Gewand [...]“ (S.21 Z.21-23); „Sagte ich, dass man die Gäste beim Abschied ohne Maßen beschenkt ? Es war mehr als ohne Maßen. Jeder erhielt fünfhundert Mark in rotem Gold, das war Gold, soviel als ein stattliches Reitpferd wiegt, und es waren fünftausend Gäste nach Worms gekommen.“ (S.25 Z.4-8). Auch Hagen von Tronje verkörpert zum Teil die altgermanischen Wertvorstellungen, er ehrt seine Sippe und er ist Gefolgschaftstreu, denn trotz seiner Bedenken folgt er Gunther an den Hof von Etzel. „ So soll denn geschehen, was geschehen soll! Ihr werdet mich nimmer feige nennen! Reiten wir also!“ (S.104 Z.37-39). Er zeigt mit dieser Handlung außerdem mutige Todesbereitschaft.
Diese Gesellschaftsformen sind allerdings nicht nur zu Beginn erkennbar, sondern sie prägen den gesamten Verlauf der Erzählung. Das unabwendbare Schicksal, eine Wertvorstellung der alten Germanen, das alle miteinander verbindet zieht sich durch das ganze Nibelungenlied und taucht immer wieder auf.
Als Kriemhild einen Traum hat, in welchem sie träumt, sie zähme einen Falken und da kämen zwei Adler und zerfleischten den Falken, erfahren wir zum ersten Mal von einem unabwendbaren Schicksal. Ihre Mutter deutet diesen Falken als einen Mann, den Kriemhild bekommen, aber bald wieder verlieren wird. „Der Falke, den du da gezähmt hast, das ist ein schöner und edler Mann, und Gott möge ihn wohl behüten, sonst verlierst du ihn bald“ (S.6 Z.2-5); „[...] und doch werdet ihr sehen, dass ein Held sie heimführt, und er wird ihr Falke aus dem Traum sein, und ihre nächsten Verwandten werden ihn erschlagen, und daraus wird eine Rache wachsen [...]“ (S.6 Z.15-19). Mit diesem Traum, seiner Deutung und den Worten des Dichters wird praktisch schon ganz am Anfang der weitere Verlauf und das Geschick angedeutet.
Und auch Hagen glaubt an ein unabwendbares Schicksal. Er fürchtet einen Hinterhalt, als Kriemhild und Etzel die Burgunder an ihren Hof einladen. „Der Rat fast aller ging dahin, die Einladung anzunehmen, nur Hagen widersetzte sich aufs heftigste.“ (S.104 Z.18-19). Er glaubt daran, was die Nixen ihm weiß sagen, als die Burgunder sich auf den Weg machen um Etzel zu besuchen. „[...] Unheil erwartet die Nibelungen! [...] In Etzels Land lauert der Tod!“ [...] „Ein einziger wird zurückkehren, und das ist euer Kaplan! Ihr anderen werdet sterben [...]“ (S.107 Z.9-14) und erschlägt daraufhin den Kaplan, um diese Weißsagung zu testen.
Der überwiegende Teil der verschiedenen Charakteren, nicht nur Siegfried, verkörpern aber ritterliche Ideale. Da ist z.B Rüdiger, der ähnlich wie Siegfried, ein treuer und ehrenvoller Ritter und Gefolgsmann eines Königs ist. Er drückt vor allem Freigebigkeit aus, als er in Pöchlarn mit den Nibelungen zusammentrifft und sie bewirtet und versorgt. „Es ist an alles gedacht; Speise und Trank steht bereit, und die Wiesen hier haben wir etwas eingeebnet, da schlagt eure Zelte auf!“ [...] „....meine Mark ist klein, doch niemand soll sie unwirtlich schelten! [...]“ (S.113 Z.5-7).
Und auch Dietrich beweist Anstand und Milde, als er um die Gnade Kriemhilds für Hagen und Gunther bittet, obwohl er die Chance hatte, beide zu erschlagen. „Edle Gemahlin des Königs, noch nie wurden solche tapferen Ritter wie diese als Geiseln gegeben! Ihr habt mir versprochen, einen Wunsch zu erfüllen. Ich bitte um Gnade für Hagen und Gunther!“ (S.153 Z.19-22).
Warum die ritterlichen Ideale im Nibelungenlied überwiegen lässt sich nur vermuten. Wie unschwer zu erkennen, vertraten die alten Germanen und die Ritter am Hofe ähnliche Ansichten. Es scheint als wären im Laufe der Zeit zusätzliche Ideale zu denen der alten Germanen hinzugekommen, die schließlich und endlich die altgermanischen Wertvorstellungen zu den ritterlichen Idealen ergänzten und erweiterten. Die Ritter waren zudem wahrscheinlich gesitteter und besser erzogen, als die alten Germanen und in dieser Hinsicht einfach fortschrittlicher.
Da sich das ganze Nibelungenlied außerdem an ein höfisches Leben lehnt, lässt sich vermuten, dass die ritterlichen Ideale auch aus diesem Grund überwiegen.
Arbeit zitieren:
Cornelia Forster, 2000, Nibelungenlied - Erörterung, München, GRIN Verlag GmbH
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