Wilhelm II und Reichskanzler Bethmann Hollweg, den Österreichern volle Unterstützung bei einer Aktion gegen Serbien zu. Diese „Blankovollmacht“ wurde trotz des Risikos erteilt, daß Rußland im Falle eines Militärschlages gegen Serbien nicht tatenlos zusehen würde. Am 23.7.1914 stellte Österreich den Serben ein Ultimatum, welches nicht zu deren Zufriedenheit erfüllt wurde.
Daraufhin erklärte Österreich am 28.7.1914 den Serben den Krieg.
Kriegsverlauf:
Als Reaktion auf die österreichische Kriegserklärung begann Rußland als erster Staat mit einer Truppenmobilisierung. Nun waren auch die Deutschen gezwungen zu reagieren, um den Schlieffenplan noch ausführen zu können. Deshalb erklärte Deutschland am 1. August Rußland und am 3. August Frankreich den Krieg. England verhielt sich zunächst neutral, als aber, gemäß dem Schlieffenplan am 4. August deutsche Truppen in das neutrale Belgien einfielen, trat auch England am 5. August in den Krieg ein. Die Allianz aus Rußland, Frankreich und England nannte man die Entente. Ihnen schlossen sich während des Krieges 25 weitere Länder an. Ihnen gegenüber standen die Mittelmächte bestehend aus Deutschland, Österreich-Ungarn, der Türkei (Nov. 1914) und Bulgarien (Okt. 1915).
Westfront:
Anfangs lief der Krieg sehr gut für die Deutschen. Planmäßig durchquerten die deutschen Truppen, unter der Führung von Generalstabschef Moltke Belgien. Anfang September wurde die Marne überschritten. Das deutsche Heer stand somit 50 km vor Paris. Der entscheidende Durchbruch gelang allerdings nicht, da unerwartet Truppen in Belgien zurückgelassen und an die Ostfront abgezogen werden mußten, um ein Scheitern an der Ostfront zu verhindern. Am 4. September 1914 wendete sich das Blatt für die Deutschen: An diesem Tag begann der Gegenangriff durch England und Frankreich. Damit veränderte sich der Krieg an der Westfront grundlegend. Aus dem bis jetzt so schnell verlaufenen Bewegungskrieg, wurde der Stellungskrieg. Das heißt, beide Seiten waren nicht stark genug , um den Gegner mit einem Schlag weit zurückzudrängen. Die Folge davon war, daß sich beide Armeen sich in ihren Stellungen eingruben. Es entstand ein ewiges Hin und Her bei dem mal die Armee der Entente und mal das deutsche Heer einige hundert Meter Gelände gewinnen konnten. Der Krieg trat somit auf der Stelle. Die einzige Chance den Gegner zu besiegen bestand in dem Einsatz enormer Mengen Kriegsgerät und Soldaten. Diese Matrialschlachten kosteten unheimlich viele Opfer und außerdem wurden durch sie die Industrien auf beiden Seiten enorm geschwächt. Ein Beispiel für eine solche Matrialschlacht war der wochenlange Versuch der Deutschen, die Französische Festung Verdun einzunehmen. Sie versuchten mit wochenlangen Dauerbeschuß durch Granaten die Franzosen „weichzuklopfen“. Dies war allerdings wenig erfolgreich. Dafür starben in dieser Zeit allein 240.000 Deutsche und 275.000 Franzosen. Wie schon gesagt zehrte diese Art von Kriegsführung stark an den Reserven, welches auch die Menschen in der Heimat zu spüren bekamen. Dort war nämlich nicht mehr genügend Nahrung vorhanden und die Menschen begannen zu hungern. Die neuerlichen Niederlagen der Deutschen hatten noch eine weitere Auswirkung: Der deutsche Oberkommandeur Moltke wurde durch Erich von Falkenhayn ersetzt.
Ostfront:
Im Osten wurden die Russen zuerst unterschätzt. Da laut dem Schlieffenplan nur eine sehr geringe Anzahl von Truppen an die Ostfront verlegt waren, konnte man dem Ansturm der
Russen nicht standhalten. Der befehlshabene Kommandeur wollte sich sogar schon etwas zurückziehen, als er durch zwei neue, extra aus dem Ruhestand reaktivierten Befehlshaber ersetzt wurde. Dies waren General Paul von Hindenburg und sein Stabschef Erich Ludendorff. Ihnen gelang es trotz der russischen zahlenmäßigen Überlegenheit, einen klaren Sieg in der Schlacht von Tannenberg zu erzielen.
Von da an hatten sie sich den Namen „Die Helden von Tannenberg verdient. Von nun an kam das deutsche Heer gut voran. Das Problem auf Seiten Rußlands bestand darin, daß es zwar eine zahlenmäßig sehr große Armee hatte, diese aber bei weitem technisch nicht so weit entwickelt war, wie die Deutsche.
Außerdem war auch die russische Infrastruktur sehr unterentwickelt. Aus diesen Gründen konnte das deutsche Heer bis in den Herbst 1915, also ein Jahr länger als an der Westfront, den Bewegungskrieg beibehalten. Erst dann zeichnete sich das gleiche Bild, wie in Frankreich ab: Die Deutschen hatten nicht mehr genug Reserven, um einen schnellen Aufmarsch beibehalten zu können. Man befand sich nun auch dort im Stellungskrieg, bei dem beiden Armeen die entscheidenden Mittel zum Durchbruch fehlten.
Der unbeschränkte U-Boot-Krieg:
Nachdem sich der Krieg auf dem Land festgefahren hatte, entwickelte die oberste Heeresleitung Deutschlands unter Führung von Erich von Falkenhayn einen neuen Siegesplan: Den unbeschränkten U-Boot-Krieg. Die deutsche Überseeflotte, die im Vorfeld für soviel Spannung gesorgt hatte, blieb während des Krieges weitgehend in ihrem Hafen. Das Problem war die englische Seeblockade, die so weiträumig angelegt war, das ein Durchbrechen unmöglich schien. Es mußte aber etwas dagegen unternommen werden, da Deutschland durch sie von sämtlichen Rohstoffzufuhren abgeschnitten wurde. Die Folge davon war, daß die Deutschen hungerten.
Deshalb entschied sich die OHL, die neuentwickelte U-Bootwaffe ab dem 4.2.1915 gegen die Entente einzusetzen. Die deutschen U-Boote sollten in einem weiten Gebiet um England alle Schiffe, egal ob militärisch, oder zivil versenken. Durch diese Tatsache geriet Deutschland allerdings in eine sehr brenzlige Lage. Nach nur wenigen Monaten des U-Bootkrieges versenkte ein deutsches U-Boot am 7.5.1915 den britischen Passagierdampfer „Lusitania“, auf dem sich unter anderem 130 Amerikaner aufhielten. Die USA protestierten aufs Schärfste gegen diese Art von Kriegsführung und drohten mit dem Kriegseintritt. Daraufhin stellten die Deutschen den U-Bootkrieg ein, um ein Eingreifen der Amerikaner zu verhindern.
Ein Jahr später war die Lage auf den Kriegsschauplätzen ziemlich aussichtslos. Deshalb hatte es wiedereinmal einen Wechsel in der obersten Heeresleitung gegeben. Die „Helden von Tannenberg“, also Hindenburg und Ludendorff hatten nun das Kommando. Diese beiden wurden mit enormen Vollmachten ausgestattet. Es wurde das sogenannte Hindenburgprogramm ins Leben gerufen. Dies waren eine Reihe von Maßnahmen, die die Wirtschaft vollkommen auf die Produktion von Rüstungsartikeln umstellen sollten. Hindenburg war auch daran beteiligt, als im Juli 1917 der deutsche Reichskanzler Bethmann, der den Österreichern damals die „Blankovollmacht“ übergeben hatte, gestürzt wurde. Er wurde durch den bayrischen Zentrumspolitiker Graf Hertling ersetzt.
Wie schon gesagt war die Lage Anfang 1917 schlecht für die Deutschen. Deshalb beschloß die
OHL den uneingeschränkten U-Bootkrieg wieder aufzunehmen. Dies führte dazu, daß am 6.
April 1917 die USA in den Krieg auf Seiten der Entente eintraten. Dies verschlechterte natürlich die deutsche Lage an der Westfront entscheidend.
Die Revolution in Rußland:
In dieser schlimmen Lage tat sich für die Deutschen eine letzte Hoffnung auf, den Krieg doch noch zu gewinnen. In Rußland kam es 1917 zu zwei Revolution auf Grund der katastrophalen Lage im Bereich der Nahrungsmittelversorgung.
Die nach der Februarrevolution an die Macht gekommene liberaldemokratische Regierung machte den Fehler, den Krieg weiterführen zu wollen. Dies öffnete der Oktoberrevolution die Tür, bei der die Bolschewisten an die Macht kamen. Dieser Aufstand wurde von Deutschland indirekt unterstützt, indem dem im Exil lebenden Bolschewistenführer Lenin der Weg nach Rußland ermöglicht wurde.
Diese neue Regierung ließ erkennen, daß Rußland aus dem Krieg ausscheiden würde. Das geschah dann auch am 3. März 1918, im Frieden von Brest-Litowsk.
Entscheidungskampf im Westen:
Im Frühjahr 1918 sah die Lage für die Deutschen besser aus, als jemals zuvor seit dem Scheitern des Schlieffenplans. Man befand sich nun in einem Einfrontenkrieg bei dem fast das gesamte Ostheer als Verstärkung an die Westfront gebracht wurde. Ludendorff setzte alles auf eine Großoffensive gegen die Entente. Die Zeit drängte, da die Amerikaner von Monat zu Monat immer mehr Truppen nach Frankreich brachten.
Am 21. März 1918 startete die Offensive. Es wurde ein Angriff gegen die Nahtstelle der französischen und britischen Armee eingeleitet. Damit war man sehr erfolgreich und machte große Geländegewinne. Aber die Alliierten erholten sich und begannen am 8. August 1918 mit dem Gegenangriff. Diesen Tag bezeichnete Ludendorff als den „schwarzen Tag des deutschen Heeres“, da die deutsche Armee hohe Verluste erlitt und sich weit zurückziehen mußte. Ab diesem Tag war klar, daß der Krieg für die Deutschen nicht mehr zu gewinnen war. Dies sah auch Ludendorff ein und er war auch der Meinung, daß der Krieg jetzt beendigt werden sollte. Die deutsche Armee befand sich auf dem Rückzug. Zwar noch kämpfend, aber sie konnten der gewaltigen Überzahl der Alliierten nicht mehr standhalten. Im September 1918 brechen die deutschen Verbündeten (die Österreicher, die Türken und die Bulgaren) zusammen.
Waffenstillstansverhandlungen:
Ab diesem Zeitpunkt wurde mit Waffenstillstandsverhandlungen begonnen. Diese wurden geleitet von dem amerikanischen Präsident Wilson. Dieser wollte einen Waffenstillstand nur akzeptieren, wenn Deutschland zur Republik würde. Daraufhin floh Kaiser Wilhelm II, der während des Krieges eigentlich keinerlei Einfluß mehr ausübte nach Spa.
Am 9. November 1918 wurde dann in seiner Abwesenheit die Republik ausgerufen. Somit konnte am 11. November das Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet werden. Damit war der Krieg beendet.
Arbeit zitieren:
Claus Huber, 1999, Der Erste Weltkrieg, München, GRIN Verlag GmbH
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