Aurelius Augustinus wurde am 13.11.354 in Thagaste in Numidien geboren. Sein Vater Patricius war ein heidnischer Grundbesitzer, seine Mutter Monik a eine überaus fromme Christin.
Augustinus selbst wurde zunächst nicht getauft, jedoch von seiner Mutter im christlichen Glauben erzogen.
Nach dem Elementarunterricht in Thagaste und der weiteren Ausbildung in Madaura fehlte der Familie das Geld, den hochbegabten Jungen weiterstudieren zu lassen. Mit 16 Jahren kehrte er deshalb nach Hause zurück und schloss sich einer Straßenbande an.
Ein Jahr später konnte er seine rhetorischen Studien an der Universität in Karthago fortsetzen.
In seinen Studentenjahren kam er jedoch völlig vom christlichen Glauben ab, gab sich mit Leidenschaft den Vergnügungen hin, die das studentische Ambiente der Universitätsstadt bot.
Im Jahre 372, Augustinus war damals 18 Jahre alt, wurde ihm von seiner Geliebten, mit der er auch die kommenden Jahre ein Verhältnis hatte, der Sohn Adeodatus geboren.
Diesem galt bis zu seinem Tod 389 Augustinus fürsorgende Liebe. Er begeisterte sich für Ciceros Hortensius, was in ihm die Liebe zum Philosophiestudium wachrief, zur Suche nach der Weisheit, was er durch selbstständige Lektüre aristotelischer Schriften zu befriedigen suchte. Er entfremdete sich auch immer mehr von dem Glauben der Mutter, er las zwar als Literat die Bibel, fühlte sich aber von ihrer ungelehrten Sprache und den sachlichen Unstimmigkeiten abgestoßen. So fand er Zugang zu der Lehre der Manichäer, die das Weltgeschehen als Kampf zwischen den beiden ewigen Mächten Licht und Dunkel, gleichbedeutend mit Geist und Materie, auffassten. Die massive Kritik des Manichäismus am Christentum kam ihm sehr entgegen. Er blieb insgesamt etwa 9 Jahre dem Manichäismus verhaftet. In dieser Zeit war er als Rhetoriklehrer in Thagaste und der Universität Karthago tätig.
Im Jahr 383 wird Augustinus als berühmt Gewordener seines Fachs nach Rom berufen, um dort Rhetorik zu unterrichten. Seine glänzende Karriere
Susanne Trummer
23.01.2001
fand ihren Gipfel in der Berufung an die kaiserliche Residenz in Mailand 384.
Innerlich jedoch hatte sich Augustinus durch Enttäuschungen und Widersprüche in der Lehre der Manichäer aus Verzweiflung zum Skeptiker ge-wandelt. Das heißt, er zweifelte zwar nicht an Gott, aber doch an der Möglichkeit ihn zu erkennen. Mailand sollte sein ganzes Leben ändern:
Augustinus Mutter machte ihren Einfluss gelten und überredete ihn, die Beziehung zu seiner Geliebten aufzugeben, zudem geriet er zunehmend in den Einfluss von Bischof Ambrosius, der ihn mit seinem neuplatonisch gefärbten Christentum und seiner achtungsgebietenden Erscheinung stark beeindruckte.
Die innere Lehre, die die Beschäftigung mit den philosophischen Modellen in ihm hinterließ, empfand er zunehmend als schmerzhaft und schließlich geschah es der Überlieferung nach, dass ein bemerkenswertes Erlebnis eine radikale geistig -spirituelle Wende in ihm auslöste. Zitat aus seinen Confessiones (VII, 12):
„Und sieh, da hörte ich eine Stimme vom Nachbarhaus herüber, singenden Tons, die Stimme wie von einem Knaben oder Mädchen, die immer wieder rief: Nimm! Lies!....Ich dachte nichts anderes, als dass mir Gott befehle, ein Buch zu öffnen und zu lesen, worauf zuerst mein Auge stoße...So ging ich schnell zum Platz zurück....Dort hatte ich einen Band, die Briefe des Apostels Paulus liegengelassen. Ich griff danach, ich öffnete und schweigend las ich die Stelle, auf die zuerst mein Auge fiel: „Nicht in Gelagen und in Rausch, nicht in Unzucht und Schamlosigkeit, nicht in Streit und Eifersucht, zieht vielmehr den Herrn Jesus Christus an und sorgt nicht für das Fleisch zur Befriedigung seiner Lüste.“ Ich wollte nicht weiterlesen und brauchte nicht weiterlesen. Denn kaum, da ich den Satz zu Ende gelesen, kam’s in mein Herz, ein Licht der Zuversicht und der Gewissheit, und alle Nacht des Zweifels war zerstoben.“
So kehrte er im Jahre 386 seinem Beruf und seiner Karriere den Rücken, und verbrachte im Sinne mönchischer Weltentsagung den Herbst und Winter auf einem Landgut in Cassiciacum, um das Erlebte religionsphilosophisch mit Freunden zu vertiefen.
Ostern kehrte er nach Mailand zurück und ließ sich zusammen mit seinem damals noch lebenden Sohn in der Osternacht von Ambrosius taufen, nachdem er die christliche Lehre als einzige Richtschnur für seine zukünftigen philosophischen Bemühungen anerkannt hatte.
Susanne Trummer
23.01.2001
Augustinus Mutter Monika, die es sich zu ihrem Lebenszweck gemacht hatte, ihren Sohn und ihren unehelichen Enkel zum christlichen Glauben zurückzuführen, konnte ihre Bemühungen als gelungen ansehen und verstarb wenige Monate später.
Augustinus kehrte 388 nach Thagaste zurück, verkaufte sein Vermögen und führte mit wenigen Freunden drei Jahre lang ein zurückgezogenes Leben in philosphisch-asketischer Gemeinschaft.
Bei einer Reise nach Hippo Regius 391 wurde er zum Priester geweiht und begann damit seine Lehr - und Predigttätigkeit. Aufgrund seiner dabei erworbenen Verdienste ernannte ihn der dortige Bischof Valerius 395 zum Mitbischof, und bereits ein Jahr später wurde Augustinus Valerius Nachfolger auf dem Bischofsstuhl von Hippo. Auch als Bischof lebte er in mönchischer Gemeinschaft mit Priestern, was er jedoch mit rastloser Tätigkeit in Predigt, Seelsorge, Verwaltung, Rechtssprechung und Armenfürsorge verband.
Augustinus starb am 28.08.430 in Hippo, als die Stadt von Vandalen belagert wurde.
Werk
Man kann bei Augustinus drei Schaffensperioden unterscheiden:
1. Schaffensperiode von 386-396
Sie verdeutlicht die Entwicklung von einem Philosophen zu einem Theologen. Am Anfang stehen die philosophischen Schriften
• die 4 Traktate von Cassiciacum (Contra academicos, De beata via, De ordine, Soliloquia)
• De immortalitate animae (Mailand 387)
• De magistro (Thagaste 389)
Diese sind geprägt von christlichem Platonismus, wohingegen in den antimanichäischen Schriften von Thagaste und Hippo Regius stärker das Thema des Verhältnisses von Vernunft und Offenbarung, Glaube und Autorität zur Sprache kommt.
• De libero arbitrio (388-395)
• De vera religione (389-391)
• Contra Manichaeos de duabus animabus (392)
Susanne Trummer
23.01.2001
2. Schaffensperiode von 396-411
Die zweite Periode prägen die Verpflichtungen als Bischof. So setzt er einerseits die Kampagne gegen die Manichäer fort und kämpfte dann von 400-412 vorwiegend gegen die Donatisten
• Psalmus contra partem Donati
• De baptismo contra Donatistas lib. VII (ca. 400) In dieser Zeit verfasste er auch sein bekanntestes Werk, die „Confessiones“ (zwischen 397 und 400). In diesen 13 Büchern legt er seinen geistigen und religiösen Lebensw eg mit schonungsloser Offenheit dar, daher ist auch heute noch so viel über sein Leben bekannt. Sie enthalten u. a. eine detaillierte Dokumentation seiner philosophischen Auseinandersetzung mit dem Manichäismus.
Auch das dogmatische Hauptwerk „De trinitate“ wurde 399 begonnen, aber erst 419 vollendet.
3. Schaffensperiode von 411-430
412-420 widmete er seine theologischen Schriften dem Kampf gegen die Pelagianer, mit denen er über Gnadenlehre stritt.
• de natura et gratia (413-415)
• de gestis Pelagii (416)
413-426 arbeitete er an seinem apologetischen (verteidigend) Hauptwerk „De civitate Dei“
Augustinus letzte Jahre waren vom Untergang des Römischen Reiches überschattet, wobei die Eroberung Roms durch den Westgotenkönig Alarich im Jahre 410, sowie der Eindruck, den dieses Ereignis bei Augustinus hinterließ, als der unmittelbare Anlass der Entstehung des Werks anzusehen ist. Die Heiden warfen dem Christentum vor, maßgeblich Schuld am Untergang des einstigen Imperiums zu tragen, da die alten Götter, die Rom immer beschützt hatten, im Zuge der Konstantinischen Wende durch den christlichen Gott verdrängt wurden.
Augustinus wollte diesen Vorwurf mit seinem De civitate dei entkräften. Es ist in 22 Bücher eingeteilt, wobei sich die ersten 10 diesem Vorwurf ausführlich wid men.
Augustinus schildert die Geschichte Roms sehr detailliert als eine Abfolge von Unheilsgeschehnissen, deren Ursache darin liegt, dass dieser Staat keinesfalls jenem Ideal entsprochen hat, das Cicero in „De re publica“ entworfen hat.
Susanne Trummer
23.01.2001
Da am Anfang des römischen Reiches der Brudermord des Romulus steht, was jeder Gerechtigkeit widerspricht, ist seiner Ansicht nach der Weg zum Untergang bereits vorgezeichnet.
Hiermit setzt sich auch die Tradition eines gottfernen „Weltstaates“ fort, an deren Anbeginn wiederum der Brudermord des Kain stand. Auch die beim Untergang Roms verübten Greueltaten werden als wesenhaft für den Verlauf und das Ende dieses Weltstaates erachtet, wobei die Brutalität der Germanen keinesfalls an die der heidnischen Römer heranreicht. Weder ist der Untergang Roms die Schuld des Christentums noch der vergangene Glanz das Werk heidnischer Götter. Diese sind machtlos, was man an ihrer offensichtlichen Ohnmacht angesichts des Untergangs des Reiches sehen kann.
Nach Augustinus ist Jesus Christus, der Gottessohn, der einzig wahre Mittler, der das Gottesreich auf Erden gestiftet hat. Die folgenden 12 Bücher sind diesem Gottesreich gewidmet.
BLATT
Dieses Werk entwickelte sich dann im 5. und 6. Jahrhundert zum theoretischen Fundament des Christentums.
Susanne Trummer
23.01.2001
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Susanne Trummer, 2001, Aurelius Augustinus - Leben und Werk, Munich, GRIN Publishing GmbH
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Kevin
super!!!.
susi, du hast mich gerettet!yes!! you are awesome!!
so wie dein referat aufgebaut ist, musst du du echt klasse und super schlau sein! DU BIST SO GEIL!!!
on Monday, September 30, 2002-