n In der Psychologie seiner Zeit herrschte ein Konzept der „Auflösung des Ich“ vor. In dieser „Psychologie der Desorientierung“ und Anomie praktizierten die Therapeuten ein herauslösen der Begriffe des Patienten aus dessen Kontexten, was ein äußerst kontraproduktives Arbeiten bewirkte.
Darum, als Folge der Auflösung traditioneller gesellschaftlicher Strukturen, sah sich das Individuum hoffnungslos determiniert. Das Selbst war ebenso bestimmt durch seine Besitztümer, Ansehen und Job, bis hin zu den getragenen Kleidern des Individuums, wobei im Eigentlichen weniger eine Auflösung sondern eine Einheit dargestellt wurde. Jedoch wendete sich James gegen die determinierende Sichtweise des Ich als ein „Archetypisches Unveränderbares“.
n So sei das Denken selbst „... eine Aufeinanderfolge vorübergehender Gedanken ausgestattet mit der Funktion der Aneignung und Zurückweisung“ . Das Auslösende Moment im Denken um den „Strom des Bewusstseins“ erschien James der Vergleich der Bilder alter Meister mit denen zeitgenössischer Künstler. Die alten Meister erlangten die Harmonie ihrer Werke dadurch, dass sie den Betrachter, ohne ihn zu lenken, selbst entscheiden lassen, worauf er sein Augenmerk verstärkt richten möchte; hingegen ließ die zeitgenössische Kunst dies nicht zu, gab dem Betrachter vor, auf was zu achten wäre. Diesen freien Fluß der Aufmerksamkeit sah er als Übereinstimmung mit dem inneren Fließen des „Stroms des Bewusstseins“. n James propagierte eine Psychologie der Erfahrung, diese liefere uns nicht die Daten der „physiologische Psychologie“ sondern das Gefühl, dass ich denke... Auf diesen Erfahrungen des Subjekts gründet sich die Wirklichkeit. Sie ist gebunden an das Subjekt, wie es auch ihre Veränderung an spätere Erfahrung ist. So ist es auch unsere Erfahrung, die uns unser Denken und Fühlen als Fließen wahrnehmen lässt, als einen Strom von Bewusstsein.
Der Bewusstseinsstrom ist in seiner Eigenart, Ausdehnung und Beschaffenheit nicht messbar. Allein einige seiner Eigentümlichkeiten sind logisch erschließbar und beobachtbar. Zu seinen Hauptmerkmalen gehören : 1. Das Fließen des Bewusstseins
Daraus erschließen sich die vier Eigentümlichkeiten des Bewusstseins: 1. Jeder Zustand erscheint ein Teil des persönlichen Bewusstseins zu sein So ist es, nach James, stets klar differenzierbar, ob der Zustand oder z.B. ein Gedanke zum eigenen Bewusstsein gehört. Es ist in dem Sinne nicht möglich, dass Bewusstseinszustände anderer als die Eigenen empfunden werden. Die Zugehörigkeit ist immer eindeutig.
Nicht einmal ein Gefühl, welches ein Mensch zum wiederholten Male empfindet ist wie ein Vorhergehendes und sei es auch von gleicher Art. Da sich ein Mensch in seiner Gesamtheit, mit Emotionen, Eigenlaib- und äußeren Gegebenheiten stets in Veränderung befindet, ist von diesem Wandel stets auch das Bewusstsein zur Gänze betroffen und so ist nichts vollständig wiedererlebbar. Selbst bei der Erinnerung spielen diese Veränderungen mit hinein, so dass auch nichts so erinnerbar ist, wie es wirklich war oder schon einmal erinnert worden ist. 3. Jedes persönliche Bewusstsein ist merklich kontinuierlich Im Bewusstsein ist beständig der Eindruck einer Abfolge von Erleben. Immer ist das Bewusstsein in der Lage zu erkennen, was vergangen ist. Ein Zustand der Bewußtlosigkeit,
zum Beispiel, verändert nicht diese Kontinuität, denn nach dem Erwachen ist es stets ein „Danach“.
Es lebt stets (zumindest primär) im Jetzt und seine Ordnung gestattet keine Gleichzeitigkeiten im persönlichen Bewusstsein.
So handelt es nach eigenem „Interesse“, werden einige Details nicht beachtet und andere genauestens untersucht. Immer nach dem Prinzip der Aneignung und Zurückweisung. Das Bewusstsein pickt sich seine eigenen, speziellen Punkte heraus (und weist andere Punkte ab).
2. Das Bewusstsein besteht aus „substanzartigen“ und „transitiven“ Bewusstseinszuständen
Nach der Vorstellung des Bewusstseins als Fluß existieren Momente der Ruhe und der Bewegung
Der Bewusstseinsstrom verläuft von einem substantiven Erlebnis zum Anderen, welche „Ruhestellen“ im Erleben bezeichnen, in denen sich der Geist mit einem Thema beschäftigt; „dazwischen“ sind die transitiven Zustände angesiedelt, Relationen (oder besser Gefühle) von weil; und; oder; verbinden die substantiven Zustände, die „Kerne der Konzentration“ miteinander.
3. Das vor der Seele stehende Objekt hat stets eine „Franse“ (Fringe) Ein Bild in unseren Geist steht nie für sich allein. Unsere Erinnerungen erstrecken sich in einer Situation durch alles hindurch, was uns jetzt umgibt wie durch Filter (mitsamt der jetzigen Stimmung, Einstellungen und Leiblichkeiten) und alles, was uns damals umgab bishin zu der damaligen Identität, die anders war und doch beeinflussend wirkt auf unsere damaligen Erfahrungen. Die sogenannten „Fransen“ des Bewusstseins beschreiben flüchtige Gefühle, eine plötzlich auftauchende schwache Verbindung von verschiedenen Feldern, Erlebnissen und Vergangenem; die Dinge verbindend.
Eine Franse ist ähnlich wie eine Assoziation, die hervorgerufen wird. Etwas, dass aus einer jetzigen Situation etwas von unseren Erinnerungen wachruft, die uns in damalige Zeiten leiten.
Fransen sind vage und unartikulierbar, sie umgeben jedes Thema wie ein Netz von Relationen und Verweisungen. Diese Verweise der einzelnen Fransen mögen nicht immer zur Relevanz des Themas passen, doch besteht eine Verbindung zu ihm, der nachgegangen werden kann. Je nachdem ob diese Verweise auf bestimmte Art passend zum Thema, oder der Situation, empfunden werden, gehen wir diesen nach und setzen unseren Gang in dem Bewusstseinsstrom fort mit dem Gefühl, dass sich unser Denken auf dem richtigen Weg befindet, in einem kontinuierlichen Übergang von einem substantiven Zustand zum Anderen.
3. James Sicht des „Feldes“
Ein Feld, gleichwohl welcher Art, beschreibt eine Gesamtheit gleichzeitiger Tatsachen, die als gegenseitig voneinander abhängig begriffen werden.
So ist die retentionale und protentionale Struktur “ ... der Zeit wie ein zerfranstes Etwas, genannt Gegenwart, dem Vergangenen verhaftet, dem Zukünftigen verbunden.“
Das Bewusstseins-Problem ist im Wesentlichen ein Problem des Zusammenhangs. Innerhalb eines Feldes ist das Thema durch Perspektive und Orientierung Punkt des Feldstellenindex. Das Erleben ist nicht ausschließlich ein Punkt in der Gegenwart, der für sich allein steht denn jedes Erlebnis ist begleitet von einer Beeinflussung durch die unmittelbare Vergangenheit (Retention) aber auch durch die Erwartung, die ein Jeder von der Zukunft hat (Protention). Ein Ereignis steht dadurch nie für sich allein, sondern ist durch dies zeitliche Feld „gefärbt“. Etwas spezieller ist das Bewusstseins-Feld: bestehend aus dem unmittelbar beachteten Gegenstand (Thema), den sachlich (relevanten) Zusammenhängen (thematisches Feld) und dem koexistenten „marginalen Raum“ und Eingenleib-Gegebenheiten (Randbewusstsein). Etwas genauer besteht das thematische Feld aus Gestaltkohärenz, Einheit durch Relevanz und Verbindung des Themas mit dem Feldrand.
Das Randbewusstsein beschreibt das Wissen um Tatbestände und Ereignisse, welches ein Thema begleitet. Es sind die drei Seins-Sphären, die das Randbewusstsein definieren: Der Strom des Bewusstseinerlebens, unser leibliches Sein und die Wahrnehmungswelt. Gehört unser Thema zu keiner der drei Seins-Sphären, so nehmen eben jene die Form des Randbewusstseins an. Das thematische Feld besteht aus Gestaltkohärenz, Einheit durch Relevanz und Verbindung des Themas mit dem Feldrand.
Arbeit zitieren:
Claas Meyer, 2001, Bewußtseinsstrom nach William James, München, GRIN Verlag GmbH
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