zu 2.
- Diese Ritualtheorien haben ein religiöses Anliegen (Eliade)
- Hier wird das Profane vom Sakralen abgegrenzt.
- Der Kontakt zu dem “Anderem” wird gesucht. zu 3.
- Hier wird die Technik des Rituals untersucht, die Sprache (Staal), Symbole, Kommunikation und soziale Pragmatik (Douglas), sowiePerformanz und Dramatisierung (Turner).
- Hier wird behauptet, Rituale seien reiner Aktivismus.
- Alle Ritualtheorien sind also funktionalistisch, konfessionalistisch bzw. formalistisch oder eine Mischung.
- Die Ritualteilnehmer entsprechen diesem, sie sind zweckorientiert, sinnorientiert oder formorientiert.
- These: Die Unterschiede hängen mit verschiedenen Haltungen zur Welt zusammen.
- Problem: Welches ist die beste Theorie? Wer hat recht?
2. Rituelle Bausteine
- Die Redundanz von Ritualen hat dazu geführt, daß man in solchen Handlungen Arche - oder Prototypen sah. (S. 27)
- Diese kann man transformieren, wiederholen oder nachahmen.
- Sie können wie Bausteine zusammengesetzt werden.
- Ritualhandlungen betreffen vor allem den Körper (S. 28), aber auch die Kommunikation, sowie die Performance.
- Hier seien einige Handlungsmuster genannt:
1. Veränderungen in Bezug auf den Körper:
- Kleidungswechsel
- Schmuck wird angelegt
- Kopfbedeckung gewechselt
- Haar wird verändert
- Körper gesalbt oder gewaschen
- Körperverletzungen
2. Kommunikation:
- Sprache, Gestik, Mimik wird anders
- mehr Schriftlichkeit
- größere Feierlichkeit
- restringierte Codes
- Schweigen
3. Performance:
- Essen
- Gabentausch
- Spiel
- nicht-alltägliche Bewegungen
- herausgehobene Orte
- hervorgehobene Zeiten
- Man sah in diesen Handlungen ritulogische Universalien, da sie so typisch und weitverbreitet waren.
3. Die fünf Komponenten von Ritualen
- Michaels behauptet im Gegensatz zu Bell, daß es Möglichkeiten gibt, um Rituale von anderen “ritualisierten” oder nicht-ritaulisierten Handlungen zu unterscheiden. (S. 29)
- Nicht jede habituelle Handlung (z.B. Zähne putzen) sollte ein Ritual genannt werden.
- Michaels trennt Rituale von Gewohnheiten mit Hilfe von fünf Komponenten, nur wenn alle fünf erfüllt sind, handelt es sich um ein Ritual:
1. Ursächliche Veränderung (causa transitionis)
2. Förmlicher Beschluß (solemnis intensio)
3. Formale Handlungskriterien (actiones formaliter ritorum) Förmlichkeit, Öffentlichkeit, Unwiderrufbarkeit, “Liminalität”
4. Modale Handlungskriterien (actiones modaliter ritorum) Vergemeinschaftung (societas), Tranzendenz (religio), subjektive Wirkung (impressio)
5. Veränderungen von Identität, Rolle, Status, Kompetenz (novae classificationes; transitio vitae) 3.1 Die Anlässe (causa transitionis)
- Rituale stehen mit räumlichen und zeitlichen Veränderungen. (S. 30)
- Wo keine Grenzüberschreitung, keine Veränderung, kein Wechsel stattfindet, gibt es keine Rituale.
- Das heißt aber nicht, daß jeder Wechsel ritualisiert ist.
- Weltweit verbreitet sind Ritualisierungen von lebenszyklischen Veränderungen.
- Die Tatsache, daß Veränderungen eine Grundvoraussetzung für Rituale sind, legt die Vermutung nahe, daß Ritualhandlungen mit adaptiven Verhalten zu tun haben, Anpassungen oder Reaktionen an lebensweltliche Herausforderungen auf Krisen sind. 3.2 Der formale Beschluß (solemnis intentio)
- Es bedarf weiterhin eines förmlichen, formelhaften Beschlusses zur Abhaltung des Rituals: Schwur, Versprechen, Gelübde, Eid.
- Eine willkürliche Feier von Lebensereignissen ist noch kein Ritual.
- eine Zeichensetzung, die das Ritual ausmacht, kann auch nicht-sprachlich erfolgen. (S. 31)
- Jede Handlung ist mehrdeutig, erst in Krisensituationen ergibt sich eine Einengung der Bedeutung.
- Die Intention einer Handlung muß von ihrer Bedeutung getrennt werden. (S. 32)
- Nur die solemnis intentio macht eine alltägliche oder gewohnheitsmäßige Handlung zu einer Ritualhandlung.
- Beispiel mit den Schuhen (S. 32)
- Meist findet dann auch ein Wechsel der Sprachebene statt.
- Man kann nicht ein Ritual machen, ohne zu wissen, daß man ein solches begeht. (S. 33)
- Ein Ritual kann nicht zufällig begangen werden. 3.3 Formale Kriterien (actiones formaliter ritorum)
- Es müssen drei bzw. vier verschiedene Handlungkriterien efüllt sein (S 34):
a) förmlich, stereotyp, repititiv
b) öffentlich
c) unwiderruflich
d) liminal zu a)
- Förmlichkeit ist der Grund für ihre Kodifizierung, Repitivität, Normativität und Präskriptivität.
- kein Ritual ist gleich, aber: ein sakrales Lied bleibt ein sakrales Lied. zu b)
- Lebenszyklische Rituale brauen Öffentlichkeit und Gemeinschaft. (S. 35)
- Sie erneuern und festigen soziale Beziehungen. zu c)
- Rituale wirken unabhängig von ihrer Bedeutung.
- Sie können nicht rückgängig gemacht werden. zu d)
- Terminologie von Turner
- Der Platz des Einzelnen wird neu bestimmt.
- Die Partitur von Ritualen muß vorliegen und entziffert, nicht die Interpretation beschrieben werden. (S. 36) 3.4 Modale Kriterien (actiones modaliter ritorum)
a) societas: Alle, die auf Gemeinschaft bezogenen Funktionen des Rituals: Solidarität, Hierarchie, Kontrolle oder Nominierung
b) religio: transzendierende, auf eine jenseitige, höhere, geheiligte Welt bezogene Intentionen: Erhabenheit und Ernst
- Dieses Kriteium ist strittig, da es die Definition von Religion voraussetzt. (S. 37)
- Michales meint, daß Rituale ohne einen Einbezug des religiösen Anteils nicht von bloßer Routine trennbar sind.
- Für ihn ist religio das Bewußtsein, daß die in Frage stehende Handlung gemacht wird, weil ihr ein transzendentaler Wert zugemessen wird.
- “Es gibt kein Ritual ohne Glauben” (Turner)
- Michaels behauptet nicht, daß Gefühle von r. vorhanden sein müssen, daß diese aber an einer Stelle nachweisbar sein muß, meist bei der solemnis intentio
c) impressio: auf einzelne Teilnehmer bezogene, subjektive Handlungsaspekte (Angstlinderung, Lust)
- kann, muß aber nichtgegeben sein.
- Es kann Glauben ohne Ritual geben, aber kein Ritual ohne religio (Lévi-Strauss) (S. 38) 3.5 Der Statuswechsel (novae classificationes; transitio vitae)
- Mit Ritualen muß eine erkennbare Veränderung eingetreten sein. (z.B. Kompetenz)
- Mit diesen fünf Komponenten läßt sich Ritual von Zeremonie, Spiel, Sport, Routine, Brauchtum oder Theater abgrenzen, ohne einen theistischen Religionsbegriff oder die oft problematische Unterscheidung zwischen “profan” und “säkular” voraussetzen zu müssen. (S. 39)
4. Die Bedeutung der Bedeutungslosigkeitstheorie
- Eine Theorie paßt nicht in Michaels Schema: die Theorie der Bedeutungslosigkeit der Rituale, wonach das Ritual für das Ritual da ist und nur einen Selbstzweck, allenfalls einen stammesgeschichtlich verborgenen Zweck hat. (S. 40)
- Nach Staal sind Rituale per definitionem starr und unveränderlich = sie können keinen Zweck haben.
- Für Staal ist das Ritual bloße Performanz.
- Aber: Rituale werden nicht gemacht, weil sie keine Bedeutung haben, sie werden oft ohne erkennbare Bedeutung gemacht. Diese unbekannte Größe wird gern in graue Vorzeiten oder das Unbewußte verschoben. (S. 41)
- Rituale werden erlernt, das Wissen gespeichert, es gibt einen idividuellen Nutzen oder Schaden des Aktivierens von solchen Gedeächnisinhalte. (S. 43)
- Jedes Ritual ist eine Erfahrung, und sie wird um so leichter gespeichert, je erregender sie war.
- Rituale beruhen auf altersabhängigen, bis zu einem gewissen Grad genetische geprägten, neuralen Verbindungen zwischen limbischen und cortikalen Gehirnregionen, deren Reizung zu Gedächnisspeicherung führt und deren Aktivierung Spannungsaufbau oder - abbau bedeuten kann.
- Der Rest ist nicht im Hirn, sondern in der Kultur. Michals These ist hier, daß viele Ritualhandlungen aus Handlungen entstanden sind, bei denen es einmal kollektiv einen so deutlichen Vorteil oder Lustgewinn gab,
Unsterblichkeit - eben religio- für den sterblichen Menschen in Szene gesetzt werden kann. Also doch: Le rituel
Arbeit zitieren:
Kirsten Fricke, 2000, Axel Michaels: "Le rituel pour le rituel" oder wie sinnlos sind Rituale?, München, GRIN Verlag GmbH
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fnord
kleiner lapsus.
Im großen und ganzen gibt die Arbeit Michaels' Artikel (99er version, findet sich außerdem noch modifiziert in unimagazin zürich 1/98, wörterbuch der religionen 06 als eintrag 'ritual') adäquat wieder; aber im letzten satz ist ein lapsus: statt "bedeutungslos, aber das ist ohne bedeutung" müsste es heißen: "bedeutungslos, aber das ist nicht ohne bedeutung"
am Monday, March 12, 2007-
André
Trugschluss.
Das Resümee, Rituale hätten die Bedeutung bedeutungslos zu sein, ist nicht nur schlecht formuliert sondern schlicht falsch. Rituale weisen IMMER über sich selbst hinaus und schaffen ganz konkrete Realitäten. Oder wer würde behaupten, die Verleihung beispielsweise eines Doktortitels hätte nicht einschneidende soziale Veränderungen für den Träger des Titels zu Folge?
am Saturday, April 12, 2008-
Hendrik Utler
Kein Trugschluss.
Ich kann meinem Vorredner nicht zustimmen: Das Resümee, Rituale hätten die Bedeutung, bedeutungslos zu sein, stimmt vollkommen mit der Aussage Michaels überein. Nur der letzte Satz bedarf tatsächlich der Korrektur: "Le rituel pour le rituel? Die Aussage stimmt, ist aber NICHT ohne Bedeutung" muss es heißen.
am Friday, November 14, 2008-