2
und ihre Kinder das unter anderem daran erkennen sollen, dass sie nicht mehr so angenehm leben können wie früher.
Aber auch in anderen Bereichen lebt sie ihrer Familie ein nachzuahmendes Verhalten vor. So will sie zum Beispiel nicht, dass ihr Sohn Heinrich ein Gedicht für die Schule lernt, in dem Hindenburg, den sie der Kriege wegen, die er angeführt hat und somit für den Tod ihrer Beiden Brüder Bruno und Friedrich 6 7 verantwortlich ist, und Blücher , beide ehemalige Generalfeldmarschalle ,
heroisiert werden. Im Gegensatz zu seinem Vater, der zwar erkennt, dass er mit ihm reden müßte, aber nur seiner Stimme lauscht, die von der Wiedergeburt des Heerführer`s Blücher als Hindenburg spricht, ihn als „Retter“, „Held“ und Führer „von Sieg zu Sieg“ betitelt, entreißt seine Frau Johanna ihm 6 das Gedicht und zerreißt es .
Ein weiteres Beispiel für ihre deutliche Ablehnung des Krieges und alles anderen Militärischen ist, dass sie den Degen ihres Mannes dazu benutzt, um Löcher für ihre Pflanzen zu graben, oder Dreck hinter den Lamperien 8 vorzukratzen . Sie erniedrigt also ihren Mann und fordert ihn möglicherweise dazu auf, wie sie zu handeln und sich gegen die Nationalsozialisten, die den ihr verhaßten Krieg anführen, zu bekennen. Außerdem wirft sie ihm vor, zu viele 8 überregionale Zeitungen zu lesen , sich den Büffel, also die Propaganda,
eintrichtern zu lassen und dies nicht einmal zu bemerken. Statt dessen sollte er besser das Lokalblättchen lesen, da in diesem täglich die unverfälschte 8 Wahrheit stehe .
Johanna verzweifelt jedoch an der Tatsache, dass so wenige Menschen diese Wahrheit erkennen und zwei ihrer Kinder in jungen Jahren, Johanna mit eineinhalb und Heinrich mit sieben, sterben. Am Schlimmsten ist für sie, dass ihr Sohn in seinem letzten Atemzug noch die Worte „vorwärts mit Hurra und 9 9 Hindenburg“ ausspricht, da sie das Gedicht und dessen Inhalt für Unsinn hält .
Sie befürchtet sogar, dass es in der Zukunft eine Briefmarke zu Ehren 9 Hindenburg`s geben und er in den Köpfen der Menschen nie sterben wird .
Auch ihr Sohn Otto, der im Jahr 1942 bei Kiew gefallen ist, trägt einen großen Teil zu ihrer Verzweiflung bei. Er wird Nationalsozialist, verrät seine eigene Familie an die Polizei und ist nur noch die Hülle ihres, einst der Familie, jetzt 10 dem Nationalsozialismus gegenüber, treuen Sohnes . In ihrer Verzweiflung
sieht sie nur einen Ausweg, um aus diesem schrecklichen Regime, das sie mit 11 nicht enden wollendem „wozuwozuwozu“ hinterfragt, zu entfliehen: sie gibt
vor, sich mit Juden abtransportieren lassen zu wollen, wird für verrückt erklärt 12 und, so wie sie es geplant hat, ins Irrenhaus gesperrt .
Dort lebt sie bis ins Jahr 1958 als sie anläßlich des 80. Geburtstages ihres Gatten die Anstalt verläßt. Sie hat jedoch schon wieder einen Plan und will den Tod ihrer Kinder, ihrer Brüder Bruno und Friedrich und den Tod Edith`s, ihrer Schwiegertochter, rächen. Als Opfer hat sie zunächst zwei der ehemaligen 13 Freunde Otto`s ausgewählt, muss sich jedoch für einen entscheiden , da ihr
nicht die Zeit bleibt, beide umzubringen. Nettlinger hat damals die Brote
7 vgl. ebd. S. 439
8 vgl. Böll, Heinrich, Billard um halb zehn, S. 173 9 ebd. S. 162 10 vgl. ebd. S. 173 11 ebd. S. 141
3
gegessen, die sie von den Mönchen bekommen hat, und der einstige Sportlehrer von Robert, Wakiera, hat zwar jedes Mal bei dem Schlagballspiel im Jahr 1935 abgepfiffen, wollte aber anscheinend nicht die Mutwilligkeit erkennen, mit der Schrella`s Mitschüler immer wieder mit dem Ball auf ihn
14
warfen und ihn verletzten . Als sie aber am Geburtstag ihres Mannes auf einem Balkon des Hotel`s „Prinz Heinrich“ sitzt und dem „Aufmarsch der
14b
Kämpfenden“ zuschauen will, entdeckt sie auf dem Nebenbalkon einen fremden Mann, der General Hindenburg sehr ähnlich sieht, weil sie dessen „Büffelvisage“ zu erkennen glaubt. Sie entschließt kurzer Hand, diesen Mann
14c
stellvertretend als Mörder ihres Enkels umzubringen , verwundet ihn aber
14d
nicht lebensgefährlich Einer der wenigen, die Schrella helfen, ist Robert Fähmel, ein Sohn von Johanna und Heinrich. Bei dem schon erwähnten Schlagballspiel zögert er die Zeit bis zum Abschlag so lange wie möglich hinaus, um den anderen Spielern 15 keine Chance zu geben, seinen Freund ein weiteres Mal abzuwerfen . Nach
dem Spiel treten er und Robert gemeinsam den Heimweg an und es kommt zu einem Gespräch zwischen den beiden. Robert fragt ihn, ob er Jude und dies der Grund dafür sei, dass ihn die anderen schlagen 16 . Schrella antwortet ihm, dass er geschworen hat, ein Lamm zu sein und somit „nie vom Sakrament des Büffels zu essen“ 16b . Man kann davon ausgehen, dass dies ein ausreichender Grund für seine Mitschüler ist, ihn zu verletzen. Auch als sich ihr Weg auf der Flucht vor den anderen, von denen sie verfolgt werden, trennen würde, begleitet Robert ihn noch. Man kann hier gut erkennen, dass Robert seinen Freund beschützt und nicht im Stich läßt, obwohl dieses Handeln für ihn Nachteile mit sich bringt und er sich selbst neuen gefahren aussetzt.
Um ein deutliches Zeichen zu setzen, schwört Robert im Alter von 20 Jahren
18b
im Café Zons, nachdem er „dem Wirt das Losungswort zugemurmelt“ hat ,
18a
dass auch er nie vom Sakrament des Büffels kosten werde sein Leben verändern wird, leistet er bei „einem jungen Mädchen, das Edith hieß“
18b
und später seine Frau wird. In einem Hinterzimmer hält er eine Rede, die voller Haß gegenüber dem Nationalsozialismus und Rache steckt. Robert will Rache für seinen am Morgen hingerichteten Freund Ferdi, der Wakiera für seine Befürwortung des Nationalsozialismus mit Schwarzpulver ermorden wollte. Dies gelang ihm jedoch nicht, weil er Pulver und Pappe und nicht Pulver
18c
und Metall für sein „Knallbonbon“ verwendet hat. Für diese Tat muß er jedoch bestraft werden und wird geköpft
18d
. 12 vgl. ebd. S.29
13 vgl. ebd. S.146 14 vgl. ebd.S.45 14b ebd.S.294 14c vgl. ebd. S.297 14d vgl. ebd. S.325 15 vgl ebd. S.45 16 vgl. ebd. S.53 16b ebd. S. 53 18a vgl. ebd. S.61f 18b ebd. S. 61f
18c ebd. S.145
18d vgl. ebd. S.64
4
Kurz darauf wird auch Robert eines der Opfer von Nettlinger´s Gewalt. Nettlinger paßt ihn vor dem Café Zons, wo er sich mit Ferdi verabredet hatte, ab und bringt ihn in die Wilhelmskuhle, wo Robert mit einer
Stacheldrahtpeitsche geschlagen und in eine Zelle geworfen wird
20
jedoch „Stolz auf die Stigmata“
dafür ist, dass er gegen den Nationalsozialismus und die Unterdrücker kämpft und dafür auch große Schmerzen in Kauf nimmt. Doch die Polizei sucht ihn 20b schon, weil er ja geschworen hat, nie vom Sakrament des Büffels zu essen ,
und deshalb versucht er, mit der Hilfe eines Bekannten ins Ausland zu fliehen, was ihm auch gelingt. Er läßt sich in eine Zeltbahn einwickeln, um per Schiff 21 unbemerkt über die Grenze nach Rotterdam zu gelangen . Robert trifft in den
Niederlanden auf seinen Freund Schrella, der einen Tag früher auf die gleiche Art geflohen ist, und läßt seiner Familie kleine Zettel zukommen, damit sie sich 22 23 „keine Sorgen“ machen brauchen, da er fleißig in Amsterdam studiere . Um
eine Amnestie für ihn zu erwirken, muss seine Mutter jedoch ein einziges Mal 24 ihre Privilegien in Anspruch nehmen . Widerwillig geht sie zu Dröscher und
handelt mit ihm einen Kompromiß aus: wenn Robert die Strafbefreiung erhält, dürfe er sich nach seiner Rückkehr jedoch nicht politisch betätigen und müsse 25 sofort nach dem Examen zum (nationalsozialistischen) Militär .
Diese Abmachung befolgt er nach Abschluß des Statik-Examens auch, obwohl er eigentlich im Café Zons geschworen hatte, für immer ein Lamm zu 26 sein. Er wird damit beauftragt, alle Gebäude, die im „Schussfeld“ liegen zu
sprengen. Die Abtei Sankt Anton, „ein ganzer Komplex riesiger, sehr solider
26b
Gebäude“ , von der seine Mutter einst Honig und Brote bekommen hatte, liegt
in eben diesem Schussfeld und Robert sprengt sie wenige Tage vor Kriegsende
hat, zu tun, was man im ersten Moment denken könnte, und auch nicht damit, dass er sich inzwischen zum Nationalsozialismus bekannt haben könnte. Er sprengt die Abtei, weil die Mönche, die in ihr wohnen und leben bei der Sonnwendfeier nationalsozialistische Lieder wie zum Beispiel „Es zittern die 28 morschen Knochen“ gesungen haben. Er rächt sich also vor allem an den Mönchen und setzt wiederum ein deutliches Zeichen seiner politischen Überzeugung. Weitere Gründe für die Sprengung sind der Tod Edith´s und Ferdi´s und der Wunsch nach einem „Denkmal für die Lämmer, die niemand 29 geweidet hatte“ , deren sich also keiner wirklich angenommen und unterstützt hatte.
Eine weitere wichtige Person in Böll´s Werk, die sich gegen den Nationalsozialismus stellt und das Schiller-Motto „in tyrannos“ vertritt, ist
19 vgl. ebd. S.64
20 ebd. S.65 20b vgl. ebd. S.67 21 vgl. ebd. S.69f 22 ebd. S.150 23 vgl. ebd. S.150 24 vgl. ebd. S.153 25 vgl. ebd. S.149 und 153 26 ebd. S.77 26b ebd. S.78 27 vgl. ebd. S.78 28 ebd. S.187 29 ebd. S.186
5
Schrella. Er wird als Schüler bei dem schon erwähnten Schlagballspiel, in dem die anderen immer wieder erfolgreich versuchen, ihn mit dem Ball zu treffen, von seinen Mitschülern mißhandelt. Auf dem Heimweg vom Spiel zeigt Schrella Robert seinen vernarbten Rücken, da dieser genaueres über den Schwur, der ihm noch unbekannt ist, wissen will. „Ben Wackes [der Sportlehrer] und Nettlinger. Sie nennen es Hiflspolizei“ 31 erklärt Schrella seine Wunden. Der Grund dafür ist wohl, dass sie wissen, dass er im Café Zons geschworen hat, ein Lamm zu sein und somit gegen den Nationalsozialismus zu kämpfen 30 . Den Kindern und Jugendlichen werden schon sehr früh nationalsozialistische und militärische Ansätze eingebleut, was man sehr gut an Heinrich, dem Bruder von Robert sehen kann, der das Gedicht „Vorwärts mit Hurra und Hindenburg“ 30b für die Schule auswendig lernen muss. So ist es also nicht wirklich verwunderlich, dass Schrella wegen seinem Schwur gegen die Büffel verfolgt wird. Nettlinger und Wakiera machen eine Razzia im Hafenviertel, bei der Schrella sich die Narben zugezogen hatte, und lassen ihn ihre Macht als „Hilfspolizei“ 31 des Büffel`s spüren. Sie verhören die aufgegriffenen Bettler, also auch Schrella, und verlangen von ihm, sich als solcher zu bekennen, was er mit den Worten „ja, ich bin einer“ 31 auch tut, da sie ihn sonst noch weiter quälen würden. Sie wollen ihn, genauso wie viele andere auch, mit dieser Einschüchterungsmethode zum Anhänger des Nationalsozialismus machen, was sie bei Schrella aber nicht schaffen.
Schrella, von dem man nur durch seine Schwester Edith den Vornamen Alfons erfährt 31b , kann, weil er sich nicht unterdrücken lassen will, der Verfolgung, der er ausgesetzt ist, aber nicht mehr Stand halten, und versteckt sich bei Trischlers, die ihn jedoch dazu zwingen, mit dem Schiff über die Grenze nach Holland zu fahren 32 . Dort bedroht er einen Politiker, weil dieser der Ansicht ist, dass man alle Deutschen umbringen müsse 33 und wird verhaftet. Als dann die Deutschen Holland besetzen lassen sie ihn frei, lesen seinen Namen jedoch auf der Fahndungsliste und so flieht Schrella ein weiteres Maldiesmal nach England, wo er wiederum ins Gefängnis gerät 33 . Auf der Einreise nach Deutschland im Jahr 1958 wird er an der Grenze, wegen dem Mordversuch an Wakiera, mit dem er aber nichts zu tun hatte, verhaftet. Zu seiner Überraschung läßt ausgerechnet Nettlinger, einer der früheren Hilfspolizisten, alles für seine Freilassung in die Wege leiten 33 .
Dies erfährt Schrella während eines Essens im „Prinz Heinrich“ mit ihm, dessen politische Überzeugung sich offensichtlich geändert hat, da der sich den Demokraten angeschlossen hat 34 . Bei diesem Essen, das Nettlinger möglicherweise als kleine Wiedergutmachung für seine früheren Taten ansieht, zeigt Schrella aber eindeutig seine Überlegenheit. Er legt sich beispielsweise
30 vgl. ebd. S.53
30b ebd. S.109 31 ebd. S.55 31b vgl. ebd. S. 32 vgl. ebd. S.68 33 vgl. ebd. S.205
34 vgl. ebd. S.217
6
Lachs mit den bloßen Fingern auf den Toast 35 und weist so darauf hin, dass er sich gegen die Konventionen und das, was von „Oben“ vorgegeben wird, stellt. Er verdeutlicht Nettlinger also ein weiteres Mal, wie auch währen seiner Verfolgung im Krieg, dass er sich weder von Menschen noch von, so wie in diesem Fall, von Benimmregeln unterdrücken läßt. Ein weiteres Beispiel dafür ist, dass Schrella sich die Reste des Essens von einem Kellner zum Mitnehmen einpacken läßt. Dies ist womöglich ein Relikt aus dem Krieg, da damals Essen sehr wertvoll war und jeder Bissen auch heute noch genossen werden muss.
Böll gelingt es auch hier im Fall Schrella`s, in Rückblenden die Auslöser für Handlungen in der Gegenwart darzustellen. Da die zahlreichen Erinnerungen der Einzelpersonen teilweise bis ins Jahr 1907 zurückgehen, fällt die äußere Handlung vom Umfang her gering aus. Man kann sehr gut erkennen, dass sich alle Erinnerungsphasen zum einen an einem einzigen Tag, nämlich den 80. Geburtstag Heinrich Fähmel`s, und zum anderen vom Aufbau her sehr ähnlich abspielen. Diese Linearität des Stückes zeigt exemplarisch Böll`s eindrucksvolles Gestaltungspotential 36 , da er versucht, an Hand dieser Rückblenden, den Alltag der jeweiligen Personen aufzuzeigen. Johanna, Robert und Schrella stehen symbolisch für viele Deutsche, die allesamt keinen großen Erfolg in der Bekämpfung des Nationalsozialismus hatten, sich aber nicht vom Weg abbringen ließen. Zum Glück hat die ganze Welt aus der deutschen Geschichte gelernt. Dies wird zum Beispiel deutlich durch die politischen und wirtschaftlichen Sanktionen, die verhängt wurden, als der rechtsorientierte Politiker Jörg Haider in Österreich an die Macht kam. Die Wachsamkeit, besonders der europäischen Nachbarn, führte sehr schnell zum Rücktritt Haider´s und verhinderte somit eine mögliche Wiederholung der schrecklichen Vergangenheit.
35 vgl. ebd. S.216
36 vgl. Kindlers Literaturlexikon, 1978
Quellen:
• www.weltchronik.de/bio/cethegus/b/boell.html
• www. wissen.de/servlets/de.wissen.tm.TMWMServlet/NSID-www.wissen.de
• Böll, Heinrich, Billard um halb zehn Roman
• Meyers Taschenlexikon
• Kindlers Literaturlexikon
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irini
hmm...
..die arbeit ist ja echt ganz okay, aber leider t.w. falsch und auch heftigst missinterpretiert. schlicht und einfach FALSCH ist nur der letzte absatz. die eu-sanktionen haben in österreich nichts verändert. Jörg Haider ist nie zurückgetreten, er ist immer noch Landeshauptmann in Kärnten und In seiner Partei (FPÖ) aktiv. Er ist weiter frauenfeindlich, antisemitisch und rechtsextrem, u.s.w.
am Friday, February 13, 2004-
Vega
hmmhmmm.
stimmt schon was mein vorgänger sagt
teilweise schon arge fehler drin aber alles in allem gut um sich nen eindruck der personen zu machen
am Saturday, May 29, 2004-