Renaissance in der Musik
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frz: ,,Wiedergeburt"
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,,...größte progressive Umwälzung, die die Menschheit bis heute erlebt hat"
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,,...eine Zeit, die Riesen brauchte und Riesen zeugte, Riesen an Denkkraft und
Leidenschaft und Charakter, an Vielseitigkeit und Gelehrsamkeit" (beide Zitate
von Friedrich Engels)
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erstmals 1855 von Jules Michelet verwendet
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Bestimmung als Epochenname erst 1860 in Die Cultur der Renaissance in
Italien von Jacob Burckhardt (als Begriff für die Epoche vom Mittelalter zur
Neuzeit verwendet)
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1668 vom Wilhelm August Ambros in der Musikgeschichtsschreibung als
Bezeichnung des 15. und 16. Jh. verwendet
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eigentlich kein Begriff in der Musikgeschichte, sondern eine
kulturgeschichtliche Epoche
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in der Musik unter den Begriffen Ars Nova, Burgundische, Franko-
flämische bzw. Niederländische Schule dargestellt
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bürgerlich-städtische Gesellschaft löste sich von Feudalismus und
hierarchischem Denken und suchte in der griechischen und römischen
Geisteswelt nach neuen Vorbildern
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ging von Italien aus, das zu der Zeit das wirtschaftlich am meisten entwickelte
Land war und enge Bindungen zu den Humanisten aus Konstantinopel
(Istanbul) hatte, die dann teilweise nach Italien emigrierten
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durch das Wirken dieser Gelehrten wurde das Interesse für die antiken
Schriften und die griech.- röm. Geisteswelt in der Bevölkerung geweckt
(erstmals Ende des 14. Jh. in Florenz)
Zeitraum:
1300 bis 1600
Geschichtliche
Daten
1419: 1. Prager Festersturz, Beginn der Hussitenkriege (bis
1436)
1438: Übernahme der dt. Krone nach Aussterben der
Luxemburger durch den Habsburger Albrecht II.
1455: Erscheinung der Gutenberg-Bibel
1452: letzte Kaiserkrönung eines dt. Herrschers in Rom
1483: Guburt Martin Luthers in Eisleben
1488: Bartolomäus Diaz entdeckt Seeweg über das Nadelkap
nach Indien
1492: Christoph Kolumbus ,,entdeckt" Amerika
1517: Thesenanschlag Luthers an der Schlosskirche zu
Wittenberg
1522: Luther übersetzt auf der Wartburg die Bibel vom
Lateinischen ins Deutsche
1525: Bauernkrieg
1581: Unabhängigkeitserklärung der nördlichen Niederlande
Gesellschaftliche
Verhältnisse/
Machtverhältnisse
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Adel (Fürsten) und Kirche hatten die Macht
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Bürgertum wollte Macht gewinnen, wurde aber
von Adel und Kirche zurückgedrängt
Kunstträger
? Adlige, Fürsten, Herzöge, alle, die Musik/Malerei an ihren
Höfen zur Unterhaltung haben wollen
? sie engagieren Künster/Komponisten, um Gemälde/Werke
nach ihren Wünschen zu erschaffen
Kunstausübende
? meist einfache Bürger, die sich mit Malerei/Komponieren
ihren Lebensunterhalt verdienten
? waren lange nicht so berühmt bzw. reich wie Künstler
heutzutage
? Ideologie der Renaissance war immer entgegenegesetzt
zur gerade vorherrschenden Weltanschauung gerichtet
? wandten sich gegen die feudal-katholische Ideologie, die
die Entwicklung der europäischen Wissenschaft und Kultur
hemmte
? repräsentierten die kulturellen Bestrebungen der
neuentstandenen Bourgeoisie sowie der Händler- und
Handwerkerschichten der Städte
Genres/Formen,
musikalische
Entwicklungen
? Madrigal (mehrstimmig durchkomponiert, meist solistisch
aufgeführtes lyrisches weltliches Lied)
? Kanzonette (ital.: ,,Liedchen"; im 16./17. Jh. in Italien
volkstümliches, tanzliedartiges Chorlied)
? Maskerade (im 16./17. Jh. in England gepflegte höfische
Bühnengattung, um 1650 von der Oper abgelöst)
? Ballett (selbständige szenische Tanzdarbietung [als Schau-
oder Bühnentanz])
? Pastorale (vokale oder instrumentale Komposition, die in
Text, Takt, Melodie und Instrumentenwahl einen
weihnachtlichen oder ländlichen Charakter aufweist)
? Frottola (mehrstimmiges weltliches italienisches
Strophenlied)
? Motette (seit dem 12. Jh. in mehrfach abgewandelter Form
aufgeführte geistliche Vokalmusik auf Psalmen und Bibeltexte)
? Pavane (langsamer, vorwiegend geradtaktiger Schreittanz
(Hoftanz) span.-ital. Herkunft
? Imitation (lat.: ,,Nachahmung"; satztechnisches Stilmittel in
der mehrstimmigen Musik (Polyphonie), das ein Motiv, Thema
oder auch einen größeren melodischen Abschnitt der einen
Stimme nacheinander in einer oder mehreren anderen
Stimmen wiederholt)
? Chanson (mehrstimmige frz. Liedsatz im Anschluß an den
Kantilenensatz)
? Chorlied (unbegleitetes Lied für mehrere chorisch besetzte
Stimmen, seit dem 18. Jh. auch mit Instrumentalbegleitung)
? Andere: Messe, Villanella, Tenorlied, Canzona, Toccata,
Ricercar
Entstandene
Satztechniken
? Fuge:
- lat. fuga = ,,Flucht"
- seit dem 17. Jh. die höchstentwickelste Form der
Polyphonie
- Dux (z.B. L.H.) spielt die Melodie, während R.H.
Pause hat
- nach drei bis vier Takten setzt der Comes (R.H.) ein
(Kontrapunkt) und spielt das Thema im Quint- oder
Quartabstand immer wieder
- derweil spielt die L.H. eine andere Melodie, die sich
aus dem Thema ableiten läßt (z.B. halber Notenwert,
entgegengesetzt zum Thema) und trotzdem
angemessen klingt
- dieses Wechselspiel kann sich endlos lange fortsetzen
lassen
- siehe ,,Anwendungen"
? Kontrapunkt
- lat. punctus contra punctum = ,,Note gegen Note"
- tritt ein, wenn das Thema zu Ende ist, der Dux-Spieler
eine andere Melodie weiterspielt und der Comes zur
Imitation ansetzt
- linearer Kontrapunkt: selbständige
Stimmfortschreitung, ohne auf melodische
Übereinstimmung zu achten
- harmonischer Kontrapunkt: selbständige
Stimmfortschreitung mit Achtung auf Zusammenklang
- siehe ,,Anwendungen" (Fuge)
? Polyphonie:
- griech. polyphonía = Vielstimmigkeit
- Kompositionsweise, bei der alle Stimmen eines
Mehrstimmigen Satzes melodisch und rhythmisch
selbständig nach den Regeln des Kontrapunktes geführt
werden
- Gegenteil: Homophonie (Einstimmigkeit, davor üblich)
? Monodie:
- griech.: ,,Einzelgesang"
- gegen Ende der Renaissance, in Italien ausgebildeter,
instrumental begleiteter Sologesang
- von der Camerata Fiorentina als Rückbesinnung auf
die altgriechische Gesangspraxis herausgebildet
- Sologesang, der von einem Generalbaß akkordisch
begleitet wurde
- beeinflußte neben Rezitatv und Arie fast alle
Gattungen, auch der Instrumentalmusik
? Variation:
- lat. variatio = Veränderung
- musikalisches Gestaltungsmittel, das auf der
melodischen, harmonischen, rhythmischen, metrischen,
satztechnischen, formalen und instrumentatorischen
Veränderung von gegebenen, mehr oder weniger in
sich geschlossenen musikalischen Abschnitten sowie
deren Umgestaltung durch Hinzufügen neuer
Gestaltungselemente beruht
- siehe ,,Anwendungen"
? Andere: Kantate, Oratorium, Sologesang, Oper (Anfänge)
Vertreter
? Clément Janequin (um 1485-1558)
? Orlando di Lasso (um 1532-1594)
? Claudio Monteverdi (1567-1643)
? John Dunstable (um 1380-1453)
? Vincenzo Galilei (um 1520-1591)
? Giozeffo Zarlino (1517-1590)
? Giovanni Pierluigi da Palestrina (um 1525-1594)
? Heinrich Glarean (1488-1563)
? Leonardo da Vinci (Maler, 1452-1519)
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