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8. Und sie hörten die Stimme Gottes des Herrn, der im Garten ging, da der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seinem Weibe vor dem Angesicht Gottes des Herrn unter die Bäume im Garten.
9. Und Gott der Herr rief Adam, und sprach zu ihm: Wo bist du?
10.Und er sprach: Ich hörte deine Stimme im Garten, und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich. Dann Vertreibung aus dem Paradies
à Vertreibung aus dem Paradies als Übergang vom unbewußten zum bewußten Zustand; Verlust des paradiesischen Zustands des Glücks läßt erst ein Bewußtsein dafür entstehen vgl. dazu Kopie von Werther, 2. Textpassage à Paradies- oder Erkenntnismetaphorik auf den Zustand von geistiger Umnachtung und geistiger Gegenwärtigkeit übertragen
Dichter hat erst dann die Gabe des Sagens, wenn er aus dem Paradies (Liebesgegenwart) ins Bewußtsein von Trennung und Abwesenheit vertrieben ist (auch wenn er vorzugsweise beklagt, was er verloren hat) à Dichtung benötigt die Abwesenheit des paradiesischen Zustandes
außerdem: Vertreibung aus dem Paradies löst Sehnsucht nach dem Paradies aus und verursacht Schmerz
ganze Elegie drückt den Versuch aus, den Schmerz der Trennung von der Geliebten zu überwinden
Vertreibung / Abschied von der Geliebten à Strophe 4 nach dem letzten Kuß: Weg zurück ins Paradies wird bei Moses von den Cherubim mit ihren Schwertern verhindert; hier auch deutlicher Gliederungsabschnitt im Gedicht: Zustand, der das Dichten begründet, ist erreicht
nur Ankündigung oder Erinnerung der Gegenwart, nicht der paradiesische Augenblick selbst kann ins Wort gefaßt werden
Geliebte als Wolke auf mehreren Ebenen deutbar
à sicherlich lesbar als Vermittlung zwischen Himmel und Erde Paradies und Welt
Seraphim = (bei Jesaja 6) sechsflüglige Wesen, die über dem Thron Gottes schweben und Jesaja zum Propheten ernennen
vgl. dazu Helena und Gretchen im Faust II: soll mehr Hinweis sein, daß die Thematik bei Goethe kein Einzelfall ist (Faust II erst nach der Elegie entstanden)
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hängt offenbar auch mit Goethes naturwissenschaftlichen Studien zusammen (Versuch einer Witterungslehre)
soll keine Faustinterpretation sein! Thema bei der Gretchenwolke ist auch die Erinnerung an die Geliebte, wo in den letzten vier Versen zumindest die Ästhetik mit ins Spiel gebracht wird
jedoch für den Dichter ist das Bild der Geliebten ist nur im Herzen zu finden (in’s Herz zurück Str. 8);
deshalb (9. Strophe): Weg der Dichtung führt vom Wolkenbild (Imagination) zur dichterischen Gestalt der Geliebten im Herzen des Liebenden
Schlußvers: Mit Flammenschrift, in's treue Herz geschrieben. Selbstzitat, vgl. Sonette (Epoche)
Dichten des Gedichtes somit selbst genannt (dazu Mayer): „Das Herz ist Inkarnation der
neues Vergleichsfeld für die Geliebte: Sonne entspricht dem Paradies insofern, als
daß sie auch nicht direkt erfahr- und gestaltbar ist
(Strophe 13 und 14) Friede Gottes: Zitat aus dem Philipperbrief 4.7 à hier Transformation der Metaphorik ins Religiöse
Und der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christo Jesu.
Strophen 16 u. 17:
(hier vielleicht hilfreich, Goethes biographischen Hintergrund zu kennen, Ulrike von L. war sehr jung, ein Kind im Vergleich zu ihm) Rede, Dichter (Ich) legt der Geliebten Worte in den Mund
in ungetrübte Naivität kann sie über den erfüllten Augenblick verfügen - kindliches Gemüt der Geliebten kennt die Erfahrung des Schmerzes nicht
ihr Gemüt ist kindlich und auf den Augenblick hin ausgeprägt: Kind lebt in unbewußter Gegenwärtigkeit ohne Zeiterfahrung (Zustand philosophischen und sexuellen Noch-nicht-
Übermenschlichkeit der Geliebten à Mensch ist nur der aus dem Paradies vertriebene (erkenntnisreiche) Bogen zur Dichterproblematik:
Geliebte: Gab dir ein Gott die Gunst des Augenblickes, (V. 104)
Dichter: Gab mir ein Gott zu sagen was ich leide. (Motto) - geknüpft an die Nichtexistenz der Gunst des Augenblickes
ab Strophe 19 Verdichtung des Problems:
Der jetzigen Minute Was ziemt der?, ich wüßt’ es nicht zu sagen;
explizit das Vermögen des Dichters (sagen) angesprochen, aber das Unvermögen, über den Augenblick/die Gegenwart zu verfügen; daraufhin brechen sprachlose Tränen aus Glück der Nähe kann nur dichterisch dargestellt werden aus der Entfernung/Trennung heraus àbededetet auch, daß die Gestaltwerdung des an sich gestaltlosen Glücks erst von der Verwandlung ins Dichterische ermöglicht wird
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Strophen 20 und 21 dann:
paradoxe Grunderfahrung des liebenden Dichters - Dichten wird als Kampf auf Leben und Tod dargestellt, denn
Liebe kann aber nur aus der Entfernung/Trennung gestaltet (gedichtet) werden somit: Voraussetzung für das Dichten (Trennung) entzieht dem Dichter das Leben (richtet ihn zu Grunde wie im letzten Vers)
umgekehrt: Präsenz des Glücks/der Liebe bedeutet den Tod des Dichtens Konflikt in den Versen 119ff.: Wohl Kräuter gäb’s, des Körpers Qual zu stillen; Allein dem Geist fehlt’s an Entschluß und Willen, Fehlt’s am Begriff: wie sollt er sie vermissen? Er wiederholt ihr Bild zu tausendmalen.
d.h. Geist des Dichters will die Beruhigung des Körpers durch Kräuter und Tränen nicht annehmen, da das ein Akzeptieren der Entfernung von der Geliebten bedeuten würde; allerdings spendet das Wiederholen des Bildes der Geliebten keinen Trost = gegenseitiges paradoxes Bedingen von Geist und Körper
Mayer: Dichtende vermißt die Geliebte nicht, da er stets auf sie bezogen bleibt und aus der Distanz erst dichten kann, da fehlt es am Begriff
Geist rückt die Geliebte in die Nähe der dichterisch-geistigen Begegnung, denn körperliche Nähe entläßt keine Dichtung aus sich
Dichter als Mensch vermißt sie und möchte Trennung durch Tränen, Kräuter, Imagination überwinden
= Differenz zwischen ästhetischer und empirischer Wirklichkeit
è Entwurf eines erkenntnistheoretischen Problems der Anschauungsformen von
Raum und Zeit, hier als Begriffskonflikte von Gegenwart und Vergangenheit, Nähe somit auch Differenz zwischen dichtendem Menschen und nicht-dichtendem
Strophe 23: Verlaßt mich hier, getreue Weggenossen!
hier ist poetologischer Ort des Dichtens, wo der Dichter ob seiner Begabung alleine bleiben muß
Die gegenseitige Bedingtheit von Leben und Tod, Dichten und Liebe, Ferne und Nähe ist hier zur tödlichen Erkenntnis formuliert, diese Erkenntnis erschafft aber gleichzeitig das Gedicht und wirkt damit lebenserhaltend. = unmögliche Synthese
Dichtung als Pandora-Geschenk: Entzieht dem gabeseligen Dichter mit der Bedingung des Dichtens (Trennung von der Geliebten) zugleich das Leben (Schlußvers: Sie trennen mich, und richten mich zu Grunde.)
Elegie mit ihrem Ausgang betont den tödlichen Charakter der Dichtkunst: Schmerz der Trennung wird tiefer erfahren als die dadurch erst möglich gemachte dichterische Gestaltung.
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Damit: Elegie wird zum Gedicht gegen das Dichten, zur dichterischen Klage auf die Dichtung.
bei Goethes Pandora (Fragment): entläßt aus ihrem Gefäß Tempel, sitzende Dämonen, Wissenschaft und Kunst; vorher Inhalt der Kypsele von Epimeleia gedeutet: Vergangenes in ein Bild zu verwandeln àBegabung des Künstlers in seinem Festspiel, dem ersten Aufzug träumt Epimetheus von der Wiederkehr der Pandora, die ihr Gefäß öffnet; darin befinden sich Götterbilder, die in Wolkenform schweben; die munteren Luftgeburten gemeinhin als Gattungen gedeutet à hier evtl. Brücke zum Wolkenbild in der Elegie zu schlagen
II. die Trilogie als Ganzes
„Leidenschaften“ wörtlich zu verstehen: drei Gedichte, die sich mit Leiden auseinandersetzen Folgendes mehr als Hinweise gedacht denn als Interpretationsversuche! In den beiden anderen Gedichten die Dichterproblematik einen anderen Ausgang/andere Lösung als in der Elegie An Werther Ausgang mir hier nicht ganz klar! Paradiesmetaphorik auf die Natur bezogen Strophe 1:
Es ist, als ob du lebtest in der Frühe Frühe als noch in der Natur glücklicher Zustand
vgl. auch
Elegie
(Strophe 16):
Es ist als wenn sie sagte: „Stund um Stunde...“
Gemeinsamkeit zwischen dem Ich und Werther:
formell ausgedrückt - Kreuzreime in den ersten 8 Versen, dann nur noch Paarreime Gingst Du voran à das Ich wird folgen
anschließend Beschreibung des kindlichen Knaben (die Erfahrung des dichtenden Ich möglicherweise), der durch Trennung von der Geliebten erkennen muß = Parallele zu Werthers eigener Geschichte, der aus der Distanz heraus lächeln kann Strophe 5:
letzte vier Verse: abgesetzt (auch formell) vom Rest
Dichter singt, man soll den Tod durch das Scheiden meiden à meint den physischen Tod des nicht-dichterischen Menschen
Abwandlung des Tasso-Zitats: Geb’ ihm ein Gott zu sagen, was er duldet. Frage, in welcher Weise man das auf die Klage auf die Dichtung in der Elegie beziehen kann
Aussöhnung
Die Leidenschaft bringt Leiden!
hier ermöglicht eine andere Kunstform das Dichten trotz des Leidens - Musik kann auch nur im Moment gestaltet werden à Kunst erhält göttliche Dimension in der Musik Tränen ebenso à Trost, Heilmittel für den Körper Doppelglück der Töne wie der Liebe
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= Rückerinnerung an das Glück (Doppelglück), dadurch Dichtung möglich (erwiedernd willig darzutragen)
Arbeit zitieren:
Evamarie Pitz, 2000, Goethe - Trilogie der Leidenschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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