UNIVERSITÄT LEIPZIG
Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft Allgemeine und Spezielle Journalistik Wintersemester 2000/2001
Thema: Was leisten Infografiken in der Tageszeitung? Untersuchung der Zeitungen „Die Welt“ und „Freies Wort“
Gliederung:
1. Die Infografik - journalistische Darstellungsform und Gestaltungselement
1.1. Der Begriff Infografik
1.2. Die Entwicklung der Infografik in der Tagespresse
1.3. Forschungsstand zur Infografik
1.4. Die Stärken der Infografik
1.5. Die Schwächen und Gefahren der Infografik
1.6. Qualitätsanforderungen an eine Infografik
2. Untersuchungsmethode und - ziel
3. „Die Welt“
3.1. „Die Welt“ - eine überregionale Qualitätszeitung
3.2. Inhaltliche Aufgaben
3.3. Stil und Gestaltung
3.4. Einsatz der Infografikvarianten
3.5. Spezifische Funktionen der Infografik in der „Welt“
3.6. Qualität der Infografiken
4. „Freies Wort“
4.1. „Freies Wort“ - eine Regionalzeitung mit lokalem Bezug
4.2. Inhaltliche Aufgaben
4.3. Stil und Gestaltung
4.4. Einsatz der Infografikvarianten
4.5. Spezifische Funktionen der Infografik in „Freies Wort“
4.6. Qualität der Infografiken
5. Vergleich der Untersuchungsergebnisse
6. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
Anlagen : Literaturverzeichnis
3
1. Die Infografik - journalistische Darstellungsform und Gestaltungselement
1.1. Der Begriff Infografik
„Infografiken sind gezeichnete Nachrichten oder Erläuterungen von komplizierten Sachverhalten“ 1 .
Ihr Ziel ist es, Informationen grafisch aufzubereiten und zu präsentieren. In den 80er Jahren verschmolzen die Worte Information und Grafik zu dem Begriff Informationsgrafik, kurz Infografik. Heute ist sie ein bedeutender und regelmäßiger Bestandteil von Zeitungen, Zeitschriften und Informationssendungen im Fernsehen wie z.B. Nachrichten. 2
Angela Jansen unterscheidet drei Typen von Infografiken nach den jeweiligen Fragen, welche diese beantworten: Prinzipdarstellungen beantworten die Fragen „Was?“ und „Wie?“. Sie beschreiben einen Gegenstand, seine Struktur oder den Ablauf eines Prozesses. Karten ( kartographische Infografiken ) zeigen den Ereignisraum bzw. die räumliche Verteilung von qualitativen oder quantitativen Aspekten eines Themas, d.h. sie beantworten die Frage nach dem „Wo?“. Typ drei sind Bildstatistiken. Hier werden Zahlen ins Bild gesetzt, oft erfolgt auch eine zeitliche Einordnung. Diese Infografiken geben Antwort auf die Fragen „Wie viele?“ und „Wann?“. Die verschiedenen Infografiktypen werden zum Teil kombiniert, denn häufig kann erst so die Frage nach den Ursachen und Gründen, also dem „Warum?“ beantwortet werden. 3
1.2. Die Entwicklung der Infografik in der Tagespresse
Nach Thomas Knieper vollzog sich die Etablierung der Infografik in der Tagespresse wie folgt: Im 17. Jahrhundert erschienen die ersten Tageszeitungen, welche höchstens auf der Titelseite Illustrationen enthielten. Dies hatte zum einen technische Ursachen. Zum anderen wollte die Elite, die des Lesens und Schreibens mächtig war, die analphabetische Masse nicht an dem Wissen teilhaben lassen, welches die Tageszeitungen vermittelten. Die Herausgeber erkannten jedoch schon früh die Attraktivität des Visuellen, und so erschienen Mitte des 18. Jahrhunderts vereinzelt erste Infografiken in der Tagespresse. Dabei handelte es sich meist um Karten oder Ablaufdarstellungen bzw. Bildfolgen, z.B. von Kriegsschauplätzen und Schlachten. Ab 1843 erschienen in Großbritannien „illustrierte“ Wochenzeitungen, die verstärkt mit dem Einsatz von Grafiken arbeiteten. Diese verschwanden mit der Möglichkeit Fotos zu drucken weitgehend wieder. In den
1 Wolf Schneider / Paul- Josef Raue, 1996, Seite 170
2 vgl. Thomas Knieper, 1995, Seite 3 - 4
3 Angela Jansen, 1999, Seite 18
4
Tageszeitungen wurden Infografiken nur sporadisch eingesetzt, denn ihre Erstellung war sehr zeitaufwendig. Darüber hinaus herrschte das Vorurteil, der weniger Gebildete denke in Bildern, der Gebildetere in Worten.
In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts setzten sich mit Beginn der Computergrafik-Revolution Infografiken in der Presse verstärkt durch. Das wirkliche Umdenken erfolgte erst in den 80er Jahren: „ Man erkannte nun die Bedeutung der Infografik, dem Leser komplizierte Sachverhalte durch eine „visuelle Übersetzung“ verständlicher zu machen und man hatte dank des Computers auch die Möglichkeiten, dies zu realisieren“. 4 Die Infografik bekam einen ähnlichen Stellenwert wie ein Textbeitrag und findet heute in allen Ressorts Verwendung, da man in modernen Zeitungen gerade auch auf das Layout der einzelnen Seiten verstärkt Wert legt.
Drei Hauptereignisse werden für den endgültigen Durchbruch der Infografik mitverantwortlich gemacht: Das Challenger- Unglück und der Reaktorunfall von Tschernobyl 1986, sowie der Golfkrieg 1991. Von diesen Ereignissen existierten keine Fotos, und so war die Presse regelrecht gezwungen, die neue Darstellungsform zu erproben, um eine angemessene Berichterstattung zu gewährleisten. 5
Nach Angela Jansen hat das hohe Tempo des aktuellen Infografik- Booms wirtschaftliche Gründe: Der Verlust von Marktanteilen gegenüber dem Fernsehen zwang die Printmedien zu schnellem Handeln. 6
1.3. Forschungsstand zur Infografik
Die Infografik kam als Trend aus den USA nach Deutschland, wo sie auf Produzenten und ein Publikum traf, die ihre Ansprüche an die neue Darstellungsform nicht klar formulieren konnten. Es herrschte Unsicherheit darüber, was Infografiken leisten können und über welche Qualifikationen ihre Macher verfügen sollten Trotzdem setzte sich die Infografik als selbstverständliches Kommunikationselement immer mehr durch, ohne dass diese Fragen hinreichend diskutiert und erforscht wurden. 7
Auch Martin Liebig beschreibt 1999 die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur journalistischen Infografik als „spärlich“. Die publizistische Forschung habe bis zu diesem Zeitpunkt nur ergeben, dass Infografiken zwar ebenbürtige, aber nicht erwiesen bessere Informationsträger als Text und Foto seien. „Tatsache ist: Sie liegt bis heute nicht vor, die Studie, die die Einrichtung eines Grafik- Ressorts akademisch felsenfest erzwingen würde“. 8
4 Thomas Knieper, 1995, Seite 116 - 117
5 vgl. Thomas Knieper, 1995, Seite 113 - 117
6 vgl. Angela Jansen , 1999, Seite 16
7 vgl. Angela Jansen , 1999, Seite 16
8 Martin Liebig, 1999, Seite 53
5
Arbeit zitieren:
Claudia Walther, 2001, Was leisten Infografiken in der Tageszeitung?, München, GRIN Verlag GmbH
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