dieses Standes und gegen die daraus resultierende , selbstverständliche Unterordnung unter den Adel.Zum anderen kritisiert Lenz aber auch den Versuch des Bürgertums , das gesellschaftliche Gefüge zu durchbrechen , nach Höherem zu streben und sich somit der Lebensweise des Adels anzupassen.
Das ist genau das, was Marie versucht.Obwohl sie eigentlich schon mit einem Tuchhändler , nämlich dem Stolzius , liiert ist , lässt sie sich auf Des-portes ein und beginnt eine Beziehung mit ihm.Als Stolzius dann mit den Officiers in einem Kaffeehaus sitzt , verharmlosen die Soldaten die Beziehung zwischen Marie und Desportes und beteuern , dass der Baron ein anständiger Kerl sei.Der Officier Rammler merkt dann allerdings indirekt an , dass Desportes mit Marie abhauen will , woraufhin Stolzius einen Brief an Marie schreibt , in dem er sie „Ungetreue“(S.25 , Z.38) nennt.Er hat mit dieser Bezeichnung nicht einmal so Unrecht , da Marie neben dem Baron ihre Aufmerksamkeit dem Grafen de la Roche und noch zwei anderen Offizieren schenkt.Stolzius möchte sich natürlich an Desportes rächen , welcher inzwischen die Stadt verlassen hat , weil er seine Schulden nicht bezahlen konnte.Marie fängt an Desportes stark zu vermissen und freundet sich mit Mary an , der als Einziger noch Kontakt zum Baron hat.Sie möchte durch Mary Briefe von ihrem Geliebten empfangen und trifft sich deshalb oft mit dem Offizier , wenn auch gegen den Willen ihrer Mutter: „Wenn[...]er uns allein noch Nachrichten von ihm beschaffen kann.“
(S.35 , Z.6-8) „[...]Kurz und gut , du sollst nun nicht ausfahren mit diesem , ich leid es nicht.“(S.35 , Z.17-18) „[...]Er hat Pferd und Cabriolet bestellt , sollen die wieder zurückfahren?“(S.35 , Z.19-20). So gerät Marie immer mehr in den Bann des Adels und entfernt sich von Tag zu Tag stärker von ihrem Stand.Sie eifert immer noch Desportes nach , welcher mittlerweile überlegt , wie er Marie los werden kann und schreibt daher einen Brief , in dem er Marie erklärt keine Briefe mehr zu schreiben , solange er keine neue Adresse geschickt hat , da sonst sein Vater einmal einen Brief in die Finger kriegen könnte: „Ich muss ihr doch das Maul ein wenig schmieren , sonst nimmt das Briefschreiben kein Ende , und mein Vater fängt noch wohl gar einmal einen auf.“(S.36 , Z.29-32).Damit Marie ihn endlich vergisst möchte er Mary verliebt in sie machen und schreibt ihm einen Brief.
Marie wird immer mehr zum Spielzeug der Soldaten und erfährt von ihrer Mutter , dass der Offizier Mary längst vergeben ist.Sie schwärmt allerdings vom jungen Grafen und hofft dadurch Mary einmal eifersüchtig zu machen.Daraufhin teilt ihr Frau Wesener allerdings mit , dass der Graf ebenfalls vergeben sein soll: „Ei was , der soll ja auch schon versprochen sein.“ (S.39 , Z.21-22).
Zu diesem Zeitpunkt ist Marie auf sich allein gestellt und rutscht immer tiefer ab.Sie trägt die größte Schuld an ihrer Situation , denn sie hätte sich niemals auf den Baron einlassen dürfen , indem sie gar nicht erst mit ihm zur Komödie gegangen wäre.Sie ließ sich von ihren Ambitionen leiten und wurde dabei noch von ihren Eltern unterstützt , die nur egoistisch dachten und Marie nicht warnten.Es trifft also auch die Eltern die Schuld , aber Marie hätte einsehen müssen , dass sie nicht für den Adel geschaffen ist und nur eine einfache Bürgerstochter ist.Marie ist der Faszination für einen anderen Lebensstil verfallen , durch die sie sich aller- dings immer mehr von ihrem bürgerlichem Stand entfernt und somit immer
hilfloser wird.
Die einzige die ihr in diesem Moment noch beisteht ist die Gräfin de la Roche.Sie findet , dass Marie unschuldig ist und hintergangen wurde und möchte sich ihrer annehmen: „[..]ich glaube,[...]das arme Kind soll hintergangen worden sein“(S.38 , Z.29-30) „[...] sei versichert , dass es Jungfer Wesenern hier nicht übel werden soll.Du hast ihr in mir ihre zärtlichste Freundin zurückgelassen[...]“(S.39 , Z.1-3). Als die Gräfin zu den Weseners kommt unterhält sie sich mit Marie und versichert ihr , dass sie ihre beste Freundin ist und sich wirklich um Marie sorgt: „Sehen Sie mich als Ihre beste Freundin an , ich versichere Sie , dass ich den aufrichtigsten Anteil nehme an allem[...]“(S.40 , Z.10-13).Die Gräfin hat sich als Ziel gesetzt Maries Ehre zu retten und bietet ihr einen Platz als Gesellschafterin in ihrem Hause an.Sie erklärt ihr , dass sie sich zu weit über ihren Stand hinausgewagt hat und sagt ihr gleich zu Beginn , dass sie bei ihr keinen Mann zu sehen bekommt.Die Gräfin ist die einzige die Marie einmal offen ins Gesicht sagt , dass sie einen großen Fehler begangen hat und den Unterschied zwischen den einzelnen Ständen nicht kannte.Selbst jetzt ist Marie noch so naiv und glaubt , Desportes liebe sie noch: „Ich habe nur einem zuviel getraut , und es ist noch nicht ausgemacht , ob er falsch gegen mich denkt.“(S.41 , Z.1-2).Die Gräfin stellt Marie dann die Frage , wie sie überhaupt dazu kam sich über ihren Stand hinaus nach einem Mann umzusehen und verweist somit auf die Sucht des Bürgertums ,fortwährend zu versuchen , aus seinem Stand herauszukommen und dem Adel entgegenzustreben.Marie wird vorgeworfen , sie habe sich gegenüber „jungen Mannsleuten ihres Standes“(S.41, Z.21-22) verächtlich verhalten und das alles nur um „von Ihresgleichen beneidet [zu] werden“(S.41 , Z.29-30). Nach dem Gespräch mit der Gräfin verabredet sich Marie abends heimlich mit Mary im Garten der Gräfin und erfährt , dass Desportes ihr wieder ge- schrieben hat und sagt , dass er sie bald wieder sehen will und dass er Marie
immer noch liebe.Die Gräfin erwischt sie bei der Unterhaltung und droht Marie an sie rauszuwerfen , aber Marie geht von alleine und beschließt Des-portes zu suchen.Der Franzose erfährt davon und möchte nicht , dass sein Vater oder seine Kameraden etwas von seinen Verhältnissen erfahren , da er sich nur Schande und Spott einhandeln würde.Also schickt er seinen Jäger aus , dass er Marie vergewaltige und somit ihre Ankunft vermeide.Marie kann dem Jäger allerdings entkommen und zieht ziellos umher.Sie ist jetzt in der Situation eines Bettlers und der soziale Abstieg ist perfekt. Als sie an der Lys ihren Vater trifft , erkennt dieser sie erst gar nicht und scheucht sie zunächst fort.Dann gibt sich Marie zu erkennen und die beiden fallen sich um den Hals.
J.M.R.Lenz hat in seiner Geschichte die soziale Unterdrückung geschildert , welche Ausdruck in der Figur des Desportes fand ,der rücksichtslose Machtgedanken und sein Triebleben gegen das bürgerliche Mädchen Marie zeigte.Marie wurde Opfer jener Triebe des Barons und ihrer eigenen Ambitionen , sich dem Adel anzuschließen.Sie vernachlässigte und kränkte den , der sie wirklich liebte, und schenkte denen , die sie nur ausnutzten und belogen Vertrauen.Zum Schluss hintergang sie selbst noch ihre letzte Instanz um aus der Situation wieder herauszugelangen , nämlich die Gräfin dela Roche , die es als einzige wirklich gut mit Marie meinte. Lenz klagt in seinem Werk auch das Militärsystem an , welches die Soldaten zwangsweise zu Mädchenverführern macht und sagte einmal über die Lösung dieses Problems , „wenn der König eine Pflanzschule von Soldatenweibern anlegte,“möge sich dieser Zustand ändern.Letzendlich ist aber das Scheitern der Marie Wesener in der Gesellschaft nicht auf die Soldaten oder die Eltern zurückzuführen.Die einzige die wirklich Schuld trifft ist Marie Wesener.
Verwendete Literatur:Kindler , Microsoft Encarta , „Die Soldaten“ von Lenz , www.literaturchat.de
Arbeit zitieren:
Christian Beyer, 2001, Lenz, J.M.R. - Die Soldaten - Marie Weseners Scheitern in der Gesellschaft, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Über J. M. R. Lenz' "Der Hofmeister" - Komödie, Tragikom...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 16 Seiten
Unterrichtsstunde: Max Frisch - Andorra, Viertes/Fünftes Bild: Konflik...
Erkenntnis und Reflexion der K...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 8 Seiten
Schiller, Friedrich - Die Räuber - ein Werk, mit dem in mehrfacher Wei...
Referat / Aufsatz (Schule), 15 Seiten
Didaktische Begründung für den Umgang mit lyrischen Texten im Unterric...
Referat (Ausarbeitung), 3 Seiten
Schiller, Friedrich - Die Räuber - Karl - Ein Verbrecher?
Referat / Aufsatz (Schule), 8 Seiten
Unterrichtseinheit: Praktikumsbeleg SP2 & SP3 Deutsch - Lernen neu...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 12 Seiten
Die literarische Verarbeitung einer Technikkatastrophe bei Theodor Fon...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 30 Seiten
Plädoyer für eine neue Lesart der Ballade - Analyse der 'Ballade v...
Hausarbeit, 41 Seiten
Die Vater-Tochter-Beziehung in Lenz' Drama "Der Hofmeister od...
Ehe und Familie in Dramen des ...
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
Analyse und Interpretation der Ballade „Die Bürgschaft“ (1798) von Joh...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 24 Seiten
Schriftspracherwerb nach Hans Brügelmann
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Seminararbeit, 10 Seiten
Christliche Religion und Antike Mythologie in Friedrich Schillers '...
Warum springt der Taucher?
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 11 Seiten
Der Bruderzwist im Drama des Sturm und Drang - Johann Anton Leisewitz&...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Christian Beyer hat den Text Lenz, J.M.R. - Die Soldaten - Marie Weseners Scheitern in der Gesellschaft veröffentlicht
Christian Beyer hat einen neuen Text hochgeladen
9 Ausstellungen im Kunstverein...
Christian Freudenberger, Markus Karstieß
Eighteenth Century German Criticism: Herder, Lenz, Lessing, and Others
Timothy J. Chamberlain, Johann Gottfried Herder, Gotthold Ephraim Lessing
0 Kommentare