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Hier die Fakten (fachspezifische Langfassung):
Energiesparen verringert den Energie-so viel Strom wie ihre Vorgänger. Die verbrauch durch Verzicht auf Energie-heutigen PKW und Flugzeuge verbrauchen Dienstleistungen (z. B. Brötchen holen mit je kW Leistung deutlich weniger Treibstoff dem Fahrrad statt dem Auto) oder bessere als früher. Solche energiesparenden Anla-Ausnutzung der eingesetzten Energie, also gen, Fahrzeuge und Geräte müssen aber höhere Energie-Produktivität, d. h. die noch weiter verbreitet werden. gleiche Energie-Dienstleistung wird mit Die beiden Ölpreiskrisen der 1970er Jahre weniger Aufwand an (Primär-) Energie brachten entscheidende Anstöße. Der erbracht. Ein geringerer Verbrauch des Kehrwert zur Energie-Produktivität, die gleichen Energieträgers bewirkt geringere Energie-Intensität (Energieaufwand je Inanspruchnahme der Ressourcen, weniger 1000 $ reales Brutto-Inlandsprodukt), ist in Umweltbelastung, höhere Versorgungsden letzten 25 Jahren um den Rekordwert sicherheit, reduzierte Abhängigkeit von von 36 % zurückgegangen, diejenige der Importen und niedrigere Kosten (sofern Industrie hat sich seit 1960 sogar mehr als nicht hohe Investitionen erforderlich sind). halbiert. Dazu haben allerdings der Die Energieanwendung ist „rationell“, Strukturwandel weg von der Grundstoffinwenn nicht nur die Energie, sondern alle dustrie hin zu Dienstleistungen und der in-Produktionsfaktoren (auch z. B. Kapital) dustrielle Einbruch in Ostdeutschland optimal eingesetzt werden. beigetragen.
Im 20. Jahrhundert wurden bei der Ener-Dennoch leistet insgesamt erst gut 1/3 gie-Effizienz gewaltige Fortschritte erzielt. Drittel der in unserer Volkswirtschaft ein-Die ersten elektrischen Glühlampen gesetzten Energie nützliche Arbeit. 2/3 („Birnen“) hatten eine Lichtausbeute von gehen verloren, teils bei der Umwandlung weniger als 10 Lumen (lm) je Watt (W) von Primärenergien wie z. B. Kohle in Leistung. Moderne Kompakt-Leuchtstoff-Strom in Kraftwerken oder Rohöl in lampen (KLL) bringen es auf 80 lm/W, Benzin in Raffinerien, vor allem aber bei Natriumdampf-Hochdrucklampen sogar
der Nutzung durch die Verbraucher (in auf 150 lm/W. Die ersten Dampfkrafterster Linie Raumheizung und Autos). Im werke vor hundert Jahren brauchten 11 kg internationalen Vergleich erreicht
Steinkohle zur Erzeugung von 1 kWh Deutschland damit jedoch eine hohe Strom. Heute werden nur noch gut 300 g Energie-Produktivität: Sowohl beim
benötigt. Ein modernes Niedrigenergiehaus spezifischen Primärenergie - wie beim kommt mit weniger als 7 l je m² Heizöl im spezifischen Stromverbrauch sind wir -Jahr aus. Ein Nachkriegs-Altbau vervon Irland abgesehen - führend. Der schlingt das Dreifache und oft noch mehr. Durchschnitt der Industrieländer liegt um Hocheffiziente Heizungen mit Brennwert-15 % höher. Nirgendwo verbraucht die kessel erreichen heute eine Energieaus-Industrie weniger Energie je Produkteinnutzung von über 90 %. Viele elektrische heit als hierzulande, und nirgendwo ist der Haushaltsgeräte benötigen nur noch halb Kraftwerkspark effizienter.
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Vor allem zum Klimaschutz (siehe Klima- Nurbedingt wirkt sich das Preisniveau aus. schutz) muß - neben der Substitution Viele Länder mit höheren Preisen für kohlenstoffhaltiger (Kohle, Öl, Gas) durch Energie nutzen diese schlechter aus als kohlenstofffreie (Kernenergie, Regenerati-Deutschland. Das gilt besonders für die ve) Energieträger - Energie noch effizien-Industrie. Private Verbraucher reagieren ter bereitgestellt und genutzt werden. Dies auf (mäßige) Preissteigerungen, etwa bei ist möglich durch freiwillige oder staatlich den als lebensnotwendig angesehenen Enveranlaßte (Subventionen, Energie-ergieträgern Benzin und Strom, kaum mit besteuerung) bzw. erzwungene (Standards, einer Verringerung der Nachfrage. Die Ge- und Verbote) Verhaltensänderungen, „Preiselastizität“ ist hier zumindest kurz-Investitionen (technische Verbesserungen) fristig gering. Die Verdreifachung der vor-oder Technikwechsel (z. B. vom Naß- zum her hochsubventionierten Strompreise in Trockenverfahren in der Zementindustrie). den neuen Bundesländern nach 1990 und Auf manche Energiedienstleistung kann die massive Verteuerung des Stroms in verzichtet werden (z. B. Autofahrt zum Dänemark haben keinen nennenswerten Zigarettenautomaten). Viele Haushalte Verbrauchsrückgang verursacht. lüften falsch. Stand-by-Verbrauch läßt sich Unterschieden werden muß bei all dem vermeiden, etwa durch Ausschalten des zwischen Wärme (Raum- und Prozeßwär-Fernsehers oder Energiesparboxen beim me, bes. in der Industrie, aber auch z. B. Faxgerät. KLL sparen Lichtstrom, auf den zum Kochen und Waschen), Treibstoffen im Haushalt allerdings nur 10 % des (für den Straßen- und Luftverkehr) und Strom-und 1 % des gesamten Strom. Auf Raum- und Prozeßwärme Energieverbrauchs entfällt. Technische entfällt mit mehr als 60 % der bei weitem Verbesserungen machen viel aus, beim größte Anteil am gesamten Endenergiever-Strom z. B. höhere Wirkungsgrade der brauch. Bei den privaten Haushalten ist Kraftwerke. Die Kraft-Wärme-Kopplung, dieser Anteil noch wesentlich höher. Die
Wärmebedarf die Energie um 10 bis 30 % Potentiale werden geschätzt auf besser ausgenutzt werden kann als bei der
- 60-70 % bei der Wärme, bes. der
getrennten Erzeugung von Strom und Raumwärme
Wärme, läßt sich noch ausbauen ( siehe: - etwa 25 % bei den Treibstoffen Kraft-Wärme-Kopplung). Auch von der Brennstoffzelle (siehe Brennstoffzelle) - rd. 20 % beim Strom. werden Energieeinsparungen erwartet. Technische Potentiale bedeuten, daß sämt-Eine große Rolle kann die Mikroelektronik liche Gebäude, Maschinen, Fahrzeuge, spielen, die wenig Strom verbraucht, aber Geräte usw. so wenig Energie verbrauchen viel Energie spart. Telekommunikation wie das derzeit jeweils sparsamste. Sie macht den Straßenverkehr teils durch Telekönnen nie vollständig umgesetzt werden. matik flüssiger (und damit sparsamer), teils Selbst die Realisierung eines größeren sogar, z. B. durch Video-Konferenzen und Teils dauert wegen des vorhandenen Heimarbeit, überflüssig. Kapitalstocks (Extremfall: Häuser mit Nutzungsdauern von 100 Jahren) Jahr-
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zehnte. Die wirtschaftlichen und zugleich und Umweltschutzmaßnahmen (z. B. Klärumwelt- wie sozialverträglichen Potentiale anlagen). Doch bleibt die Zunahme des sind viel kleiner. Für die Energiepolitik Stromverbrauchs seit einiger Zeit hinter kommt es auf die erschliessbaren derjenigen des Sozialprodukts zurück. Die Potentiale jeweils bis zu einem bestimmten Strom-Intensität nimmt also ab. Zeitpunkt an.
Strom ersetzt andere Energieträger. Rechnet man diese Erhöhung seines Anteils Potential-Abschätzungen beziehen sich in der Regel auf spezifische Minderungen, heraus, so ergeben sich sogar überdurchd. h. solche je Energie-Dienstleistung, z. B. schnittliche Einsparraten. Es gilt der Satz: je 100 km Autofahrt oder je Herstellung „Immer weniger Strom je Anwendung, von 1000 Flaschen. Es gibt aber auch ver-aber immer mehr Anwendungen von brauchssteigernde Faktoren, z. B. höhere Strom.“ Zu Unrecht steht der Strom daher Produktion und Zunahme der Zahl oder bei Energiespar-Diskussionen meist im Größe der PKW. Die absolute Menge an Vordergrund („Negawatts“). Vielfach ereingesetzter Energie sinkt dadurch wo-möglicht erst der Einsatz von Strom - bei möglich nicht. Um den von E.-U. von voller Berücksichtigung der Verluste auf Weizsäcker geforderten „Faktor 4“ (4mal den jeweiligen Vorstufen - eine Verringerbessere Energieausnutzung) zu erreichen, ung des Energieverbrauchs insgesamt. Für müßte die Energie-Produktivität 46 Jahre einen so ökologisch vorteilhaften (meist lang jeweils um 3 % steigen, zweieinhalb-geringen) Mehreinsatz von Strom
mal so viel wie im langfristigen Durch-(„Ökowatts“) gibt es zahlreiche Beispiele schnitt (siehe: Faktor 4 beim Energie- (siehe Energiesparenmit Strom und sparen). Das ist unrealistisch. Wärmepumpe).
Die letzte große Untersuchung für die Selbst nochmals verstärkte Anstrengungen Bundesregierung von der Prognos AG und zur Einsparung von Strom könnten bis dem Energiewirtschaftlichen Institut der 2020 bestenfalls eine Stagnation des Ver-Universität Köln erwartet bis 2020 bei stei-brauchs herbeiführen, aber keinen Rückgender Wirtschaftsleistung einen Rück-gang. Daher ist etwa die Behauptung gang des Primärenergieverbrauchs um ins-unrealistisch, der Atomstrom lasse sich gesamt 5 % und einen Anstieg des Strom-„wegsparen“. Dieser deckt ein Drittel der verbrauchs um 13 %. Gründe für den Zu-Stromnachfrage und 50 % des Grundwachs beim Strom sind u. a.: Zunahme der lastbedarfs.
Kleinhaushalte mit elektrischem Grundbedarf, wachsende Geräteausstattung, Automatisierung und Roboterisierung der Wirtschaft, Kommunikationstechniken (Faxgeräte, PCs, Ladegeräte für Handys usw.)
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Arbeit zitieren:
Joachim Grawe, 2001, Wieviel Energie können wir einsparen?, München, GRIN Verlag GmbH
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