1. Berufsfeld
Die Arbeit des Sportredakteurs einer Tageszeitung hat mit der des ,,ran"-Moderators außer
einer hohen Affinität zum Sport nichts gemeinsam. Angesichts einer Ausdifferenzierung
sowohl des Sports als auch des Journalismus gibt es den Sportjournalisten nicht (mehr); es
gibt nur noch Kollegen von großen und kleinen Zeitungen, Boulevardblättern, Specialinterest-Zeitschriften und Illustrierten, feste und freie Mitarbeiter von Hörfunk und Fernsehen,
Kommentatoren, PR-Agenten, Entertainer etc.
Im Folgenden will ich versuchen, das Berufsfeld Sportpublizistik im multimedialen Zeitalter
zu charakterisieren.
1.1 Klassische Medien
1.1.1 Zeitungen / Zeitschriften
Im Jahr 1998 erschienen bundesweit 1578 Tageszeitungen mit einer Gesamtauflage von rund
25 Millionen verkauften Exemplaren. Fast jedes dieser Blätter hat eine eigene Sportredaktion,
was die Tageszeitung mit Abstand zum größten Betätigungsfeld für Sportjournalisten macht.
Den Zeitungen folgen die Zeitschriften, wobei zwischen General- und Special-Interest- Zeitschriften(sowie als neueste Entwicklung Very-Special-Interest-Zeitschriften, z.B.
Wellenreit-Magazine) unterschieden werden muss. General-Interest-Zeitschriften bedienen
mehr als eine Sportart, wobei anzumerken ist, dass es derer bundesweit nur vier gibt:
Sportbild, Sports, Kicker und Bravo-Sport. Special-Interest-Zeitschriften leuchten nur eine
Sportart - dafür zumeist in allen erdenklichen Facetten - aus. Ihre Anzahl beläuft sich auf
mehrere hundert Stück.
Gemein sind den Zeitungen und Zeitschriften unter anderem die Aufgaben bzw.
Klassifizierungen der für sie arbeitenden Sportjournalisten:
Redakteure leisten journalistische Arbeit vorwiegend vom Schreibtisch aus, wobei das
Hauptaugenmerk auf dem Redigieren, also dem Auswählen, Bearbeiten und Präsentieren des
Textes in der dem Medium geeignetsten Form liegt. Geliefert wird das Material von festen
oder freien Reportern oder von Nachrichtenagenturen. Fest angestellte und freiberufliche
Sportreporter - die speziell bei kleineren Zeitungen oft gleichzeitig als Fotograf fungierenmachen sich ,,vor Ort" (z.B. auf dem Fußballplatz) ein Bild des Geschehens und schreiben die
Kernaussagen des späteren Textes in der Regel selbst, wobei es an der Qualität des Textes,
dem in dem Medium zugewiesenen Platz und dem bearbeitenden Redakteur liegt, inwieweit
das Material des Reporters noch redigiert werden muss. Es liegt auf der Hand, dass
insbesondere bei auflagenschwächeren Zeitungen und Zeitschriften der Redakteur nicht selten
in Personalunion auch Reporter ist. Neben dem bloßen ,,Aufschreiben" müssen Redakteure
und Reporter auch kommentieren und recherchieren.
Eine besondere Art der Recherche leistet die Dokumentation, wobei es gerade auf dem
sportpublizistischen Markt nur den auflage- und finanzstärksten Medien vorbehalten ist,
eigene Dokumentations-Journalisten zu beschäftigen. Kategorisiert in ausgewählte
Fachthemen oder aber zu bestimmten Personen sammeln Dokumentare Zeitungsartikel, Fotos,
Zitate, biographische Notizen etc., welche dem Redakteur / Reporter zur Verfügung gestellt
werden. Seit einigen Jahren kann auch auf kostenpflichtige Datenbanken im Internet
zurückgegriffen werden. In kleineren Sportredaktionen bedienen sich die Journalisten oft
eines persönlichen Archivs.
Chefredakteure - oder bei Tageszeitungen die Sportressortleiter - schließlich organisieren die
Redaktion, vertreten diese innerhalb des Verlags, haben Entscheidungsbefugnis über das zu
veröffentlichende Material, repräsentieren das Medium nach außen und stellen neue
Redakteure und Volontäre ein (vgl. LA ROCHE, 1999, 26ff).
1.1.2 Rundfunk
Die Masse der beim Rundfunk - sowohl Hörfunk als auch Fernsehen - arbeitenden
Sportjournalisten ist, wie auch bei den Zeitungen und Zeitschriften, als Redakteur oder
Reporter tätig. Die auditiven und audiovisuellen Medien enthalten aufgrund aufwendigerer
Technik und höherer Differenzierung gegenüber den Printmedien mehrere journalistische
Arbeitsfelder. So kommen Radio- und Fernsehsender - insbesondere die beiden im
deutschsprachigen Raum Sport-Vollprogramme ausstrahlenden Anstalten ,,Deutsches
Sportfernsehen" und ,,Eurosport" - nicht ohne professionelle Sportmoderatoren aus, welche
zwangsläufig eine hohe Affinität zum Sport im allgemeinen haben müssen oder aber
sportartorientierte Fachleute sind. Bei Liveberichterstattungen kommen Sportkommentatoren
zum Einsatz, welche im Lauf ihrer Karriere nicht selten selbst zum Star avancieren (z.B.
Marcel Reif). Des weiteren unterhalten diese Anstalten zumeist Korrespondenten, also
Berichterstatter ,,vor Ort", welche eine höhere Bindung an Land (oder Stadt) und Leute haben
und somit auch bessere Kontakte zu Informationslieferanten usw. (vgl. LA ROCHE, 2000,
31).
1.1.3 Public Relations
Sportjournalisten, die in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (Public Relations, engl., wörtl.:
,,öffentliche Beziehungen", kurz PR) tätig sind, müssen dafür Sorge tragen, dass Redakteuren
und Reportern Informationen über den durch sie vertretenen Verein / Organisation zur
Verfügung stehen. Aus diesem Grund haben PR-Journalisten zuvor fast immer ,,auf der
anderen Seite des Tisches", also selbst als Redakteur / Reporter, bei audiovisuellen- oder
Printmedien gearbeitet. Der Pressereferent beispielsweise eines Sportvereins verfolgt a) was
in der Öffentlichkeit über den Verein geäußert wird, um es dem Vorstand darzulegen und ist
b) dafür verantwortlich, welche Informationen über den Verein offiziell nach außen dringen.
Des weiteren organisiert er Pressekonferenzen, versendet Pressemitteilungen und ist an der
Produktion von Mitgliederzeitschriften beteiligt (vgl. LA ROCHE, 1999, 35f).
1.1.4 Nachrichtenagenturen und Informationsdienste
Nachrichtenagenturen stellen in weiten Bereichen die Grundlage der überregionalen
Sportberichterstattung der Tages- und Regionalzeitungen dar. Agenturen wie die Deutsche
Presse Agentur (kurz DPA) mit Sitz in Hamburg und der Sport-Informations-Dienst (SID,
Neuss) beliefern fast alle Tages- Regional- und Wochenzeitungen sowie größere
Rundfunkanstalten mit Informationen aus dem In- und Ausland. Agenturen wie die DPA oder
Reuters beschränken sich im Gegensatz zum Sport-Informations-Dienst nicht ausschließlich
mit Sportnachrichten.
Der SID beschäftigt 75 Redakteure im Hauptsitz in Neuss sowie über 1000 freie Mitarbeiter
und verfügt über ein fast weltumspannendes Netz von Korrespondenten; im
Jahresdurchschnitt werden pro Tag etwa 30.000 Wörter produziert.
Die für Agenturen und Informationsdienste tätigen Journalisten arbeiten hauptsächlich als
Redakteure und Reporter, seltener auch als Kommentatoren (vgl. LA ROCHE, 1999, 33;
www.sid.de).
1.2 Neue Medien
1.2.1 Videotext
Videotext-Redakteure sind bei all jenen Fernsehsendern beschäftigt, die in der sogenannten
Austastlücke Video- oder Teletext ausstrahlen. In den Videotext-Redaktionen arbeiten
Journalisten, deren Aufgabe lediglich im Redigieren besteht. Videotext kann sich nur als
programmbegleitender und (in bezug auf Sportergebnisse interessant:) zusammenfassender
Informationslieferant verstehen, da die Attraktivität der des ,,richtigen" Fernsehens
hinterherhinkt. Eigene ,,Videotext-Reporter" wären überflüssig, da die Informationen von den
(audiovisuell arbeitenden) Reportern des Senders geliefert werden.
1.2.2 Multimedia
Die revolutionäre Entwicklung des Computers als Kommunikationsinstrument hat in den
neunziger Jahren einen neuen Arbeitsmarkt geschaffen: den Internet-Journalismus. Hier muss
zwischen verschiedenen Sparten unterschieden werden: Zum einen kann es sich bei Internet-Journalismus um die journalistische Arbeit an der Internetpräsenz eines schon bestehenden
audiovisuellen- oder Printmediums handeln (z.B. www.kicker.de). In diesem Fall arbeiten
Internet-Sportjournalisten ähnliche wie die Videotext-Kollegen (siehe oben), wobei hier
bewusst Informationen zurückgehalten werden, um die Attraktivität des ,,Hauptmediums"besonders bei Printmedien - nicht zu gefährden und somit eine Verringerung der
Verkaufszahlen herbeizuführen.
Des weiteren kann über Organisationen oder Vereine (z.B. www.werder-bremen.de oder
www.dfb.de) informiert werden, wobei die Internetpräsenz eine unterstützende Funktion hat
und die Sportjournalisten mit ihrer Arbeit eine informierende Ergänzung - nicht aber eine
Konkurrenz darstellen, da es ein ,,Hauptmedium" nicht gibt. Die Informationen werden hier
u.a. von den Pressereferenten der Vereine und Organisationen geliefert (siehe oben).
Schließlich können mit Internet-Journalismus auch Präsenzen gemeint sein, die unabhängig
von anderen Medien und ausschließlich im Internet publizieren (z.B. sport1.de). Diese
Anstalten müssen ihrer Autarkie wegen neben Redakteuren auch Reporter und
Korrespondenten beschäftigen sowie in der Regel Informationen durch Agenturservice
beziehen. Hier wird vor allem auf Aktualität gegenüber den Print- und auch den
audiovisuellen Medien gesetzt, da die Verbreitung von Informationen im Internet ungleich
schneller ist als die der Konkurrenz.
Da der Online-Zugriff kostenlos ist, finanzieren sich (Sport-)Redaktionen mit virtuellen
Präsenzen - ähnlich dem privaten Rundfunk - durch Werbeeinnahmen.
2. Der aktuelle Markt
Empirisch gesicherte Daten über Sportjournalisten sind in der Bundesrepublik nur in geringen
Mengen vorhanden und qualitativ eher dürftig. Dies liegt zum einen an subjektiven
Fehleinschätzungen, zum Großteil jedoch an begrenzt aussagefähigen Fallstudien. Eine
Ausnahme bildet hier ein Forschungsprojekt des Instituts für Sportpublizistik der Deutschen
Sporthochschule Köln vom Sommer 1993, (siehe unten), welches einzig Anspruch auf
Generalisierung und Repräsentativität erheben kann. Einigkeit besteht bei anderen Autoren
lediglich in der als gesichert anzusehenden Tatsache, dass ein Generationswechsel
stattgefunden habe bzw. noch immer im Prozess begriffen sei, welcher gekennzeichnet ist von
einem Wertewandel im Allgemeinen und einer ansteigenden Serviceorientierung im
Speziellen (vgl. Schneider/Schönbach/Stürzebecher, 1993).
2.1 Die Kölner Studie
Das Institut für Sportpublizistik der Deutschen Sporthochschule Köln schrieb 1993 nach einer
ersten bundesweiten Vollerhebung 4463 Sportjournalisten in Deutschland an. Mittels eines
Fragebogens sollte zuerst eine Bestandsaufnahme erfolgen; des weiteren wurde nach
Berufszufriedenheit, Wertigkeit des Sportjournalismus und Zukunftsprognosen sowie anderen
statistischen Daten gefragt. Diese erste repräsentative Studie mit einer Fallzahl von 1739
Teilnehmern (ausgefüllte Fragebögen) führte - in groben Zügen - zu folgenden Ergebnissen:
· Der o.g. Generationswechsel scheint sich zu bewahrheiten, einhergehend mit einer besseren
Ausbildung und professionellerem Standart. Zu beachten ist eine zunehmende
Unterhaltungsorientierung.
· Sportjournalismus bleibt eine parteipolitisch eher ungebundene Männerdomäne.
· Talent und Volontariat werden als Voraussetzungen angesehen, die hochschulgebundene
Vorbildung wird nur teilweise als notwendig erachtet.
· Es entsteht ein neues - stärkeres - Selbstverständnis der Sportjournalisten.
· Ideale und Werte treten vor Kommerzialisierung und Boulevardisierung zurück.
Die Tageszeitungen beschäftigen den weitaus größten Teil der deutschen Sportjournalisten
(siehe oben), während die Kollegen beim Rundfunk eher rar gesät sind: Die
Sportberichterstattung der rund 200 öffentlich-rechtlichen und privaten Hörfunkkanäle hat im
Durchschnitt lediglich einen Anteil von etwa 1 Prozent, bei vielen Sendern allerdings eine
feste Programmstruktur. Viele Privatstationen haben die Sportberichterstattung ganz
aufgegeben, da die publizistische und ökonomische Konkurrenz zu groß war und ist; lediglich
einige kleine Privat- und Lokalsender können in größerem Umfang Sportsendungen anbieten.
Der sportpublizistische Fernsehmarkt hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten erheblich
verändert. Als Hauptgründe sind sowohl die Einführung des dualen Mediensystems 1984 als
auch die deutsch-deutsche Vereinigung 1989 anzusehen. Dies erklärt, weshalb momentan
zwar mehr Sportjournalisten als etwa vor 20 Jahren beim TV beschäftigt sind, deren Anteil an
der Gesamtmasse der Kollegen fällt allerdings noch geringer aus als der beim Hörfunk
beschäftigten Kollegen (vgl. Hackforth, 1994, 18f).
Über Internet-Sportjournalismus trifft die Kölner Studie keine Aussagen, was wohl mit der
noch relativ geringen Nutzung bzw. Verbreitung des Internet im Jahr 1993 zu begründen ist.
Auch PR-Tätigkeiten wurden nicht berücksichtigt.
3. Prognosen für den zukünftigen Markt
Die Sportberichterstattung erhält in den Print- und Funkmedien einen immer höheren
Stellenwert, was sich in der Ausweitung der Sendezeiten In Radio und TV und Vergrößerung
der Sportteile der Printmedien niederschlägt (vgl. FISCHER, 1993, 303). Die Einführung des
dualen Mediensystems (s.o.) spielt hierbei nicht nur für die TV-, sondern auch für die
Radiopräsenz eine Rolle. Hier wird weiterhin Einstellungsbedarf bestehen bleiben bzw. noch
weiter wachsen: Der Weg von der rein informierenden Darstellung hin zu ,,human touch"-Reportagen, Hintergrundanalysen und vor allem der Boulevardisierung (s.o.) wird bei der
Sportberichterstattung des Fernsehens zukünftig zu einer Ausstrahlung zu lukrativeren
Sendezeiten führen (siehe SAT1: ,,ran"), was sowohl allgemeines Interesse und Wichtigkeit
widerspiegelt und auch in Zukunft vermehrt qualifizierter sportjournalistischer Arbeit bedarf.
Im Fernsehen wird des weiteren die Konzentration auf telegene Sportarten wie Fußball,
Tennis, Leichtathletik, Motorsport und Skirennen sowie auf Großveranstaltungen wie die
Olympischen Spiele zunehmen, was nicht zuletzt auf werbe- und Vermarktungsgelder
zurückzuführen ist (vgl. FISCHER, 1994, 59).
Die Expansionschancen begründen sich auch in der Multimedialität, der Kommerzialisierung
und der Internationalisierung des Sports: Sportereignisse, über die in Hörfunk und Fernsehen
berichtet wird, scheiden für die Verwertung in den Printmedien nicht aus, da diese ihre
Komplementärfunktion akzeptieren und festgestellt haben, dass sich kaum eine andere
Programmsparte zur multimedialen Verwertung so gut eignet wie der Sport (vgl.
HOFFMANN-RIEM, 1988, 11-22).
In Zeiten immer schnellerer und umfassenderer Informationsübermittlung wird sich auch die
Bedeutung der Agenturen weiter erhöhen: Kein Medien-Unternehmen ist finanziell und
personell in der Lage, die ,,tumultarische Entwicklung des Weltsports" (Willi Daume) mit
eigenen Mitarbeitern weltweit zu verfolgen. Angesichts ständig steigender Materialfülle wird
sich die Schnittstelle zwischen Agentur und Medien zu einem immer entscheidenderen Faktor
im Prozess journalistischer Selektion entwickeln (FISCHER, 1993, 303).
Der Breiten- und Freizeitsport gewinnt nicht zuletzt durch das erwachte
Gesundheitsbewusstsein an Bedeutung für die Bevölkerung und sollte deshalb zukünftig von
der Sportberichterstattung mit abgedeckt werden, was mit der schon jetzt feststellbaren
vermehrten Serviceleistung auf dem (sport-) journalistischen Sektor korrespondieren würde.
Nicht zuletzt könnte auch eine Sport-Tageszeitung versuchen, sich auf dem bundesdeutschen
Markt zu etablieren, wobei hier Ansprüche an Aktualität und damit einhergehend schnelles
Arbeiten in extrem hohem Maße geltend gemacht werden müssten.
3.1 Die Hackforth´schen Thesen
Der ehemalige Leiter des Instituts für Sportpublizistik der Deutschen Sporthochschule Köln,
Prof. Dr. Dr. Josef Hackforth, stellte in der Tageszeitung ,,Die Welt" vom 3. Januar 2000 zehn
Thesen zur Sportberichterstattung im dritten Jahrtausend auf, wobei er auch auf die Zukunft
des sportpublizistischen Marktes zu sprechen kam.
Im ersten Ansatz erklärt Hackforth, die Ausdifferenzierung des Berufsbilds ,,Sportjournalist"
werde in Zukunft weiter voranschreiten, begründet durch eine Funktionsreduzierung je nach
Medium und Auftrag. Hinzu käme, dass ein einheitliches Aus- und Weiterbildungsprofil zu
kurz greifen würde und den neuen Berufsbildern (z.B. Online-Redakteur, s.o.) ein geregelter
Zugang erst noch zugewiesen werden müsse.
In der vierten These formuliert Hackforth, dass der Spielraum für Spartensender größer und
bedeutungsvoller würde. Während die marktführenden Vollprogramme auf
Massenattraktivität und Quote achten müssten, könnten kleinere Sender die Lücken erkennen
und eine kleinere Zielgruppe bedienen.
An achter Stelle proklamiert Hackforth, dass ,,neue Verwertungsketten und Senderfamilien"
die Sendeversorgung kanalübergreifend organisieren werden, wobei die Hauptunterschiede
zur jetzigen Verfahrensweise in der Sendezeit, der journalistischen Stilform (Nachricht,
Hintergrundreportage etc.) sowie der Vertriebs- und Verteilform (free-tv, pay-tv und pay-perview) liegen würden.
In der zehnten und letzten These erklärt Hackforth, der Sportjournalismus und seine
gesellschaftliche Relevanz würden weiter steigen, was zum einen an den Trends der letzten
Jahre eindeutig abzulesen sei, zum anderen mit der Expansion der Freizeit- und
Informationsgesellschaft begründet werden könne.
4. Fazit
Schenkt man den Aussagen der diversen Autoren und Untersuchungen Glauben, so kommt
man zu der begründeten Annahme, dass sich die Sportpublizistik gegenwärtig in einem noch
andauernden Aufwärtstrend befindet, welcher gekennzeichnet ist von einer stärkeren
Ausdifferenzierung und Professionalisierung sowie anhaltender Kommerzialisierung.
Sportberichterstattung ist publikumswirksam, weil der Sport an sich publikumswirksam ist.
Sport wird ein Medienereignis bleiben, allerdings verstärkt in Abhängigkeit von der
Wirtschaft und Sponsorengeldern (Kommerzialisierung). Dies wird vor allem den Druck auf
die Sportjournalisten erhöhen, den Terminkalender enger machen und den Ruf nach
Spezialisten laut werden lassen. Wenn die Medien nicht angemessen reagieren liegt hier die
Gefahr des reinen Veranstaltungsjournalismus und Rückgangs der (Hintergrund-)Recherche,
da davon auszugehen ist, dass neben dem Termin- auch der Erfolgsdruck steigen wird.
Eine der Kernaussagen dieser Trends ist die - obwohl schon vorhandene nur geringfügig
genutzte - Existenz neuer Möglichkeiten, die sich in der Sportberichterstattung ergeben. Hier
wird deutlich, dass der Ausbildungskanon bezüglich Studiengängen und Volontärsangeboten
für angehende Sportjournalisten noch erweitert und ausdifferenziert werden muss, um
kompetenten und vor allem spezialisierten Nachwuchs auf den Markt zu bringen.
Nichtsdestotrotz scheint Bedarf an Sportjournalisten zu bestehen, was den Trends zufolge
auch den zukünftigen Arbeitsmarkt in einem günstigen Licht dastehen lässt.
5. Literatur
FISCHER, Christoph, 1993: Professionelle Sport-Kommunikatoren. Berlin.
FISCHER, Christoph, 1994: Bedeutungswandel des Sports - Aufwertung des
Sportjournalismus? In: Hackforth, Josef / Fischer, Christoph (Hrsg.), 1994: ABC des
Sportjournalismus. München.
HACKFORTH, Josef, 1994: Sportjournalismus in Deutschland: Die Kölner Studie. In:
Hackforth, Josef / Fischer, Christoph (Hrsg.), 1994: ABC des Sportjournalismus. München.
HOFFMANN-RIEM, Wolfgang, 1988: Sport - Vom Ritual zum Medienspektakel. In:
Hoffmann-Riem (Hrsg.): Neue Medienstrukturen - neue Sportberichterstattung?
LA ROCHE, Walther von, 1999: Einführung in den praktischen Journalismus. München. 15.
Auflage, Reihe Journalistische Praxis.
LA ROCHE, Walther von / BUCHHOLZ, Axel (Hrsg.), 2000: Radio-Journalismus. München.
7. Auflage, Reihe Journalistische Praxis.
SCHNEIDER, Beate / SCHÖNBACH, Klaus / STÜRZEBECHER, Dieter, 1993: Journalisten
im vereinigten Deutschland. Strukturen, Arbeitsweisen und Einstellungen im Ost-West-Vergleich. In: Publizistik, Heft 3/1993, S. 353-382.
Sport-Informations-Dienst (SID): www.sid.de
Die WELT, 3. Januar 2000
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Tobias Müller, 2001, Sportpublizistik: Berufsfeld und Markt, München, GRIN Verlag GmbH
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