wurzelt nicht im vertrauen zu sich selbst. Die Reformation lehrt, daß man erst seiner Existenz vertrauen kann, wenn man aufhört, das Vertrauen auf sich selbst zu gründen. Der Mut des Vertrauens basiert allein auf Gott und auf ihn allein, der in einer persönlichen Begegnung erfahren wird. Schuld und der Mut sich zu bejahen als bejaht
Im Zentrum des protestantischen Mutes des Vertrauens steht der Mut, sich zu bejahen als bejaht, trotz des Bewußtseins der Schuld (Angst der Schuld und der Verdammung) = Mut des Vertrauens. Dieser wurzelt in der persönlichen, totalen und unmittelbaren Gewißheit der göttlichen Vergebung.
Man kann sagen: Der Mut zum Sein ist der Mut, sich anzunehmen als angenommen trotz seiner Unannehmbarkeit. Dieses bedeutet allerdings nicht, sich selbst in seiner Zufälligkeit zu akzeptieren. Der Mut zum Sein ist der Mut, die Vergebung der Sünden anzunehmen, als fundamentale Begegnung mit Gott. Selbstannahme ist nicht möglich, wenn man nicht in einer Ich - Du - Begegnung angenommen wird. Es bedarf selbst wenn man persönlich angenommen ist, des Mutes des Vertrauens. Denn Angenommensein heißt nicht, daß die Schuld geleugnet wird. Das Angenommensein durch Gott, sein vergebener oder rechtfertigender Akt ist die einzige und letzte Quelle eines Mutes zum Sein, der die Angst der Schuld und der Verdammn is in sich hineinzunehmen imstande ist. Denn die letzte Macht der Selbstbejahung kann nur die Macht des Seins selbst sein. Der Mut des Vertauens betont die Zuversicht in Gott und verwirft jedes andere Fundament für den Mut zum Sein, weil es in größere Angst und Schuld treibt. Wer kann das erklären?
Schicksal und der Mut sich zu bejahen als bejaht
Die Überwindung der Angst der Schuld ist die Überwindung der Angst des Schicksals, beide Ängste nimmt der Mut des Vertauen in ich hinein. Er sagt selbst zum Tod: “Trotzdem”. Der volkstümliche Unsterblichkeitsglaube, der das Symbol der Auferstehung ersetzt hat, ist eine Mischung von Mut und Flucht. Er versucht, die Selbstbejahung aufrecht zu erhalten, selbst angesichts des Sterbenmü ssens. Angesichts von diesem ist die Unsterblichkeit der Seele ein kärgliches Symbol des Mutes zum Sein. Der Mut des Sokrates fußte nicht auf der Lehre der Unsterblichkeit der Seele, sondern auf der Bejahung seiner selbst in seinem essentiellen unzerstörbaren Sein. Der Tod kann nur im Mut des Vertrauens hingenommen werden, in dem er aufgehört hat, der Sünde Sold zu sein. Das ist aber der Zustand des Angenommenseins trotz der Unannehbarkeit. Man wird durch den Mut des Vertrauens in die Gemeinschaft mit Gott aufgenommen, die diesem Mut zugrunde liegt. Denn in Gott begegnet man der Quelle der Gnade, die annimmt, was unannehmbar ist. Der absolute Glaube und der Mut zum Sein
Weder der mystische Mut noch der Mut des Vertrauens erfüllen, laut Tillich, den Sinn von Glauben vollständig. Für ihn ist Glauben das Ergriffensein durch das, was uns unbedingt angeht, den Grund unseres Seins und Sinnes. Der Mut zum Sein ist der Ausdruck des Glaubens. Und was Glaube ist, muß verstanden werden vom Verständnis des Mutes zum Sein aus. Mut ist Selbstbejahung des Seienden trotz der immer gegenwärtigen Drohung des Nichtseins. Glaube ist die Erfahrung der Macht des Seins - selbst, die einem Seienden den Mut zum Sein gibt. Diese Erfahrung hat paradoxen Charakter, sie ist die Bejahung dessen, daß man bejaht ist und die Selbstbejahung auf Grund dieser Bejahung. Der Glaube ist die existentielle Bejahung von etwas, das alle gegenständliche Erfahrung transzendiert. Er ist der Zustand des Ergriffenseins von der Macht des Seins - selbst, die alles transzendiert und an der alles partizipiert. Wer von dieser Macht ergriffen ist, kann sich bejahen, weil er weiß, daß er bejaht ist. Das ist der Punkt, wo der mystisch und der Mut des Vertauens eins sind.
Wer sich in einer Umklammerung des Zweifels und der Sinnlosigkeit befindet, kann sich aus dieser Umklammerung nicht selbst befreien; aber er sucht nach einer Antwort, die innerhalb und nicht außerhalb dieser Situation möglich ist. Wenn man nicht versucht, dieser Frage auszuweichen, so gibt es nur eine Antwort, nämlich, daß der Mut, der Verzweiflung ins Angesicht zu sehen, selber Glaube ist und Mut zum Sein, an seiner äußersten Grenze, ausdrückt. Man bejaht sich, indem man sich bejaht, obwohl man an dem Sinn dieser Bejahung zweifelt. Der Glaube, der den Mut der Verzweiflung möglich macht, ist das Ergriffensein von der Macht des Seins, trotz der Erfahrung des Nichtseins. Der Mensch bejaht, daß er in der Macht des Seins selbst bejaht ist, an der er teilhat und die ihm den Mut gibt, die
Angst von Schicksal und Schuld auf sich zu nehmen.
Der absolute Glaube hat folgende Elemente:
1. Erfahrung der Macht des Seins
2. Abhängigkeit der Erfahrung des Nichtseins von der Erfahrung des Seins und die Abhängigkeit der Erfahrung der Sinnlosigkeit von der Erfahrung des Sinnes
3. Erfahrung des Bejahtseins
Der absolute Glaube transzendiert auch die göttlich - menschliche Begegnung: Der Mut zum Sein ist der Schlüssel zu einer Gottesidee, die beide Typen des Mutes (Mystischer und der des Vertrauens) verbindet. Der Mut zum Sein als Schlüssel zum Sein selbst Nichtsein erschließt das Sein
Der Mut des Seins zeigt das Wesen des Seins, er zeigt, daß die Selbstbejahung des Seins eine ist, die die Negation überwindet. Das Nichtsein gehört zum Sein, es kann nicht davon getrennt werden. Wenn wir von der Macht des Seins sprechen, so bejaht sich das Sein - selbst sich gegen und durch das Nichtsein. Das Nichtsein erschließt die göttliche Abgeschlossenheit und offenbart ihn als Macht der Liebe. Das Nichtsein macht Gott lebendig. Ohne das Nein, das er in sich selbst und in seinen Geschöpfen überwinden muß, wäre das göttliche Ja zu sich selbst tot. Auch Endlichkeit und Angst gehören zum Sein. Die göttliche Selbstbejahung ist die Macht, die die Selbstbejahung des endlichen Seins, den Mut zum Sein, ermöglicht. Nur weil das Sein - selbst den Charakter der Selbstbejahung hat, ist Mut möglich. Jeder Akt des Mutes ist Manifestation des Seinsgrundes. Der Mut hat offenbarende Kraft, der Mut zum Sein ist der Schlüssel zum Sein selbst. Die Überwindung des Theismus
Der Inhalt des absoluten Glaubens ist der “Gott über Gott”. Theismus:
1. unspezifizierte Bejahung Gottes: Es wird in diesem Theismus nicht mitgeteilt, was es heißt, wenn der Name Gottes gebraucht wird.
2. Betonung des Ich - Du - Verhältnisses zu Gott
3. Beweise für die Existenz Gottes
Der Gott des Theismus ist nur e i n Sein, nicht das Sein selbst. Theismus ist das Bejahen des Bejahtseins ohne jemand oder etwas, das bejaht. Es ist die Macht des Seins selbst, die bejaht und den Mut zum Sein verleiht. Der “Gott über Gott” kann nicht beschrieben werden. Der Gott über Gott und der Mut zum Sein
Der Gott über dem Gott des Theismus ist verborgen gegenwärtig in jeder göttlich - menschlichen Beziehung. Das Annehmen des Gottes über dem Gott des Theismus macht uns zu einem Teil dessen, das nicht selbst ein Teil ist, sondern der Grund des Ganzen. Die Macht des Seins handelt durch die Macht des individuellen Selbst. Eine Kirche, die sich in ihrer Botschaft und ihrer Anbetung zu dem Gott über dem Gott des Theismus erhebt, ohne ihre Symbole zu opfern, kann einen Mut vermitteln, der den Zweifel und die Sinnlosigkeit in sich hineinnimmt. Es ist die Kirche unter dem Kreuz. Ein Teil sein in solch einer Kirche heißt einen Mut zum Sein zu empfangen, in dem man sein Selbst nicht verlieren kann und in dem man seine Welt wieder empfängt. Der absolute Glaube ist immer eine Bewegung in, mit und unter anderen Seelenzuständen. Es ist die Situation auf der Grenze der menschlichen Möglichkeiten. Deshalb ist er der Mut der Verzweiflung als auch der Mut in und über jedem Mut. Der Mut zum Sein wurzelt in dem Gott, der erscheint, wenn Gott in der Angst des Zweifels verschwunden ist.
Arbeit zitieren:
Kirsten Fricke, 2000, Paul Tillich - Der Mut zum Sein, Kapitel 4, München, GRIN Verlag GmbH
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