Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung
2. Die Arbeitsgemeinschaft Alternative Wirtschaftspolitik
2.1. Wer ist die Arbeitsgemeinschaft?
2.2. Arbeitsweise der Gruppe
2.3. Ziele der Arb.Gem.
3. Die Situation in den einzelnen Politikbereichen, sowie Alternativen für eine
neue Wirtschaftspolitik
3.1. Lohn-und Beschäftigungspolitik
3.1.1. Situation in Ostdeutschland
3.2 Fiskalpolitik
3.3. Geld- und Währungspolitik
4. Darstellung der Situation in europäischen Nachbarländern
5. Schlußbemerkungen zu den vorgeschlagenen Alternativen der Arb.Gem.
6. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Der Erfolg von Wirtschaftspolitik wird mittlerweile durch die Arbeitslosenzahlen determiniert. Durch die sich nicht verbessernde Situation auf dem Arbeitsmarkt verschlechtert sich auch das soziale Klima in Deutschland. Obwohl ein konjunktureller Aufschwung bemerkbar ist, kommt es nicht zu Entlastungen auf dem Arbeitsmarkt. Im Gegenteil, die Zahl der Arbeitslosen steigt weiter an. Bei dem Großteil der Bevölkerung verschlechtert sich die Einkommenssituation aufgrund steigender Ausgabenbelastung. Eine Verbesserung des Lebensstandards bei den Arbeitnehmern ist nicht zu verzeichnen. In solch einer Zeit wird die Kritik an der Wirtschaftspolitik laut. Die aktuell verfolgte, sog. `Angebotsorientierte Wirtschaftspolitik`, hat es nicht vermocht, für eine Senkung der Arbeitslosenzahlen zu sorgen. Kritiker folgern daher, daß damit die gesamte Wirtschaftspolitik der Regierung hinterfragt werden muß.
2. Die Arbeitsgemeinschaft `Alternative Wirtschaftspolitik`
2.1. Wer ist die Gruppe `Alternative Wirtschaftspolitik`
Im November 1975 hat die Arbeitsgruppe ihr erstes „Memorandum für eine wirksame und soziale Wirtschaftspolitik“ veröffentlicht. Es war als Antwort auf das jüngst zuvor verabschiedete 1. Haushaltsstrukturgesetz , in dem erstmals ein Sozialabbau in Deutsch-land gesetzlich legitimiert wurde, konzipiert. Seit 1977 erscheint seitdem jährlich ein Memorandum, welches sich kritisch mit der aktuellen Wirtschaftspolitik auseinandersetzt. In der Arb.Gem. arbeiten hauptsächlich Wirtschaftswissenschaftler und Gewerkschaftler zusammen, wobei keine feste Organisationsform innerhalb der Gruppe existiert. Es gibt keine formelle Mitgliedschaft oder ähnliches. Einzig das Vorrankommen in den Zielen ist für die Mitarbeiter von Interesse. Finanziert wird die Arb.Gem. dabei ausschließlich über Spenden und Erlöse aus dem Verkauf der Publikationen.
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2.2. Arbeitsweise der Arb.Gem.
Die Memorandum-Gruppe hält dreimal im Jahr Tagungen ab. Im November des Jahres werden die Grundaussagen und Schwerpunktthemen für das kommende Jahr festgelegt, sowie Arbeitsgruppen mit deren Bearbeitung gebildet. Im Februar erfolgt eine Besprechung der vorläufigen Fassung des Memorandums, wobei Änderungsbeschlüsse anschließend von einer Redaktionskonferenz eingearbeitet werden. Diese Fassungen werden an Förderer und potentielle Unterstützer zwecks Kritik und Unterschrift versandt. Im April erfolgt die Veröffentlichung mittels einer Pressekonferenz in Bonn. Daneben arbeiten Arbeitsgruppen an Themen mit einer längerfristiger Perspektive. Diese fließen wiederum in Form von Schwerpunktthemen in die Memoranden ein. Die Arb.Gem. veröffentlicht zudem eine Zeitschrift, in der einzelne Themen und Aspekte der Jahresmemoranden kritisch zur Diskussion gestellt werden.
2.3. Ziele der Arbeitsgemeinschaft
Die Arb.Gem. hat sich als Ziel gesetzt, wirtschaftspolitische Vorschläge und Perspektiven zu der jeweils aktuellen Wirtschaftspolitik zu liefern. Es soll damit folgendes erreicht werden: Die Sicherung von Arbeitsplätzen, Verbesserung des Lebensstandards, der Ausbau von sozialen Sicherungssystemen für Arbeitnehmer, und letztlich auch eine ökologische Umorientierung in Deutschland. Die Arb.Gem. sieht
eine einseitige Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch die kapitalorientierten Positionen, Unternehmerverbände einerseits und andererseits durch die
Bundesregierung, als gegeben an. Diese seien besser in der Lage, ihre Interessen in der Öffenlichkeit glaubhaft durchzusetzen. Es wird der Eindruck vermittelt, es würden keine sinnvollen Alternativen zu einer `Angebotsorientierten Wirtschaftspolitik` existieren. Diese Haltung wird zudem dadurch verstärkt, daß eine Vielzahl von deutschen Wirtschaftswissenschaftlern diese Einschätzung teilen, und dies auch in der Öffentlichkeit aktiv befürworten. Die jährlichen Memoranden haben sich mittlerweile als Gegenposition zu dem vom Sachverständigenrat veröffentlichten Jahresgutachten zur Beurteilung der G esamtwirtschatlichen Situation etabliert. Diese Gutachten werden mitunter als fragwürdig angesehen, da, so die Memorandumgruppe, dadurch oftmals nur die angebotsorientierte Sichtweise der Bundesregierung gestärkt wird.
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Diesem Mißstand soll dadurch begegnet werden, indem wissenschaftlich-fundierte Alternativstrategien erarbeitet und publiziert werden. Ebenso soll die faktische Monopolstellung der kapitalorientierten Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten herausgefordert werden. Es soll dort zu einem wissenschaftlichen Theorienstreit kommen. Den verantwortlichen Wirtschaftspolitikern soll klar aufgezeigt werden, daß ihre Politik reformbedürftig ist, da sie offensichtlich erfolglos ist. Die Gewerkschaften sollen bei der Durchsetzung Ihrer Forderungen Unterstützung erfahren, indem die wissenschaftlichen Fakten für die Machbarkeit und Begründung der Ziele geliefert werden. Mit der Abwahl der alten Bundesregierung wird die Möglichkeit einer neuen Wirtschafts- und Sozialpolitik verknüpft 1 . Die neoliberale Politik, in Form der `Angebotsorientierten Wirtschaftspolitik`, hat offensichtlich nicht zum Erfolg geführt. Vielmehr sei sie für die steigenden Arbeitslosenzahlen verantwortlich. Sie hat es nicht vermocht, sich an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen. Sie sei schuld an einer Umverteilung von unten nach oben, den Beschränkungen der staatlichen Leistungen für Arbeitslose und Arme, und der dadurch zunehmenden Polarisierung innerhalb der Gesellschaft. Die Memorandumgruppe hält es grundsätzlich für falsch, auf die Heilungskräfte eines freien Marktes zu vertrauen. Es hat sich ihrer Meinung nach offenbart, daß die `Angebotsorientierte Politik` die soziale Situation in Deutschland verschärft hat. Für die Installierung einer neuen, europäischen Wirtschaftspolitik, seien die Zeichen der Zeit günstig, da sie gemeinsam mit den europäischen Nachbarn vorangetrieben werden könnte. Allerdings werden bereits jetzt Anzeichen dafür gesehen, daß die neue Bundesregierung Ihrem Wählerauftrag nicht mehr gerecht wird. So sind in den Koalitionsvereinbarungen in Punkto Finanz- und Steuerpolitik z.T. erhebliche Kompromisse zugunsten der Unternehmerseite erfolgt. Starke Kritik wird an dem Gutachten des Sachverständigenrates (SVR), `Aufschwung zwischen Hoffen und Bangen? `(1998/99) , geübt. Dem Gutachten wird jegliche theoretische und empirische Grundlage abgesprochen 2 . Nach wie vor spricht sich der SVR dort für eine konsquente Fortführung der `Angebotsorientierten Politik` aus. Die Gefahren liegen laut Memorandumgruppe darin, daß d ies auch weiterhin zu einer Schmälerung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage, speziell der Binnennachfrage, einer Verringerung der Ertragsaussichten und einer Steigerung der Massenarbeitslosigkeit führt.
1 Arbeitsgemeinschaft Alternative Wirtschaftspolitik, (Abkürzung: AG WiPo), (1999 Kurzfassung), S. 1.
2 AG WiPo, (Dezember 1998 Sondermemorandum), Seite 2.
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Es sollte vorrangiges Ziel der Bundesregierung und der Bundesbank sein, dafür zu sorgen, daß die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen zugunsten der privaten Nachfragerseite verbessert werden. Die deutschen Wirtschaftindikatoren stellen sich im Vergleich mit denen der europäischen Nachbarn recht positiv dar. Einzig die Entwicklung der Binnennachfrage entspricht nicht den Erfordernissen. Der private Konsum und die Staatsausgaben haben kein angemessenes Wachstum vorzuweisen. Hier sollten mittels höherer Reallöhne und öffentlicher Beschäftigungsprogramme positive Zeichen gesetzt werden. Dann, so die Arb.Gem., würde auch wieder ein positives Investitionsklima in Deutschland, aufgrund verbesserter Absatzchancen, entstehen.
3. Die Situation in den einzelnen Politikbereichen, sowie Alternativen für eine
neue Wirtschaftspolitik
3.1. Lohn- und Beschäftigungspolitik
Obwohl ein konjunktureller Aufschwung in Deutschland von 1997 zu 1998 zu verzeichnen war, sind die Arbeitslosenzahlen weiter steigend. 1998 betrug die Arbeitslosenquote 12,3 %. Knapp 4,3 Millionen waren arbeitslos gemeldet 3 . Hinzu kommen weitere 2,7 Mio. potentielle Arbeitskräfte in der sog. `stillen Reserve`. Dies sind Personen, die für sich keine erfolgreiche Vermittlung mehr auf dem Arbeitsmarkt sehen, und keinen Anspruch mehr auf e ine staatliche Unterstützung haben, und sich demzufolge auch nicht mehr registrieren lassen. Desweiteren 0,4 Mio. die in befristeten Arbeitsverhältnissen stehen, sowie 0,3 Mio. in ABM-Maßnahmen, und 0,1 Mio. in zeitlich begrenzten Rehabilitationsmaßnahmen. Somit 0.8 Mio. die in absehbarer Zeit wieder `offizielle Arbeitslose` werden. Die Arb.Gem. bemängelt, daß diese Zahlen nie gennant werden. Dadurch würde die amtliche Arbeitslosenzahl auf über 20 % ansteigen, gesamtdeutsch gesehen 4 . Als Gründe für diese Misere wird von der Bundesregierung der Prozeß der Globalisierung in Verbindung mit einer deutschen Standortschwäche angeführt. Die Arb.Gem. spricht dem wie folgt entgegen: Die deutschen Handelsüberschüsse sind jährlich steigend, ebenso der Anteil am Weltexport.
3 AG WiPo, (1999), Tabellenanhang.
4 AG WiPo, (1998), S. 12.
( 1996 betrugen die Kosten für Arbeitslosigkeit rund 166 Mrd. DM)
(Sofern bei Zahlenangaben keine expliziete Fußnote erwähnt wird, handelt es sich um Berechnungen der
AG WiPo)
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Arbeit zitieren:
Dirk Nitsche, 1999, Die Beurteilung verschiedener Politikbereiche durch das Memorandum der Arbeitsgruppe 'Alternative Wirtschaftspolitik', München, GRIN Verlag GmbH
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