In den letzten Jahren hat sich auch im sozialen Sektor der Trend zu betriebswirtschaftlichen Vorgehensweisen etabliert. Deshalb ist bei immer knapper werdenden finanziellen Ressourcen eine Reform der Vergütungssysteme unabdingbar geworden. In dieser Ausarbeitung werden die Entwicklungen der letzten Jahre beschrieben, die seit der Neu-regelung der Paragraphen §§ 93ff BSHG erfolgten und es werden die dazugehörigen gesetzlichen Bestimmungen abgehandelt. Desweiteren erhält der Leser einen Einblick in den Ablauf der Verhandlung für die Leistungsvereinbarungen, in die Vorschriften und in die Empfehlungen zur Berechnung der Vergütungen. Vor der Zusammenfassung wird das HMB-Verfahren von Frau Dr. Heidrun Metzler erläutert, welches für die Berechnung des Hilfe-bedarfs konzipiert wurde. Da die Entwicklungen noch nicht abgeschlossen sind, war es nicht leicht, den aktuellen Stand oder die eventuellen Ergebnisse zu beschreiben. Aus diesem Grund soll die Arbeit auch nur einen Überblick über das Thema geben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Entwicklung der Vergütungssysteme
3 Die gesetzlichen Grundlagen
3.1 Über Leistungsmerkmale, Pauschalen und die gesetzlich vorgeschriebene Wirtschaftlichkeit
3.2 Landesrahmenverträge / Der § 93 d BSHG
4 Die Berechnungsgrundlage
4.1 Die einzelnen Kostenstellen
4.2 Abschreibungen
5 Das Metzler-Verfahren / H B M-Verfahren
5.1 Probleme in der Umsetzung
5.2 Verfahren nach Schädler
6 Der Ablauf
7 Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Reform der Vergütungssysteme in der Behindertenhilfe, die durch die Neuregelung der Paragraphen §§ 93ff BSHG eingeleitet wurde. Ziel ist es, einen Überblick über den aktuellen Stand der gesetzlichen Bestimmungen, die damit verbundenen Herausforderungen für Einrichtungen sowie die verschiedenen Verfahren zur Ermittlung des Hilfebedarfs zu geben.
- Betriebswirtschaftliche Neuausrichtung in sozialen Sektoren
- Die Auswirkungen des § 93 BSHG auf Leistungsvereinbarungen
- Methoden der Kosten- und Leistungsaufstellung (Pauschalen)
- Das Metzler-Verfahren zur Bedarfsermittlung
- Nutzerorientierte Ansätze in der Hilfeplanung
Auszug aus dem Buch
5.1 Probleme in der Umsetzung
Im bereits erwähnten Vortrag von A. Rohrmann wird verdeutlicht, dass mit den neuen Bestimmungen nicht etwa die Belange der Klienten stärker berücksichtigt werden, sondern fast ausschließlich die Interessen der Institutionen:
„Die Vorgabe des Gesetzgebers bestimmt, dass die Maßnahmepauschalen 'nach Gruppen für Hilfeempfänger mit vergleichbarem Hilfebedarf kalkuliert werden’(BSHG § 93a, Abs. 2). Diese Formulierung in einem zunächst unscheinbaren Halbsatz trägt dem Umstand Rechnung, dass die Definition des Hilfebedarfes für den Abschluss von Leistungsvereinbarungen eine zentrale Voraussetzung darstellt. Anders als im Rahmen des Selbstkostendeckungsprinzipes will und muss der Kostenträger im Vorhinein wissen, welche Leistung er bei einem Anbieter einkauft.“
Rohrmann sieht in der Reform eine parteiische Entwicklung zu einer „rein ‚bilateralen‘ Angelegenheit“ zwischen Kostenträgern und Leistungserbringern, ausgelöst durch den Wechsel vom Selbstkostendeckungsprinzip zu den neuen Leistungsvereinbarungen. Charakteristisch für diese Vereinbarungen ist das „sozialrechtliche Dreiecksverhältnis,“ bei dem sich der Staat (als Leistungsträger) von einem Leistungserbringer die Bereitstellung von sozialen Dienstleistungen für Hilfebedürftige (Klienten) erkauft.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in den Trend zur betriebswirtschaftlichen Steuerung im Sozialwesen und Abgrenzung der behandelten gesetzlichen Reformen.
2 Die Entwicklung der Vergütungssysteme: Darstellung der historischen Entwicklung und der Bemühungen um ein differenziertes Leistungssystem ab den 1990er Jahren.
3 Die gesetzlichen Grundlagen: Analyse des § 93ff BSHG, der Ablösung des Selbstkostendeckungsprinzips und der veränderten Rolle von Staat und Wohlfahrtspflege.
4 Die Berechnungsgrundlage: Detaillierte Erläuterung der Kalkulationsmethoden für Personalkosten, Sachaufwendungen und Investitionsbeträge.
5 Das Metzler-Verfahren / H B M-Verfahren: Vorstellung des Verfahrens zur Bedarfsermittlung sowie kritische Diskussion der Umsetzung und alternativer Ansätze wie dem nach Schädler.
6 Der Ablauf: Beschreibung des vierstufigen Prozesses zum Abschluss von Leistungsvereinbarungen zwischen Trägern und Kostenträgern.
7 Zusammenfassung: Fazit zur schleppenden Umsetzung der Reformen und Reflexion über die Balance zwischen Wirtschaftlichkeit und dem Wohl des Klienten.
Schlüsselwörter
Behindertenhilfe, BSHG, Vergütungssysteme, Leistungsvereinbarung, Pauschalen, Selbstkostendeckungsprinzip, Metzler-Verfahren, Hilfebedarf, Sozialhilfeträger, Leistungserbringer, Betriebswirtschaft, Sozialrecht, Inputorientierung, Outputorientierung, Hilfeplanung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Veränderungen in den Vergütungssystemen der Behindertenhilfe nach Einführung der Paragraphen §§ 93ff BSHG, insbesondere den Wechsel von einer Selbstkostendeckung hin zu prospektiven Leistungsvereinbarungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten zählen die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die methodische Berechnung von Leistungs- und Grundpauschalen sowie die kritische Betrachtung der Qualitätssicherung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, einen Überblick über die neuen Vergütungsstrukturen zu bieten, die damit einhergehende betriebswirtschaftliche Logik zu beleuchten und den Prozess der Leistungsverhandlungen nachzuzeichnen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine deskriptive und analysierende Ausarbeitung, die auf der Literaturanalyse relevanter Gesetzestexte, Fachbeiträge und Evaluationsberichte basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die gesetzlichen Grundlagen (§ 93 BSHG), die Kalkulationsformeln für Kostenstellen, das Metzler-Verfahren zur Bedarfsermittlung sowie der konkrete Ablauf von Vertragsverhandlungen detailliert dargestellt.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Kernbegriffe sind Behindertenhilfe, Leistungsvereinbarungen, Pauschalierung, Kostenträger und die betriebswirtschaftliche Steuerung sozialer Einrichtungen.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Case-Managers?
Die Autorin sieht den Einsatz eines Case-Managers als sehr positiv, da dadurch Missverständnisse und bürokratische Umwege im Sozialwesen reduziert und die Kosten effizienter gestaltet werden können.
Welche Bedenken äußert die Autorin hinsichtlich der neuen Verfahren?
Trotz der finanziellen Zielsetzung hin zu mehr Wirtschaftlichkeit äußert die Autorin menschliche Bedenken, da die strikte Kategorisierung von Menschen durch standardisierte Erfassungsbögen das Risiko birgt, Individuen auf bloße Defizite zu reduzieren.
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- Daniela Arnold (Author), 2002, Die neuen Vergütungssysteme in der Behindertenhilfe nach §§ 93ff BSHG, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10339