Der Satz „In der Küche trafen sie sich“ klingt sehr merkwürdig, wie die Betrachtung einer dritten Person von außen. Borchert wählt bewußt nicht die persönlichere Formulierung „ Sie ging zu ihrem Mann in die Küche“, sondern verzichtet auf die Satzgefüge, um die ungewöhnliche Situation zu betonen und wiederum auf einen Krimi zu verweisen, da es sich hier um das Treffen zweier Gegner handeln könnte, dem Einbrecher und dem Opfer. Daraufhin wird wiederum die exakte Zeit genannt, was dem Leser klar macht, daß wenig Zeit verstrichen ist und ihn ungeduldig werden läßt, da man kurz vor der Auflösung der bisher undurchsichtigen Situation steht. Nur im ersten Absatz wird 3 mal die Zeit erwähnt. Im folgenden wird beschrieben, wie der Frau langsam die Situation klarwird. Dies ist stilistisch sehr geschickt gelöst, es wird wie eine Art Erleuchtung beschrieben. Erst steht sie in „(...)(der) dunkle(n) (...)Küche“, dann „(...)(sieht) sie (dort) etwas Weißes (...)stehen“ und anschließend „(...)macht (sie) Licht“ und erkennt ihrem Mann. Die Kriminalgeschichte ist damit aufgelöst, doch durch die Ellipsen „Nachts. Um halb drei. In der Küche.“ wird sprachlich angedeutet, daß trotzdem etwas ungewöhnliches passiert ist. Der Satz „Auf dem Küchentisch stand der Brotteller“ (Z. 13) beinhalten den Kern der Geschichte, das Brot, und schafft die Verbindung zu dem Thema. Der Rest der Geschichte beschreibt, wie beide versuchen zu verhindern, daß der andere merkt, was passierte, obwohl beide wissen, daß sie sich was vorspielen.
In Zeile 18 wird ein weiteres Motiv angesprochen, nämlich „wie die Kälte der Fliesen langsam in ihr hoch kroch. Die Kälte der Fliesen meint ebenso die Kälte der Beziehung, die durch die Unehrlichkeit des Mannes hervorgerufen wurde. Was die ganze Geschichte durchzieht sind die Gegensätze Dunkelheit/Helligkeit, die oft erwähnt werden. Einerseits wird es genutzt um Klarheit in die Geschichte zu bringen, wie schon die anfangs beschriebene Situation in der Küche, als die Frau Licht macht und dann ihren Mann erkennt, es wird aber andererseits auch für das Gegenteil benutzt, nämlich bestimmte Dinge bewußt nicht sehen zu wollen. So macht die Frau in Zeile 45 schnell das Licht aus, da sie „ sonst (...)nach dem Teller sehen (muß)“. Sie kann ihn nicht ansehen, weil sie feststellen muß, daß er sie nach 39 Jahren Ehe anlügt. Deshalb möchte sie die peinliche Situation schnell beenden und drängt ihn ins Bett. Durch die nebensächlichen Gespräche versuchen beide von dem Hauptgeschehen abzulenken. Die Frau versucht ihrem Mann zu schützen und möchte ihm die Erniedrigung ersparen, sich ihr unterstellen zu müssen, weil sie moralisch einen höheren Stand hat als er. Am Ende der Geschichte gibt sie ihm eine ihrer Scheiben, damit er in Zukunft solche Erniedrigungen nicht erleben muss. Und auch hier macht sie es ihm leichter, in dem sie sagt, sie gebe es ihm nicht darum, weil er Hunger hat, sondern weil sie das Brot nicht vertrage. Auffallend an der Geschichte sind die vielen Dinge, die nicht gesagt werden. So wird weder der Ort noch die Zeit genannt, noch wird etwas zu der Vorgeschichte gesagt, zu den Gedanken und Empfindungen des Mannes als er noch im Bett liegt, z. B., oder warum er überhaupt lügt. Auch das zentrale Wort zum Thema, nämlich „der Hunger“ wird keinmal erwähnt.
Die Geschichte ist eigentlich eine Liebesgeschichte. Denn nur weil sie sich lieben, schaffen sie es, aus dieser Lage ohne einen Konflikt raus zukommen. Wäre etwas in ihrer Beziehung nur minimal nicht in Ordnung, wäre ein großer Streit ausgebrochen. Doch so schaffen sie es die Spannung dadurch zu lösen, daß es zu keiner Aussprache kommt, die die Beziehung bestimmt negativ verändert hätte, sondern daß vieles einfach ungesagt bleibt.
Arbeit zitieren:
Iris Köster, 2001, Borchert, Wolfgang - Das Brot #, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Iris Köster hat den Text Borchert, Wolfgang - Das Brot # veröffentlicht
Iris Köster hat einen neuen Text hochgeladen
benjamin hat den Text Borchert, Wolfgang - Das Brot # kommentiert
Borchert,Wolfgang - Draußen vor der Tür und vermischte Schriften
Betrachtungen und Interpretati...
Harro Gehse
Unpublishable Works: Wolfgang Borchert's Literary Production in Nazi G...
Erwin J. Warkentin
Draußen vor der Tür. Lektüreschlüssel für Schüler
Winfried Freund, Walburga Freund-Spork, Wolfgang Borchert
Draußen vor der Tür. Textausgabe. Klasse 8 - 10
Ein Stück, das kein Theater sp...
Wolfgang Borchert, Manfred Allner, Johannes Diekhans
benjamin
schlechter gehts nicht.
also, da hätte ich ne 4 drauf gegeben.....wo hast du überhaupt interpretieren gelern??
wer stellt hier überhaupt arbeiten von hauptschülern auf diese seite!?!?
am Sunday, February 09, 2003-