Organisationsgeschick schaffte Hitler es dann am 30.01.1933 nach Brüning und Hindenburg zum Reichskanzler.
Ab diesem Zeitpunkt rieselte eine unablässige Propaganda auf die Deutschen nieder. Alles was an Information aus dem Ausland kam wurde sorgsam abgeschirmt, jedermann war von der Partei irgendwie erfasst: im Betrieb, in der Hausgemeinschaft, in den nationalsozialistischen Organisationen, in den Vereinen und in der Schule. Alles Leben war gleichgeschaltet, auf den Führer Adolf Hitler ausgerichtet.
Die Frage nach dem Erziehungskonzept
Im Nationalsozialismus gab es nie ein Konzept für ein Erziehungsprogramm, die Eingriffe in das Erziehungssystem hingen eng mit den wechselnden machtpolitischen Interessen zusammen: Zunächst waren während der Zeit der Machtergreifung (1933/1934) noch Ansätze einer sozialrevolutionären Erziehung auszumachen, doch in der Periode der Machtkonsolidierung und Kriegsvorbereitung (1934-1940) dominierte der Wille zu lückenloser Erfassung, Kontrolle, und politischer Instrumentalisierung der gesamten Generation.
Die Nationalsozialisten konnten sich bei der Machtergreifung nicht auf ein eindeutig formuliertes Erziehungskonzept einigen. Die Aussage Hitlers, erst müsse man die Macht haben, dann werde man weitersehen, war auch auf den Bereich Schule und Erziehung gerichtet. Das nationalsozialistische Erziehungssystem ist nicht durch pädagogische Planung entstanden. Dies zeigt sich nicht zuletzt darin, dass Konflikte im Bereich Erziehung, Bildung und Schule in der gesamten Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft an der Tagesordnung waren.
In Hitlers Buch „Mein Kampf“ lassen sich einige Textstellen über seine Einstellung zur Jugenderziehung belegen, z.B:
,,Der völkische Staat hat [...] seine gesamte Erziehungsarbeit in erster Linie nicht auf das Einpumpen b loßen Wissens einzustellen, sondern auf das Heranzüchten kerngesunder Körper. Erst in zweiter Linie kommt dann die Ausbildung der geistigen Fähigkeiten".
„Meine Pädagogik ist hart. Das Schwache muss weggehämmert werden. In meinen Ordensburgen wird eine Jugend heranwachsen, vor der sich die Welt erschrecken wird. Eine gewalttätige, herrische, unerschrockene, grausame Jugend will ich. Jugend muss das alles sein. Schmerzen muss sie ertragen. Es darf nichts Schwaches und Zärtliches an ihr sein. Das freie, herrliche Raubtier muss erst wieder aus ihren Augen blitzen. Stark und schön will ich meine Jugend. Ich werde sie in allen Leibeserziehungen ausbilden lassen. Ich will eine athletische Jugend. Das ist des Erste und Wichtigste. (...) Ich will keine intellektuelle Erziehung. Mit Wissen verderbe ich mir die Jugend. Am liebsten ließe ich sie nur das lernen, was sie ihrem natürlichem Spieltriebe folgend sich freiwillig aneignen. Aber Beherrschung müssen sie lernen. Sie sollen mir in den schwierigsten Problemen die Todesfurcht besiegen lernen. Das ist die Stufe der heroischen Jugend. Aus ihr wächst die Stufe des Freien, des Menschen, der Maß und Mitte der Welt ist, des schaffenden Menschen, des Gottmenschen. In meinen Ordensburgen wird der schöne, sich selbst gebietende Gottmensch als kultisches Bild stehen und die Jugend auf die kommende Stufe der männlichen Reife vorbereiten.“
Anhand dieses Beispiels sieht man, dass Hitler eine Jugend nach folgenden - Idealenhaben wollte:
Sie sollte gewalttätig, grausam, schmerzunempfindlich, herrisch, unerschrocken, - athletisch,beherrscht und nicht intellektuell gebildet sein. Heutzutage weiß man, dass Hitler damit nur ein Ziel verfolgte: Er wollte Soldaten, - diefür seine Überzeugung kämpften. Sie sollten nicht intellektuell sein, damit sie Hitlers Ideologie nicht hinterfragen konnten. Sie sollten lediglich sportlich sein, damit sie ihrem Gegner körperlich überlegen waren.
2
Alle Textstellen enthalten zumeist eine Mischung aus Rassismus, Volksverhetzung, Banalitäten, aber leider auch durchaus plausible Behauptungen, wie das Problem des Stoffumfangs im Unterricht. Jeder kann etwas finden, was seine Meinung oder Einstellung zur Erziehung bestätigt oder dem er wenigstens teilweise zustimmen kann. Das macht die Mischung dieses Buches und auch der anderen angeschauten Bücher gefährlich.
Hitlers Erziehungsvorstellungen basieren immer auf rassistisch-biologischen Grundlagen. Sein Menschenbild ist auf die naturgegebene Ungleichheit bezogen. Rassenunterschiede bei Tieren werden einfach und fälschlicherweise auf den Menschen bezogen. Der sogenannte Rassenunterschied wird als naturgegeben und damit als richtig und unantastbar hingestellt. Fremdartige Kinder und Jugendliche waren nach Hitlers Vorstellungen erst gar nicht erziehbar.
Es ist erkennbar, dass die körperliche Ausbildung als wesentlich angesehen wird. Danach kommt die Charakterbildung, deren Krönung im ,,Rassenbewusstsein" zu sehen ist. Die wissenschaftliche Ausbildung wird als nicht besonders wichtig betrachtet. Ein entscheidender Punkt i st immer die Reinhaltung des deutschen Blutes. Die Erziehung muss daher nicht nur auf die Jugend sondern auf die ganze Gesellschaft gerichtet sein.
Der Anspruch der totalen Erziehung wird mit der rassischen Bedrohung des deutschen Volkes begründet. Die Erziehung ist nicht mehr zeitlich bestimmt oder begrenzt. Kinder und Jugendliche können von vornherein nationalsozialistisch erzogen werden, Erwachsene müssen umerzogen werden.
Es ist wichtig festzustellen, dass die Grenzen zwischen Erziehung, Bildung und Propaganda nicht mehr deutlich sichtbar waren.
Welche Schwächen sieht Hitler in der Erziehung vor seiner Machtergreifung?
Folgen:
Was wollte Hitler anders machen? à jmd. vorlesen lassen
Am 2. Dezember 1938 legte Hitler seine Absichten offen dar:
„Diese Jugend die lernt ja nichts anderes als Deutsch denken, deutsch handeln. Sie komme vom Jungvolk i n die Hitler-Jugend und dort behalten wir sie wieder vier Jahre, und dann geben wir sie erst recht nicht zurück in die Hände unserer alten Klassen- und Standeserzeuger, sondern dann nehmen wir sie sofort in die Partei oder in die Arbeiterfront, in die SA oder die SS, in das NSKK und so weiter. Und wenn sie dort... noch nicht ganz Nationalsozialisten geworden sein sollten, dann kommen sie in den Arbeitsdienst und werden dort wieder sechs oder sieben Monate geschliffen, alle mit einem Symbol, dem deutschen Spaten. Und was dann nach sechs oder sieben Monaten noch an Klassenbewusstsein oder Standesdünkel da oder danach vorhanden sein sollte, das übernimmt die Wehrmacht. Dann nehmen wir sie, damit sie auf keinen Fall rückfällig werden sofort wieder in SA, SS und so weiter. Und sie werden nicht mehr frei, ihr ganzes Leben.“ (Renzo-Vespignani Faschismus, Elefantenpress, Hamburg)
3
Der Nationalsozialismus erfindet keine neue Theorie. Neu ist die Brutalität des „pädagogischen Willens“, nicht aber die Gedanken, sondern eher die Methode, mit der die Erziehungsziele umgesetzt werden.
Dies erreichte Hitler insbesondere durch eine Jugendorganisation, die parallel zur Schule lief, die „Hitler Jugend“ (HJ). Dieses von Hitlers Partei, der NSDAP, geführte Programm fand am Anfang wenig Beachtung, wurde aber innerhalb kürzester Zeit populär. Schließlich löste sie die kirchlichen und gewerkschaftlichen Jugendbewegungen aus der Weimarer Republik ab, bzw. verdrängte sie.
Die Inhalte und Ziele der Hitlerjugend:
Die Ziele der HJ: Verpflichtung der Jugend auf die Person Hitler, Volksgemeinschaftliche
Einheitsorganisation für die deutsche Jugend, das Prinzip der Selbstführung und die Verbesserung der sozialen Lage der Jugend.
Inhalte waren: Rassenbewusstsein, Gehorsam, Loyalität zur Führung und den Glauben an
die uneingeschränkte Selbstaufopferung einzurichten. Sprüche wie: „Die Fahne ist mehr als der Tod“ sollten Wirklichkeit werden.
Rollenverteilung von Mädchen & Frau und Junge & Mann
„Hüterin der Innenwelt - Kämpfer in der Außenwelt“
Dieses Zitat, aus einem zeitgenössischen Familienratgeber, zeigt anschaulich die Aufspaltung in unterschiedliche Geschlechtscharaktere zur Zeit des Nationalsozialismus. Die Ausbildungsgänge für Mädchen orientierten sich an vergangenen Leitbildern der Frauenrolle als vorbildliche tugendhafte Mutter, währenddessen die männliche Jugend zu heldenhaften und tapferen Kämpfern erzogen werden sollten. Die Ausbildung von Jungen und Mädchen wurden deutlicher als zuvor gespaltet: Die Mutter soll sich ganz ihren Kindern und der Familie (die Sorgfalt für Haushalt und Kinder wurde zur staatsbürgerlichen Pflicht), die Frau sich dem Manne widmen können, und das unverheiratete Mädchen soll nur auf solche Berufe angelernt werden, die der weiblichen Wesensart entsprechen. Jede Berufstätigkeit außerhalb der Familie, soll dem Mann überlassen sein.
Während für die Mädchen Tugenden wie Fleiß, Ordnungsliebe, Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit aufgestellt wurden, ließ sich die Erziehung der Jungen auf das Ziel des zukünftigen Soldaten reduzieren. Sie sollten hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder und schnell wie die Windhunde werden, während der kalte Intellekt abgelehnt wurde. Die Jungen, die sich diesem Bild vom Helden nicht fügen konnten oder wollten, mussten darunter leiden.
Ein wörtliches Zitat Hitlers: „Trotzige Verkörperung männlicher Kraft und Weiber, die wieder Männer zur Welt bringen können“
Das Schulwesen:
von einem Gesamtorganismus der Bildung kann hier nicht mehr die Rede sein - dievölkische Schule soll zu einem Gesamtorganismus werden und zum - einheitlichenvölkischen Weltbild aufsteigen
ab dem 7. Lebensjahr soll die Schule beginnen, ab dem 6. Lebensjahr wäre es - verfrüht,mit 18 sollt die Schulzeit beendigt werden, da dann der Wehrdienst, der Arbeitsdienst und die Hochschule an der Reihe sind auf die vierjährige Grundschule baut sich die vierjährige Volksschule, danach - Fach-und Berufschule, falls nicht die Unterstufe einer hören Schule vorhanden, auf
neben der Schule gehörten die Jungen von 10-14 Jahren dem „Jungvolk“ an, - danachtraten sie von 14 bis einschließlich 18 Jahren in die „HJ“ ein. So waren auch die Mädchen unterteilt. Sie traten von 10-14 Jahren bei den - „Deutschen Jungmädeln“ ein,von 14 - 21 Jahren gehörten sie dem „ Bund Deutscher Mädel“ an. Zudem wurden sie von 17 bis 21 Jahren im Werk „Glaube und Schönheit“ erfasst, welches dem „Bund Deutscher Mädel“ angegliedert war.
4
Ab 1936 wurde die Mitgliedschaft in der HJ durch einen gesetzlichen Rahmen - verpflichtend.
Aufgabe der Volksschule und dem Unterbau der höheren Schule: Verwirklichung und Lehre der völkischen Allgemeinbildung - HöhereSchulen:
sie sollen den Kreis weiterspannen è d.h. Ausbau des gemeinvölkischen - Weltbildesim Zusammenhang mit :
Allgemein kennzeichnend:
die hohe Allgemeinbildung, der Mechanismus Fach an Fach, Stoffgebiet an - Stoffgebiet,der starre Stundenplan, wobei der Schüler den Sinn und das Weltbild selbst erkennen muss, werden nun abgelehnt
aus dem einheitlichen Ziel der Bildung sind lebendige Einheiten und gegliederte - Lehrpläneund Bildungspläne aufzubauen
Gabelungen:
1.) sprachlich-geschichtlich-kulturwissenschaftlich Aufgabenkreis 2.) mathematisch-naturwissenschaftlich Aufgabenkreis 3.) technisch künstlerisch Aufgabenkreis
+
fremdsprachliche Gruppen
-
geographisch-biologischeGruppen
-
biologisch-chemischeGruppen
-
technisch-physikalischeGruppen
-
Fachbeispielmit Lerninhalt:
Deutsch:
Allgemein:
wie an allen anderen Fächern ging auch im Fach deutsch das nationalsozialistische - Gedankengutein und wurde zur völkisch-nationalen Identitätsfindung missbraucht
5
Zentrales Thema war das Deutschtum, dessen Wurzeln bis in die germanische - Zeitzurückverfolgt und verherrlicht wurden
Das Vorwort lautet:
„Durch deutsche Eltern gab uns Gott das Leben. Vom deutschen Boden schenkt er uns das Brot. So sind Blut und Erde, Volk und Heimat die Hände Gottes, aus denen wir alles haben, was wir sind. Nie wollen wir diese Hände loslassen. Wir wollen festhalten an der deutschen Heimat und eins sein mit unserem deutschen Volke. Heil Hitler! Gezeichnet: Der Verleger." (S.1)
In vielen Büchern ist die Verherrlichung der Heimat und des deutschen Volkes zu - erkennen
Ganz deutlich erkennt man immer wieder die nationalsozialistischen Propaganda- - Methoden,selbst in Büchern des 1. Schuljahres:
Beispiel:
Hirt, Ferdinand Berliner Fibel, Schreiblesefibel Breslau, Verlag Hirt, 1935 (für das 1. Schuljahr)
Um den Buchstaben „T“ und seine Verwendung kennen zu lernen wurde folgender Satz verwendet:
„Trari trara - trari trara! Trompeter sind da. ... Trompeter werden wir, im Takt marschieren wir."
schon dieser Satz ist mit dem Militär verbunden, zeigt jedoch noch keine - Merkmaledes Dritten Reichs, wenn da nicht die den Text umgebenden Zeichnungen wären:
Weiterhin wurde in einigen Büchern auf die Verfremdung deutscher Sprache eingegangen:
Küffner, K.; Dorner, F.; Krell, L. Deutscher Sprachunterricht in Lehre und Beispiel Bamberg, C. C. Buchners Verlag, 1935 34
Die neu erwachte Begeisterung für die alten Sprachen, vor allem aber die „Verfälschung" im Gefolge des Dreißigjährigen Krieges und der Weltverkehr des 19. Jahrhunderts seien Ursachen für das „Eindringen der hässlichen Fremdlinge" (S.226).
Lehrplan:
die Aufklärung war in deutschen Schulbüchern so gut wie gar nicht vertreten, da - ihreMotive zur Selbstbestimmung und Humanität überhaupt nicht in das Schema eines totalitären Staates passten
Die Klassik, die sich ja an der griechisch- römischen Antike orientierte hatte es - nichteinfach
Einige Werke Schillers ließen sich nicht mit den Naziideologien vereinbaren - WilhelmTell wurde für seine große Freiheitsliebe für den Schulgebrauch verboten - Ambesten ließ sich die Romantik für den Schulgebrauch der Nazis missbrauchen - NeuereStile wie der Naturalismus und der Expressionismus wurden für die Schule - alsvöllig untauglich angesehen
6
Ernst Krieck
Er wird als der „Chefideologe der nationalsozialistischen Erziehung“ bezeichnet und schrieb zum Beispiel das Buch „Erziehungsphilosophie“, in dem Themen wie „Das deutsche Bildungsideal“ oder „Die Bildungsmethode“ behandelt wurden. „Das deutsche Volk solle im Sinne der nationalsozialistischen Revolution seine Aufgabe endlich an sich selbst und an seiner Zukunft durch die Zucht erfüllen oder vor dieser Aufgabe versagen.“
Georg Usadel
Usadel propagiert in seinem Buch „Zucht und Ordnung -Grundlagen einer nationalistischen Ethik“ die Meinung, dass das „Ordnen von Erbgut“ von Gott so gewollt ist und dass „das Erbgut [...] veredelnd weitergeben“ werden soll. Weiterhin soll „...eine gesunde rassische Zusammensetzung des deutschen Volkes die Vorraussetzung für sämtliche Leistungen auf allen Lebenswegen“ sein.
Literatur:
Keim, Wolfgang (Hrsg.):Pädagogen und Pädagogik im Nationalsozialismus - ein - unerledigtesProblem der Erziehungswissenschaft, 3. Auflage, Frankfurt/M., 1991 Krieck, Ernst: Erziehungsphilosophie, keine Angeben zum Erscheinungsjahr/-ort - imBuch
Ebeling, Hans: Die Reise in die Vergangenheit, Band 3, 1. Auflage, Braunschweig, - 1981
Bauer, Josef u. andere: Die Schule im nationalsozialistischen Staat, Leipzig, 1935 - Usadel,George: Zucht und Ordnung, Berlin, 1935 - Goeritz,Erich/Immisch, Joachim: Zeiten und Menschen, Band 4, 10. Auflage, - Paderborn,1992
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Arbeit zitieren:
Sabrina Hill, 2001, Pädagogik, Erziehung und Schule im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag GmbH
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