- 2 -1933 erfolgte die alterspezifische und geschlechtliche Feinstruktur der „Hitler-Jugend“. Sie wurde in 4 Teilorganisationen untergliedert: dem „Deutschen Jungvolk“ (für 10-14jährigen Jungen), auch „Pimpfe“ genannt,
dem „Jungmädelbund“ (für 10-14jährige Mädchen),
der eigentlichen „Hitlerjugend“ im engeren Sinne (für 14-18jährige Jungen) und
dem „Bund Deutscher Mädel“ (für die 14-18jährigen Mädchen).
Mit dem Gesetz vom 01.12.1936, in dem die „Hitler-Jugend“ zur „Reichs-Jugend“ erklärt wurde, waren alle Jugendlichen des Deutschen Reiches in der „Hitler-Jugend“ zusammengefasst und ab März 1939 wurden alle Jugendlichen , per Durchführungs-verordnung mit Erlass einer Dienstpflicht, Zwangsmitglieder der „Hitler-Jugend, das heißt alle Jugendlichen von 10 bis 18 Jahre mussten der Organisation beitreten. Mit der Einführung der Pflichtgemeinschaft waren die Jugendlichen der „Hitler-Jugend“ und des „Bundes deutscher Mädel“ nun Vertreter der Staatsmacht. Die Jugendlichen konnten für Veranstaltungen herangezogen werden, oder man bestrafte sie mit unterschiedlichen Strafen. Besonders trug die HJ zur Aufwertung der eigenen Person bei, da sie eine gewisse Teilnahme an der Macht versprach. Diese „kleine Macht“, die die Jugendlichen im Alltag hatten, konnte noch durch die Vorstellung ergänzt werden, dass ihnen als „Deutschlands Zukunft“ bald auch die Macht über fremde Völker zufallen würde.
Die Veranstaltungen der „Hitler-Jugend“ gliederten sich in Heimatabende, Sportnachmittage, Tagesfahrten, Zeltlager, Feierstunden und Sportfeste. Neben der als Freizeitunterhaltung getarnten Unternehmungen, dienten diese Projekte vorwiegend dazu, die Jugend im Sinne der nationalsozialistischen Denk-und Handlungsweise zu formen. Während die Jungen ihre militärische Ausbildung genossen, wurden die Mädchen auf ihre spätere Mutterrolle vorbereitet. Die Erziehung der Mädchen zu deutschen Müttern war die Zentralforderung der NS-Erziehung , die im Grunde Bevölkerungspolitik betrieb, um für militärischen Nachwuchs zu sorgen.
Wie in anderen Jugendbewegungen galt der Grundsatz „Jugend muss von Jugend geführt werden“ - allerdings mit dem Unterschied, dass eine Wahl der Führer oder spontane Gruppenbildungen nicht gestattet waren. Vorgeschrieben war eine hierarchische Struktur mit einem Funktionärsapparat, an dessen Spitze staatliche besoldete Funktionäre standen. Als „Reichsjugendführer“ fungierten Baldur v. Schirach, später Gauleiter von Wien und Arthur Axmann.
- 3 -Die Forderung Adolf Hitlers und der Propagandaarbeit der „Reichsjugendführer“ führte dazu, dass 1939 die „Hitler-Jugend“ knapp 9 Mio. Mitglieder registrierte, da-von 765 000 Führer und Führerinnen hatte, die höchstens 2 bis 4 Jahre älter waren, als die Jungen und Mädchen selbst und auf Gebiets- und Reichsführerschulen sowie auf Lehrgängen geschult wurden.
Schulungsthemen waren: Gesunde Familie, Gesundes Volk, Erbkranker Nachwuchs, Germanentum, Versailles und seine Überwindung sowie von der alten zur neuen Armee.
Besonders attraktiv waren dabei die Fahrten, einmal im Monat in die nähere Umgebung und für 8 bis 10 Tage einmal pro Jahr ins Lager.
Diese Fahrten waren keine Ferienreisen, sie hatten straff organisierte Formen vergleichbar mit militärähnlichen Regeln.
Die Lagerfeuerromantik und die Heimabende motivierten die Jugendlichen und verstärkten das Gefühl am „Aufbruch in eine neue Zeit teilzuhaben.
Massenaufmärsche, wie z. B. bei den Nürnberger Parteitagen, förderten zudem das Empfinden, wertvolle Mitglieder der deutschen Volksgemeinschaft zu sein. Der Propagandaapparat wurde nicht müde, die enge Verbundenheit zwischen nationalsozialistischer Führung und „Hitler-Jugend zu betonen. Bilder, die den Führer mit Kinder und Jugendlichen zeigten, wurden sehr beliebtes Medienmaterial. Hitler sah sich selbst am liebsten als Vater „seiner“ Jugend.
In den Schulen wurden die körperliche Ertüchtigung und die Förderung der seelischen Werte gefördert. Alle Schulfächer beinhalteten politische Themen mit rassistischem Charakter. Die Bücher wurden auf Führerkult, Militarismus und geschlechtsspezifische Rollenklischees ausgerichtet und umgeschrieben. In der Schule sowie in der Freizeit gab es die sogenannte singende Revolution. Ständig wurde gesungen, teilweise dazu marschiert. In den unteren Jahrgangs-Stufen überwiegten Heimatlieder, in den oberen neues deutsche nationalsozialistisches Liedgut.
Konsequent wurde die nationalsozialistische Weltanschauung, ohne Zulassung von Widerstand und Fragen, verbreitet. Die geforderte gläubige Hingabe an Volk, Reich und Führer blockierte jedes Nachdenken, gleichbedeutend mit einer Massenhysterie.
- 4 -Sondereinsätze der „Hitler-Jugend“ bei Straßen-, Altmaterial und sonstigen Sammlungen, bei der Einbringung Ernte, als Luftwaffen- und Marinehelfer und in den Kinderlandverschickungslagern erhöhten die Bedeutung der „Hitler-Jugend“ für die Kriegswirtschaft.
Neben der „Hitler-Jugend“ waren keine andere Jugendorganisationen erlaubt. Andersdenkende Jugendliche, man nannte sie „wilde Jugendgruppen“ oder „Cliquen“, wurden stark von Partei, Polizei und Justiz verfolgt. Zu den bekanntesten konfessionellen Gruppen gehörten die sogenannten „Edelweisspiraten“. Hier formierten sich u a. Jugendliche aus der Arbeiterjugendbewegung. 1944 wurden 13 ihrer führenden Mitglieder in Köln von der Gestapo (Geheime Staatspolizei) gehängt. Andere Gruppen wurden im Gefängnis und im KZ bestraft.
Die „Mode“ der „Hitler-Jugend“ bestand aus Uniformpflicht.
Die Uniformierung war Ausdruck für die Eingliederung in die Volksgemeinschaft. Die Haare waren bei den Jungen kurzgeschoren. Die Mädchen sollten langes gebundenes Haar (Zöpfe) tragen. Das Schuhwerk bildeten Lederstiefel mit Metallnägeln aus gutem Leder bzw. Schnürschuhen für Mädchen. Die Ausstaffierung mit Kleidung, die Freizeitbeschäftigungen und die Chance auf eine gute berufliche oder militärische Perspektive im Erwachsenenalter bewegte leider auch viele zweifelnde Jugendliche (bei ständiger Gehirnwäsche von allen Seiten) überzeugt nationalsozialistisch zu denken und zu handeln. Man muss auch bemerken, dass wie zu allen Zeiten in der Geschichte eines Volkes, viele passive Mitläufer in der NS-Jugend vertreten waren.
1939 erreichte die Reglementierung der jungen Generation mit der Pflichtmitgliedschaft in der HJ ihren Höhepunkt. Während Hitlers Armeen Europa eroberten, forcierte die HJ die vormilitärische Ausbildung und die Propagandamaschinerie stilisierte Kriegshelden, vor allem Jagdflieger und U-Boot-Kapitäne, zu Idolen der Jugend. In dem Maße, in dem die Verluste stiegen, wurden die Soldaten immer jünger. Gegen Kriegsende wurden Hitlerjungen des Jahrgangs 1928 und 1929 zum Kriegsdienst eingezogen. Die jüngeren dienten als Flakhelfer, wurden zu Schanzarbeiten verpflichtet, bargen Leichen nach Bombenangriffen oder kämpften und starben ab 1944 als Angehörige des Volkssturm. Makaber muten Wochenschaubilder an, die Hitler im April 1945 zeigen, wie er Hitlerjungen mit dem Eisernen Kreuz dekoriert. Zu diesem Zeitpunkt liegt das „Tausendjährige Reich“ in Trümmern und die sowjetische Armee steht vor Berlin.
Die Jugend eines Volkes sollte sich frei, aber ihrer Verantwortung in ihrem Handeln immer bewusst, entwickeln können.
Arbeit zitieren:
Lysann Kohlmann, 2001, Jugend im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag GmbH
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