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EINREDEN, AUSREDEN - VON DER MACHT DER WÖRTER
1. Einleitung
Die Redewendung von der „Macht der Wörter“ ist jedem bekannt. Doch was ist damit gemeint, und woher erhalten die Wörter ihre „Macht“?
Im Lexikon wird der Begriff „Kommunikation“, der ja auch den „Austausch von Wörtern“ einbezieht, als „…
Bez. für den [Informations]austausch als grundlegende Notwendigkeit menschl. Lebens“ (Meyers Taschenlexikon Bd.12: 72) beschrieben. Natürlich kommunizieren auch Tiere miteinander. Jedoch die Fähigkeit, Informationen durch Worte zu transportieren ist eine spezifische Eigenschaft des Menschen, die ihm große Möglichkeiten bietet, von der er allerdings in gewissen Maßen auch abhängig ist. Wie sich aus der Definition und aus dem täglichen Leben erkennen lässt, haben alle Menschen das Bedürfnis, ihre Gedanken, Absichten und Gefühle ihrem Umfeld mitzuteilen. Dieses Bedürfnis kann durch die Tatsache erklärt werden, dass der Mensch sein Selbstbild zu einem großen Teil auf die Reaktionen seines Umfeldes stützt; mit „Umfeld“ sind die Menschen gemeint, mit denen er Umgang hat. Somit ist Kommunikation auch ein Maßstab, an dem die gesellschaftliche Stufung (v.a. innerhalb einer Gruppe) gemessen werden kann: Wer viel mit den Gruppenmitgliedern in Kontakt tritt, und mit wem viele Menschen kommunizieren, ist offensichtlich attraktiv und hat auch meistens innerhalb der Gruppe mehr zu sagen als weniger oft zu Wort kommende Personen. Sprache dient also ihrem Benutzer nicht nur zur Verbreitung von Information, sondern ist indirekt auch ein starkes Machtinstrument. Wer häufig erfolgreich seine Ansichten gegen die anderer durchsetzt, und zwar nicht aufgrund seiner vielleicht ohnehin schon höheren hierarchischen Position, sondern aufgrund von überzeugenden Argumenten, wird schnell an Einfluss gewinnen.
Man erkennt, dass tatsächlich von einer „Macht der Wörter“ gesprochen werden kann, und dass sie uns, die einzigen mit Wörtern kommunizierenden Wesen dieses Planeten, ständig umgibt.
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Im Folgenden möchte ich einige linguistische Modelle erläutern und anschließend die manipulative Wirkung von Fachwörtern am Beispiel der Scientology-Sekte nachweisen.
2. Die Hauptformen menschlicher Kommunikation
Die menschliche Kommunikation kann in drei Arten eingeteilt werden: Als intrapersonale Kommunikation wird „…
der Austausch, der innerhalb eines Individuums, z.B. bei der Aufnahme von Umweltdaten, abläuft“ (Meyers Taschenlexikon, Bd.12: 72), bezeichnet. Dieser kann auf der Basis von Gefühlen oder Reflexen geschehen, beispielsweise das Hochziehen der Schultern als Reaktion auf einsetzenden Regen. Sehr oft spricht man aber mit sich selbst, wie bei der Vorformulierung des Beitrages zu einer Diskussion. Dieses innere Mit-sich-selbst-sprechen ist im Gegensatz zu den kaum steuerbaren Gefühlen ein bewusster, lenkbarer Prozess. Die Sprache der bewussten intrapersonalen Kommunikation ist meistens die Muttersprache; Die Menschen sprechen mit sich also keineswegs in einer angeborenen „Universalsprache“, sondern formulieren ihre Gedanken mit dem Wortschatz und den grammatikalischen Regeln ihrer Sprache 1 . Was am häufigsten mit dem Begriff selbst verbunden wird, ist die interpersonale Kommunikation. Sie wird auch als face-to-face-Kommunikation bezeichnet und bezieht sich auf den Informationsaustausch, der sich zwischen mehreren, mindestens zwei Individuen abspielt. Interpersonale Kommunikation findet statt beim direkten Gespräch, beim Briefwechsel, Telefongespräch und seit neuerer Zeit auch über elektronische Medien wie E-Mail.
Eine Sonderform der interpersonalen Kommunikation liegt vor, wenn eine kleinere Gruppe von Kommunikatoren mit einer größeren Gruppe von Empfängern kommuniziert; In diesem Fall wird von Massen- oder mediengebundener Kommunikation g esprochen. Beispiele hierfür sind Zeitungen, das Fernsehen oder Radio. Sie unterscheidet sich von der i nterpersonalen insofern, als der Empfänger nicht direkt auf eine Äußerung des Senders reagieren kann; Wenn er dies aber dennoch tun will, so kann er den Sender
1 Diese Erkenntnis führte in den siebziger Jahren SAPIR und WHORF bei der Erforschung der Abhängig- des Weltbildes von der Muttersprache weiter zur umstrittenen sog. sprachlichen Relativitätstheorie,
die besagt, „… dass die Wirklichkeit, wie sie dem Menschen erscheint, immer relativ ist zur Mutterspra- (Linke, 1996: 156). Diese These konnte in den letzten Jahren widerlegt werden, beispielsweise
schon durch die Tatsache, dass fehlender Wortschatz leicht durch Umschreibungen ausgeglichen werden
kann.
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nur auf U mwegen erreichen, wie im Falle der Zeitung über einen Leserbrief. Außerdem wird die Gruppe der Empfänger nicht einzeln persönlich angesprochen, sondern im Kollektiv; Die Empfänger sehen einander in aller Regel nicht.
3. Der Vorgang der Informationsübertragung
Zum Feld der sozialen Kommunikation gehören die interpersonale und die medienge- Kommunikation. Bei der Analyse des Übertragungsvorganges müssen z unächst die Rollen der einzelnen „Protagonisten“ geklärt werden. Weiter oben wurde bereits der Kommunikator erwähnt; Als Quelle der Information steht er am Beginn der Ereigniskette. Im Fall einer Zeitung repräsentiert ihre Redaktion den Kommunikator. Die in den Artikeln enthaltenen Aussagen werden als Information bezeichnet. Sie werden durch das Medium, also das mit Druckfarbe versehene Papier, an den Zeitungsleser, den Rezipienten, übermittelt.
Der Übertragungsvorgang verläuft in jeder Kommunikationsart über mindestens drei Stationen:
1. Der Kommunikator verschlüsselt in der Encodierungsphase die Information. 2. In der Signalisierungsphase findet die Übermittlung der codierten Information durch das Medium an den Rezipienten statt.
3. In der letzten Phase führt der Rezipient eine Decodierung oder Interpretation
Für eine erfolgreiche Übertragung ist es notwendig, dass sowohl Kommunikator als auch Rezipient den selben oder zumindest einen ähnlichen Zeichenvorrat besitzen. Sonst ist der Rezipient nicht in der Lage, den Code zu entschlüsseln, und die Informati- on bleibt ihm verborgen. (Meyers Taschenlexikon, Bd. 12: 72)
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4. Die Sprechakttheorie
Da wir alle lebenslang nahezu pausenlos intrapersonal oder interpersonal kommunizie- und unsere Fähigkeiten in diesem Bereich unbewusst ständig anpassen und optimieren, e rscheinen uns die oben genannten Vorgänge als einfach. Jedoch bei näherer Betrachtung kann man erkennen, dass der Prozess des Verstehens und Verstandenwerdens vielschichtig und hochkomplex ist.
Mit diesem Bereich der Linguistik beschäftigt sich die Pragmatik oder Pragmalinguistik; Sie untersucht nicht das „… System der Sprache“, sondern „vielmehr stellt sie die
Frage, wie der Gebrauch von im System angelegten Möglichkeiten durch situative und kommu- Bedingungen gesteuert wird.“ (Linke, 1996:182). Ihr Gegenstand ist also nicht der Aufbau des Werkzeugs Sprache, sondern seine Einsatzmöglichkeiten. Im Folgenden möchte ich auf die zentralen Ideen der Sprechakttheorie eingehen. John AUSTIN entwickelte sie 1955 im Laufe einer Vorlesung. Er unterschied die Menge der natürlichsprachigen Sätze in konstativ und performativ; Mit Ersterem sind Sätze gemeint, in denen man „… eine Behauptung über die Welt mach[t], die wahr ist oder nicht“ (Linke, 1996:183), während performative Sätze selbst eine Handlung darstellen. Ein Beispiel für einen konstativen Satz wäre „Der Himmel ist blau.“, für einen performativen Satz „Ich taufe dich auf den Namen XY!“.
Austin erkannte, dass seine Theorie Fehler aufwies. So führte ihn die Erfahrung, dass an vielen Sätze die Unterscheidung konstativ/performativ nicht eindeutig durchzuführen ist, zu der Erkenntnis, dass mit jedem performativen Satz auch gleichzeitig eine Aussage über die Welt gemacht wird und mit jedem konstativen Satz auch eine Absicht verfolgt wird. Vielmehr müsse man also Äußerungen auf einer Skala mit den beiden E igenschaften als Endpunkte platzieren.
John Austins Schüler John R. SEARLE brachte die Sprechakttheorie in seinem Buch „Speech Acts“ an die Öffentlichkeit. Ich möchte sie hier in verkürzter Form darstellen. Es ist wichtig, den Sprechakt auf dem Hintergrund zu betrachten, dass die Teilakte nicht nacheinander, sondern „gleichzeitig“ ablaufen.
/deŒ hUnt "st b"s"C/
BISSIG
(hund)
WARNUNG/
Beispiel
Hörer lässt von seinem
DROHUNG/ Vorhaben ab
EMPFEHLUNG
Hörer kauft Hund
(nach: Linke,1996:189)
Der Äußerungsakt beinhaltet den physikalischen Teil des Sprechaktes: Das Bilden -
von Phonemen oder Lauten, Morphemen oder Wörtern und Sätzen. Im Beispiel ist der Satz „Der Hund ist bissig“ in Lautschrift dargestellt.
In der Proposition steckt die Aussage über die Welt, im obigen Fall das Attribut -
„bissig“, das dem O bjekt „Hund“ zugeteilt wird. Die Proposition ist der konstative Teil des Aktes, der als „wahr“ oder „nicht wahr“ klassifiziert werden kann.
Als Illokution wird der Handlungswert der Äußerung bezeichnet, also mit welcher -
Intention sie vom Sprecher gemacht wird.
Sie ist eng mit der Perlokution verknüpft, denn diese bezeichnet die vom Sprecher -
intendierte Reaktion des Hörers. Der Erfolg der Perlokution hängt davon ab, ob der Kommunikator die Illokution verständlich transportiert, sei es durch Gestik, Mimik oder Prosodie. Searle isolierte fünf wesentliche Arten der Illokution:
•
Bei einer
Mitteilung
oder
Feststellung
möchte der Sprecher vor allem die
ihm zur Verfügung stehenden Informationen an den/die Hörer weitergeben, die Hörer sollen also das wissen, was der Sprecher weiß.
• Eine Warnung oder Drohung soll den Hörer von dessen unliebsamem Vorhaben abbringen. Die Drohung ist hier eine gesteigerte Form der Warnung.
• Meint der Sprecher die Äußerung als Empfehlung, soll der Hörer beispielsweise zum Kauf des bissigen Hundes animiert werden.
Der Sprecher kann, muss aber die Perlokution dem Hörer nicht zugänglich machen. Dies hängt von seiner Strategie ab. Eine Empfehlung kann den potenziellen Käufer ü- berzeugen, sie kann ihm aber auch zu aufdringlich erscheinen und somit genau das Ge- genteil bewirken. Der Verkäufer kann die Empfehlung aber auch in einer Feststellung
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verstecken und somit die Handlungen des Käufers für diesen unerkannt steuern; das selbe Prinzip kann auch bei einer Drohung angewandt werden und diese auch noch verstärken.
Um durch Wörter manipulieren zu können, ist es also von großer Bedeutung, das Spiel mit Illokution und Perlokution gut zu beherrschen. Nach unserer Erfahrung geschieht es eher selten, dass eine Illokution falsch verstanden wird. Selbst wenn sie genau das Gegenteil der Perlokution ausdrückt, wie es beim Stilmittel der Ironie und bei der Übertreibung der Fall ist, werden wir doch meistens richtig verstanden.
5. Die Griceschen Konversationsmaximen
Mit diesem „Problem“ hat sich H.P. GRICE befasst. Er erkannte, dass Kommunikation nur dann zustande kommt, wenn beide Seiten ein Interesse daran haben, für ihr Gegenüber leicht zu erschließen zu sein und ihre Äußerungen auch dementsprechend durchsichtig formulieren. Auch der Hörer geht davon aus, dass d ie Information für ihn e rschließbar ist.
Die Gesetze, nach denen sich die Konversationspartner (größtenteils unbewusst) richten, können wie folgt zusammengefasst werden:
Besonders interessant ist die Beobachtung, dass der Sprecher trotzdem verstanden wird, wenn er doch ganz klar gegen diese Regeln verstößt. Laut Grice liegt das ironischerweise daran, dass die Maximen extrem verbindlich sind; Bricht jemand beispielsweise die Maxime der Relation, und wir können den Bezug nicht im Gespräch finden, so suchen wir ihn eben in der Umgebung, oder wir erklären den Verstoß als Missverständnis. Dass
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der Sprecher absichtlich die Relationsmaxime außer Kraft setzt, ist einfach zu unwahr-
6. Manipulation durch Wörter am Beispiel der Scientology-Sekte
Wie in jeder Sekte basiert auch die Macht von Scientology auf dem Einfluss, den sie auf ihre Anhänger hat. Dieser wird erstmalig angewandt, wenn ein potentieller Kunde den Persönlichkeitstest ausfüllt.
6.1. Der Persönlichkeitstest von Scientology
Mit dem Test kann man auf viele Arten in Kontakt kommen: In vielen Städten gibt es Filialen der „Scientology-Kirche“, wie sie sich selbst bezeichnet, außerdem öffnet sie häufig Informationsstände, oder man wird an einer Straßenecke von einem Scientologen angesprochen. Mittlerweile gibt es auch die Möglichkeit, den Test im Internet auszufüllen und sich per E-Mail die Auswertung schicken zu lassen. Bevor man die Fragen vorgelegt bekommt, beschreibt der Scientologe zunächst die phantastischen Auswirkungen, die Dianetik auf den Menschen habe. Mit Hilfe dieser Technologie könne, laut ihrem Erfinder L. Ron HUBBARD, der menschliche Verstand von Eindrucksbildern ( Engrammen) befreit werden. Diese Engramme werden in M omenten der Bewusstlosigkeit gespeichert und stören die Gehirnaktivität. Nach erfolgreicher Therapie sollen die mentalen Fähigkeiten um 90% gesteigert sein. Auf diesem Hintergrund füllt der Proband dann den Bogen aus. Dieser besteht aus 200 Fragen, die zum größten Teil unwichtige Bereiche des Alltags betreffen und s o allgemein gestellt sind, dass eine exakte individuelle Analyse der Antworten unmöglich ist. Hier einige Beispiele aus dem Katalog:
„3. Blättern Sie einfach zum Vergnügen in Eisen- Treffen Sie vernünftige Vorsichtsmaß-
bahnfahrplänen, Telefonbüchern oder nahmen, um Unfälle zu vermeiden?“
Wörterbüchern?“
„89. Gibt es bei Ihnen ein paar Dinge, auf die
„5. Beabsichtigen Sie, zwei oder weniger Kinder Sie empfindlich reagieren?“
in Ihrer Familie zu haben, obwohl Ihre Gesundheit
„126. Werden Ihre Entscheidungen von per-und Ihr Einkommen mehr erlauben?“
sönlichen Interessen beeinflusst?“
„10. Sind Sie an anderen Leuten stark interes- Erscheint Ihnen das Leben eher vage
siert?“ und unreal?“
„22. Sind Sie manchmal mehrere Tage lang „192. Geht Ihnen öfters das Schicksal der
besonders aktiv?“ Kriegsopfer und politischen Flüchtlinge nahe?“
„26. Ist Ihr Leben ein ständiger Kampf ums Über- Glauben Sie manchmal, dass Ihr Alter
leben?“ gegen Sie spricht (zu jung oder zu alt)?“
„27. Singen oder pfeifen Sie oft einfach so zum
(Scientology, 1997) Spaß?“
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Zu der unscharfen Fragenstellung kommt, dass sie auch nur sehr grob beantwortet wer- können, es besteht die Wahl zwischen „+“, „?“ und „-“. Dabei gilt laut Anweisung:
Vielleicht (?) bedeutet unsicher, vielleicht, weder klar ja noch nein.
Minus (-) bedeutet überwiegend nein oder ganz klar nein. “ (Scientology, 1997)
Stellte man einige dieser Fragen beiläufig in einem Gespräch, würde der Befragte sie wahrscheinlich als irrelevant oder lächerlich betrachten. Doch im Test suggerieren die vorwurfsvolle Formulierung und der „psychologische“ Hintergrund eine Art Prüfungssituation. Außerdem gibt es einfach keine eindeutig „richtigen“ oder „falschen“ Antworten, so dass der Geprüfte ständig in Unsicherheit schwebt. Dazu wird darauf hingewiesen, dass „… die Genauigkeit des Tests (…) von der Wahrheit Ihrer Antworten
ab[hängt]“ (Scientology, 1997), was ihn zusätzlich unter Druck setzt. Die gewaltige Menge von 200 Fragen stellt sicher, dass die Person sich auch über die Beantwortungszeit hinaus Gedanken macht. Da er vor allem zu seiner sozialen Stellung und sein Verhältnis zum Umfeld befragt wird, wird sich der Geprüfte noch länger selbst im Umgang mit anderen Menschen beobachten und selbstverständlich Schwierigkeiten entdecken. Diese Schwierigkeiten sind ganz normal, schließlich ist kein Mensch perfekt. Aber nun kennt das Opfer ja die Lösung: Scientology …
Das Ergebnis erhält man in Form einer „Persönlichkeitskurve“ (siehe Abbildung), in der man seine Charakterzüge in „
stabil /
instabil“, „ fähig / gehemmt“, „ gelassen / nervös“ usw. eingeteilt sieht. Die grauen Balken in der Bildmitte sind in der Legende mit „annehmbar unter perfekten Zuständen“ und „
Aufmerksamkeit e rwünscht“ erklärt. Wie bei vielen Begriffen lässt sich auch hier die Bedeutung nur schwer erschließen.
Bei der Untersuchung des Persönlichkeitstests sind wir bereits
Abb.: Beispiel für eine
mit mehreren „Fachwörtern“ aus dem scientologischen Fundus in
„Persönlichkeitskurve“
Berührung gekommen. Nun möchte ich a nhand einer Auswahl den Fachwortschatz der Sekte vorstellen.
6.2. Beispiele für scientologische Fachwörter
Auf den ersten Blick wirken nahezu alle diese Fachwörter sehr wissenschaftlich; Schon der Begriff „Scientology“, gebildet aus dem englischen Wort für „Wissenschaft“ scien- ce und dem Suffix -logy, welches ebenfalls auf eine Wissenschaft hinweist, schindet auf
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den Laien Eindruck. Aber was heißt nun „Scientology“? Wörtlich übersetzt, „die Wis- der Wissenschaft“. Immer wieder finden sich ähnlich absurde oder nichtssagende Wörter. Dazu, dass die Wörter auf Wissenschaftlichkeit g etrimmt wurden, kommt, dass sie meistens aus dem englischen Sprachfeld stammen. Das unterstützt ihre Wirkung zusätzlich, da auch in vielen echten Wissenschaften, wie der Informatik und der Wirtschaftswissenschaft, Anglizismen vorherrschen, was beim H örer Assoziationen hervorruft. Man kann die scientologischen Fachwörter grob in vier Gruppen unterteilen:
- Akronyme : die Fachwörterlandschaft ist von vielen Abkürzungen geprägt; Sie wer-
den meistens aus Anglizismen gebildet. Beispiel:
PTS
=
potentional trouble source,
eine Person, die Schwierigkeiten verursachen könnte.
- Anglizismen: Außer den oben genannten Gründen der Pseudo-Wissenschaftlichkeit
liegt der Grund für die außergewöhnlich hohe Anzahl an Anglizismen darin, dass der Gründer von Scientology Hubbard Amerikaner war. Beispiel: Der
Checkout,
das Prüfen des gelernten Stoffes.
- Deutsche pseudowissenschaftliche Begriffe:
Deutsche Begriffe sind wahrscheinlich einfach durch Übersetzung entstanden. Sie bedienen sich der gleichen Methoden wie die englischen Wörter, und wirken ebenso überzeugend. Beispiel: Die
Synchronizität,
eine Theorie, nach der das innere Erleben mit äußeren Vorgängen parallel läuft.
- Alltagssprache :
Einige Fachwörter entpuppen sich als der Alltagssprache entnommene Begriffe, die mit neuer semantischer Bedeutung versehen wurden. Beispiel: Als
Bank
wird der reaktive Teil des Verstandes bezeichnet. (Dönz, 1994:6-10)
7. Schluss
Alle diese vermeintlichen Fachwörter dienen allein dem Zweck, Wissenschaftlichkeit vorzugaukeln. Denn die Wissenschaft gilt in der Bevölkerung als „unantastbar“ und „allmächtig“, was sich z.B. am Bild, das viele Menschen von Ärzten haben, zeigt. D a- durch, dass sich Scientology selbst in den Rang einer Wissenschaft erhebt, legitimiert es
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seine Autorität den Mitgliedern gegenüber, und die freie Interpretierbarkeit ihrer Defini- macht sie weniger angreifbar gegen Kritik.
Dass Sprache ein Mittel ist, um Macht auszuüben, ist klargeworden. Jeder von uns ist von allen Seiten Manipulation ausgesetzt; Denn es möchte nicht nur jeder seine Meinung mitteilen, sondern auch die anderen auf seine Seite ziehen. Doch wir sind der Manipulation nicht schutzlos ausgeliefert. Ihre Mechanismen sind durchschaubar, schließlich verfügen alle Menschen über sie. Es reicht oft, sich einmal selber bei einer Diskussion zu beobachten, um dieselben Überzeugungstechniken auch beim Gesprächspartner zu entdecken. Und gerade bei Beeinflussung gilt: wer weiß, wie sie funktioniert, kann sich gegen sie wehren.
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am Friday, February 15, 2002-