SIR-KARL POPPER-SCHULE MARIE-SOPHIE CATE / KONFUZIANISMUS
ABSTRACT
In dieser Arbeit möchte ich den Konfuzianismus behandeln, wobei die Schwerpunkte bei einer kurzen Be
schreibung des Lebens des Konfuzius und einer näheren Beschreibung des Wertesystems des Konfuzianis
mus mit einem abschließenden Kapitel über den Konfuzianismus im Wandel der Zeit liegen
INHALT
1 Das Lunyu 3
2 Biographie des Konfuzius 4
2.1 Das Leben des Konfuzius 4
2.2 Politische Laufbahn 4
2.3 Lehrtätigkeit 4
3 Die Lehre des Konfuzius 5
3.1 Die Gründe für die Entstehung des Konfuzianismus 5
3.2 Grundzüge der Lehre 5
3.3 Das dao 5
3.4 Die Wertvorstellung 5
3.4.1 ren- Mitmenschlichkeit 5
3.4.2 li- Sittlichkeit 6
3.4.3 yi- Gerechtigkeit 7
3.4.4 zhi- Klugheit 7
3.4.5 xin- Verlässlichkeit 7
3.4.6 zhong- Loyalität 7
3.4.7 xiao- Pietät 8
3.5 Der Junzi- der Idealtypus eines Menschen 8
3.6 shu- Die Goldene Regel 8
4 Konfuzianismus im Wandel der Zeit 9
4.1 Der Einfluss des Konfuzianismus auf die chinesische Geschichte 9
4.2 Der Konfuzianismus im 20. Jahrhundert 9
5 Zusammenfassung 11
6 Literatur und Material 12
6.1 Verwendete Literatur 12
6.2 Verwendete Internet-Sites bzw. CD-ROMs 12
2
1 D AS L UNYU
„Lunyu“ bedeutet auf Deutsch „Gesammelte (lun) Worte (yu) “. Es besteht nicht aus einem einheitlichen, durchgehenden Text, sondern ist eine Zitatensammlung, die auf den Notizen der Gespräche von Konfuzius mit seinen direkten Schülern basiert. Da diese erst später von deren Schülern zusammengeschrieben wurden, können wir nicht sicher sein, ob die aufgezeichneten Gesprächsinhalte den Tatsachen entsprechen. Im Gegenteil, es besteht die Vermutung, dass ein großer Teil des Lunyu unverlässlich ist und später auch gefälscht wurde. Das Lunyu besteht aus 20 Büchern bzw. Kapiteln mit ca. 500 Abschnitten, die nicht systematisch ge-ordnet sind. Häufig stehen Sprüche unterschiedlichster Thematik nebeneinander, manchmal aber sind Passagen um ein Stichwort gruppiert. Eine Begründung für diese Ordnung des Lunyu liefert die Theorie, dass durch diese scheinbare Unordnung der Blick auf die wesentliche Botschaft des Textes gelenkt und die ästhetischspielerische Lebenshaltung ausgedrückt werden soll. Aus diesen Gründen soll das Lunyu auch gewollt trivial geschrieben worden sein.
3
2 B IOGRAPHIE DES K ONFUZIUS
2.1 DAS LEBEN DES KONFUZIUS
Am 27. August 551 v. Chr. wurde Konfuzius in der Stadt Qufu im nordchinesischen Staat Lu, der heutigen Provinz Shandong, geboren. Konfuzius ist die lateinische Transkription des chinesischen Namens Kong Fuzi -Meister Kong. Obwohl Konfuzius von adeliger Abstammung war, verlebte er wegen des frühen Todes seines Vaters im Jahre 549 v. Chr. eine schwere Kindheit Ab 532 v. Chr. widmete er sich der Politik seines Heimatstaates, bis er sich, vom Herrscher enttäuscht, von 497 bis 484 auf Wanderschaft durch das politisch zersplitterte China begab. 484 kehrte er wieder nach Lu zurück, wo er 479 v. Chr. starb.
2.2 P OLITISCHE LAUFBAHN
Seine Laufbahn begann Konfuzius als niederer Schreiber am Hof der Zhou, danach wurde er Verwaltungschef der Stadt Zhong Du, später Bauminister des Staates Lu und schließlich Zeremonienmeister am Hof des Fürsten von Lu. Das politische Ziel des Konfuzius war es, die Ordnungsprinzipien der Staaten zu erneuern, das System des Altertums wiederherzustellen und einen weisen Herrscher an die Spitze jedes sittlichen Staates zu stellen. Den Ansprüchen des Konfuzius konnte jedoch kein einziger Herrscher Chinas gerecht werden und so zog Konfuzius 13 Jahre lang umher, ohne sein Ziel zu erreichen.
2.3 LEHRTÄTIGKEIT
Konfuzius ging vor allem als hervorragender Pädagoge in die Geschichte ein. Er war der erste freischaffende Lehrer Chinas und bildete in seiner Privatschule im Laufe der Zeit ca. 3000 Schüler aus. Konfuzius entwickelte in dieser Zeit 5 Aspekte der Pädagogik: 1. Anregung zum selbständigen Denken der Schüler 2. Gleichberechtigung der Schüler 3. Gegenseitige Abhängigkeit von Lehrer und Lernendem 4. Individuelle Betreuung der Schüler nach ihren Fähigkeiten 5. Verantwortungsbewusstsein für Staat und Politik
Für Konfuzius bedeutete der Wissenserwerb keinen Selbstzweck, sondern einen Beitrag zum Gemeinwesen. Er trat für die Übernahme der Verantwortung in Staat und Politik durch die Bildungselite ein, da er diese für eine tragende Säule des Staates hielt. Deshalb förderte er bei seinen Schülern ein elitäres Selbst- sowie Sendungsbewusstsein.
4
3 D IE L EHRE DES K ONFUZIUS
3.1 DIE G RÜNDE FÜR DIE ENTSTEHUNG DES KONFUZIANISMUS
Konfuzius erkannte in der Gesellschaft seiner Zeit große Missstände. Das ungebremste Streben nach Macht ließ die Menschen die Tradition vergessen, die darauf folgende Vernachlässigung der Riten sah er als Ursache für soziale Missstände, denn es existierte ein Widerspruch zwischen dem traditionsgemäßen Sollverhalten und dem realen Verhalten der Menschen. „[...]Moral und Charakter werden vernachlässigt. Was gelernt werden soll, wird nicht erklärt. Man kennt die Pflichten, aber man kommt ihnen nicht nach. Was an einem nicht gut ist, vermag man nicht zu ändern. Das sind Dinge, die mir Sorge bereiten.“ 1
3.2 G RUNDZÜGE DER LEHRE
Konfuzius stellte eher eine ethisch-politische Lehre als eine religiös-philosophische Lehre auf, verfolgte dabei aber auch eine bestimmte Idee von der Stellung des Menschen im Weltganzen.
3.3 DAS DAO
Das Wort dao bedeutet im Grunde genommen nur „der Weg“, ist aber ein grundlegender Begriff des traditionellen chinesischen Denkens. Dao bezeichnet die Ordnung des Weltganzen, den geordneten Lauf der Dinge und ist das Ziel, das Konfuzius mit seiner Lehre anstrebt. Der Begriff beinhaltet das richtige Verhalten jedes einzelnen, aber auch der Gemeinschaft und die rechte Art, einen Staat zu regieren, und als Resultat dieser Dinge die Ordnung innerhalb der Gesellschaft.
3.4 DIE WERTVORSTELLUNG
Den zentralen Teil der konfuzianischen Lehre bildet die Werteordnung des Konfuzius, dessen wichtigste Tugenden ren, li, yi, zhi, xin, zhong und xiao im Folgenden beschrieben werden.
3.4.1 REN- MITMENSCHLICHKEIT
Ren wird in der westlichen Welt hauptsächlich als Moralität oder Mitmenschlichkeit übersetzt. Ren ist ein zentraler Begriff der konfuzianischen Lehre; es wird im Lunyu 109mal erwähnt. Auch in vorkonfuzianischer Zeit war ren eine geschätzte Tugend, doch erst Konfuzius erhebt ren zu einer philosophischen Kategorie und definiert es als eine der Tugenden eines Edlen, doch ist ren von allen Menschen entwickelbar. Im Lunyu wird ren nicht genau beschrieben, vielmehr werden einzelne Facetten des Begriffs angerissen. Als zentrale Be-standteile gelten Selbstbeherrschung, Achtung der Riten, anständiges Verhalten und Menschenliebe. Auf die Frage, was ren sei, antwortete Konfuzius: „[...]Sich selbst überwinden, die eigene Wünsche und Begierden
1 Lunyu VII, 3
5
bezwingen, sich von Anstand, Höflichkeit und guten Sitten leiten lassen, das ist sittliches Verhalten.“ 2 Es gibt drei Wege, ren im Leben zu verwirklichen: selbstlos handeln anderen zur Etablierung helfen „shu“- Einfühlungsvermögen, Fairness
Ren bildet für Konfuzius eine tiefergehende innere Qualität, die über äußerliches Verhalten hinausgeht. Die Grenzen für ren aber sind fließend, so erwähnt Konfuzius im Lunyu 5 Verhaltensweisen, die zwingend für ren sind. „[...] Überall fünf Grundsätze verwirklichen - das ist Sittlichkeit. [...] Höflichkeit, Großmut, Aufrichtigkeit, Eifer und Güte. [...]“ 3
3.4.2 LI- SITTLICHKEIT
Li bezeichnet streng genommen Riten mit sakraler Bedeutung, im weiteren Sinne alle Sitten des guten Benehmens. Im Lunyu wird das Wort „li“ 74 mal gezählt und auch sonst ist dieser Begriff von zentraler Bedeutung im Konfuzianismus. Die li sind ein System kompliziert organisierter gesellschaftlicher Verhaltensregeln. Sie umfassen alle damals denkbaren Lebensumstände und bieten den Menschen „eine fast lückenlose Orientierung“ 4 . Jedoch sind sie kein starr vorgegebenes Schema, sondern gelten als allgemeine Regel des Verhaltens, das an die jeweiligen Lebensumstände angepasst werden soll. Das Ziel der Sittlichkeit ist das Erreichen von Harmonie und Ordnung der Gesellschaft. Demnach hat sich jeder einzelne streng an die li zu halten, sein persönliches Glück und Streben hat dabei in den Hintergrund zu treten. Die li sollen daher auch eine disziplinierende Auswirkung auf den Menschen haben. Bei der Befolgung der li ist aber vor allem ein Grundsatz wichtig: „[...] Zuviel ist ebenso falsch wie zuwenig“ 5 , denn zuviel wäre Rebellion, zuwenig dagegen aber Pflichtvernachlässigung. Konfuzius war ein „überzeugter Ritualist“ 6 , und er „konnte Sittenbrecher kaum dulden“ 7 . Grund dafür war keine Hartherzigkeit, sondern einzig der Gedanke, dass die Rückkehr zum dao untrennbar mit der Rückkehr zu den li verbunden ist. Die Moral aber ist nicht auf die Befolgung von Sittlichkeitsregeln, denen ren (Mitmenschlichkeit) nichts hinzuzufügen hat, zu reduzieren. Denn für Konfuzius galt „[...] Wer seine Pflichten gegenüber den Menschen [ ren ] nicht kennt, wie kann der die Riten und Umgangsformen einhalten? [...]“ 8 . Vielmehr stehen ren und li in einer wechselseitigen Abhängigkeit zueinander , denn auf reine Liebe ließe sich keine Existenz gründen, dazu braucht man zur Orientierung ein System von Regeln 9 . Auch hier gilt wieder das Gesetz der Mitte „[...] Maß und Mitte bewahren - das ist die höchste Tugend [...]“ 10 . Li darf auf keinen Fall zur Formalie degenerieren, sie soll auch keinen Selbstzweck darstellen, sondern vielmehr dem Ganzen dienen, ren aber „soll die li-Schichten zu einem harmonischen Ganzen komponieren“ 11 .
2 Lunyu XII,1
3 Lunyu XVII, 6
4 Roetz, Heiner: Konfuzius, Orig.Ausg,, 2. überarb. Aufl, München: Beck, 1998, S.46
5 Lunyu, XI, 16
6 Gu, Xuewu: Konfuzius zur Einführung, 1.Aufl. H amburg: Junius, 1999, S. 94
7 ebenda
8 Lunyu, III, 3
9 nach Roetz, Heiner: Konfuzius, Orig.Ausg,, 2. überarb. Aufl, München: Beck, 1998, S.90
10 Lunyu, VI, 29
11 Nachwort zu Konfuzius: Gespräche Lun-yu, (Hrg. und übers. Moritz, Ralf), Stuttgart: Philipp Reclam jun.,
1998
6
3.4.3 YI- GERECHTIGKEIT
Yi ist für Konfuzius eine der wichtigsten Tugenden und bezeichnet das moralisch richtige Verhalten oder die Verhaltensweisen, die li gemäß sind. Die Gerechtigkeit yi des Konfuzius setzte nicht, wie im abendländischen Kulturkreis, ein Verhältnis zwischen zwei Beteiligten voraus, sondern ist die „Angelegenheit meines eigenen Ich“, das „mit sich selbst im reinen“ 12 sein soll. Sie dient der Kultivierung des einzelnen Menschen und ist ein „Antonym zum Begriff Nutzen (li )“ 13 . Das gerechte Handeln ist der Kernbereich des yi, die Beurteilung aber,
ob eine Handlung gerecht ist oder nicht, bleibt dem Handelnden selbst überlassen, denn „der Edle steht den Dingen dieser Welt vorurteilslos gegenüber. Nur an das Rechte hält er sich.“ 14
3.4.4 ZHI- KLUGHEIT
Klugheit ist für Konfuzius ein „innerer Charakterzug“, der aber „auch Auswirkungen auf das äußerliche Ve rhalten“ 15 hat. Drei besondere Eigenschaften der konfuzianischen Auffassung von Klugheit sind die Erlernbar-
keit der Klugheit, die Selbstkultivierbarkeit der Klugheit sowie die elitäre Ausrichtung der Klugheit. Lernen ist für Konfuzius die Grundlage aller Tugenden, aber auch ein Vergnügen, denn „ Etwas lernen und sich immer wieder darin üben - schafft das nicht auch Befriedigung?“ 16 . Die elitäre Ausrichtung der Klugheit ist vor allem
darauf zurückzuführen, dass Konfuzius ein elitärer Denker war, der einen Großteil seiner Lehre nur auf die Oberschicht der Gesellschaft ausrichtete.
3.4.5 XIN- VERLÄSSLICHKEIT
Unter Verlässlichkeit versteht Konfuzius die Übereinstimmung von Worten und Taten. Vor allem 3 Aspekte des Begriffs Verlässlichkeit werden bei ihm hervorgehoben: Verlässlichkeit als Grundlage der Freundschaft, als Quelle der Herrschaftsautorität und als Weg zur Sicherstellung des Vertrauens des Volkes. Es ist anzunehmen, dass Konfuzius den Begriff Verlässlichkeit als philosophischen Begriff zuerst als Grundprinzip für die Beziehung zwischen Freunden konzipiert hat. Für moralisch und verlässlich wird „[...] wer in seinen Worten stets hält, was er verspricht, und in seinem Handeln stets das, was er beginnt, zu Ende führt.[...]“ 17 gehalten. Man
hat unbeirrt am gegebenen Wort festzuhalten, auch wenn die Bedingungen, unter denen das Versprechen gegeben wurde, verändert wurden. Das Vertrauen des Volkes in den Herrscher, das er durch Ausübung von Verlässlichkeit und durch moralische Führung erlangen kann, ist für ihn nur ein Instrument der Politik, bildet jedoch die Grundlage für einen Staat .
3.4.6 ZHONG- LOYALITÄT
Der Loyalitätsbegrif des Konfuzius besteht hauptsächlich aus Handeln nach eigener Einschätzung. Konfuzius macht die Loyalität zu einer Tugend, die vor allem im Verhältnis zwischen einem Untergeordneten und einem Vorgesetzten zur Geltung kommt. Diese Loyalität soll aber keineswegs nur aus blindem Gehorsam bestehen, sondern bedeutet eher, dem Herrscher gemäß dem rechten Weg zu dienen, das heißt: „[...] Sollte es erforder-
12 Gu,Xuewu: Konfuzius zur Einführung, 1. Aufl.; Hamburg:Junius, 1999, S. 71
13 Gu, Xuewu: Konfuzius zur Einführung, 1. Aufl.; Hamburg:Junius, 1999, S. 78
14 Lunyu, IV, 10
14 Gu, Xuewu: Konfuzius zur Einführung, 1. Aufl.; Hamburg:Junius, 1999, S.97
16 Lunyu I,1
17 Lunyu XIII, 20
7
lich sein, sich ihm [dem Herrscher] offen widersetzen.“ 18 Die moralische Autonomie ist daher der Loyalität überzuordnen.
3.4.7 XIAO- PIETÄT
Der Begriff xiao als Pietät existierte schon in der Zhou-Dynastie (11.Jh.- 256 v. Chr.). Er besteht hauptsächlich aus „Respekt vor den Eltern und Fürsorge für die Eltern“ 19 und hat daher eine starke Ausrichtung von unten nach oben in der sozialen Hierarchie. 3 Prinzipien gelten für die Ausübung von xiao: Fürsorge, Ehrerbietung und Ermahnung. Als Kind soll man unbedingt dafür Sorge tragen, dass sich die Eltern immer wohl fühlen. Die Ehrerbietung spielt eine zentrale Rolle in der Ausübung von xiao. Man soll sich stets rücksichtsvoll und freundlich gegenüber den Eltern betragen und ihnen den Riten entsprechend dienen. Grund für diese Ehrerbietung ist, dass man den Eltern dankbar sein soll für die Fürsorge, die sie einem nach der Geburt und in der Kindheit geschenkt haben. Der Sohn erhält aber auch das Recht, den Vater freundlich zu ermahnen, wenn er sich vom rechten Weg entfernt.
3.5 DER JUNZI - DER IDEALTYPUS EINES MENSCHEN
Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes „Junzi“ war „Herrscher“, was einen gewissen Machtstatus implizierte. Konfuzius gibt diesem Wort die neue Bedeutung „Edler“, die vor allem für eine durch hohe Moralität entstehende exemplarische Persönlichkeit steht. Jeder Mensch kann durch Selbstkultivierung ein Junzi werden. Diese Selbstkultivierung besteht aus 3 Aspekten: Selbstachtung, Selbststärkung und Selbstprüfung. Außerdem hat ein Junzi die Tugenden ren, yi, li, zhi, xin, zhong und xiao, auf die schon eingegangen wurde, zu verinnerlichen und sich stets an sie zu halten. Der Idealtypus eines Junzi hat eine unerschütterliche moralische Integrität und ist sich seiner historischen Aufgabe, die Welt in Ordnung zu bringen, bewusst.
3.6 SHU- DIE G OLDENE REGEL
Shu ist die Art, wie die Umsetzung der Mitmenschlichkeit ren erfolgt und wird hauptsächlich als „Reziprozität“ und „Fairness“ übersetzt. Sie basiert auf der Aussage „Was du selbst nicht wünschst, das tue auch anderen nicht an.“ 20 Auffallend ist die negative Formulierung, die darauf beruht, dass man nicht davon ausgehen soll, dass das, was für einen selbst gut ist, auch für andere gut sein muss. Hervorstechend ist auch, dass der Konfuzianer bei der Ausübung dieser allgemeinen Lebensmaxime keinerlei Ge genleistung erwartet.
18 Lunyu XIV, 22
19 Gu, Xuewu: Konfuzius zur Einführung, 1.Aufl., Hamburg: Junius, 1999 (Zur Einführung 196), S.125
20 Lunyu, XII,2
8
4 K ONFUZIANISMUS IM WANDEL DER Z EIT
4.1 DER EINFLUSS DES KONFUZIANISMUS AUF DIE CHINESISCHE G ESCHICHTE
Die Bezeichnung für die Konfuzianer lautete ab dem 5.Jh. v.Chr. „ru“ und ab der Han-Zeit (206v. Chr.- 220 n. Chr.) „Ru-jia“, was „Schule für Menschen des Anstands“ bedeutet; diese Bezeichnung wird heute mit Konfuzianismus übersetzt.. Zur Zeit der Entstehung gab es in China zahlreiche religiös-philosophische Strömungen, unter denen der Konfuzianismus zuerst noch eine untergeordnete Rolle spielte. 221 v. Chr. kam es zur Einigung des chinesischen Reiches und der Bildung eines Kaiserreiches unter der Herrschaft der Qin. In dieser Zeit wurden die Konfuzianer massiv verfolgt, doch hielt sich die Macht der Qin nur 15 Jahre. Abgelöst wurden sie von der Han-Dynastie, die eine konfuzianische Herrschaft ausübte. Deshalb kamen nun die Konfuzianer in die wichtigsten Machtpositionen. Der Konfuzianismus des Kaiserreichs aber war voll innerer Spannungen, denn die wirkliche Machtausübung wich stark von den Vorstellungen des Konfuzius ab. Nach Ende der Han-Zeit spaltete sich das Reich in Teilstaaten auf und auf die Periode der Machtübernahme folgte eine Periode des Schattendaseins des Konfuzianismus. Erst ab der Wiedervereinigung des Reiches 589 n. Chr. herrschten wieder günstigere Bedingungen für den Aufstieg der Konfuzianer. Im 13. Jh. wurde dank der Vorarbeit des Zhu-Xi (1130-1200) der Neo-Konfuzianismus gegründet, dessen wesentlichster Unterschied zum traditionellen Konfuzianismus die Einordnung des Einzelnen nicht nur in die Gesellschaft, sondern auch in das gesamte Universum ist. Schon in der Han-Zeit setzte ein regelrechter Konfuziuskult ein, der der kulturell-politischen Einheit des Riesenreiches dienen sollte. Im Laufe der Zeit kam es zu einer Hochstilisierung der Persönlichkeit des Konfuzius zur höchsten moralischen Instanz der Welt und zu einer fast göttlichen Verehrung.
4.2 DER KONFUZIANISMUS IM 20. JAHRHUNDERT
Während der 4.Mai-Bewegung (1919) wurde der Konfuzianismus in China als eine die Modernisierung verhindernde Fessel des Geistes angesehen. Die 1921 gegründete Kommunistische Partei lehnte alle Traditionen, vor allem aber den Konfuzianismus ab. Als die Kommunisten aber 1949 die Staatsführung übernahmen, folgten die Kritiker des Konfuzianismus mehr den Argumenten der 4.Mai-Bewegung als denen, die die eigene Partei früher hervorgebracht hatte. Nach einer Zeit der totalen Ablehnung des Konfuzianismus, wurde 1984 der 2535. Geburtstag des Konfuzius offiziell gefeiert und von da an wird dieser Gedenktag jedes Jahr begangen. Im Gegensatz zur kritischen Haltung gegenüber dem Konfuzianismus in China gehen die anderen sinisierten Länder (Südkorea, Japan, Taiwan, Hongkong und Singapur) die Probleme der Moderne an, ohne die konfuzianischen Traditionen abzulehnen. Die Einführung des Konfuzianismus als Lehrstoff, die in Singapur erfolgte und auch in Japan überlegt wird, deutet auf einen Versuch hin, die konfuzianischen Werte zu stärken, um sie als Korrektiv für die Begleiterscheinungen der Modernisierung, wie zum Beispiel den extremen Individualismus, aber auch als kulturelles Band, das alle ostasiatischen Länder stärker aneinander binden soll, zu nutzen. Da der Konfuzianismus aber auch zu einer unterdrückenden Ideologie ähnlich dem Marxismus werden kann, besteht unter manchen Gesellschaftsschichten Singapurs, wie zum Beispiel den Christen oder Sozialisten, die Furcht, dass diese Stärkung der konfuzianischen Erziehung zur Durchsetzung von Passivität und Unterwürfigkeit als Mittel zur Unterstützung einer konservativeren Politik durch die Regierung ausgenützt werden könnte.
9
Der Konfuzianismus kann sich also heute nur mehr dann auf Dauer durchsetzen, wenn die Gesellschaft Freiheit und Verantwortungsbewusstsein schätzt. Außerdem wurde der Konfuzianismus durch das Verschwinden des Ahnenkultes aus der Öffentlichkeit eines großen Teils seiner Ausdruckskraft beraubt. „Der Konfuzianismus hat in der Moderne Boden verloren, aber er ist noch nicht tot.“ 21 , denn durch die wachsende Verschiebung der weltpolitischen Bedeutung in Richtung Ostasien und durch die Ansprüche des Technologie-Zeitalters werden die traditionellen konfuzianischen Eigenschaften wie Nüchternheit, Unvoreingenommenheit, Anpassungsfähigkeit, Flexibilität, Kreativität und Voraussicht immer stärker gefragt sein, so dass sich der Konfuzianismus mit dem Fortschritt auseinandersetzen muss um auf gesellschaftliche und politische Veränderungen optimal reagieren zu können.
21 Ching, Julia; Küng, Hans: „Der Konfuzianismus: Humanismus als Religion“, Christentum und Weltreligionen - Chinesische Religion, München: Piper Verlag, 1988, S. 117
10
5 Z USAM MENFASSUNG
Der Konfuzianismus ist eine von Konfuzius im China des 6.Jahrhunderts v.Chr. begründete ethische Wertelehre, deren Siegeszug in der ganzen asiatischen Welt bis in das 20.Jahrhundert hinein erfolgte. Obwohl er durch den Kommunismus in den Hintergrund gedrängt wurde, ist seine disziplinierende Wirkung auf die Menschen und die damit zusammenhängende florierende Wirtschaft in Asien unbestritten.
Der Hauptgrund, weshalb ich mich mit dem Konfuzianismus, der in Österreich, trotz seiner Verbreitung in China, kaum bekannt ist, beschäftigte, war, dass ich die Wurzel der faszinierenden chinesischen Kultur näher kennen wollte, was mir durch die intensive Beschäftigung mit dem Konfuzianismus auch gelang.
11
6 L ITERATUR UND MATERIAL
6.1 VERWENDETE LITERATUR
Ching, Julia; Küng, Hans: „Der Konfuzianismus: Humanismus als Religion“, CHRISTENTUM UND WELTRELI- GIONEN -CHINESISCHE RELIGION, MÜNCHEN: PIPER VERLAG, 1988, S.89-154 Gu, Xuewu: Konfuzius zur Einführung, 1.Aufl., Hamburg: Junius, 1999 (Zur Einführung 196) Konfuzius: Gespräche Lun-yu, (HRG. UND ÜBERS. MORITZ, RALF), STUTTGART : PHILIPP RECLAM JUN., 1998 Roetz, Heiner: Konfuzius, ORIG.-AUSG.. 2. ÜBERARB..AUFL, MÜNCHEN: BECK, 1998 (BECK’SCHE REIHE 529: DENKER)
Schöps, Hans-Joachim: „Die Lehre des Konfuzius“, RELIGIONEN DER WELT; GÜTERSLOH: C.BERTELSMANN VERLAG, 1967; S.220-225
Schöps, Hans-Joachim, „Die Entwicklungen im Taoismus und Konfuzianismus“, RELIGIONEN DER WELT; GÜTERSLOH: C.BERTELSMANN VERLAG, 1967; S.226-231
6.2 VERWENDETE INTERNET-SITES BZW. CD-ROMS.
www.religioustolerance.org/confuciu.htm, 14.1.01., B.A. Robinson
www.bambushain.de- Was ist Konfuzianismus?- Die Gespräche- Der Name „Konfuzius“- Konfuzius heute-Ehrentitel des Konfuzius- Konfuzianismus = Religion ? Der Konfuzius Tempel 5.2.01., Erling Weinreich www.confucius,org 14.1.01., William Cheung
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Sophie Cate, 2001, Konfuzianismus, München, GRIN Verlag GmbH
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