Proseminararbeit Eliane Tobler HF Sonderpädagogik
Studienbereich II SS/ WS 02
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
1. WAS IST DIE GESTÜTZTE KOMMUNIKATION ?
1.1 Definition
1.2 Zielgruppe
1.3 Vorläufer und Geschichte der FC
2. INWIEFERN IST DIE GESTÜTZTE KOMMUNIKATION EINE
AUTHENTISCHE UND SINNVOLLE METHODE?
2.1 Studienergebnisse und Forschungserkenntnisse
2.2 Die Grenzen des Stützvorganges
2.3 Die Folgen der Methode der Gestützten Kommunikation
2.3.1 Die Folgen für die Wissenschaft
2.3.2 Die Folgen für das Klientel
3. SCHLUSSFOLGERUNG
LITERATURVERZEICHNIS
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Studienbereich II
Inwiefern ist die Gestützte Kommunikation eine authentische und
sinnvolle Methode?
EINLEITUNG
Inwiefern ist die Gestützte Kommunikation eine authentische und sinnvolle Methode? Diese Frage stellte sich mir, als ich der Methode an meinem Arbeitsplatz, einem Wohnheim für körperlich und geistig behinderte Menschen, zum ersten Mal b egegnete. Die Tatsache, dass ein autistischer, bisher stummer Mensch, sich durch die Gestützte Kommunikation plötzlich ausdrücken konnte, faszinierte und erfreute mich. Jedoch vernahm ich bald auch negative Stimmen zu diesem Thema, was mich verunsicherte. So wuchs in mir die Frage nach der Authentizität und Sinn der Methode und ich beschloss eine Proseminararbeit zu diesem Thema zu verfassen. Mein Ziel ist es, bereits vorhandene Erkenntnisse, Theorien und Arbeiten zum Thema unvoreingenommen und kritisch zusammenzufassen und anzuschauen. Ich hoffe, dass meine Arbeit mir persönlich helfen wird, obige Fragestellung zu beantworten. Ich bin mir jedoch bewusst, dass ich keine allgemeingültige Antwort finden werde.
Im ersten Teil meiner Arbeit möchte ich Grundbegriffe der Methode der Gestützten Kommunikation erläutern, auf ihre Entstehung und Zielgruppe eingehen. Im Hauptteil setzte ich mich mit Erkenntnissen und Theorien von Befürwortern und Gegner der Methode auseinander. Ich möchte das Thema von verschiedenen Seiten beleuchten, um so eine Annäherung auf eine mögliche Beantwortung meiner Fragestellung zu ermöglichen. Zuerst setzte ich mich deshalb mit Forschungsergebnissen und Studien auseinander, um der Frage Authentizität nachzugehen. Die dann folgende kritische Betrachtung des Stützvorganges ist auf Grund der Studienergebnisse unumgänglich. Um mich der Frage nach dem sinnvollen Einsatz der Methode der Gestützten Kommunikation anzunähern, beschäftige ich mich anschliessend mit möglichen Folgen. Im letzten Teil widme ich mich der Beantwortung der Fragestellung und ziehe eine Schlussfolgerung anhand der im Hauptteil gewonnenen Erkenntnisse.
Literarisch stütze ich mich vor allem auf die Werke von Elisabeth Eichel (1996), Susanne Nussbeck (2000), und Adrienne Biermann (1999). Während Eichel eine Vertreterin der Gestützten Kommunikation ist, stellt Nussbaum die Gegenposition dar. Adrienne Biermann unternimmt mit ihrem Buch eine objektive, empirische Aufarbeitung des Themas.
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Studienbereich II
1. WAS IST DIE GESTÜTZTE KOMMUNIKATION?
1.1 Definition
Der Begriff „Gestützte Kommunikation“ geht auf die Australierin Rosemary Crossley zurück. Der originale englische Ausdruck lautet „Faciliated Communication“, abgekürzt „FC“, den ich im Weiteren auch verwenden werde. Crossley war Lehrerin für körperbehinderte und sprachbehinderte Kinder und entwickelte in diesem Zusammenhang eine Methode zur Kommunikation mit kaum- oder nicht- sprechenden Menschen. Die Gestützte Kommunikation kann solchen Personen dazu verhelfen, gezielt auf angebotene Wahlmöglichkeiten/Wörter oder gegebenenfalls auch auf Buchstaben zu zeigen. Die Gestützte Kommunikation funktioniert mit Hilfe einer Bewegungshilfe, die zu verstehen ist als ein Bewegungswiderstand und eine Gliederung / Strukturierung des Bewegungsablaufes. Auf diese Art und Weise werden vor allem Probleme der willkürlichen Bewegungskoordinierung aufgefangen. Ziel ist es, die Stützung nach und nach auszublenden und so eigenständige Kommunikation zu erreichen. ( vgl. Eichel 1996, 54ff)
Als zentrale Erklärung für die Wirkweise der FC gilt die Hypothese der globalen Apraxie. Apraxie oder auch Dyspraxie wird definiert als: „Mangelnde Fähigkeit, Bewegungskomplexe zweckgerichtet durchzuführen trotz erhaltener Fähigkeit zu Einzelbewegungen.“ (Dupuis; Kerkhoff 1992, 32)
Diese angenommene Bewegungsstörung hindert betroffene Personen daran, eine expressive Sprache zu entwickeln und zuverlässig auf einen Punkt zu zeigen. (vgl. Nussbeck 2000, 73 ff)
VertreterInnen der FC ordnen die Methode den sog. AAC- Methoden zu, den Methoden der ‚Augmentative and Alternative Communication’. Der Verein ISAAC ( International Society for Augmentative and Alternative Communication) bezeichnet die ACC- Methoden als ‚Unterstützte Kommunikation’. ( vgl. Biermann 1999, 15)
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Studienbereich II
1.2 Zielgruppe der FC
Crossley schreibt, FC sei eine „training method appropriate to individuals who are not able to access a communication aid independently and meaningfully but for whom meaningful and independent access is a realistic and desirable goal.” (Crossley and Remington-Gurney 1992, 29) FC steht also allen Menschen offen, für die alternative Kommunikationsmethoden unzugänglich sind. Vorraussetzungen für die FC sind sowohl einige manuelle Fähigkeiten, wie auch ein Potential zu ihrer Verbesserung, um einen unabhängigen Gebrauch der Kommunikationshilfen erreichen zu können. (vgl. Eichel 1996, 59) Heute wird die Methode der FC Hauptsächlich bei Personen mit Autismus eingesetzt.
Nach Nagy können anhand der Gestützten Kommunikation Menschen gefördert werden, bei denen die bisherigen AAC- Methoden nicht erfolgreich gewesen sind. ( vgl., Nagy 1996, 160) Das Alter der Personen, die gestützt kommunizieren, reicht von 3 Jahren bis ins hohe Erwachsenen Alter. (vgl. Eichel 1996, 59)
Bei jeder Gestützten Kommunikation gibt es zwei Beteiligte: Eine FC-SchreiberIn und die stützende Person, genannt Facilitatorin.
1.3 Vorläufer und Geschichte der FC
Schon vor dem Aufkommen der Gestützten Kommunikation gab es etliche Vorläufer mit ähnlichen Techniken. Diesen wurde aber nie eine s o grosse Beachtung geschenkt wie der FC. Einzelpersonen und besonders auch Familien mit einem autistischen Kind bemerkten schon früh, was für Potentiale durch Stützung und Führung hervorgerufen werden können. In den 70er Jahren entwickelte R. Crossley die Methode der FC mit einer cerebral gelähmten Frau. Durch verschiedene Gerichtsverfahren, die sich um die „Kommunikationsfähigkeit“ von Crossley Klientel rankten, wurde die Methode in Australien publik.
Nachdem sich Douglas Biklen von der Syracuse University in New York während mehrerer Australienaufenthalte mit der Methode Crossleys vertraut gemacht und sie anschliessend in zahlreichen Publikationen der Öffentlichkeit vorgestellt hatte, breitete sich die Gestützte Kommunikation ab 1988 in den USA aus. Annegret Schubert, eine Mitarbeiterin Biklens, hielt 1990 das erste Seminar zur FC in Deutschland ab. (vgl. Eichel 1996, 55 f.) Kurze Zeit später wurde die ‚neue’ Methode auch in der Schweiz publik. Im Sommer 2000 hat Bea Kaufmann das ‚Zentrum für Gestützte Kommunikation’ in Zürich gegründet.
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Studienbereich II
2. I NWIEFERN IST DIE GESTÜTZTE KOMMUNIKATION EINE
AUTHENTISCHE UND SINNVOLLE METHODE?
Die Gestützte Kommunikation ist im deutschen Sprachraum weit verbreitet und man hört immer wieder verschieden Erfolgsgeschichten. Inzwischen gibt es sogar mehrere FC-Autoren, denen erstaunliche Buchveröffentlichungen gelungen sind. (vgl. Biermann 1999, 187) Trotzdem sind seit Beginn der 90er Jahre grosse Diskussionen um die FC entstanden. „Die durch die Gestützte Kommunikation erreichten Ergebnisse stellen zahlreiche Lehrmeinungen zu Themen wie Autismus, geistiger Behinderung und Schriftspracherwerb in Frage.“ ( ebd., 11) Nach Ansicht quantitativ arbeitender ForscherInnen sind die Ergebnisse der Validierungsstudien insgesamt unbefriedigend geblieben, so dass die FC nicht als wissenschaftlich abgesicherte Methode gilt. (vgl. ebd., 49)
Ich werde im Folgenden Argumente beider Seiten aufzeigen und diskutieren.
2.1 Studienergebnisse und Forschungserkenntnisse
Bislang waren FC Vertreterinnen d er Meinung, dass der qualitative Forschungsansatz der einzig angemessene sei, um die Validität der Gestützten Kommunikation zu erläutern. Biklen ist Vertreter der „Grounded Theory“. Diese Theoriekonstruktionsmethode besagt, dass theoretische Annahmen direkt aus Alltagssituationen abgeleitet werden sollen, so dass sie sich nicht mehr durch Abgehobenheit und Realitätsferne auszeichnen, sondern durch den direkten Bezug zur empirischen Wirklichkeit. Qualitative Forschungsmethoden werden somit nicht mehr nur als Vorstufe zu quantitativen Verfahren gesehen, sondern als für die Theorieentwicklung eigenständige Methoden. (vgl. Lamnek 1993a, 111)
Der Forschungsansatz der FC-VertreterInnen ist daher vor allem die qualitative Einzelfallstudie. Die Methode der Erkenntnisgewinnung in diesem qualitativen Kontext ist die der teilnehmenden Beobachtung. Wobei der Forscher am Alltagsleben der ihn interessierenden Personen teilnimmt und dabei sein kognitiv- betrachtendes, wissenschaftliches Verstehen miteinbringt. (vgl. Biermann 1999, 27) Solche Fallstudien sind in der Literatur zur Gestützten Kommunikation weit verbreitet und zeigen durchaus positive Ergebnisse. Interessant jedoch finde ich eine Bemerkung zum Thema Verhaltensbeobachtung von Nussbeck:
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Arbeit zitieren:
lic. phil. Eliane Zürrer-Tobler, 2003, Die Validität der Gestützten Kommunikation: Inwiefern ist die Gestützte Kommunikation eine authentische und sinnvolle Methode?, München, GRIN Verlag GmbH
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