1908 "Betrachtungen“ (8 Prosastücke) Franz tritt eine Arbeitsstelle in der »Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt für das Königreich Böhmen in Prag« als Aushilfsbeamter an. Im Laufe der Jahre wird er immer wieder befördert.
- er arbeitet sich vom Aushilfsbeamten und Anstaltsconcipisten bis zum Obersekretär mit 30 Unterstellten hoch
- Max Brod brachte K. mit dem Literaten und Herausgeber Franz Blei Zusammen
- in dessen Zeitschrift „Hyperion“ wurden erste Texte (die er später in den Erzählband Betrachtung aufnahm) gedruckt
- neben Rilke, Hofmannsthal und Heinrich Mann, obwohl noch unbekannt
- (»Die Bäume«, »Kleider«, »Die Abweisung«, »Der Kaufmann«, »Zerstreutes Hinausschaun«, »Der Nachhauseweg«, »Die
1910 Kafka macht die Bekanntschaft mit Franz Werfel (jüd. Schriftsteller) Durch häufigen Besuche von Theatervorstellungen einer ostjüdischen Schauspieltruppe, die bis 1912 in Prag gastiert, lernt er den jiddischen Schauspieler Jizchak Löwy kennen.
Interesse an Judentum und Zionismus wächst
1911 Er unternimmt längere Dienstreisen nach Nordböhmen und Ferienreise mit Max Brod in die Schweiz, nach Italien und Frankreich. „Der Verschollene“ (Erstdruck unter Titel Amerika).
1912 lernt bei Max Brod die Prokuristin Felice Bauer aus Berlin kennen mit der schon bald einen regen Briefwechsel führt. „ Betrachtungen" (18 Prosastücke) „Das Urteil“ (Eine Geschichte) „Verschollenen“ (2. Fassung,
1. Kapitel „Der Heizer“ und fünf weitere Kapitel).
" Verwandlung" (Erzählung).
- Kontakt zu Kurt Wolff, der Werke bis zu seinem Tod publiziert
1913 Besuch Felice Bauer in Berlin, weitere Besuche folgen, Erzählung „ Der Heizer“ erscheint (aus Roman der Verschollene) Buchreihe „Der jüngste Tag“
1914 30. Mai Berlinreise mit Vater
Juni: Verlobung mit Felice Bauer Juli: Verlobung wieder gelöst nimmt Briefwechsel mit Felice Bauer doch wieder auf Bekanntschaft mit Grete Bloch
1915-16 schreibt an mehreren Werken gleichzeitig trifft sich mit Felice Bauer, mit der er Reisen nach Marienbad und München unternimmt.
"Ein Landarzt“ "Auf der Galerie“
"Das nächste Dorf“ "Eine kaiserliche Botschaft“
1917 Kafka beginnt Hebräisch zu lernen
2. Verlobung mit Felice Bauer, wird aber zu Weihnachten endgültig gelöst
Kafka erleidet einen Blutsturz Ü lebt wieder bei Eltern, später Feststellung Lungentuberkulose
1918 Dienst- und Erholungsreisen Erzählungen „Beim Bau der chinesischen Mauer“ (als Fragment 1931) lernt die aus einer tschechisch-jüdischen Handwerkerfamilie stammende Julie Wohryzeck in Schelesen kennen
1919 Verlobung mit Julie Wohryzek wird auch wieder von ihm gelöst "Brief an den Vater" (erscheint erst 1952)
1920 Briefwechsel mit tschechischen Journalistin Milena Jesenská übersetzt seine Dichtungen ins Tschechische Kafka besucht sie in Wien.
"Heimkehr“ "Kleine Fabel“
1921 für immer vom Bürodienst beurlaubt ein Jahr darauf pensioniert Freundschaft mit Robert Klopstock
1922 Kafka erleidet vor Schlaflosigkeit und Verzweiflung einen Nervenzusammenbruch "Das Schloss“ "Erstes Leid“ "Ein Hungerkünstler“ "Forschungen eines Hundes“
1923 Begegnung mit Dora Diamant Übersiedlung zu ihr nach Berlin "Eine kleine Frau" "Der Bau" (in „Beim Bau der chin. Mauer“)
1924 Kafkas Gesundheitszustand verschlechtert sich Ärzte stellen Kehlkopftuberkulose fest. Am 3. Juni verstirbt er im »Sanatorium Dr. Hoffmann« in Kierling bei Klosterneuburg Dora Diamant und der junge Arzt Robert Klopstock pflegen ihn
Am 11. Juni wird Franz Kafka auf dem jüdischen Friedhof in Prag-Straschnitz beerdigt.
Zu seiner Person:
- was ihm beim Schreiben behinderte oder behindern hätte können wurde als Bedrohung angesehen ( auch Frauen)
Zitat: Das Schreiben ist ein süßer wunderbarer Lohn, aber wofür? In der Nacht war es mir mit der Deutlichkeit kindlichen Anschauungsunterrichtes klar, dass es der Lohn für Teufelsdienst ist. Dieses Hinabgehen zu den dunklen Mächten, diese Entfesselung von Natur aus gebundener Geister, fragwürdige Umarmungen und was alles noch unten vor sich gehen mag, von dem man oben nichts mehr weiß, wenn man im Sonnenlicht Geschichten schreibt. Vielleicht gibt es auch anderes Schreiben, ich kenne nur dieses: in der Nacht, wenn mich die Angst nicht schlafen lässt, kenne ich nur dieses. (3. Juli 1922)
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- daher, dass er Angst hatte, sich nicht mehr aufs Schreiben konzentrieren zu können
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- weiterer Grund ist, weshalb er in der Nacht arbeitete
- seine Ruhe
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- Dienstmädchen aufgezogen
- Brief an den Vater (1919)
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- Vater behandelte die Kinder meist von oben herab, vor allem, was Franz tat
- dennoch bewunderte er seinen Vater trotzdem grenzenlos
Hassliebe zum Vater, die ihn sein Leben lang beschäftigte:
- K. hatte immer Schuldgefühle dem Vater gegenüber, weil er gegen seine Welt verstieß Ü diese Thematik zieht sich durch seine gesamten dichterischen Werke
...Ich winselte einmal in der Nacht immerfort um Wasser, gewiss nicht aus Durst, sondern wahrscheinlich teils um zu ärgern, teils um mich zu unterhalten. Nachdem einige starke
Drohungen nicht geholfen hatten, nahmst Du mich aus dem Bett, trugst mich auf die Pawlatsche und ließest mich dort allein vor der geschlossenen Tür ein Weilchen im Hemd stehen. Ich will nicht sagen, dass das unrichtig war, vielleicht war damals die Nachtruhe auf andere Weise wirklich nicht zu verschaffen, ich will aber damit Deine Erziehungsmittel und ihre Wirkung auf mich charakterisieren. Ich war damals nachher wohl schon folgsam, aber ich hatte einen inneren Schaden davon. Das für mich Selbstverständliche des sinnlosen Ums Wasser-Bittens und das außerordentlich Schreckliche des Hinausgetragenwerdens konnte ich meiner Natur nach niemals in die richtige Verbindung bringen. Noch nach Jahren litt ich unter der quälenden Vorstellung, dass der riesige Mann, mein Vater, meine letzte Instanz, fast ohne Grund kommen und mich in der Nacht aus dem Bett auf die Pawlatsche tragen konnte und dass ich ein solches Nichts für ihn war ..."
- weil der Vater so war, und K. nicht so sein konnte, wie er es wollte, ging
er immer weniger aus sich heraus und redete kaum noch
- sich doch auch vom Aushilfsbeamten bis zum Obersekretär hoch ( eben auf geistiger und nicht auch handwerklicher Ebene)
- war auch sehr schüchtern, weil er immer sehr jung, wie ein Jugendlicher aussah
- in seinem ganzen Leben fühlte sich K. nichts Wert zu sein (er könne
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- „Beschreibung eines Kampfes“ gab, noch keine Zeile veröffentlicht (Bekanntschaft Franz Blei)
- immer, dass sie es nur sagen, weil sie seine Freunde sind (ewiger Selbstzweifel)
Beziehung zu Frauen:
- Felice Bauer: zwischen ihr und ihm fand hauptsächlich ein reger
- geschrieben)
- praktische Veranlagung
- würde er nur F. schaden
Zitat: Sie soll es ertragen, ein klösterliches Leben neben einem Mann zu führen, der sie zwar lieb hat, wie er niemals einen andern lieb haben kann, der aber kraft seiner unabänderlichen Bestimmung die meiste Zeit in seinem Zimmer steckt oder gar allein herumwandert? Sie soll es ertragen, gänzlich abgetrennt von ihren Eltern und Verwandten und fast von jedem andern Verkehr hinzuleben, denn anders könnte ich, der ich meine Wohnung selbst vor meinem besten Freunde am liebsten zusperren würde, ein eheliches Zusammenleben mir gar nicht denken.
- kam zur Verlobung, weil es wahrscheinlich beide Väter wollten und K. sich nicht wehren konnte Zitat: Aus Berlin zurück. War gebunden wie ein Verbrecher. Hätte man mich mit wirklichen Ketten in einen Winkel gesetzt und Gendarmen vor mich gestellt und mich nur auf diese Weise zuschauen lassen, es wäre nicht ärger gewesen. Und das war meine Verlobung, und alle bemühten sich, mich zum Lachen zu bringen, und da es nicht gelang, mich zu dulden, wie ich war.
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- auf Ü endgültige Trennung zwischen beiden
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- seine Angst Zu den letzten Tagen seines Lebens
- in seinen letzten Tagen ließ er wahrscheinlich alles nur noch auf sich zu
kommen ohne ständig Angst vorm Leben zu haben
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- Volk der Mäuse“
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- lassen (der tat es nicht) ( zeigt geringes Selbstwertgefühl)
- bis in die letzten Wochen vor seinem Tod las er noch Korrektur für seine letzte Publikation (Ein Hungerkünstler) (konnte eben nicht von dem Schreiben loslassen)
Zentrale Probleme seines Lebens:
- politische und ethnische Spannungen im deutsch-tschechisch-jüdischen Prag.
- belastetes Verhältnis zum distanziert-autoritären Vater, der seine "Schriftstellerei" nie akzeptieren konnte, Gefangenschaft in der Familie.
- Erlebnis von Anonymität, Isolation und Entfremdung durch moderne Institutionen wie Schule, Bürokratie, Staat.
- Schwieriges Verhältnis zu Frauen: Widerspruch zwischen Bedürfnis nach Nähe und Angst vor zu starker Bindung.
Werke: „Die Verwandlung“ 1915 „ Das Urteil“ 1919 „ Der Prozess“ 1925 „ In der Strafkolonie“ 1919 Erzählbände „ Ein Landarzt“ 1919 „ Ein Hungerkünstler“ 1924
Quellen: Sammlung Metzler, Ludwig Dietz, Band 138 Franz Kafka, zweite Auflage, Verlag J.B. Metzler Mehrere Internetseiten
Parabel: (griech. parabole = Vergleich)
- ist kurze, meist in Rede eingefügte Beispielsgeschichte
- dient wie Fabel und Gleichnis der Beweisführung, der Lehre, der Erhellung
- Bsp. Ringparabel aus „Nathan der Weise“, ihr liegt 3. Novelle des 1. Tages in G. Boccaccio ‚Decamerone’ zugrunde
- Wenn P. aus ursprünglichem Zusammenhang herausgelöst wird, fehlt der Vergleichspunkt
- Verborgene Wahrheit muss aus Erzählung herausgefunden werden
- Bei P. werden zur Verbildlichung abstrakter Gedanken einmalige, ungewöhnliche oder empörende Fälle herangezogen
- Das Denken wird dadurch in neue Bahnen gelenkt
- B. Brechts dialektische (Widersprüche verbindende ) „Geschichten vom Herrn Keuner“ (ab 1930
- M. Bubers „Erzählungen der Chassidim“
- Eben auch Kafkas Erzählungen
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"Ich heiße hebräisch Amschel, wie der Großvater meiner Mutter von der Mutterseite, der als ein sehr frommer und gelehrter Mann mit langem weißem Bart meiner Mutter erinnerlich ist, die sechs Jahre alt war, als er starb. Sie erinnert sich, wie sie die Zehen der Leiche festhalten und dabei Verzeihung möglicher dem Großvater gegenüber begangener Verfehlungen erbitten musste. Sie erinnert sich auch an die vielen, die Wände füllenden Bücher des Großvaters. Er badete jeden Tag im Fluss, auch im Winter, dann hackte er sich zum Baden ein Loch ins Eis. Die Mutter meiner Mutter starb frühzeitig an Typhus. ... Ein noch gelehrterer Mann als der Großvater war der Urgroßvater der Mutter, bei Christen und Juden stand er in gleichem Ansehen, bei einer Feuersbrunst geschah infolge seiner Frömmigkeit das Wunder, dass das Feuer sein Haus übersprang und verschonte, während die Häuser in der Runde verbrannten. Er hatte vier Söhne, einer trat zum Christentum über und wurde Arzt. Alle außer dem Großvater der Mutter starben bald. Dieser hatte einen Sohn, die Mutter kannte ihn als verdrückten Onkel Nathan, und eine Tochter, eben die Mutter meiner Mutter.
(Tagebuch, 1911)
Kafkas Vater: geb. 1852 in Wossek (Südböhmen), einem Dorf von 100 Einwohnern, Leben in bescheidensten Verhältnissen, die Kafkas waren jedoch im Verhältnis zu den Umständen überdurchschnittlich gebildet, in Wossek existierte noch eine jüdische Schule (!), in der Kafkas Vater deutsch lesen und schreiben lernte (seine Umgangssprache war tschechisch). 1872 Umsiedlung nach Prag, Gründung eines Textilgeschäfts mit Hilfe des Kapitals seiner Braut; er akzeptiert lediglich die gesellschaftliche Anerkennung als lebenswertes Ziel. "Diese gesellschaftliche Anerkennung war in der altösterreichischen Provinzhauptstadt nur auf dem Umweg über die schmale deutsche Oberschicht - (1900 sprachen von den 450 000 Einwohnern Prags nur 34 000 deutsch) - zu erlangen. Und für Kafkas Vater war dies ein bedeutender "Umweg" - der Herkunft wie der Klasse nach, selbst wenn man einmal die Schwierigkeiten beiseite lässt, die sich für ihn als Juden innerhalb des allerdings recht liberalen Antisemitismus österreichischer Prägung ergaben."
"Brief an den Vater" (1919):
---> sämtliche Kinder besuchten ausschließlich deutsche Schulen; trotzdem hat Franz Kafka niemals die Bindung ans tschechische Volk verloren.
"In uns leben noch immer die dunklen Winkel, geheimnisvollen Gänge, blinden Fenster, schmutzigen Höfe, lärmenden Kneipen und verschlossenen Gasthäuser. Wie gehen durch die breiten Straßen der neuerbauten Stadt. Doch unsere Schritte und Blicke sind unsicher. Innerlich zittern wir noch so wie in den alten Gassen des Elends. Unser Herz weiß nichts von der durchgeführten Assanation. Die ungesunde alte Judenstadt in uns ist viel wirklicher, als die hygienische Stadt um uns." (Kafka zu Janouch)
deutschsprachige Bevölkerung von Prag: Minderheit von 7%, die aber alle gesellschaftlich bedeutenden Positionen innehatte: Industrielle, Bankiers, Grundbesitzer, Kaufleute und Großbürger; im kulturellen Bereich: schöngeistige Selbstbestätigung, wogegen v.a. die deutschsprachige Intelligenz heftig opponierte, sich aber kaum für die tschechische Umwelt interessierte; außer Kafka beherrschte kaum einer der pragerdeutschen Schriftsteller (Rilke, Meyrink, E.E.Kisch, Max Brod, Oskar Wiener, Werfel ...) das Tschechische. Durch die Minderheitenposition erfolgte eine bestimmte Prägung des "Pragerdeutschen": nüchtern, wortarm, klar, karg
>>> schwierige Position der Juden: bilden eine starke liberale Kraft zwischen beiden Lagern:
"Was hatten sie denn getan, die kleinen Juden von Prag, die braven Kaufleute von Prag, die friedlichsten aller friedlichen Bürger? ... In Prag warf man ihnen vor, dass sie keine Tschechen, in Saaz und Eger, dass sie keine Deutschen seinen." (Theodor Herzl, 1897)
Prager Juden: aus einem religiösen in ein soziologisches Ghetto, an die Stelle der Glaubensverbindungen treten bei ihnen die Geschäftsverbindungen: ---> Gefühl der Vereinzelung, der Einsamkeit
"Dieses Grenzland zwischen Einsamkeit und Gemeinschaft habe ich nur äußerst selten überschritten, ich gabe mich darin sogar mehr angesiedelt als in der Einsamkeit selbst. Was für ein lebendig schönes Land war im Vergleich hiezu Robinsons Insel."
Arbeit zitieren:
Nadine Engert, 2000, Kafka, Franz, München, GRIN Verlag GmbH
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