geschätzt wird, die SAirGroup wies zum Zeitpunkt des Vergleiches einen Börsenwert von 2.5 Milliarden Franken auf.
Nach den vielen Abgängen kommt nun der ehemalige Nestlé-Konzernchef Mario Corti, der das Ruder in die Hand nehmen soll. Er führt zurzeit eine Doppelfunktion als Verwaltungsratspräsident und Konzernchef der SAirGroup aus. Corti will reinen Tisch schaffen, er will die finanzielle Lage des Konzerns schonungslos offen legen, er tut wohl gut daran.
Der Bund verweigert die Décharge
Der Bund ist ein wichtiger Aktionär am Kapital mit seinem 3%igen Anteil. Die Bundesräte Pascal Couchpin und Moritz Leuenberger haben unmissverständlich klar gemacht, dass der Bund die Décharge verweigert. Das heisst, der Bund ist nicht bereit den Vorstand und den Aufsichtsrat zu entlasten. Sie sollen die Verantwortung für das Desaster übernehmen. In Couchpins Augen kommt eine Nichtentlastung des SAirGroup-Verwaltungsrates nämlich einer Präventivmassnahme gleich, mit der gesagt würde: „Ich habe noch einige wichtige Fragen, ich erwarte zudem noch einen in Ausarbeitung befindlichen Spezialbericht, um zu entscheiden, ob ich eine Verantwortlichkeitsklage gegen den SAir-Verwaltungsrat anstrengen soll.“ Der
gleichen Meinung sind auch die Kantone Genf und Waadt sowie verschiedene weitere Aktionäre.
Nur das Fluggeschäft schreibt rote Zahlen
Es werden allerdings nicht überall so enorme Verluste gemacht wie im Fluggeschäft. Das interne Wachstum erreichte immerhin 9%. Beim Cargo-Geschäft konnte nicht nur der Betriebsgewinn, sondern auch die Marge gesteigert werden. Insgesamt erreichten also die flugverwandten Geschäftsbereiche ein durchaus akzeptables Resultat. Nur am Fluggeschäft erging es richtig schlecht. Ein wichtiger Grund dafür war die um 384 Millionen Franken höhere Treibstoffrechnung. Zudem flogen Swissair, Crossair und Balair zusammen einen Verlust von 240 Millionen Franken ein.
Wie geht es mit dem Konzern weiter?
Zuerst ist ein Rückzug aus Frankreich, vielleicht auch aus Belgien und Italien, unumgänglich, denn die 80 Millionen pro Monat vermag der Konzern ganz einfach nicht mehr. An der Bilanzkonferenz hat aber Mario Corti mehrmals betont, dass sich die SAirGroup nicht in Liquiditätsproblemen befinde. Durch dieses Statement lässt sich vermuten, dass Corti schon gewisse Zusagen von Banken im Rücken weiss. Allerdings darf die SAirGroup nicht nochmals mit deutlich roten Zahlen abschliessen, sonst könnte das nominelle Aktienkapital von 877 Millionen Franken bald einmal unterschritten werden. Deshalb muss man unbedingt das Eigenkapital erhöhen. Corti will zudem aus werbestrategischen Gründen vom Namen SAirGroup wieder zum alten Namen Swissair zurückkommen und erhofft sich dadurch mehr Vertauen der Aktionäre und Kunden zu gewinnen. Die SAirGroup hat zudem die Swissôtel-Gruppe an die Luxushotel-Gruppe Rafflas verkauft, was 410 Millionen Franken einbrachte. Wie es mit der SAirGroup im nächsten Jahr aussehen wird, dazu mochte Mario Corti nichts dazu sagen. Die einzige Aussage dazu war, dass der Betriebsgewinn in den ersten beiden Monaten annähernd dem Budget entsprochen habe, allerdings exklusive Airline-Beteiligungen im Ausland.
Beschlüsse der GV vom 25. April 2001
• Zum Ausgleich des schwankungsanfälligen Fluggeschäfts sollen die rentablen
flugnahen Sektoren wie Catering, Groundhandling und Technik behalten werden.
• Bei den stark defizitären französischen Beteiligungen AOM und Air Liberté ist
ein Rückzug angesagt. Für eine letzte Periode bis 30. Juni spricht die Swissair nochmals 120 Mio Fr. Dann soll entschieden werden, ob ein Sanierungsplan akzeptiert werden kann oder die 80 Millionen pro Monat gestoppt werden.
• Die Konzernstruktur wird vereinfacht. Acht Konzernbereiche mit je einem Leiter werden direkt Konzernchef Corti unterstellt..
Die Liquidität soll durch eine neue Kreditlimite dreier Banken (Credit Suisse First Boston, Deutsche Bank, Citibank) von insgesamt einer Milliarde Franken gesichert werden.
Arbeit zitieren:
Patrick Mayer, 2001, SAirGroup in Turbulenzen, München, GRIN Verlag GmbH
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