81243 München
Da es meines Erachtens kaum möglich ist die gesamte Bandbreite der Geschehnisse in und um die Kirche innerhalb von 250 Jahren, wenn auch nur der Kirche in Europa, in einer Studienarbeit ausreichend darzustellen, möchte ich mich hier auf drei Schwerpunkte, nämlich Inquisition, das grosse Schisma und Martin Luther konzentrieren.
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INHALTSVERZEICHNIS
Abbildungsverzeichnis Seite 4
1. Einführung Seite 5
2. Wie die religiöse Welt zu Beginn des
14. Jahrhunderts aussieht Seite 6
3. Ein Beispiel für die Inquisition Seite 8
4. Großes Schisma Seite 10
5. Martin Luther Seite 12
Literaturverzeichnis Seite 15
Erkl ärung nach §31 Abs. 5 RaPo Seite 16
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Aldebert, Jaques; Bender, Johan; Krzysztof Bielecki, M. Jan; u.a.; Das europäische Geschichtsbuch; Stuttgart 1998 (2)
F. A. Brockhaus GmbH; dtv-Lexikon; Mannheim/München 1992
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Zu Beginn soll hier ein Zitat einen Überblick verschaffen, wie man sich im Mittelalter die Verbindung zwischen Alltag und Glauben vorzustellen hat: “(...) Das Leben der mittelalterlichen Christenheit ist in all seinen Beziehungen durchdrungen, ja völlig gesättigt von religiösen Vorstellungen. Es gibt kein Ding und keine Handlung, die nicht fortwährend in Beziehung zu Christus und dem Glauben gebracht werden. (...) Selbst bei einem so hochstehenden Heiligen wie Heinrich Seuse, bei dem die religiöse Spannung vielleicht keinen Augenblick aussetzte, bleibt dennoch für unser nicht mehr mittelalterliches Empfinden, der Abstand vom Erhabenen zum Lächerlichen recht gering.(...) Bei Tisch pflegte Seuse, wenn er einen Apfel aß, diesen in vier Teile zu zerschneiden: drei Teile verzehrte er im Namen der Dreieinigkeit, und den vierten aß er »in der minne, als diu himmelsch muter irem zarten kindlein Jesus ein epfelli gab zu essen«, und er aß dieses letzte Stück mit der Schale, weil kleine Knaben Äpfel ungeschält essen. In den Tagen nach Weihnachten - zur Zeit also, da das Jesuskind noch zu klein war, um Äpfel zu essen - aß er das vierte Stückchen nicht, sondern opferte es Maria, damit sie es ihrem Sohn gäbe. Jeglichen Trunk nahm er in fünf Zügen zu sich, um der fünf Wunden des Herrn willen; da aber aus (1)
Christi Seite Blut und Wasser floß, tat er den fünften Zug zweimal.” Dazu ist nun kurz zu erläutern, wer Seuse war. Heinrich Seuse war Mystiker und Dominikaner. Er war Seelsorger in Dießenhofen und Ulm. Über ihn existiert die älteste in deutscher Sprache verfaßte Selbstbiographie. Der Glaubwürdigkeit zuliebe möchte ich noch ein weiteres kleines Beispiel über die Verbindung zwischen Alltag und Kirche vorbringen: Es geht hierbei um die universitäre Frömmigkeit. Es gab Statuten, die die von der universitären Körperschaft zu leistenden Werke festlegten. Die Mitglieder mußten bestimmten Gottesdiensten, Prozessionen und Andachten beiwohnen. Dazu gehört z.B. auch die Anbetung der heiligen Schutzpatrone, wie dem hl. Nikolaus,
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dem Schutzpatron der Studenten. Gern wurde Jesus in der Mitte von Doktoren dargestellt und Heilige werden mit den Beigaben der (2)
Meister ausgestattet und in deren Gewänder gekleidet.
_____________________________________________________________ (1)
Huizinga, Johan; Herbst des Mittelalters; Stuttgart 1975(11); S. 210f. (2)
vgl. Le Goff, Jaques; Die Intellektuellen im Mittelalter; Stuttgart 1986; S. 89
Das 4. Laterankonzil hat 1215 stattgefunden. Es schrieb die österliche Kommunion und die jährliche Beichte beim Pfarrer vor. Katharer und Waldenser wurden ab sofort durch die bischöfliche Inquisition verfolgt. Die Katharer waren eine religiöse Gruppierung, die glaubten: “(...)In streng dualist. Scheidung stand nach ihrer Lehre dem guten Gott der Teufel als Weltenschöpfer gegenüber. Die damit böse Welt suchten die K. durch strenge (3) Askese zu überwinden.(...)”
Die Waldenser waren eine “(...)Laienprediger-Bewegung, die mit >apostol. (4)
Armut< und Buße für eine Reform der Kirche eintrat.(...)” Des weiteren gab es Bettelorden und andere Gruppen, die ebenfalls versuchten die Verweltlichung der Kirche abzuwehren.
1300 verkündete Papst Bonifazius VIII. das heilige Jahr. Ungefähr 2 Millionen Menschen pilgerten daraufhin nach Rom, was auf die grosse Bedeutung des Glaubens zu damaliger Zeit schließen lässt, zudem eine Reise im Mittelalter nicht vergleichbar einfach war wie heute.
Wie gut es der Kirche wirklich ging und warum sich deshalb Menschen miteinander gegen sie vereinten, soll aus der Begründung des englischen Reformers und Theologieprofessors John von Wycliff entnommen werden, sich gegen die damalige Kirche aufzulehnen. Er war zum Beispiel gegen den politischen Anspruch, den das Papsttum erhob. Er verteidigte später die Verweigerung des päpstlichen Lehenszinses und die Besteuerung der Kirchengüter durch die Krone. Er verurteilte die Kirche und die Klöster ihres Besitzes und ihrer weltlichen Herrschaft wegen, dem Klerus sei christliche Armut angemessen, war seine Meinung.
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____________________________________________________________ (3)
F. A. Brockhaus GmbH; dtv Lexikon; Mannheim/München 1992; Bd. 9, S. 243 (4)
F. A. Brockhaus GmbH; dtv Lexikon; Mannheim/München 1992; Bd. 19, S. 263
Ein weiteres Indiz dafür, wie gut es der Kirche im Mittelalter gegangen sein muß:
Der Papstpalast in Avignon
1309 ließ sich Papst Clemens V. in Avignon nieder. Aber erst 30 Jahre später beschloß Papst Benedikt XII., einen Palast über der arabischen Zitadelle auf dem Dom-Felsen bauen zu lassen. Clemens VI. fügte noch einige kostspielige Anbauten hinzu. 1362 wurde der Palast vollendet. Die Hofhaltung Der Päpste war wegen ihres Luxus berühmt. 1348 erwarb Clemens VI. Avignon von Johanna, Königin von Neapel und Gräfin der Provence. Die Stadt blieb dann bis zur Vereinigung mit (I) Frankreich 1791 im Besitz der Päpste.
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_____________________________________________________________ (I)
Quelle: Aldebert, Jaques; Bender, Johan; Krzysztof Bielecki, M. Jan; u.a.; Das europäische Geschichtsbuch; Stuttgart 1998 (2); S. 178
Im 13. Jhd. erfuhr man einen mystischen Aufschwung, der mit seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen Verirrungen, Auswüchse u nd
Reformtendenzen auslöste. Diese wurden dann als hetärisch bekämpft. Die Ausbreitung der Katharer schließlich war Schuld an der Einrichtung der (5) Inquisition.
Wie bereits erwähnt war diese in vollem Gange. Verfolgt wurden Kartharer, Waldenser, Albigenser, Templer und dergleichen mehr, w as sich der katholischen Kirche nicht anschließen wollte. “Inquisition [lat. >Untersuchung<], Kirchengeschichte: das geistl. Gericht zum Aufsuchen und Bestrafen der Ketzer. Aus dem Einvernehmen von Papst (Lucius III.) und Kaiser (Friedrich I.) als Maßnahme gegen Katharer und Waldenser entstanden (...), wurde (...) zur päpstl. Einrichtung, in deren Auftrag bes. Dominikaner und Franziskaner als päpstl. Inquisitoren ausgesandt wurden. Neben kirchl. Strafen konnten je nach dem Urteil Gütereinziehung, Gefängnis und in schweren Fällen Auslieferung an (6)
die weltl. Gewalt zum Feuertod verhängt werden. (...)” Ein Beispiel für Inquisition in Form von Verfolgung eines Ketzers und dessen Ende soll hier angeführt werden.
Das Konzil von Konstanz beschäftigte sich mit einem für die Kirche unangenehmen Kirchenreformer aus Böhmen. Sein Name war Jan Hus. Durch ihn entstand die Hussitenbewegung. (“Hussiten (...) Ihre religiösen Forderungen
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(1420) umfaßten: Freiheit der Predigt, Laienkelch, Armut des Klerus und staatl. Bestrafung der Todsünder; der Fanatismus der Bewegung war jedoch bes. von (7)
polit. Motiven bestimmt. (...)” Jan Hus war unter anderem Theologe an der
Universität in Prag und verbreitete die Lehre von John von Wyclif weiter. Hus begab sich mit freiem Geleit des Kaisers nach
Konstanz, wo er vor das Konzil treten mußte. Weil er sich dem Konzil aber nicht unterwerfen wollte, wurde er verhaftet und am 6. Juli 1415 als Ketzer verbrannt.
_____________________________________________________________
(5)
vgl. Reliquet, Philippe; Ritter, Tod und Teufel; München 1984; S. 29 (6)
F. A. Brockhaus GmbH; dtv Lexikon; Mannheim/München 1992; Bd. 8, S. 297 (7)
F. A. Brockhaus GmbH; dtv Lexikon; Mannheim/München 1992; Bd. 8, S. 217
Jan Hus wird zum Scheiterhaufen geführt
Ulrich von Richental, Miniatur der Chronik des Konzils von Konstanz (15. November 1414-22. April 1418). Wien, Nationalmuseum
Jan Hus (1371-1415) war Theologieprofessor und Rektor der Universität Prag. Er predigte für
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die Reform der Kirche, wurde exkommuniziert und vor das Konzil von Konstanz geladen. (II) Dort wurde er verurteilt und am 6. Juli 1415 verbrannt.
_____________________________________________________________ (II)
Quelle: Aldebert, Jaques; Bender, Johan; Krzysztof Bielecki, M. Jan; u.a.; Das europäische Geschichtsbuch; Stuttgart 1998 (2); S. 178
Schisma ist griechisch und bedeutet “Trennung”. Die Päpste regieren schon seit 1309 in Avignon und nicht mehr in der Stadt Rom. Das dauert bis 1377 und wird als “Babylonische Gefangenschaft” bezeichnet. “Die Päpste wurden gezwungen, in Avignon zu residieren (1309-77). Dort hielten die Päpste üppig Hof; Verweltlichung und Geldgeschäfte (...) (z.B. →Ablaßverkauf) minderten das
Ansehen der Kirche. Seit 1378 gab es zwei Päpste gleichzeitig, in Avignon und (8) Rom (...).”
Das begann so: Papst Gregor XI. kehrt 1377 in die ewige Stadt Rom zurück. Im Jahr darauf, also 1378 stirbt er. Die Römer bestehen nun auf einen römischen Papst und die Kardinäle wählen unter dem Druck der römischen Bevölkerung den Bischof von Bari zum Papst. Er nannte sich Papst UrbanVI. Der legte nun einen sehr autoritären Regierungsstil an den Tag und so forderten die Kardinäle seinen Rücktritt, mit dem Vorwand, ihn unter Zwang gewählt zu haben. Urban VI. tritt aber nicht zurück. Vor allem die französischen Kardinäle protestieren und alle gemeinsam wählen schliesslich einen neuen Papst. Es ist der Franzose Robert von Genf, bekannt als Papst Clemens VII. Clemens VII.
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veranlasst die Verlegung des Papstsitzes zurück nach Avignon. Über Robert von Genf:
“(...) brachte den Mann in den Vordergrund, der zum Katalysator einer neuen Katastrophe werden sollte. Robert von Genf, der Legat des Papstes von Italien, war ein Kardinal von 34 Jahren, der vor keiner Gewalttat zurückschreckte, um die Kontrolle über die Patrimonie des Papstes zurückzugewinnen. Als Bruder des Grafen von Genf, Nachkomme
Ludwigs VII. und Vetter Karls V. teilte er die Hemmungslosigkeit, die für so viele Fürsten seiner Zeit charakteristisch war. Er war lahm und schielte und wurde entweder als untersetzt und fett oder als wohlgeformt und schön beschrieben, je nach Parteizugehörigkeit des Chronisten in dem kommenden Schisma. Imponierend und autokratisch im Auftreten, mit tiefer Stimme, redegewandt und kultiviert, fließend in verschiedenen Sprachen, war er ein raffinierter Führer, der (9)
seine Männer zu behandeln wußte.”
Jeder der beiden Päpste ernannte sein eigenes Kardinalskollegium. Der römische Papst wird von Deutschland, England, Irland, Flandern, Norditalien, Florenz und Mailand unterstützt, der französische Papst von Frankreich, _____________________________________________________________ (8)
Borth, Wilhelm; Goerlitz, Erich; Grütter, Werner; u.a.; Taschenbuch zur Geschichte; Paderborn 1991(aktualisierte Neubearbeitung); S. 52 (9)
Tuchmann, Barbara; Der ferne Spiegel; Düsseldorf 1980; Leicht gekürzte Ausgabe; S. 290
Schottland, Kastilien, Portugal, Savoyen, Anjou, Navarra und Neapel. Diese Spaltung der katholischen Kirche hält vierzig Jahre an. Es ist leicht vorstellbar, dass das Ansehen von Kirche und Papst unter diesen Umständen in der Bevölkerung sinkt.
1409 fand dann das Konzil ( lat. Zusammenkunft) von Pisa statt. Papst Urban VI. und Papst Clemens VII. wurden als Ketzer abgesetzt und die Kardinäle wählten aus ihrer Mitte einen neuen Papst. Rom und Avignon unterwarfen sich dem aber nicht und so gab es seit 1409 eben drei Päpste. Alle waren sich einig, dass nur ein neuerliches Konzil zu einer Lösung führen würde. Vorausgesetzt natürlich, alle drei Päpste würden die Entscheidung des neuen Konzils anerkennen.
Kaiser Sigismund mischte sich daraufhin ein und berief das Konzil von Konstanz ein (1414-1418). es waren mehrere Nationalitäten vertreten (z.B. Deutsche, Franzosen, Engländer, Spanier und Italiener), die zu dem Schluß kamen, dass die Autorität des Kaisers über der des Papstes stünde. Die Päpste aus Pisa und Rom traten schliesslich freiwillig zurück, der Papst von
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Avignon wurde abgesetzt. Neu gewählt wurde Papst Martin V., der von allen anerkannt wurde.
1431-1449 fand das Konzil von Basel-Ferrara-Florenz statt, bei dem es den Nachfolgepäpsten von Martin V. gelang, wenigstens für eine gewisse Zeit, (10)
wieder die Oberhoheit der Päpste über das Konzil festzuschreiben.
_____________________________________________________________ (10)
vgl. Aldebert, Jaques; Bender, Johan; Krzysztof Bielecki, M. Jan; u.a.; Das europäische Geschichtsbuch; Stuttgart 1998 (2); S. 178
Martin Luther war Reformator. Er wurde in Eisleben am 10.11.1483 geboren und starb am 18.2.1546. Er war Sohn des Bergmanns Hans L. aus Möhra, die Familie besaß dort einen Erbzinshof. Luther “wandte sich nach einem in schwerem Gewitter gatanen Gelübde (>Hilf, heilige Anna, ich will ein Mönch werden!<) vom anfängl. Studium der Rechtswissenschaft ab und trat (am (11)
17.7.1505) in das Kloster der Augustiner-Eremiten in Erfurt ein.” 1507 wurde
er zum Priester geweiht. Luther hielt philosphische und theologische Vorlesungen in Wittenberg und Erfurt. Nach seiner Romreise 1510/11 wurde er 1512 Doktor der Theologie und Professor für Bibelauslegung in Wittenberg. Sein religiöses Erleben im Gegensatz zu seinen theologischen Forschungen brachten ihn in ein inneres Ungleichgewicht. Er stellte sich die Frage nach der
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Gerechtigkeit Gottes.
Nach Röm.1,17 (“17. Sintemal darinnen geoffenbaret wird die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie denn geschrieben (12)
stehet: Der Gerechte wird seines Glaubens leben.” ) ist sie keine Leistung
des Menschen, sondern ein Geschenk Gottes, da der Mensch in Demut hinnehmen muß. Luthers Turmerlebnis ist als äußerer Beginn der _____________________________________________________________ (11)
F. A. Brockhaus GmbH; dtv-Lexikon; Mannheim/München 1992; Bd. 11, S. 162 (III)
Quelle: F. A. Brockhaus GmbH; dtv-Lexikon; Mannheim/München 1992; Bd. 11, S. 162 (12)
Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift; nach der Übersetzung Dr. Martin Luther´s; Köln 1869; Das Neue Testament unsers Herrn und Heilands Jesu Christi, S. 127
Reformation anzusehen. Inhalt des Turmerlebnisses ist wohl, dass Gerechtigkeit und Gnade in Gott zusammenfallen.
Luther veröffentlichte am 31. Oktober 1517 95 Thesen in lateinischer Schrift, die er an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg anschlug. Möglich ist auch, dass er sie nicht anschlug, sondern an verschiedenen Autoritäten versandte. Die 95 Thesen galten als Antwort Luthers auf die Ablaßpredigt Tetzels. (“Tetzel, Johannes, Ablaßprediger, *Pirna um 1465, † Leipzig 11.8.1519, Dominikaner (13)
(seit 1488). Seine Ablaßpredigt war der äußere Anlaß zu Luthers Thesen.” )
“Ablaß, lat. indulgentia, Kath. Kirche: außersakramentaler, von der kirchl. Autorität (einmal täglich) gewährter Nachlaß zeitl. Sündenstrafen (seit 1968 ohne Zeitbestimmungen). - Die Auswüchse bei der Handhabung des A. gaben
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Luther den äußeren Anlaß zur Reformation.”
Der Vorfall kam in Rom zur Anzeige und es wurde ein nicht besonders ernst zu nehmender Ketzerprozeß geführt. 1518 mußte Luther v or den päpstlichen Legaten Cajetanus treten und sich verantworten. Luther lehnte den geforderten Widerruf ab. Bei der Leipziger Disputation bekennt sich Luther zu den Positionen des tschechischen Reformators Hus. In der Bulle “Exsurge Domine” vom 15.6.1520 droht die Kirche Martin Luther den Bann an. Er widerrief nicht, sondern verbrannte die Bulle in Wittenberg und brach damit endgültig mit Rom. Im Jahre 1520 erscheinen von Luther über 30 Schriften. Darunter auch seine drei reformatorischen Hauptschriften “An den christlichen Adel deutscher Nation”, “Von der Freiheit eines Christenmenschen” und “ Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche”. Die beiden Fäden der Kritik an der Kirche, die sich durch das späte Mittelalter ziehen - die innere Kritik, die die Bibel zur Basis des Glaubens und der Theologie machte, und die äußere Kritik an den sittlichen Schäden der Kirche - trafen in den Schriften zusammen. Am 3.1.1521 wurde Luther gebannt und mußte sich am 17. und 18. April 1521 vor dem Wormser Reichstag verteidigen. Wieder lehnte er den Widerruf ab und wurde in die Reichsacht getan. Sein Landesherr, Kurfürst Friedrich der Weise, brachte ihn heimlich auf die Wartburg. Hier übersetzte Luther das Neue Testament. Trotz Acht und Bann kehrt Luther 1522 nach Wittenberg zurück. Zugunsten der Reinheit seines Werkes trennte sich Luther von d rei ihm zugeneigten Richtungen: Er wandte sich gegen die Wiedertäufer, gegen die bloße Bildungsreligion des
_____________________________________________________________ (13)
F. A. Brockhaus GmbH; dtv-Lexikon; Mannheim/München 1992; Bd. 18, S. 155 (14)
F. A. Brockhaus GmbH; dtv-Lexikon; Mannheim/München 1992; Bd. 1, S. 20
Humanismus und gegen den Aufstand der Landleute im Bauernkrieg, die zu keiner friedlichen Lösung bereit waren. Noch während dieses Krieges heiratete er die ehemalige Nonne Katharina von Bora.
In der Mitte von Luthers Lehre steht die Erfahrung von der Rechtfertigung des sündigen Menschens nur allein durch den Glauben. Das Christ-sein erlebt sich in täglicher Buße, in einem ständigen Sterben und Auferstehen. Gerechter und Sünder zugleich zu sein, das ist das paradoxe Dasein eines Christenmenschen bis an sein Lebensende. Luther hat damit wieder hergestellt, was die ursprüngliche Eigenart des christlichen Gottesbegriffes war, nach dem Gott (15)
nicht den Gerechten, sondern den Sünder sucht.
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_____________________________________________________________ (15)
vgl. F. A. Brockhaus GmbH; dtv-Lexikon; Mannheim/München 1992; Bd. 11, S. 162
Huizinga, Johan; Herbst des Mittelalters; Stuttgart 1975(11)
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Le Goff, Jaques; Die Intellektuellen im Mittelalter; Stuttgart 1986
F. A. Brockhaus GmbH; dtv Lexikon; Mannheim/München 1992
Reliquet, Philippe; Ritter, Tod und Teufel; München 1984
Borth, Wilhelm; Goerlitz, Erich; Grütter, Werner; u.a.; Taschenbuch zur Geschichte; Paderborn 1991(aktualisierte Neubearbeitung)
Tuchmann, Barbara; Der ferne Spiegel; Düsseldorf 1980; Leicht gekürzte Ausgabe
Aldebert, Jaques; Bender, Johan; Krzysztof Bielecki, M. Jan; u.a.; Das europäische Geschichtsbuch; Stuttgart 1998 (2)
Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift; nach der Übersetzung Dr. Martin Luther´s; Köln 1869; Das Neue Testament unsers Herrn und Heilands Jesu Christi
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Manuela Hager, 1999, Die Kirche in Europa a.D. 1300 - 1550, München, GRIN Verlag GmbH
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