Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis 3
1. Dialekt und Emotion. Ein Beispiel. 4
2. Einleitung 5
3. Definitionen 6
3.1. Emotion 6
3.2. Dialekt 6
4. Methodik 9
4.1. Stichprobe 9
4.2. Datenerhebung mittels schriftlicher Befragung 10
4.3. Kategorien für die Erfassung des Emotionswortschatzes 11
5. Darstellung des Emotionswortschatzes 14
6. Analyse der Daten. Beschreibende Statistik. 27
6.1. Ergebnis in absoluten Zahlen 27
6.1.1. Beschreibung/Interpretation 27
6.2. Emotionsbenennung im Verhältnis zu Emotionsausdruck 28
6.2.1. Beschreibung/Interpretation 29
6.3. Emotionswortschatz im Detail 30
6.3.1. Beschreibung/Interpretation 30
6.4. Gesamte Nennungen in Prozent 32
6.4.1. Beschreibung/Interpretation 33
7. Dialekt, Umgangssprache oder Standardsprache? 34
7.1. Umgangssprachliche und dialektale Elemente in den 35
hochsprachlichen Texten
7.2. Dialekt oder Variantenvielfalt? 35
8. Zusammenfassung 38
Anhang 40
Literaturverzeichnis 46
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Abkürzungsverzeichnis
H1 - H7 hochdeutsche Sprachproben
D1 - D10 dialektale Sprachproben
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1. Dialekt und Emotion. Ein Beispiel.
Litanei der Flüche 1
panteifl saggramuzzn panhöllischnnoimelchatoifl teixl
kliantigotoifl kliantigosöxa teifarrtsverflixto teifeeel herrdimuzzn
herrgottlaudom himmlherrgottsakramentum
himmlischovooto höllischozaun höllischozwölfa höllischoteifl wonnadiastraggo
jesses
jessasna jöisorla jöisorlamein jessasmariaundjousef
kragelateifl
kruzifixn kruzitirggn
malefizzn
mariatafele madonna
oschtiamadonna
oschtiament oschtiamuggn oschtiadiakruziteifl
1 Trojer, Texte aus dem Nachlaß. S. 132.
Als Volksschulldirektor in Innervillgraten (Osttirol) ließ Trojer am 7.1.1971 die 12-14jährigen Volksschüler alle Dialektflüche aufschreiben, die sie kennen, und setzt sie zu einer „Litanei der Flüche“ zusammen. PDF created with FinePrint pdfFactory trial version http://www.fineprint.com
2. Einleitung
„Du musst darüber reden, dann geht’s Dir besser“ - Ein Satz, den wir immer wieder als gut gemeinten Rat von Freunden, Eltern, Partnern... hören. Die „Ratgeber“ sind selbsternannte „Laienpsychologen“, die davon überzeugt sind, dass man über Gefühle (eben darüber) reden sollte. Dass das nicht immer ganz einfach ist, stellen wir spätestens dann fest, wenn wir diesem Rat Folge leisten und uns im sprichwörtlichen Sinne auf die „Couch“ begeben. Wie sagt man, was man fühlt? Was hält unser Sprachrepertoire für solche Fälle bereit? Und - was uns im Rahmen dieser Arbeit besonders interessiert: Redet mann/frau im Dialekt, wenn die Emotionen hochgehen, oder bietet die Standardsprache das nötige Inventar? Wir wollen im Laufe dieser Arbeit der Frage nachspüren, ob Dialekt ein adäquates Mittel ist, um Emotionen zu benennen und auszudrücken.
Zunächst wollen wir einmal annehmen, dass der Dialekt zumindest ein adäquates sprachliches Mittel darstellt. Vielleicht ist er sogar besser dazu geeignet, über Gefühlsangelegenheiten zu sprechen? Aufgrund rein subjektiver Erfahrung (auch wir haben schon über Gefühle gesprochen - vorwiegend im Dialekt), aber auch aufgrund der Merkmale des linguistischen Begriffes „Dialekt“ (siehe Abschnitt 3), formulieren wir folgende Arbeitshypothese:
Dialekt stellt ein adäquates sprachliches Mittel dar, um Emotionen zu benennen und auszudrücken. Darüber hinaus wird in weiten Teilen Österreichs dem Dialekt der Vorzug gegeben, wenn man Gefühle nicht nur benennt, sondern sie sprachlich ausdrückt.
Ob sich diese These halten lässt, soll eine Untersuchung zeigen, die wir mit den Teilnehmern des Seminars durchgeführt haben. Zu Beginn möchten wir den Begriff „Dialekt“ näher klären und die Fachliteratur heranziehen, um unsere Hypothese zu stützen. In Abschnitt 4 geben wir dann einen Einblick in das methodische Vorgehen bei unserer Untersuchung. Im Hauptteil der Arbeit stellen wir unsere kleine Forschungsstudie vor, zeigen wie der Emotionswortschatz kategorisiert wurde und präsentieren schließlich eine beschreibende Statistik. Die
Untersuchung ist so angelegt, dass wir sowohl dialektale als auch standardsprachliche 2 Daten erhalten. Ein Vergleich sollte zeigen, welche Sprachebene wieviel leistet, wenn Emotionen unser Sprechen beeinflussen.
2 Im Laufe dieser Arbeit verwenden wir immer wieder den Begriff „Standardsprache“ anstelle von „Hochsprache“, da dieser der tatsächlichen Sprachwirklichkeit besser gerecht wird. PDF created with FinePrint pdfFactory trial version http://www.fineprint.com
3. Definitionen
3.1. Emotion
Den bereits im Seminar besprochenen Definitionen möchten wir an dieser Stelle eine Definition aus einem der Standardwerke der Allgemeinen Psychologie hinzufügen:
„Emotion: Komplexes Muster von Veränderungen, das physiologische Erregung, Gefühle, kognitive Prozesse und Verhaltensweisen einschließt, die in Reaktion auf eine
Situation auftreten, welche als persönlich bedeutsam wahrgenommen worden ist.“ 3
3.2. Dialekt 4 :
Dialekt wird einerseits als „Phänomen der deutschen Sprachwirklichkeit“ und andererseits als
„Begriff der germanistischen Linguistik“ verstanden. 5 Löffler geht zunächst der geschichtlichen Entwicklung der Begriffe „Dialekt“ und „Mundart“ nach. „Sowohl im wissenschaftssprachlichen als auch im umgangssprachlichen Gebrauch wurden jedoch bereits im 19. Jh.
beide Ausdrücke synonym verwendet.“ 6
Löffler versucht, einer Definition von „Dialekt“ bzw. „Mundart“ durch das Aufzeigen von mehreren Merkmalsbereichen (Aspekten) näher zu kommen und trifft dabei die Voraussetzung, dass „der Dialektbegriff [...] immer relational zu Nicht-Dialekt zu
bestimmen“ ist. 7 Wollen wir die Leistungsfähigkeit von Dialekt im Rahmen emotionalen Sprechens beurteilen, ist es deshalb unumgänglich, den Vergleich mit der Standard- bzw. Hochsprache anzutreten.
Mit folgenden Merkmalen versucht Löffler, den Begriff „Dialekt“ näher zu bestimmen:
a) „genetisch-historischer Aspekt“
„Dialekt ist [...] Begriff einer historisch-systematischen Gliederung einer Sprache
oder einer Sprachfamilie [...]“ 8
3 Zimbardo, Psychologie. S. 609.
4 vgl. zu diesem Abschnitt auch Löffler, Gegenstandskonstitution. S. 441 - 462.
5 Löffler, Dialekt. S. 453.
6 Löffler, Dialekt. S. 454.
7 Löffler, Dialekt. S. 454.
8 Löffler, Dialekt. S. 454.
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b) räumliche Verbreitung - geographische Lagerung (Dialektographie)
Die Dialektographie beschäftigt sich mit Fragen der Existenz von Dialekträumen und deren Grenzen, der Benennung der Sprachareale und der Außenumgrenzung und
Binnengliederung von Großdialekten. 9
c) Verwendungsebene - Benutzerschichten
Dialekt definiert sich nicht zuletzt über seine Verwendungsebene und seine Benutzer. Löffler konstatiert mehrere Kriterien von Dialekt, die sich im Laufe der
Forschungsgeschichte herauskristallisiert haben 10 : - Dialekt ist „die Sprache der ungekünstelten Natürlichkeit“ - Dialekt definiert sich über „Mündlichkeit“ („Mundart“ als Komplement zu „Schreibart“)
- Dialekt behandelt „Themen des gewöhnlichen einfachen Lebens von geringem Öffentlichkeitsgrad“
- „Dialekt ist auf momentane Spontaneität und Gesprochenheit hin angelegt“
Betrachten wir diese Merkmale von Dialekt im Hinblick auf unsere Untersuchung, dann dürfen wir annehmen, dass auch emotionales Sprechen vorwiegend im Dialekt erfolgt. Entsprechend sollten die Ergebnisse zugunsten der Dialektproben ausfallen. Ohne psychologisieren zu wollen, stellen wir fest, dass Emotionalität etwas „Natürliches“ ist, nicht vordergründig der Öffentlichkeit zugänglich ist, im mündlichen Verkehr eine wesentliche Rolle spielt und ein wichtiges „Thema des gewöhnlichen Lebens“ darstellt. Da Emotionen laut vorangehender Definition „als Reaktion auf eine Situation auftreten“, darf auch Spontaneität vorausgesetzt werden - ein weiteres Merkmal von Dialekt!
d) linguistischer Status
„Der linguistische Status des Dialekts hängt am meisten vom komplementären
System der Hochsprache [...] ab.“ 11 Je größer die Distanz zur „Übersprache“, desto eher kann von Dialekt gesprochen werden. „Im Extremfall ist Dialekt ein eigenes Sprachsystem mit eigener, insbesondere phonologischer Struktur, mit eigenen morphologischen Systemen (Flexion) oder zumindest exklusiver Besetzung der
9 vgl. Löffler, Dialekt. S. 454f.
10 Löffler, Dialekt. S. 455.
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Strukturen (im Wortbildungsbereich) und eigenen Restriktionen im Syntaxbereich und einer teilweise umfassenden lexikalischen Sonderausstattung mit nur geringer
Gemeinsamkeit im sogenannten Funktions- oder Basiswortschatz.“ 12
In den von uns untersuchten Dialektproben müssten wir demzufolge beim Erfassen des Emotionswortschatzes lexikalische Sonderausstattung vorfinden, die sich mit Hilfe diverser Dialekt-(Mundart-)Wörterbücher nachweisen lässt.
e) kommunikative Leistungsfähigkeit
Die kommunikative Leistungsfähigkeit des Dialekts im Rahmen von emotionalem Sprechen zu beweisen oder zu widerlegen, sollte das Ziel dieser Arbeit sein.
Löffler trifft eine wesentliche Unterscheidung. Die kommunikative Leistungsfähigkeit des Dialekts ist abhängig vom „Ausbau der einzelnen sprachlichen Ebenen“. Ausbau meint demnach die linguistische Ausstattung einer Sprachebene. Im besten Fall ist Dialekt ein vollausgebautes System mit der gleichen kommunikativen Leistungsfähigkeit wie die Einheitssprache. Bei hohem Verbreitungsgrad und gehobenem Sozialprestige kann Dialekt der Einheitssprache sogar überlegen sein. Ein Dialekt mit defizitärer linguistischer Ausstattung muss Lücken durch hochsprachliche Elemente komplettieren und gilt demnach als „kommunikativ restringierter Sprechcode“. Der linguistische „Ausstattungsgrad“ ist abhängig von pragmatischem Status, Größe des Benutzerkreises und der Häufigkeit
der Verwendung. 13
Die Probanden unserer Untersuchung stammen zum größten Teil aus Gebieten Tirols. Sowohl Benutzerkreis, pragmatischer Status und Häufigkeit der Verwendung lassen auf ein vollausgebautes Dialektsystem schließen, da der Dialekt in Tirol zudem über ein hohes Sozialprestige verfügt. Die volle kommunikative Leistungsfähigkeit müsste sich also in der Untersuchung bestätigen.
f) subjektive Einschätzung
Eine interessante Feststellung Löfflers ist der Aspekt der subjektiven Definition von Dialekt. Neben objektiv feststellbaren Merkmalen spielt es eine Rolle, ob Sprache
11 Löffler, Dialekt. S. 455.
12 Löffler, Dialekt. S. 455.
13 vgl. Löffler, Dialekt. S. 456.
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und was daran als Dialekt zu gelten hat. Die subjektive Einschätzung drückt eine
soziale Wertschätzung des Dialekts aus. 14 Vielleicht kann dieser Punkt erklären, warum es der Forschung so schwer fällt, eine eindeutige Definition von Dialekt zu liefern.
Die genannten Merkmalsbereiche erlauben zwar keine allgemeine Definition des Begriffes „Dialekt“ - dennoch fügt Löffler seinen Ausführungen eine Definition an:
„Mundart ist stets eine der Schriftsprache vorangehende, örtlich gebundene, auf mündliche Realisierung bedachte und vor allem die natürlichen alltäglichen Lebensbereiche einbeziehende Redeweise, die nach eigenen, im Verlauf der Geschichte durch nachbar-mundartliche und hochsprachliche Einflüsse entwickelten Sprachnormen von einem großen heimatgebundenen Personenkreis in bestimmten
Sprechsituationen gesprochen wird.“ 15
4. Methodik
- Auswahl der Stichprobe
- Erhebung der Sprachdaten mittels schriftlicher Befragung - Transkription der handschriftlichen Sprachproben - Datenanalyse mit Hilfe eines Kategorienschemas - Beschreibung bzw. Interpretation
4.1. Stichprobe
Die für unsere Untersuchung gewählte Stichprobe umfasst die Teilnehmer des Seminars „Sprache und Emotion“, abgehalten im WS 1997/98. Streng statistisch gesehen, ist die Stichprobe nicht relevant (keine Zufallsstichprobe!). Da zum Zeitpunkt der Erhebung einige Seminarteilnehmer fehlten, war auch keine Vollerhebung für die Gruppe möglich. Die Stichprobe setzt sich aus Probanden unterschiedlicher Herkunftsorte, unterschiedlichen Alters und unterschiedlichen Geschlechts zusammen. Homogen zeigt sich die Gruppe insofern, als es sich nur um Studenten handelt.
Aufgrund dieser Tatsachen, kann eine Analyse des Datenmaterials nur Aufschluss über die Sprachgewohnheiten dieser Versuchsgruppe geben. Rückschlüsse auf eine vielschichtigere Sprachgemeinschaft, wie sie uns in der Realität begegnet, sind nicht möglich.
14 vgl. Löffler, Dialekt. S. 456
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Was kann die Untersuchung dennoch leisten:
Eine beurteilende Statistik ist aufgrund der fehlenden Voraussetzungen nicht möglich. Möglich ist jedoch eine beschreibende Statistik, die vielleicht Tendenzen erkennen lässt, die in einer statistisch relevanten Untersuchung geprüft werden könnten.
4.2. Datenerhebung mittels schriftlicher Befragung
Da Dialekt laut vorangehender Definition (vgl. Abschnitt 3.2.) vorwiegend dem mündlichen Gebrauch vorbehalten ist, bieten sich für eine Datenerhebung Methoden der Gesprächslinguistik an:
Um für unsere Untersuchung relevante Daten zu erhalten, war es notwendig, bestimmte Äußerungen zu provozieren. Ein standardisierter Text sollte den „Stimulus“ für die sprachlichen Reaktionen der Probanden bilden. Diese Methode des „elicting“ wird in der Gesprächslinguistik angewendet, damit „[...] Informanten gezielt zur Produktion von
Äußerungen angeregt werden." 16
Textvorlage für die Befragung:
Stelle dir bitte folgende Situation vor:
Du hast ein Seminar besucht. Die schriftliche Arbeit musste zu einem bestimmten Termin abgegeben werden. Dabei war die Zeit relativ kurz bemessen. Nach Ablauf der Frist aber wäre die Arbeit vom Professor / von der Professorin nicht mehr angenommen worden. Das war sehr stressig für dich. Du hast dich also sehr bemüht und konntest die Seminararbeit gerade noch rechtzeitig abliefern. - Nun sind schon zwei Monate ins Land gezogen. Du brauchst dringend das Zeugnis. Doch der / die Prof. lässt nichts von sich hören. Die einzige Antwort, die du auf deine Nachfragen erhältst, lautet: „Bald!“ - und das schon seit knapp einem Monat.- Einem Studienkollegen erzählst du, was du jetzt fühlst.
Die Teilnehmer des Seminars wurden dann von uns aufgefordert, schriftlich Stellung zu nehmen. Zwei Gruppen wurden gebildet: Die Versuchspersonen der ersten Gruppe sollten hochsprachlich antworten, die der zweiten Gruppe in ihrem jeweiligen Dialekt. Die Gruppen wurden von uns so eingeteilt, dass acht Personen hochsprachlich und neun Personen im Dialekt antworten sollten. Da die Seminarteilnehmer unseren Anweisungen leider nicht so genau Folge geleistet haben, hat sich letztlich eine Ungleichverteilung ergeben (Hochsprache: 7 Personen, Dialekt: 10 Personen).
15 Sowinski, zit. nach Löffler, Dialekt. S. 457
16 Brinker / Sager, Linguistische Gesprächsanalyse. S. 13.
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Jürgen Eichhoff weist auf die Problematik der schriftlichen Befragung hin, vor allem da „die Aufzeichnung [...] mit Hilfe des gewöhnlichen Alphabets in ‚Laienschreibung‘ erfolgen“
muss. 17 Da es in unserer Untersuchung aber vorrangig um eine Wortschatzuntersuchung geht, kann eine schriftliche Erhebung „brauchbare“ Daten liefern. 18 Außerdem dürfen wir davon ausgehen, „[...] daß die Antwort in der großen Mehrzahl der Fälle der sprachlichen Norm entspricht, die in der Kommunikationsgemeinschaft, der der Sprecher angehört, anerkannt
ist.“ 19
Eine Einschränkung muss jedoch auch hier gelten: Der vorgelesene Text zielt auf ganz bestimmte Emotionen ab. Die Situation, die sich die Seminarteilnehmer vorstellen sollten, ruft Ärger, Wut, Zorn - kurz: Unmutsgefühle - hervor. Der Gefühlswortschatz, den wir aus diesen Sprachzeugnissen erhalten, ist also jener der Gefühle Ärger, Wut, Zorn... Alle Aussagen und Ergebnisse, die aus dem Datenmaterial gewonnen werden, können sich somit nur auf die sprachliche Darstellung dieser Gefühle beziehen. Wieweit die Ergebnisse im Hinblick auf emotionales Sprechen im Allgemeinen gedeutet werden können, lässt sich von uns hier nicht festgestellen.
4.3. Kategorien für die Erfassung des Emotionswortschatzes
Um den Emotionswortschatz unserer Textproben zu erfassen und auswerten zu können, ist es nötig, ein Schema zu entwickeln, das möglichst alle sprachlichen Elemente erfasst, die Emotionen benennen oder ausdrücken. Wir halten uns dabei an die im Seminar besprochenen Autoren und lehnen uns im Besonderen an Fritz Hermanns an. Dem Trend folgend, dass bei
allen im Seminar behandelten Autoren 20 zwischen „Emotion bezeichnenden“ (Péter), „nichtegologischen“ (Jäger/Plum), „beschreibenden“ (Hermanns), „Emotion thematisierenden“ (Fiehler) Wörtern einerseits und „Emotion ausdrückenden“ Wörtern und Wendungen
17 Eichhoff, Erhebung von Sprachdaten. S. 550.
18 vgl. Eichhoff, Erhebung von Sprachdaten. S. 550.
19 Wiegand/Harras, zit. nach Eichhoff, Erhebung von Sprachdaten. S. 553.
20 Fiehler, Reinhard: Kommunikation und Emotion. Theoretische und empirische Untersuchungen zur Rolle von Emotionen in der verbalen Interaktion. Berlin - New York 1990. (= Grundlagen der Kommunikation und Kognition)
Hermanns, Fritz: Kognition, Emotion, Intention. Dimensionen lexikalischer Semantik. In: Gisela Harras (Hrsg.): Die Ordnung der Wörter. Kognitive und lexikalische Strukturen. Berlin - New York 1995. (= Institut für deutsche Sprache; Jahrbuch 1993). S. 138 - 178.
Jäger, Ludwig / Plum, Sabine: Historisches Wörterbuch des deutschen Gefühlswortschatzes. Theoretische und methodische Probleme. In: Jäger, Ludwig (Hrsg.): Zur historischen Semantik des deutschen Gefühlswortschatzes. Aspekte, Probleme und Beispiele seiner lexikographischen Erfassung. Aachen 1988. S. 5 - 55.
Péter, Mihály: Das Problem des sprachlichen Gefühlsausdrucks in besonderem Hinblick auf das Bühlersche Organon-Modell. In: Eschbach, Achim (Hrsg.): Bühler-Studien. Bd. 1. Frankfurt a.M 1984 (= stw 481). S. 239 -260.
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andererseits unterschieden wird, nehmen wir zunächst die zwei Pole Emotionsbenennungen und Empfindungswörter in unser Kategorienschema auf. Da sich die von Hermanns getroffene Einteilung sehr gut eignet, Wörter und Wendungen in Texten (also nicht im Gespräch) zu erfassen, übernehmen wir im Wesentlichen seine Kategorien:
a) Emotionsbenennungen
In dieser Kategorie spricht Hermanns von „quasi-psychologischen Vokabeln“. 21 Gemeint sind Vokabeln, die der vordergründig deskriptiven Benennung von Gefühlen dienen. Hermanns zieht den Vergleich der „Diagnose“ heran. „Peter ist verliebt, das unterscheidet sich, was
seine Expressivität betrifft, wohl kaum von Peter ist erkältet.“ 22 Unter die Kategorie „quasipsychologische Vokabel“ fallen für Hermanns vor allem Wendungen/Sätze, die sich dadurch auszeichnen, „[...] daß im Bühlerschen Modell die Positionen für den Sprecher und die Gegenstände/Sachverhalte gleich besetzt sind; daß der Sprecher selber Gegenstand der
eigenen Rede ist, so wie beim du der Hörer.“ 23 Ein Beispiel dafür wäre der Satz Ich ärgere mich.
Während Hermanns das Verb im Satz Das ärgert mich in die Kategorie „affektive Verben“ einordnen würde, ist dieser Satz auch ein Beispiel für eine „Emotionsbenennung“. Obwohl Hermanns den „quasi-psychologischen Vokabeln“ sekundär die Rolle des Ausdrückens von Gefühlen zuerkennt, ordnet er dennoch Gefühlswörter, die in ihrer besonderen Art eine affektive Haltung ausdrücken, den Kategorien „affektive Adjektive“, „affektive Verben“ usw.
zu. 24 Dadurch wird eine Einteilung für die Datenanalyse sehr schwierig, weil häufig mehrere Zuordnungen möglich wären. Deshalb haben wir immer dann, wenn ein Gefühl benannt wird - egal ob in Form eines Verbs, Adjektivs oder Substantivs - die Kategorie „Emotionsbenennungen“ herangezogen. Dass es sich hier nicht immer um rein deskriptive Emotionsbenennung handelt, zeigen die Beispiele in Abschnitt 5.
b) Empfindungswörter
Den Gefühlswortschatz, der primär dem Ausdruck von Gefühlen dient, ordnen wir der Kategorie „Empfindungswörter“ zu. Hermanns nennt unter „Empfindungswörter“ zunächst die „Schimpf-und Kosenamen“ und „Partikeln“. Für alle weiteren expressiven Vokabeln bildet er eigene Kategorien wie „affektive Adjektive“, „kausative Adjektive“, „affektive Substantive“ (worunter wieder die Schimpf- und Kosenamen fallen) und „affektive
21 Hermanns, Kognition. S. 144.
22 Hermanns, Kognition. S. 145.
23 Hermanns, Kognition. S. 145.
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Verben“. 25 In unserem Raster gliedern wir die Kategorie „Empfindungswörter“ weiter auf und fassen darunter „Schimpfnamen“, „affektive Adjektive“, „affektive Verben“ „emotionalexpressive Partikeln und Interjektionen“ zusammen. Der Zusatz „affektiv“ meint, dass diese Wörter Emotionen ausdrücken, indem sie dem Schema „x bewirkt, dass ich die und die
Gefühle habe“ folgen. 26
Auf eine Unterscheidung zwischen „affektiven Adjektiven“ und „kausativen Adjektiven“ 27 verzichten wir. Unter „kausativen Adjektiven“ versteht Hermanns Partizipien oder partizip-
ähnliche Adjektive, die jedoch letztlich ebenso „affektive Adjektive“ sind. 28
Da es sich bei den von Hermanns erwähnten Partikeln eigentlich um Interjektionen handelt, haben wir diese Kategorie „emotional-expressive Partikeln und Interjektionen“ genannt. Gemeint sind Wörter wie „ach“, „pfui“, „au“, die „[...] non-verbal und para-sprachlich
eingebunden sind in eine ganzheitliche Zeigehandlung.“ 29 Die Wörter selbst sind im Rahmen einer Sprachhandlung betrachtet Ausdruck einer Emotion. Belege dafür finden sich auch in der Grammatik: „Die Interjektionen können nach dem subjektiven Kriterium der von ihnen
ausgedrückten Gefühlswerte (Freude, Schmerz, Zweifel usw.) eingeteilt werden.“ 30
c) Affektive Redewendungen und Formeln
Emotionales Sprechen geschieht nicht nur durch die Verwendung bestimmter Vokabeln. Oft sind es ganze Phrasen, Redewendungen bzw. formelhafte Wendungen, die dem Ausdruck von Gefühlen dienen. Einer über bloße Wörter hinausreichenden Erfassung des Emotionswort-
schatzes wird vor allem Reinhard Fiehler gerecht. 31 Auch wir haben in unserem Textmaterial mehrfach Redewendungen und formelhafte Wendungen gefunden, die ein Gefühl ausdrücken. Deshalb erweitern wir die Einteilung von Hermanns um die Kategorie „Affektive Redewendungen/Formeln“. Den Zusatz „affektiv“ wählen wir auch hier, weil ebenso in Redewendungen und Formeln der affektive Aspekt zum Tragen kommt.
24 vgl. Hermanns, Kognition. S. 147ff.
25 vgl. Hermanns, Kognition. S. 145ff.
26 vgl. Ortner, Lorelies, Thesenblatt / Exzerpt zur Seminarliteratur.
27 vgl. Hermanns, Kognition. S.147ff.
28 vgl. Hermanns, Kognition. S. 149f.
29 Hermanns, Kognition. S. 147.
30 Helbig / Buscha, Deutsche Grammatik. S. 530.
31 vgl. Fiehler, Kommunikation und Emotion. S. 120ff.
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d) Affektive Sprechakte
Bei Durchsicht des Datenmaterials entdeckten wir, dass immer wieder Sprechakte Auskunft über die Gefühlslage des Sprechers geben. Im Besonderen sind dies in unseren Beispielen Drohungen und Aufforderungen. Wenn der Sprecher in Beispiel H3,Nr.7 die Drohung Morgen werde ich ihn mir vorknöpfen ausspricht, dann drückt er damit unmissverständlich Ärger aus.
Das gesamte Kategorienschema, mit dem wir versuchen, den Emotionswortschatz zu erfassen, sieht also folgendermaßen aus:
Emotionsbenennungen
Empfindungswörter
Affektive Redewendungen/Formeln
Affektive Sprechakte
5. Darstellung des Emotionswortschatzes
Nach Transkription der handschriftlichen Sprachproben 32 haben wir im Folgenden alle Wörter und Wendungen, die emotionalem Sprechen zuzuordnen sind, herausgesucht und in unser Kategorienschema eingeordnet. Um auch etwaige Zweifelsfälle und Entscheidungen bei der Zuordnung dokumentieren zu können, ist in manchen Fällen der Tabelle ein Kommentar angefügt. Insgesamt wurden 10 Dialektproben und 7 hochsprachliche Sprachdokumente untersucht:
32 Transkription siehe im Anhang dieser Arbeit.
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Dialektprobe 1
Kommentar: goht mi der ah, des goht mi ah
Dialektprobe 2
33 In Anlehnung an die Einteilung semantischer Funktionen bei Helbig / Buscha, Deutsche Grammatik. S. 561.
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Dialektprobe 3
34 „Er aber, sag’s ihm, er kann mich im Arsch lecken“ wird oft nur als „---„ wiedergegeben. vgl. John, Reclams Zitaten Lexikon. S. 32.
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Dialektprobe 4
Kommentar: No, wasch was!
Diese gesamte Stichprobe lässt sich in unserem Kategorienschema schwer fassen, ist aber für den Leser als
Ganzes sehr emotional. In diesem Falle wäre eine Kategorisierung nach Fiehler ergiebiger. 35
35 Zur Beschreibung dieser Textprobe wäre die Kategorie „Benennung und Beschreibung erlebnisrelevanter Ereignisse und Sachverhalte“ sehr brauchbar. - Fiehler, Kommunikation und Emotion. S. 124f. PDF created with FinePrint pdfFactory trial version http://www.fineprint.com
Dialektprobe 6
Kommentar: nix
Im Text wird nix durch keinerlei Satzzeichen von der Frage und was isch abgetrennt. Dennoch werten wir den ersten Satzteil als rhetorische Frage, auf die mit dem Indefinitpronomen nix geantwortet wird. Als ganzheitliche Sprach- und Zeigehandlung vorgestellt, liegt im Wort nix semantisch weit mehr als „nichts“. Dialektprobe 7
Die Verben stressen und außenschliefn folgen hier zwar in ihrer grammatischen Funktion nicht der Formel „X bewirkt, dass ich die und die Gefühle habe“, in seiner semantischen Funktion erfüllt aber der ganze Satz diese Formel.
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6. Analyse der Daten. Beschreibende Statistik.
6.1. Ergebnis in absoluten Zahlen
6.1.1. Beschreibung/Interpretation
Durch die ungleiche Personenzahl in den beiden Gruppen ist ein Ergebnis in absoluten Zahlen leider nicht sehr aussagekräftig. Das Zählen der Wörter und Wendungen hat jedoch den Sinn, dass eine erste quantitative Aussage (ungeachtet der Unterteilung in Dialekt und Standardsprache) getroffen werden kann: 96 Wörter oder Wendungen wurden in den 17 kurzen Sprachproben verwendet, um Emotionen zu benennen oder auszudrücken. Bei einer
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Gesamtanzahl von 772 verwendeten Wörtern 36 sind das 12,4% des Wortschatzes, der in erster Linie dem Ausdruck und der Benennenung von Emotionen dient.
Bereits bei dieser ersten Zählung zeigt sich das extreme Ungleichverhältnis zwischen Emotionsbenennungen (6) und Emotionsausdruck (90). Auch unsere Untersuchung bestätigt somit, was wir bereits im Seminar bemerkt haben: Sprecher vermitteln Emotionalität nicht in erster Linie dadurch, dass sie Gefühle mit den entsprechenden Gefühlswörtern benennen, sondern sie bedienen sich anderer Wörter, Wendungen, grammatikalischer Mittel usw., um Emotion auszudrücken.
6.2. Emotionsbenennung im Verhältnis zu Emotionsausdruck
Angaben in Prozent: Da die Anzahl der Probanden in beiden Gruppen nicht gleichmäßig verteilt war, mussten die absoluten Zahlen in Prozentsätze umgerechnet werden, um eine Aussage zu ermöglichen.
36 laut Computerzählung mit Microsoft Word
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6.2.1. Beschreibung/Interpretation
Auf den ersten Blick zeigen sich keine signifikanten Unterschiede zwischen Dialekt und Hochsprache.Wie bereits bei der Darstellung in absoluten Zahlen, sehen wir auch in der differenzierteren grafischen Darstellung, dass emotional expressive Wörter und Wendungen (=Emotionsausdruck) bei weitem überwiegen. Der Emotionsausdruck wird sowohl im Dialekt als auch in der Hochsprache in nahezu gleichem Verhältnis den eher deskriptiven Emotionsbenennungen vorgezogen: 93,1% : 6,9% - Dialekt; 94,7% : 5,3% - Hochsprache. Die Sprachgewohnheiten der Versuchsgruppen bestätigen also, dass indirekte Möglichkeiten der Sprache genutzt werden, um ein Gefühl nicht nur zu benennen, sondern im wahrsten Sinne des Wortes zum Ausdruck zu bringen.
Deutet man den Unterschied von 1,6 Prozentpunkten zwischen Dialekt und Hochsprache in der Kategorie Emotionsbenennung dennoch als relevant, so verwundert, dass es nicht die Hochsprache ist, die vermehrt zu Emotionsbenennungen tendiert. Umgekehrt hätten wir erwartet, dass es im Dialekt wesentlich weitreichendere Möglichkeiten des Emotionsausdrucks gibt (vgl. Arbeitshypothese in Abschnitt 2).
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6.3. Emotionswortschatz im Detail
Angaben in Prozent
6.3.1. Beschreibung/Interpretation
Ranking:
Hochsprache Dialekt
1. Redewendungen / Formeln (34,2%)
2. Schimpfnamen (15,8%) 3. Drohungen (13,2%) 4. affektive Verben (10,5%) affektive Adjektive (10,5%)
5. Partikeln und Interjektionen (7,9%) 6. Emotionsbenennungen (5,3%)
7. Aufforderungen (2,6%)
Besondere Aufmerksamkeit erregen die Kategorien „Redewendungen / Formeln“ und „Partikeln und Interjektionen“: Bei den Probanden der „Gruppe Hochdeutsch“ liegen die Redewendungen und Formeln auf Platz 1 der „Beliebtheitsskala“. Bereits weit abgeschlagen
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die nächste Kategorie: Schimpfnamen wurden nur halb so oft verwendet, um Emotionen auszudrücken. Eine mögliche Erklärung für die zahlreiche Verwendung von Redewendungen wäre, dass die Hochsprache nicht auf eine spezielle lexikalische Sonderausstattung zurückgreifen kann und sich deshalb einer Redewendung oder Formel bedient. Wo die Hochsprache eine gesamte Redewendung braucht, ist es im Dialekt z.B. möglich, stattdessen eine Interjektion zu verwenden. Bsp. H7,Nr.3: Das ist doch eine Sauerei! - Bsp. D7,Nr.3 u. 4: Die Flüche Modei und dio drücken in etwa dasselbe aus. Redewendungen werden in einschlägigen Wörterbüchern auch häufig mit dem Zusatz „umgangssprachlich“ versehen. Damit wären sie ein Mittel, auf „legitime“ Weise in einem hochsprachlichen Text von der Standardsprache etwas abzuweichen.
Wir haben die Redewendungen und Formeln der Sprachproben im Lexikon der Redensarten nachgeschlagen, konnten jedoch nur für zwei davon Belege finden.
Erst macht er große Sprüche...(H6,Nr.2) LRed S. 568: „Sprüche machen/klopfen (umg.) prahlerisch daherreden (Angeberei)“
Das Ranking der Gruppe der Dialektsprecher fällt nicht so eindeutig zugunsten einer einzigen Kategorie aus: Partikeln und Interjektionen führen zwar klar mit 25,9 %, aber auch die Redewendungen/Formeln und affektiven Verben sind recht stark vertreten. Es verwundert jedoch nicht, dass in den Dialektproben zahlreiche Interjektionen und Partikel zu finden sind. Der Grund dafür liegt wohl in der vorwiegenden Mündlichkeit des Dialekts. Partikel und Interjektionen spielen eine wichtige Rolle im Gespräch und übernehmen vielfältige
Funktionen, von der Gesprächsgliederung bis zum Hörersignal. 37 Die Kategorie der Partikel und Interjektionen wurde u.a. „[...] vor allem innerhalb der Forschungen zur gesprochenen
Sprache er- und bearbeitet.“ 38 Dass in den hochsprachlichen Texten weit weniger Partikel und Interjektionen verwendet wurden (mit 7,9% weit abgeschlagen auf dem 5. Platz der Rankingskala), scheint dies zu bestätigen.
Ein weiterer signifikanter Punkt der oben dargestellten Skala ist, dass in den Dialektproben keine Aufforderungen vorkommen. Das liegt möglicherweise daran, dass die Stichprobe so
37 vgl. Henne / Rehbock, Einführung in die Gesprächsanalyse. S. 294ff.
38 Henne / Rehbock, Einführung in die Gesprächsanalyse. S. 296.
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klein ist. Nimmt man jedoch die Kategorie der Drohungen hinzu, dann könnte man durchaus glauben, dass affektive Sprechakte eine Besonderheit der Hochsprache sind, und im Dialekt nur in geringerem Maße auftreten.
Es mag auch den einen oder anderen verwundern, dass die Hochsprache in der Nennung von Schimpfnamen überlegen ist. Vielleicht ist auch hier die kleine Stichprobe der Grund, die mangelnde Kreativität der Dialektsprecher oder eine gewisse Scheu, derbe Ausdrücke auf der Uni zu verwenden?
Erwartungsgemäß befinden sich die Emotionsbenennungen sowohl in der Dialekt- als auch in der Hochsprache-Gruppe am hinteren Ende der Skala. (vgl. Abschnitt 5.1. und 5.2.)
6.4. Gesamte Nennungen in Prozent
Das folgende Diagramm trifft keine Unterscheidung mehr zwischen Dialekt und Hochsprache und ist aufgrund der kleinen Stichprobe damit wahrscheinlich die aussagekräftigste. Zudem gibt die Grafik am ehesten die natürliche Sprachlandschaft in Österreich wieder, wo Hochsprache, Umgangssprache, Dialekt und diverse Varianten nebeneinander existieren. „Sprachliche Variation als Wechsel zwischen verschiedenen Ebenen, Schichten oder Stilen ist nach der moderneren Sprachauffassung eine ‚normale‘ Eigenschaft voll entwickelter Sprache,
die keineswegs mehr als homogen im strukturalistischen Sinne angesehen werden.“ 39
39 Rein, Bestimmende Faktoren. S.1449.
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6.4.1. Beschreibung/Interpretation
Die Gruppe der Redewendungen/Formeln (26%) und Partikeln/Interjektionen (19%) macht den Löwenanteil der gesamten Nennungen aus. Man könnte das Ergebnis dahingehend interpretieren, dass hier die wesentlichsten Instrumente unserer Sprache zu finden sind, um den Gefühlen sprachlichen Ausdruck zu verleihen. Aufgrund der vorangehenden Grafiken ist wahrscheinlich, dass die Hochsprache für den guten Durchschnitt der Redewendungen und Formeln und der Dialekt für die Kategorie Partikeln und Interjektionen verantwortlich ist. Nimmt man die Kategorien des affektiven Vokabulars zusammen - also jene, die der Formel „X bewirkt, dass ich die und die Gefühle habe“ folgen (affektive Verben/Adjektive, Schimpfwörter) - so ergeben sich noch einmal 39% der gesamten sprachlichen Möglichkeiten. Weit abgeschlagen dagegen die Emotionsbenennungen mit lediglich 6%, was ja bereits Grafik 1 zeigte.
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7. Dialekt, Umgangssprache oder Standardsprache?
„In Österreich herrschen wie in Süddeutschland kontinuierliche Übergänge zwischen Dialekt und Standardsprache. So bestimmen nicht nur die dialektalen Artikulations- und Informationsgewohnheiten weitgehend die Standardsprache, sondern können je nach
Situation, Partner oder Gesprächsklima durchaus auch Dialektismen in die Rede einfließen.“ 40 Für Wiesinger mutet daher im Gegensatz zu der in Norddeutschland üblichen strikten „[...] Trennung von Dialekt auf der einen und Standardsprache auf der anderen Seite [...] der durchschnittliche österreichische Gebrauch der Standardsprache eher als deutlich dialektal
gefärbte Umgangssprache an.“ 41 Kurt Rein stellt die Abstufung des Deutschen in einem fünstufigen Modell dar (bezieht sich auf die süd- und westdeutschen Ausprägungen):
„A Reiner Dialekt, wie er hier am Ort gesprochen wird
B Abgeschwächter Dialekt, wie er für die ganze Gegend hier typisch ist (überörtlich) C Mundartlich gefärbte Umgangssprache (wie man sie besonders auch in Städten spricht) D Hochdeutsch mit Dialektanklang, der merken läßt, aus welcher Landschaft man kommt
E Reines dialektfreies Hochdeutsch“ 42
Kurt Rein versucht, die bestimmenden Faktoren für die Variantenwahl zu ermitteln. In seiner tabellarischen Zusammenfassung stellt er fest: Bezüglich des Gesprächsgegenstandes neigt der Sprecher eher zum Dialekt, wenn es sich um ein konkretes, alltägliches Thema handelt, die Sachstruktur einfach und unkompliziert ist und die Darstellungsweise subjektiv, unterhal-
tend und expressiv ist. 43 Diese Merkmale treffen auf den von uns untersuchten Gesprächs-gegenstand zu. Und wie erwartet, finden sich in den hochsprachlichen Textproben umgangssprachliche und dialektale Wörter und Wendungen. Andererseits bedienen sich auch unsere Dialektsprecher mehrerer Varianten.
In einschlägigen Wörterbüchern und Lexika finden sich die Belege für das „Code-Switching“ in den Sprachproben. Im Folgenden möchten wir eine Liste der nennenswerten Einträge präsentieren.
40 Wiesinger, Standardsprache und Mundarten. S. 219.
41 Wiesinger, Standardsprache und Mundarten. S. 219
42 Rein, Bestimmende Faktoren. S. 1446.
43 vgl. Rein, Bestimmende Faktoren. S. 1452.
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7.1. Umgangssprachliche und dialektale Elemente in den hochsprachlichen Texten
he (H5Nr.4; LdU S. 1227) „He oder hä sagen alte, schwerhörige Leute, wenn sie nicht verstanden haben, was der andere gesagt hat.“
Unserer Meinung nach heute vor allem im übertragenen Sinne als Ausruf der Entrüstung gebraucht mit der Intention „das kann ich nicht glauben“.
Depp (H5,Nr.1; LdU S. 581) „1. dummer, einfältiger Mensch“.
Depp oder Tepp scheint uns ein Schimpfname zu sein, der in allen Sprachebenen präsent ist.
Trottel, Volltrottel (H5Nr.2; D10,Nr.1; LdU S. 2904) „1. schwachsinniger, einfältiger Mensch [...]“ An diesem Beispiel sehen wir, dass der als umgangssprachlich deklarierte Schimpfnamen sowohl in der standardsprachlichen als auch der dialekalen Textprobe verwendet wird.
fauler Sack (H6,Nr.1; LdU S. 2374) „6. Nichtskönner, Schwächling. Entweder übertragen von der Vorstellung des schlechtgefüllten Sacks oder des schlaffen Hodensacks (im Sinne von Impotenz)“ „20. fauler ~ = träger Mensch“ Stilwert: vulgär
zappeln lassen (H7,Nr.2; LdU S. 3146) „jn in Ungewißheit halten; jn in peinlicher Lage hinhalten. [...]“
Die lexikalische Ausstattung der Hochsprache scheint in Alltagssituationen nicht immer ausreichend zu sein, um auch Emotionen wie Zorn, Wut, Ärger adäquat auszudrücken. Wie die oben angeführten Beispiele zeigen, wird im Bedarfsfalle die Umgangssprache herangezogen. Und wie ergiebig das lexikalische Inventar des Dialekts sein kann, haben wir ja bereits an der „Flüchelitanei“ am Beginn dieser Arbeit demonstriert.
7.2. Dialekt oder Variantenvielfalt?
Bei unseren dialektalen Textproben stellt sich zunächst die Frage, ob es sich überhaupt um „reinen Dialekt“ handelt, bzw. ob es ein vollständiges dialektales System überhaupt gibt.
Nimmt man so wie Löffler eine „Vermessung der Sprachrealität“ 44 vor, so „[...] bekommt Dialekt wieder einen einfachen Platz am Ende der Skala, als echte, nur noch vereinzelt von wenigen Sprechern am Ort gesprochene Sprache. Alles andere noch Dialektgefärbte oder hochsprachlich Durchsetzte ist dann Zwischenstufe und fällt nicht mehr unter diesen
Dialektbegriff.“ 45 Daher verwundert es auch nicht, wenn in unseren Dialektproben neben der lexikalischen Sonderausstattung der einzelnen Dialekte auch umgangssprachliche Elemente vorkommen. Auch hier sollen Beispiele zeigen, wie die Wörter und Wendungen emotionalen
44 Löffler, Gegenstandskonstitution. S. 458. Die Sprachrealität ergibt eine vielstellige Skala, die mit Zwischenstufen von Mundart über Umgangssprache bis hin zur Hochsprache reicht.
45 Löffler, Gegenstandskonstitution. S. 458
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Sprechens in Wörterbüchern kategorisiert sind, ob sie als lexikalische Sonderausstattung in Dialektwörterbüchern oder als umgangssprachliche Formen in Wörterbüchern deutscher Umgangssprache zu finden sind:
Beispiele aus der Kategorie „Schimpfnamen“:
Oarsch (D5,Nr.1; in D3 nur mit „...“ als „Götzzitat“ ausgeführt)
Halodri (D9,Nr.1) LdU S. 1155: „Hal’lodri (Hal’lotri) leichtfertiger, leichtlebiger,
(Voll)trottel (D10,Nr.1; H5,Nr.2) siehe Beispiele von umgangssprachlichen und dialektalen Elementen in hochsprachlichen Sprachproben (Abschnitt 6.1.)
Beispiele aus der Kategorie „affektive Adjektive“:
geschissene (Arsch) (D3,Nr.2) LdU S. 1054: „geschissen 1. sehr schlecht. Analog zu
Scheiß-Zeugnis (D5,Nr.2) LdU S. 2446: „Scheiß- (scheiß-) mit nachfolgendem Substantiv
verdammte (Zaignis) (D9,Nr.2) LdU S. 2964: „verdammt II verwünscht, höchst
Beispiele aus der Kategorie „affektive Verben“:
gschleint (D8,Nr.2) WTir S. 532: „schlainεn eilen“ Vgl. „hetzen“
I hetz, hetzt dr mi (D6,Nr.1; D2,Nr.1) Umgangssprachlich nur als Substantiv ausgewiesen:
pressiera (D1,Nr.5) Umgangssprachlich „pressieren eilen; eilig sein.“ (LdU S. 2207)
Beispiele aus der Kategorie „emotional expressive Partikeln und Interjektionen“:
Mensch! (D9,Nr.4) WTir. S. 423: „Ausruf mensch. o main mentsch, mentsch tü Mensch du! Ruf der Überraschung, Ablehnung.“
Woasch (D8,Nr.4) WTir. S. 683: „woascht, woasch du weißt, als Fügewort, beteuernd“
8. Zusammenfassung
Nocheinmal die Arbeitshypothese, von der wir ausgegangen sind:
Dialekt stellt ein adäquates sprachliches Mittel dar, um Emotionen zu benennen und auszudrücken. Darüber hinaus wird in weiten Teilen Österreichs dem Dialekt der Vorzug gegeben, wenn man Gefühle nicht nur benennt, sondern sie sprachlich ausdrückt.
Den ersten Teil dieser Arbeitshypothese konnten wir in unserer Untersuchung belegen. Bei der Analyse der Daten zeigte sich, dass der Dialekt der Hochsprache auf jeden Fall ebenbürtig ist, wenn es um emotionales Sprechen geht (vgl. Abschnitt 6). Auch wenn die Verteilung der verwendeten sprachlichen Mittel variiert, gelingt es doch in beiden Sprachebenen, in etwa das gleiche semantische Ergebnis zu erzielen.
Nicht bestätigt hat sich hingegen die Hypothese, dass der Dialekt die leistungsstärkere expressive Sprachvariante ist. Im Vergleich zu den hochsprachlichen Daten fanden sich in den dialektalen Sprachproben keine signifikanten quantitativen Unterschiede. Die Unterschiede qualitativer Art wurden in Abschnitt 6.3. detailiert behandelt.
Diese Arbeit zeigt einmal mehr, wie schwierig es ist, den Emotionswortschatz zu erfassen und einzuteilen. Unser vorgeschlagenes Kategorienschema stellt nur einen Versuch dar und hat sich nicht in jedem Fall bewährt.
Im Laufe der Untersuchung haben wir uns von der ursprünglichen Fragestellung etwas entfernt, da immer wieder ein lineares System, das von der Hochsprache zum Dialekt (und umgekehrt) führt, in Frage zu stellen war (vgl. Abschnitt 7). So kommen wir immer mehr zum Schluss, dass sich Dialekt und Hochsprache in der Sprachwirklichkeit nicht ausschließen oder
miteinander konkurrieren, sondern sich vielmehr ergänzen. 46
Am Ende dieser Arbeit stehen mehr Fragen als Antworten:
- Welche Sprachebene wählen Sprecher, wenn ein mehrstufiges Modell vorausgesetzt wird? - Spielt die Art der Emotion eine Rolle, ob eher Dialekt oder Hochsprache verwendet wird? - Gibt es Ergebnisse, die für ganz Österreich gültig sind, oder unterscheiden sich die einzelnen Bundesländer in ihren Sprachgewohnheiten?
46 Höchstwahrscheinlich bezieht sich diese Aussage nicht nur auf die Sprachgewohnheiten bei emotionalem Sprechen
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- Wie sehen die Ergebnisse aus, wenn die Untersuchung auf tatsächlichen Gesprächen, bzw. „echten Emotionen“ bei den Probanden beruhen.
- Würde sich nicht vielleicht doch der zweite Teil unserer Arbeitshypothese bewahrheiten? 47
... Eine umfassendere, statistisch relevante Forschungsarbeit würde lohnen!
47 Nach wie vor - und trotz unserer Ergebnisse - sind wir der Meinung, dass der Dialekt weit vielfältigere Möglichkeiten bietet, Emotionen auszudrücken.
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Anhang
Transkription des handschriftlichen Datenmaterials
Gruppe „Dialekt“
D1
Geschlecht: weiblich Alter: 34 Herkunft: Bregenz
Mei, goht mi der ah! I muaß a so pressiera, und er tuat net vorwärts. Wenn I des gwißt het, denn het I net so hudla müasa. Des isch voll z’viel. A kum, des goht mi ah! Des regt mi so uf! I halt’s net us. A so an Trampl! An blöda!
D2
Geschlecht: - (weiblich) Alter: 22
Ort: See im Paznauntal, Bezirk Landeck
Mei wås sell i tia. I brauch des Zeugnis unbedingt. Zerscht hetzt dr mi so, denn kriag i ka Maldi mia. Wenn rs die näschxt Wocha nit bringt, gea i zui und sogm d’Mahni. Åber tåk sog. Was tatascht denn du in dem Fall.
D3
Geschlecht: weiblich Alter: 35 Herkunft: Bayern
Jetzt hat der gschissene ... [unleserl.] sa an Stress gmacht und jetzt bringta die Arbeiten nimma zrugg. Mir solln uns scho an die Vereinbarungen halten müsse, er/sie natürlich ned. Wiss’ ma eh schon, nix Neues. Freundlich sollt’ ma noch um a Zeugnis bettlen.
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D4 Geschlecht: weiblich Alter: 26 Herkunft: Innsbruck Land
No, wasch was! Der Hund hat so drauf drängt, daß i jo den Termin nit versaum. Und iatz, iatz bringg er’s nit korrigierter z’ruck! Frischt fordern isch ja soweit okay, aber überhaupt mit sich handln lassn und selber nit des bringen, was ma vo andere verlangt - Ma - regt mi der auf!
D5
Geschlecht: männlich Alter: 20 Herkunft: Innsbruck
Woasch! I pack des nit. Zerscht tut er bled mit dem Termin uma und nachan bringt er des Scheiß-Zeugnis nit zruck. Wenn des koa Professor wär’; tät i ihm alle Zähnt einschlagn. Des is oanfach koa Art! So an Oarsch!
D6
Geschlecht: weiblich Alter: 22 Herkunft: Innsbruck Land
Des isch wieda tüppisch!! I hetz mi ab und der (...) låßt mi hängen. Daweil brauch I des Zeignis ja so dringend fürs Finanzamt. Wegn da Kindabeihilfe. Jeder Tag ga i ins Sekretariat -und was isch nix!
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D7 Geschlecht: nicht angegeben Alter: 24 Herkunft: Mühlbach (Südtirol)
Modei, dio, i brauchats unbedingt. Zuerscht streßt a und nocha loßt as außenschliefn (nicht ganz sicher). Des geat mir af die Sockn. Putteger. Olm is gleiche, lei weil sie a Professor sein, moanentse sie kenn tian wia se welln.
D8
Geschlecht: nicht angegeben Alter: 22 Herkunft: Barbian (Südtirol)
So a Bledr! Iaz hon i mi sovl gschleint, daß is bis zu Semesterende dertua und nor isch er net instond des zu tian wos er vi ins verlong und schaug de orbatn munateweis net un. Dio porgo! Woasch wenn i wen den iaz koan Stipendium kriag!?!
D9
Geschlecht: weiblich Alter: 22 Herkunft: Meran (Südtirol)
Madoia! Oetz hat der Professor decht nou nit des verdammte Zaignis ausgfillt. Und i brauch des assou dringend. Mensch! Geschten bin i erscht wieder oubn (9. St.) gwesn und der Halodri tuat sou, als ob er mi nou nia gsechn hat. Parzellana! [nicht sicher; bei Schimpfwörtern italienischer Einfluß]
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D10 Geschlecht: männlich Alter: 25 Herkunft: Hall
Der Volltrottel! Davor stresst er so und jetzt griag i die blöde Arbeit nit zruck. Daweil brauch i den Schein ja dringend. Aber des is ja eh typisch, des passiert ma jetzt scho zum 2. Mal.
Gruppe „Hochdeutsch“:
H1
Geschlecht: weiblich Alter: 22
Herkunft: Ehrenburg, Unterpustertal, Südtirol
Das ist eine Frechheit, ein Witz, daß er zuerst von uns höchste Pünktlichkeit verlangt und daß er selbst sich daran nicht hält! Der tut einfach was er will! Das ärgert mich so ... Aber wehe, wir würden uns nicht daran halten!
H2
Gechlecht: weiblich Alter: 20 Herkunft: Polen
Das gibt es doch überhaupt nicht, erst sollen wir uns beeilen mit der Arbeit und jetzt warte ich schon zwei Monate auf das Zeugnis. So eine Frechheit, bei dem werde ich nichts mehr machen. Der spinnt!
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H3 Geschlecht: weiblich Alter: 25
Herkunft: Dornbirn/Hatlerdorf, Vorarlberg
Lieber Thomas!
Derzeit befindet sich mein Leben in einer tiefen emotionalen Sackgasse. Seit Wochen, ach was sag ich Monaten warte oder besser bange (Goethe würde wahrscheinlich harre sagen) ich auf die Note, die mir Professor Langsam noch für meine Seminararbeit schuldet. Morgen werde ich ihn mir vorknöpfen.
H4
Geschlecht: weiblich Alter: 27 Herkunft: Innsbruck
So eine Frechheit. Erst setzt er uns so ein striktes Limit für den Abgabetermin, und jetzt läßt er selbst so viel Zeit verrinnen für die Korrekturarbeiten. Dabei ist es für mich ausgesprochen wichtig, das Zeugnis in spätestens einer Woche zu erhalten! Wenn es bis Montag nicht bei mir ist, schreibe ich ihm einen Brief!
H5
Geschlecht: weiblich Alter: 29
Herkunft: Vorarlberg / nicht genauer bezeichnet
He! Ist das nicht unglaublich? Ich kann das einfach nicht fassen. Da mußte ich mich so beeilen und dieser Depp, dieser Trottel, der bringt das Zeugnis nicht daher. So ein ... weißt Du, das ist wirklich unverschämt, was glaubt denn der, wer er ist? Ist er nicht ein Trottel? He, sag was!
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H6 Geschlecht: nicht angegeben Alter: 48 Herkunft: Vorarlberg, Hohenems
So ein fauler Sack. Erst macht er große Sprüche und dann hält er sich selbst nicht daran. Wo kommen wir denn hin, wenn sich keiner mehr an die Regeln hält. Es gibt schließlich jetzt ein Gesetz, daß die Arbeit innerhalb eines Monats zurückzugeben ist. Wenn ich das Zeugnis nächste Woche nicht habe, kann er was erleben.
H7
Geschlecht: männlich Alter: 32
Herkunft: München / Bayern / Oberbayern / Deutschland
Das ist doch eine Sauerrei! Ich habe mich dann so beeilt und der Herr Professor läßt sich alle Zeit dieser Welt. In Zukunft werde ich die Abgabetermine ignorieren! Man hat nichts davon, so in Streß zu verfallen, außer daß der Herr Professor einen zappeln läßt.
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Literaturverzeichnis
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ZIMBARDO, Philip G.: Psychologie. Bearbeitet und herausgegeben von Siegfried Hoppe-Graff und Barbara Keller. 5., neu übersetzte und bearbeitete Auflage. Berlin - Heidelberg -New York 1992. (= Springer-Lehrbuch).
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Sonja Schett, 1999, Dialekt. Adäquates Mittel zur Emotionsbenennung und Beschreibung?, München, GRIN Verlag GmbH
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