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Gemeinwesen - Was ist das?
Das Fachlexikon der sozialen Arbeit bezeichnet die Gemeinwesenarbeit (GWA) neben der Einzelfallhilfe und der Gruppenarbeit als dritte Methode der Sozialarbeit. Während jedoch bei den beiden letztgenannten Methoden die Zielgruppen recht klar sind, ist der Begriff „Gemeinwesen“ nicht so ohne weiteres verständlich und die Suche nach einer Erklärung nicht ganz leicht. Weder das Fachlexikon der sozialen Arbeit noch and ere Nachschlagewerke geben hier Auskunft. Erst eine Internet-Seite, die sich auf das Lexikon zur Soziologie (Fuchs u. a.) von 1978 bezieht, definiert diesen Begriff: Gemeinwesen, bei F. Tönnies Bezeichnung für jenen Typus der (Volks) Gemeinschaft, in dem sich auf der Grundlage einer Vielzahl von gegeneinander abgrenzbaren B edürfnissen, Fähigkeiten, Kenntnissen, Arbeitsbereichen u.s.w. ein soziales Gefüge he rausgebildet hat, in dem auf Grund überkommener Sitte und gesetzten Rechts die Angehörigen der Volksgemeinschaft jeweils bestimmten Ämtern und Ständen mit vorgegebenen Rechten, Pflichten und Funktionen zugeordnet sind.
Die Besonderheit eines Gemeinwesens liegt also darin, daß sich auf-grund verschiedener Faktoren ein soziales Gefüge gebildet hat. Dieses Gefüge kann die Bevölkerung eines Stadtteils genauso sein, wie die Angehörigen einer bestimmten sozialen Schicht, z. B. Obdachlose oder Arbeiter.
1 VORLÄUFER DER GWA
Die GWA als Antwort auf ganz konkrete soziale, politische oder ökologische Probleme und Notlagen ist zwangsläufig an ihre Geschichte gebunden und kann häufig nur vor dem Hintergrund der jeweiligen Zeit richtig verstanden werden. Interessant sind vor allem die gesellschaftlichen Bedingungen und die Gründe, die zu einem Gemeinwesenansatz führ- ten.
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1.1 Die Vereinigten Staaten von Amer ika
Der Beginn der GWA geht in die Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs (1861 - 1865) zurück. Der Expansionsdrang der Industrie, noch gefördert durch das Entgegenkommen der Regierung --z. B. durch den Bau der transkontinentalen Eisenbahn oder die Einführung eines nationalen Bankensystems - hatte zur Folge, daß zwar die Bedingungen für ein Wirtschaftswachstum geschaffen, jedoch die Folgen völlig außer acht gelassen wurden. 1873 kam es zum großen Krach, als die Löhne um ein Viertel gekürzt worden waren, 1 Million Arbeitslose auf der Straße standen und sehr viele Obdachlose („Tramps“) durch das Land zogen. Massenstreiks waren die Folge, die um so schlimmere Auswirkungen hatten, da es noch so gut wie keine Institutionen gab, die es sich zur Aufgabe gemacht hätten, das Elend zu lindern oder mit den sozialen Spa nnungen fertig zu werden. Die damalige Situation zwang die Gesellschaft förmlich zur Einrichtung von vielen verschiedenen Wohlfahrtseinrichtungen, die für uns heute vollkommen normal sind, wie z. B. Krankenhäuser oder Waisenhäuser. Schon bald stellte man fest, daß die verschiedenen Einrichtungen und Hilfsmaßnahmen koord iniert werden mußten. Diese Aufgabe übernahm die „Community Organization“, der bald die „Community Councils“ folgten - Organisationen, die die Notlagen methodisch erfaßten und sich um Hilfsquellen bemühten, die zum Teil schon be-standen, zum Teil aber auch erst organisiert werden mußten. So zeigten sich die Vorläufer der GWA u. a. als Antwort auf eine sozialökonomische Situation, die durch die beiden anderen Methoden der Sozialen Arbeit nicht in den Griff zu bekommen war. Der nächsten einschneidenden Depression 1929 folgte die große Zeit der GWA. Die Wirtschaftskrise brachte eine Vielzahl von Konkursen und Millionen von Arbeitslosen. Unter Präsident Roosevelt versuchte die Regierung nun die Menschen für ihr Wirtschaftshilfeprogramm zu begeistern und hier wurde deutlich, was GWA eigentlich ist: „Organisation und Aktivierung der von strukturellen Maßnahmen Betroffenen, bzw. Bear-
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beiten der Widerstände gegen Innovationen.“ ( BOULET, KRAUSS, OELSCHL Ä-GEL O . J., S. 21)
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die GWA heute in den USA ein integrierter Teil der Sozialen Arbeit ist. Dies zeigt beispielhaft die Sektion für „Community Organisation“ des amerikanischen Berufsve r-bandes.
1.2 England
England, genauer gesagt London, ist der Geburtsort der Settlement-Bewegung, einer der wichtigsten Vorformen der GWA. Die Idee dieser Bewegung war, Settle ments (Niederlassungen) zu gründen, in denen gebildete Männer und Frauen inmitten des Großstadtproletariats wohnen und soziale Hilfe anbieten, um so eine Brücke zu den von Landvertre ibungen betroffenen Arbeitern zu schlagen. Das erste Settlement „Toynbee Hall“ wurde 1884 nach dem Prediger Arnold Toynbee benannt. Es folgten weitere Gründungen in Form von Wohnheimen und Bildungseinrichtungen für die Arbeiter.
War in früheren Zeiten das Almosengeben an Einzelpersonen eine wichtige Form sozialer Hilfe, so wird durch die Settlement -Bewegung klar, daß dies dem Massenelend - entstanden und begünstigt durch die Industrialisierung - nicht mehr beikommen konnte. Man benötigte nun ein Hilfesystem, das zweierlei zu leisten imstande war: 1. Das Selbsthilfepotential der Betroffenen durch Nachbarschaftshilfe und Bildungsangeboten aktivieren. 2. Die Regierung zum Erlaß von Sozialgesetzen animieren. Die Settlement-Bewegung verfolgte neben diesen beiden auch noch andere Ziele, wie z. B. die Förderung der Zusammenarbeit von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Zudem war ihr Einfluß auf andere Konzepte sozialer und pädagogischer Arbeit sehr groß; besonders auf die Erwach- senen- und Arbeiterbildung.
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1.3 Niederlande
Die Niederlande seien hier nur kurz erwähnt. Sie spielen für die GWA in Deutschland eine wichtige Rolle, weil es Theoretiker und Funktionäre der dortigen Sozialarbeit waren, die vor ungefähr 40 Jahren entsche idende Impulse für die Entwicklung der GWA gaben, die zu jener Zeit in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckte.
2 DIE ENTSTEHUNG DER GWA IN DEUTSCHLAND
2.1 Die Zeit bis 1933
Die Gründung der ersten Nachbarschaftsheime um die Jahrhundertwende gilt allgemein als Anfang der GWA in Deutschland. Auch wenn sich die Nachbarschaftsheim-Bewegung (NHB) in den frühen zwanziger Jahren rasch ausbreitet, so kann sie doch wegen ihrer geringen Zahl und ihres begrenzten Einflusses nicht mit der Settlement -Bewegung in Eng-land verglichen werden. Charakteristisch für die NHB ist ihre Bildungsarbeit, so z. B. Volkshochschulkurse für Arbeitslose. Ansonsten gab es damals kaum gemeinwesenorientierte Ansätze.
2.2 Die Zeit zwischen 1933 und 1945
Was in den Jahrzehnten vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten im Bereich der GWA so gut begonnen hatte, nahm in dieser Form mit der Gleichschaltung aller Institutionen und Vereine, die nicht der NSDAP angehörten ihr vorläufiges Ende. Die Nachbarschaftsheime entzogen sich dieser Maßnahme durch ihre vorherige Selbstauflösung und die Beendigung ihrer Arbeit.
Dies war jedoch nicht das Ende der GWA als solcher. So fremd es einem im ersten Moment erscheinen mag: Die Nationalsozialisten übernahmen diese Methode der Sozialen Arbeit und modifizierten sie für ihre Zwecke. Ausdruck fand das ganze in der Unterteilung aller Städte und Dör- fer in kleine territoriale Einheiten: Blocks und Zellen. Ein Block umfaßte
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40 bis 60 Haushalte, eine Zelle 4 bis 8 Blöcke (ungefähr 500 bis 2000 Personen). Neben Spitzel- und Kontrolldiensten für die NSDAP waren die jeweiligen Leiter auch für die Freizeitgestaltung der Menschen in ihrem Bere ich und als Mittler zwischen den verschiedenen sozialen Schichten tätig. „Block- und Zellenleiter waren [also, Anm. d. Verf. ] freiwillige, ehrenamtliche ‚Gemeinwesenarbeiter‘.“ (BOULET et al. o. J., S 41)
2.3 Die Zeit zwischen 1945 und 1970
Was mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten zu Ende ging, fing mit deren Sturz erneut an: Nachbarschaftsheime wurden erneut gegründet und eine ihrer ersten Aufgaben bestand darin, Räumlichkeiten für Reeduc ation-Programme im Rahmen der Entnazifizierung anzubieten und den Gedanken der Nachbarschaftshilfe wieder neu zu beleben, der z. B. in der Form gegenseitiger Hilfe beim Wiederaufbau zum tragen kam. Ungefähr 1950 zeigten die ersten case- und group-work-Methoden aus den Vereinigten Staaten Wirkung. Die psychoanalytisch und sozialpsychologisch orientierten Methoden überforderten jedoch zum einen die „‘unbedarften Fürsorgerinnen‘“ ( BOULET et al. o. J., S. 45) und zeigten zum anderen, daß die Nachbarschaftsheime allmählich nicht mehr der Realität gerecht werden konnten, weil der Begriff „Nachbarschaft“ u. a. durch das zwangsweise Auf- und Nebeneinanderwohnen in Flüchtlingslagern bei weitem nicht mehr die Bedeutung wie in den Jahren vor dem Krieg.
Dem Wirtschaftswunder der fünfziger Jahre folgte in den sechziger Jahren die erste Wi rtschaftskrise nach dem Krieg, die wieder Notsituationen mit sich brachte, die im großen Stil nur von der GWA zu lösen waren. So erlebte die GWA Ende der sechziger Anfang der siebziger Jahre ihre Blü- tezeit.
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2.4 Die Zeit von 1970 bis 1980
Die klassischen Einsatzgebiete der GWA waren in ihrer Blütezeit folgende:
• Altbau- bzw. Sanierungsgebiete
Gemeinsam mit den Bewohnern bemühten sich die Gemeinwesena rbeiter Verslumungen zu verhindern, Sanierungen sozialverträglich durchzuführen (z. B. Mieterhöhungen nach einer Sanierung zu ve rhindern) und vor allem für Kinder und Jugendliche fehlende Räume (z. B. Spielplätze, Jugendheime) zu schaffen. Vorbild hierfür war die bereits erwähnte Community Organisation. • Neubausiedlungen
Hier versuchten die Gemeinwesenarbeiter die Bewohner zu motivieren, gemeinsam für fehlende Infrastruktur sowie gegen die Anonymität in den Trabantenstädten zu kämpfen, um nur zwei Beispiele zu nennen. Auch hier kommt das Vorbild aus den USA: Community Development. • Obdachlosenquartiere
Ein Ziel der Politik in der Wirtschaftswunderzeit war es, Wohnungseigentum zu fördern und Mietwohnraum immer mehr verringern. Dieses Anliegen erfuhr durch die erwähnte Wirtschaftskrise einen herben Rückschlag. Durch die in der Folgezeit entstehende Wohnraumnot waren die Gemeinwesenarbeiter aufgerufen, Gemeinschaftsunterkünfte zu organisieren und therapeutische Hilfen für die Betroffenen anzubieten. Diese Obdachlosensiedlungen wurden später dann durch Sozialwohnungen ersetzt.
Das Grundprinzip bei den drei genannten Aufgabengebieten war also immer dasselbe: Es sollten möglichst viele Bürger gewonnen werden, die mit Hilfe der Gemeinwesenarbeiter ihre Interessen und Bedürfnisse in den verschiedenen Bereichen wie z. B. Wohnen, Infrastruktur oder Fre i- zeitgestaltung selbst vorbringe n und durchsetzen.
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2.5 Die Zeit von 1980 bis heute
Die GWA hat sich als Methode der Sozialen Arbeit etabliert. Viele Sozialarbeiter nehmen die nachfolgend genannten Prinzipien der GWA zu Hilfe, um ihre jeweiligen Ziele zu erreichen: • Entscheidungsprozesse transparent machen • Betroffene einbeziehen • Hilfe zur Selbsthilfe leisten • Ressourcen aktivieren • an Grundbedürfnissen ansetzen • Vernetzung mit anderen Projekten
• Bündnispartner verschiedenster Ebenen im Gemeinwesen suchen Zu den Methoden der GWA, die sich an vielen Orten in Richtung einer „stadtteilbezogenen sozialen Arbeit“ entwickelt hat, gehören auch weiterhin die Öffentlichkeitsarbeit und die direkte Intervention. Außerdem finden gemeinwesenorientierte Arbeitsweisen Eingang in andere Bere iche der Gesellschaft und verschiedene Berufe; z. B. in die Stadt- und Sozialplanung oder die Organisation von Betrieben.
3 VERSCHIEDENE FORMEN DER GWA
3.1 Die territoriale GWA
Ausgangspunkt ist das Gemeinwesen als politisch-ökologischer Raum, z. B.: Milieu, Nachbarschaft, Stadtteil, Gemeinde oder Dorf. Die Bewohner dieses Raumes sind einer Anzahl von Lebensbedingungen - z. B. schlechte Anbindung an den öffentlichen Verkehr - gemeinsam unte r-worfen und als Einheit erkennbar. Eine, wie auch immer geartete Identifikation der Bewohner mit diesem Raum wird aus dem vorher gesagten gefolgert.
Das Ziel dieser Form der GWA ist „das Herstellen einer sozialen und politischen Öffentlichkeit und einer tragfähigen Kommunikation zwischen allen Einwohnern des Gemeinwesens“ ( BOULET et al. o. J., S 294). Dazu
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gehört auch, daß sich die Bewohner mit Hilfe der Gemeinwesenarbeiter möglichst viele Entscheidungsbefugnisse in vielen gesellschaftlichen Bereichen erkämpfen.
Stadtteilbegehungen oder die Verbindung zu örtlichen und überörtlichen politischen Gremien bzw. Persönlichkeiten sind beispielhafte Möglichkeiten, um die o. g. Ziele zu erreichen.
3.2 Die kategoriale GWA
Bei dieser Form der GWA wird von spezifischen Merkmalen wie Alter, Geschlecht oder Nationalität ausgegangen, nach denen sich die Bewohner eines Geme inwesens unterscheiden lassen. Neben der grundsätzlichen Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Alten gibt es auch eigenständige Arbeitsansätze, z. B. mit Frauen, Obdachlosen oder ausländischen Arbeitern.
Ziele dieser GWA -Form ist es u. a., solidarische Verhaltensweisen zu Bewohnern, die einer anderen Kategorie angehören (aktuell: das Verhalten zwischen Serben und Albanern) oder kollektives Verhalten und die Aufhebung der Vereinzelung zu erlernen. Diese Ziele könnten z. B. durch interkategoriale Feste - z. B mit Arbeitslosen und Erwerbstätigen - oder durch Nachbarschaftszentren erreicht werden.
3.3 Die Integrative GWA
M. G. Ross entwickelt diesen Ansatz 1971 und geht von zweierlei Vo raussetzungen aus:
1. Der gesellschaftliche Rahmen ist im großen und ganzen zufriedenstellend.
2. Die Verteilung von Macht und Herrschaft ist gerecht geregelt. Das Problem besteht darin, daß im Gemeinwesen zu wenig miteinander kommuniziert wird und so die Bürger den Freiraum, den ihnen Verfassung und Gesetze einräumen, nicht kreativ auszufüllen vermögen. Das Ziel ist eine harmonische Anpassung der verschiedenen Interessen. Integration (erwächst hier aus einem Miteinander und meint den Aus-
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tausch von Gedanken über gemeinsame Projekte und die gemeinsame Suche nach dem Ziel) und das Übertragen von Verantwortung auf alle Mitglieder des Gemeinwesens werden als Mittel genannt, um das Ziel zu erreichen.
In der integrativen GWA werden nur kooperative Taktiken, vernünftige Gespräche und sachliche Kompromisse als Interventionsstrategien akzeptiert. Protest- und Kampfmaßnahmen behindern dagegen das Finden einer Problemlösung, die von allen mitgetragen wird. Bei dieser Form der GWA können sich die Bewohner eines Gemeinwesens lediglich an der Umsetzung von Entscheidungen beteiligen, die bereits getroffen sind. In der Praxis sind so Maßnahmen durchsetzbar, die eine große Zustimmung von der Bevölkerung bekommen.
3.4 Die katalytisch-aktivierende GWA
Diese Form der GWA wurde in den 70er Jahren entwickelt und basiert auf einem betont pragmatischen Konzept.
Grundlage ist die Utopie einer herrschaftsfreien Gesellschaft, die sich darin zeigt, daß es keine Unterdrückung gibt und die Menschen in der Lage sind, sich selber zu helfen; daß Solidarität hoch geschätzt wird, Menschen sich mit den Problemen anderer identifizieren und ihre Fähigkeiten für ein sozial-karitatives Leben entfalten. Durch die katalytisch-aktivierende GWA wird eine Vielzahl von Initiativen ausgelöst durch die die Bewohner einer Straße, einer Wohnsiedlung, einer Stadt oder eines Landes ihre gemeinsamen Probleme erkennen und eigene Kräfte entwickeln. Außerdem können durch diesen Ansatz Interessengegensätze und Konflikte aufgedeckt werden, was eine Solidarisierung der verschiedenen Interessensvertreter und eine konstruktive Beseitigung der Konflikte zur Folge hat. Jeder Beteiligte lernt dabei, seine eigenen Defizite aufzuarbeiten und gewinnt so an Stabilität. Neben der Abhilfe bei akuten Notständen hilft diese Form der GWA auch, die Ursachen von Benachteiligung und Unterdrückung zu beseiti- gen.
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Aufgabe des Gemeinwesenarbeiters ist es, bei den Bewohnern eines Gemeinwesens Prozesse anzuregen, die sich dazu befähigen, ihre Situation zu erkennen und sie durch geeignete Maßnahmen zu verändern. Durch die GWA sollen die Bewohner lernen, Selbsthilfegruppen zu grü nden und Anlaufstellen anzubieten, durch die das Gemeinwesen vernetzt wird. Ziel einer Partizipation, die in überschaubaren Bereichen mit wenig Risiko stattfinden soll, sind positive Lernerfahrungen, die Selbstvertrauen und den Wunsch nach Selbstbestimmung geben. Wünschenswert ist die Entstehung von Koalitionen auf Zeit: Verschiedenste Gruppen, die durch einen kleinsten gemeinsamen Nenner verbunden sind, sollen sich auf dieser Basis in möglichst großer Zahl treffen um bestimmte Grundwerte (z. B. die Menschenrechte) zu thematisieren. Die Austragung von Konflikten soll erst dann geschehen, wenn die Menschen dazu in der Lage sind. Dies zu beobachten und zu entscheiden ist Aufgabe des Gemeinwesenarbeiters. Wenn in einer Gruppe nämlich Unsicherheiten über die eigene Identität vorherrschen, baut sie sich nach außen zahlreiche Feindbilder auf und ist nicht fähig notwendige von nutzlosen Auseinandersetzungen zu unterscheiden.
3.5 Die aggressive GWA
Während die integrative GWA erst einsetzt, wenn die Mehrheit der Bewohner eines Gemeinwesens erkannt hat, daß eine bestimmte soziale oder politische Aktion notwendig ist, wartet die aggressive GWA nicht auf diese Einsicht.
Durch die Mobilisierung der Arbeiterklasse (diese Form der GWA geht davon aus, daß die Arbeiter sich am ehesten für Veränderungen begeistern lassen, weil sie am meisten unter bestimmten sozialen Bedingungen leiden) sollen zwei Ziele erreicht werden: 1. Die Veränderung von Kräfteverhältnissen und Machtstrukturen innerhalb eines Gemeinwesens durch den solidarischen Zusam- me nschluß von Minderheiten.
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2. Die gerechte Verteilung von Macht und Herrschaft sowie die sich daraus ergebenden Änderungen des gesellschaftlichen Systems. Den Namen erhält diese GWA von ihren Aktionsformen, die im Gegensatz zu anderen Formen der GWA auch sogenannte disruptive Taktiken beinhaltet. Das meint, daß die ungestörte Arbeit des Systems behindert werden soll; z. B. durch Störung des Straßenverkehrs, durch Demonstrationen, Steuerstreik oder gar öffentlichen Unge horsam. Kritikpunkte sind, daß das Desinteresse an Politik in der Bevölkerung unterschätzt und die Möglichkeiten, Minderheiten in einem Gemeinwesen so zu organisieren, daß sie sich auf breiter Front strategisch ge- schickt für Ihre Interessen einsetzen, überschätzt wird.
Arbeit zitieren:
Robert Seisenberger, 2001, Die Gemeinwesenarbeit als eine der drei Hauptinterventionsmöglichkeiten der sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag GmbH
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Simone
HA Gemeinwesenarbeit.
Die Hausarbeit ist fachlich sehr gut und verständlich geschrieben. Der Autor hat auf meine Frage per eMail sofort geantwortet und war sehr angagiert. Sehr zu empfehlen.
am Monday, July 29, 2002-