Einführung in die Stadtentwicklung
1.1 Spanische und portugiesische Stadtgründung
Spanier und Portugiesen waren als Eroberer in die Neue Welt gekommen. Nicht flächenhafte Kolonisierung und Besiedlung war ihr Ziel, sondern vielmehr die Ausbeutung der vorhandenen Ressourcen, wie zum Beispiel Edelmetall. Dabei dienten ihnen die Städte zur Absicherung ihrer politischen und wirtschaftlichen Interessen. Hinsichtlich der Standortwahl gab es allerdings viele Unterschiede zwischen Spaniern und Portugiesen. Dies ist auch Ausdruck ihrer Absichten bei der Eroberung. Somit gründeten die Spanier ihre späteren Hauptstädte als Zentren ihrer politischen, militärischen und kirchlichen Machtpositionen dort, wo sich die Mittelpunkte indianischer Hochkulturen befanden (z. B. in Mexiko-Stadt, Bogota, Quito) Hingegen entstanden die bedeutendesten portugiesischen Städte als
Handelsniederlassungen und als Plantagenzentren entlang der Atlantikküste. Die Küste spielte eine sehr wichtige Rolle für die wirtschaftsräumliche Entwicklung Brasiliens. Diese Zweiteilung führte in der Kolonialphase zur Herausbildung von stadtstrukturellen und funktionalen Unterschieden (vgl. www.wissen.de).
1.2 Grundstrukturen der spanischen Kolonialstadt
Der Schachbrettgrundriss manchmal auch ein rechteckiger Grundriss, mit dem Hauptplatz im Zentrum gelten allgemein als überall verbreitet, und daher als die dominanten räumlichen Strukturkomponenten der hispanoamerikanischen Stadt.
Das trifft nicht nur für den ursprünglichen Siedlungskern zu, sondern auch für seine phasenweise Ausdehnung, die gewissermaßen schablonenhaft erfolgte. Das Zentrum (plaza mayor) war der Ausgangspunkt jeder hispanoamerikanischen Stadt, die sich bei der Gründung schachbrettartig um das Zentrum anlegte.
Die „plaza“ umfasst ein quadratisches Straßenviereck mit einer Seitenlange von ca. 100 m. Von ihren Ecken gehen rechtwinklig Straßen ab, die wiederum Straßenvierecke mit der gleichen Seitenlänge begrenzen, die als „manzanas“ bezeichnet werden. „Zur wichtigsten Grundlage für den kolonialspanischen Stadtbau wurden die Schriften des römischen Stadtbaumeisters Vitruvius Pollio verwendet“ (vgl. Bähr und Matins 1995, S.13). Die spanischen Eroberer übertrugen das Schachbrettschema nach Hispanoamerika, und so wurde der antike Baustil wieder lebendig.
Die Entwicklung von noch unregelmäßigen rechteckigen Mustern zum Schachbrettgrundriss war eine schnelle Entwicklung ohne Hindernissen, die 1520 einsetzte und sich ausbreitete. Dieses Grundmuster dient seit dem als Modell für fast jede Siedlungsanlage im spanischsprachigen Lateinamerika bis heute (vgl. www.wissen.de).
2
2.1 Verstädterungsprozess
Verstädterung als „demographischer Zustand“
Lateinamerika unterscheidet sich von den anderen Großregionen der Dritten Welt nicht nur aufgrund des deutlich höheren Anteils in Städten lebender Menschen, sondern auch dadurch, dass der Verstädterungsprozess besonders früh einsetzte und mit hoher Intensität ablief.
Den gebräuchlichsten Indikator dafür bildet der prozentuale Anteil der Stadtbevölkerung an der Gesamtbevölkerung eines Landes.
Verstädterung als „demographischen Prozess“
Dies ist die Wachstumsgeschwindigkeit der Stadtbevölkerung eines Landes, die sich mit Hilfe der jährlichen Zuwachsrate der städtischen Bevölkerung messen lässt. Doch Städte werden in den einzelnen Ländern höchst unterschiedlich definiert. In Lateinamerika reicht die Spanne der Schwellenwerte von nur 100 bewohnten Gebäuden in Peru bis zu 2000 Einwohner wie in Argentinien oder Bolivien. Häufig werden auch gar keine Größenangaben angegeben, sondern nur Verwaltungszentren als Städte bezeichnet, wie in Brasilien, Ecuador, Paraguay oder Costa Rica (vgl. Bähr und Matins 1995, S.18).
Nach dem zeitlichen Ablauf des Verstädterungsprozesses lassen sich vier Ländergruppen unterscheiden (vgl. Bähr und Matins 1995, S.18). (auf zwei von den werde ich ausführlich eingehen)
Gruppe 1:
In einer ersten Gruppe, die von den Staaten des außertropischen Südamerikas gebildet wird, setzte das Wachstum der Städte schon Ende des vorigen Jahrhunderts ein. Wahrend der Verstädterungsgrad für Lateinamerika insgesamt im Jahre 1890 noch unter 10% lag, in Bolivien und Honduras sogar unter 5 %, wurden in der genannten Ländergruppe Anteile von 15% und mehr registriert, mit einem Spitzenwert von 26% in Uruguay.
Gruppe 2:
Eine zweite Gruppe, bestehend aus Mexiko, Venezuela, Panama, Nicaragua und einzelnen Landesteilen von Brasilien, die in den 20er und 30er Jahren einen ersten Verstädterungsschub registrierte.
Im Jahre 1930 belief sich der Anteil der Stadtbewohner hier zwischen 16 und 25 %. Im außertropischen Südamerika war zu diesem Zeitpunkt die Schwelle von 30 % bereits deutlich überschritten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 erreichte die Verstädterung auch in den übrigen lateinamerikanischen Staaten ein höheres Ausmaß. Der lateinamerikanische Durchschnitt
3
betrug im Jahre 1970 45 %. Nur in Haiti, Guatemala, El Salvador, Honduras, Bolivien und Paraguay blieb der Wert noch unter 25%. Dagegen zählten Argentinien, Uruguay, Chile und Venezuela bereits einen Anteil der Stadtbewohner von mehr als 60 %. Bis 1980 hatte sich der Durchschnitt auf 53 % erhöht. In Argentinien, Uruguay und Venezuela wurde die 70 % Schwelle überschritten. Einen Verstädterungsgrad von unter 25 % wiesen nur noch Guatemala und Haiti auf.
Das Städtewachstum beschleunigte sich durch die Einwanderung aus Übersee, vor allem aus Südeuropa, bis etwa 1970.
Anschließend schwächte sich der Zuwachs deutlich ab. Die letzten verfügbaren Werte, die sich auf das Jahr 1980 beziehen, weisen für die Staaten in Südamerika einen Verstädterungsgrad von 70 % aus.
Kombiniert man für das Jahr 1990 die beiden Indikatoren des Verstädterungsprozesses, den Verstädterungsgrad und die Wachstumsrate der städtischen Bevölkerung, miteinander, so leitet sich daraus die folgende Festlegung:
1.
Länder mit hohem Verstädterungsgrad, aber nur verhältnismäßig geringen Wachstumsraten der städtischen Bevölkerung. Dazu zählen insbesondere die Staaten des außertropischen Südamerikas wie zum Beispiel Argentinien mit 86% städtischer Bevölkerung und einer Wachstumsrate von 1,6 % pro Jahr.
2.
Länder mit mittlerem Verstädterungsgrad und mäßigen Wachstumsraten. Zu dieser Gruppe gehören Brasilien, Peru, Kolumbien und Mexiko.
3.
Länder mit niedrigem Verstädterungsgrad und hohen Wachstumsraten. Dazu gehören Paraguay, Bolivien, Ecuador und die Mehrzahl der zentralamerikanischen Staaten, wie zum Beispiel Bolivien mit 51 % städtischer Bevölkerung und einer Wachstumsrate von 3,8 % pro Jahr.
3.1 Städtesystem und Primatstrukturen
In Lateinamerika ist das bevölkerungsmüßige Übergewicht der größten Stadt eines Landes besonders auffällig. Seit 1939 wird dieses Phänomen als „primacy“ (Vorrang) bezeichnet. Einen Indikator dafür stellt der „Index of Primacy“ dar, der gewöhnlich als Quotient aus der Einwohnerzahl der größten und der zweitgrößten Stadt definiert wird.
4
Trotz rascher Bevölkerungszunahme blieb die Absorptionsfähigkeit von Brasilia geringer als erwartet und hatte auf das Bevölkerungswachstum von Sao Paulo und Rio de Janeiro keinen nachhaltigen Einfluss. Auch die im April 1986 begonnene, im September 1990 aus Kostengründen wieder eingestellte Planung für die Verlagerung der Hauptstadtfunktion von der Großmetropole Buenos Aires in die ca. 800 km südwestlich gelegene Kleinstadt Viedma geschah aus der Überlegung heraus, dort ein regionales Wachstumsgebiet zu schaffen.
6.1 Modell zur Funktionalen
und sozialräumliche Differenzierung
Lateinamerikanische Großstädte
Das Modell B2 im Anhang, bezieht sich auf die Punkte 6.1-6.4.
Arbeit zitieren:
Vahid, 2001, Lateinamerika, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Vahid hat den Text Lateinamerika veröffentlicht
Vahid hat einen neuen Text hochgeladen
Lateinamerika und der "Generalstab" der Weltrevolution
Zur Lateinamerika-Politik der ...
Jürgen Mothes, Klaus Meschkat
Konzepte - Prozesse - Erfahrun...
Nikolaus Schweickart, Lutz Kaufmann
Geschichte und Gesellschaft
Walther L. Bernecker, Martina Kaller-Dietrich, Barbara Potthast, Hans Werner Tobler
Sozialstrukturen in Lateinamerika
Ein Überbilck
Dieter Boris, Therese Gerstenlauer, Alke Jenss, Kristy Schank, Johannes Schulten
0 Kommentare