deutschen Renaissance. Erst um 1900, also bei Hoffmann werden diese Grenzen nicht mehr anerkannt. Hoffmann hielt sich für befugt, wo immer er wollte, seine Anleihen zu machen..." (Julius Posener, Berlin auf dem Wege zu einer neuen Architektur, 1979) Der Grundriss des Gebäudes umschließt zwei Innenhöfe mit der "großen Halle" als Gelenk. Zum Märkischen Platz hin befindet sich der Haupteingang mit offener Treppenhalle, betont durch den hohen, rechteckigen Backsteinturm unter Walmdach, der dem Bergfrit der Bischofsburg in Wittstock ähnelt. Daran anschließend der Haupttrakt, einer gotischen Backsteinkirche nachgebildet, erweitert durch zwei, einen kleinen Hof umschließende Anbauten. Der an der Wallstraße gelegene Teil, mit reich geschmückten Schaugiebeln über den Schmalseiten und Maßwerkattika an der Längsseite, und der zum Köllnischen Park hin orientierte Teil, kapellenartig mit polygonalem Schluss, erhielten sämtliche Schmückformen nach dem Vorbild der Katharinenkirche in Brandenburg. An der Parkseite befindet sich ein dreiflügeliger, den großen Innenhof umschließender Putzbau in Spätrenaissanceformen, mit Ziergiebeln und mehrgeschossigem Erker. Außen neben der Treppenhalle befindet sich eine Kopie des Brandenburger Roland von 1474, Muschelkalkstein, 1905. Die Räume und Gänge im Innern sind vielfach gewölbt und auf die einzelnen Sammlungen abgestimmt, auch unter Verwendung und Einfügung von originalen Architekturteilen Märkischer Bauten (Spolien), so z.B. in der gossen Kirchenhalle das Portal vom "Hohen Hause" aus der Klosterstraße in Alt-Berlin, das bis 1451 den Brandenburgischen Markgrafen und ersten Kurfürsten, die zu dieser Zeit noch in Tangermünde Hof hielten, als Quartier diente. In direkter Beziehung zu der sehr differenzierten Außenarchitektur schuf Hoffmann eine stilistisch abwechslungsreiche Folge von Ausstellungsräumen mit großen Sälen und kleinen Kabinetten, die weitgehend durch den Stil ihrer Ausgestaltung auf die Zweckbestimmung innerhalb des Museums festgelegt waren. Die Räume sind selbst Anschauungsobjekte und damit Teil der Ausstellung.
Über die Zulässigkeit einer derart historisierenden Architektur, welche die unterschiedlichen Baustile zitatenhaft vereint und zumindest beim ungeschulten Beobachter den Eindruck von Echtheit erwecken kann, haben sich schon zur Entstehungszeit die Ansichten stark unterschieden. Der Großteil der Kritiker ging mit dem mächtigen Stadtbaurat sehr vorsichtig und lobend um, doch tauchten einzelne Zweifel an der Zweckmäßigkeit eines derart in der Nutzung festgelegten Baus auf. "Herr Baurat Hoffmann wurde beim Entwurf seiner Pläne von einer Idee beherrscht - einer Idee, die auf den ersten Blick ganz bestechend wirkt, beim näheren Zusehen sich aber als ein hohles Ei erweist. Er will jede Sammlung in einer charakteristischen Umgebung aufstellen, dass sogar in der Innendekoration der Zeitcharakter berücksichtigt wird. Ist es wirklich durchführbar die Architektur und Ausstattung eines Raumes dem Charakter einer Sammlung anzupassen? Das ist schon deshalb nicht möglich, weil die Sammlungen bzw. die einzelnen Stücke einen gar zu verschiedenen Zeitgeist offenbaren. Kirchliche Kunst ist eben nicht immer gotisch usw. Aber selbst wenn diese Übereinstimmung zu einem bestimmten Zeitpunkt erreichbar wäre, würde doch mit jeder Erweiterung der Sammlung dieses Konzept widerlegt werden." (Friedrich Huth, Deutsche Bauhütte, 1903, aus: Berlin und seine Bauten, 1983)
Im Laufe der Entwicklung treten in jedem Museum Diskrepanzen zwischen der einmal festgelegten, statischen Gebäudehülle und den dynamisch sich verändernden Sammlungen auf. Hoffman versuchte dieses Problem zu umgehen, indem er mit dem ganzen Einfluss seines Amtes und seiner Persönlichkeit, jede, auch die kleinste Veränderung der einmal von ihm festgelegten Aufstellung zu verhindern suchte. "Von dem späteren Direktor Walter Stengel wurde dazu die Anekdote überliefert, dass Hoffmann einen neuen Laubfrosch aus der Vitrine der naturwissenschaftlichen Abteilung wieder habe entfernen lassen, weil dessen grasgrüne Farbe nicht zur Ausstellung passe und die Harmonie störe." (Berlin und seine
Bauten, 1983). "Die von Hoffmann gewählte historisierende Bauweise hatte außerdem zur Folge, das die Räume nach stilistischen und nicht nach museumsgemäßen Kriterien entworfen und gestaltet waren, demzufolge waren sie überwiegend zu dunkel. Dieser Effekt war vom Architekten sogar beabsichtigt, er ging davon aus, dass viele Exponate "für mäßig beleuchtete Stellen gearbeitet waren und dass sie einen falschen, zuweilen rohen Eindruck machen, wollte man sie nun in sehr hellem Licht zur Ausstellung bringe. Dies ist ein ausstellungstechnisch unhaltbarer Standpunkt, der die Kunstwerke mehr oder weniger nur noch als Raumdekorationen bewertet. Wenn sie tatsächlich so schlecht waren, hätte man sie in der Dorfkirche lassen sollen." (Berlin und seine Bauten, 1983) Ausgehend von der damals allgemein vertretenen Ansicht, dass die Sammlungsbestände des Märkischen Museums als eher dürftig zu bewerten seinen, hat Hoffmann versucht, durch eine außen wie innen anspruchsvoll gestaltete Hülle, dem Museum einen Eigenwert zu geben, der aus dem Inhalt allein nicht herzuleiten gewesen wäre. Innerhalb des Spannungsverhältnisses zwischen der gebauten Form und dem Zweck und Inhalt eines Museums, hat Hoffman eine ganz extreme Position zugunsten des Gebäudes bezogen. Der Versuch, große Besucherzahlen anzuziehen und ihnen ein ästhetisches Gesamterlebnis zu bieten, ohne dabei die Ausstellungsstücke in ihrem historischen Zusammenhang zu verfälschen, erweist sich häufig als Gratwanderung. Die Gefahr besteht, dass bei einem zu unreflektierten Umgang das Projekt zu einer Werbeveranstaltung abdriftet, sei es für eine Regierung, für einen Zeitgeist, oder für einen Konzern. Dieses Problem, damals bei den sogenannten "Stimmungsmuseen" aufgekommen, findet sich nach wie vor bei der sogenannten "Event - Architektur" unserer Zeit. "Die Gebäude mögen uns im Rückblick überladen erscheinen, verglichen mit dem Kunsttischler - Eklektizismus der deutschen Renaissance, wie sie vor 1900 praktiziert wurde, waren sie einfach. Gleichzeitig waren sie liebenswürdig: Sie waren vom wilhelminischen Optimismus
geprägt. Und sie wollten Vertrauen erwecken..." (Julius Posener, Berlin auf dem Wege zu einer neuen Architektur, 1979) Während des Zweiten Weltkrieges erfolgte die Schließung des Märkischen Museums und die Auslagerung wertvollen Museumsgutes. Während des Krieges wurde der Baukörper zu 80 Prozent schwer beschädigt. Der wertvolle Sammlungsbestand reduzierte sich um ca. 20 Prozent. Mit Unterstützung der sowjetischen Militäradministration und des gemeinsamen Magistrats von Groß Berlin konnte in 15 provisorisch wiederhergestellten Ausstellungsräumen am 12.Juli 1946 das Museum wiedereröffnet werden - als erstes Berliner Museum nach Kriegsende. 1953 - 1958 wurden die wesentlichsten Kriegsschäden beseitigt, und der Turm erhielt ein neues Kupferdach. Die Wiederherstellung des Verwaltungsgebäudes im Nordflügel erfolgte bis 1991. Seit 1995 ist das Märkische Museum als Landesmuseum für Kultur und Geschichte Berlins Teil der Stiftung Stadtmuseum Berlin. Auch der Köllnische Park wurde 1969 - 1971 völlig umgestaltet. Der ehemalige Bastionshügel wurde abgetragen, dadurch der Mühlenstumpf von der Befestigungsanlage aus der 2. Hälfte des 17.Jhd freigelegt. 1971 wurde das Lapidarium als eine Art Freilichtmuseum angelegt. Spolien und Fragmente von nicht mehr existierenden Bauten wie Schlusssteinköpfe, u.a. vom Alten Berliner Rathaus, Inschriftentafeln, Reliefs, Haus- und Herbergszeichen, Vasen, Putti, Brunnen, Säulenkapitelle sowie Plastiken wurden aufgestellt.
Quellenverzeichnis:
- Berlin - Märkisches Museum und Köllnischer Park, Schnell Kunstführer Nr.2365, Regensburg 1998
- Berlin und seine Bauten, Teil 5, Bauwerke für Kunst, Erziehung und Wissenschaft, Berlin 1983
- Die Bau- und Kunstdenkmale in der DDR, Hauptstadt Berlin 1, München 1983
- Julius Posener, Berlin - Auf dem Wege zu einer neuen Architektur, München 1979
Arbeit zitieren:
Heike Blauert, 2000, Das Märkische Museum in Berlin, München, GRIN Verlag GmbH
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