Isotopie (Analyse von Lyrik) 10.05.01
Demonstrativpronomina genauer betrachten. Enthält ein Text jedoch keine textinterne Kommunikationssituation, wird die Kohärenz oftmals durch bestimmte Bedeutungsmuster (die Wiederkehr sinnverwandter Wörter; patterns of meaning) garantiert.
Mitte der 60er Jahre wurde die
Strukturale Semantik
von A. Greimas entwickelt. Jedes Lexem setzt sich aus Sememen (=minimale
Bedeutungseinheiten)
zusammen. Bsp.:
ISOTOPIE: von griechisch „iso-topos“: gleicher Ort, gleiche Ebene.
das strukturale Verfahren der Bedeutungsanalyse:
Bsp: John Wains Poem Without a Main Verb
2. spezifisch poetische Strukturen von Texten
Zuerst sucht man nach den Gundmerkmalen, welche die poetische Funktion der Sprache von der Normalsprache unterscheiden. Danach muss man die gedichtstypischen Stilmittel (Reim, Rhythmus, Metaphern etc.) anhand dieser Merkmale erklären, um weitere Verfahren ableiten zu können.
Jakobsons Kommunikationsmodell:
Allen 6 Faktoren dieses Modells (Sender, Botschaft, Kanal, Empfänger, Kontext, Code) lässt sich eine besondere Sprachfunktion zuordnen, die sich in den Texten unterschiedlich ausprägt.
foregrounding: Statt des signifiés tritt das signifiant in den Vordergrund Eine Dominanz der poetischen Sprachfunktionen führt zu einer „Ent- automatisierung“ derWahrnehmung der Sprache und bewirkt deren „Verfremdung“ und „Aktualisierung“.
Erreicht wird ein foregrounding durch: - sprachliche Wiederholung, Rekurrenz (linguistic repetition) - Parallelismus
- Äquivalenz (d.h. Gleichwertigkeit von Teilen der Sprache)
Jedem verbalen Verhalten liegen laut Jakobson zwei grundlegende Operationen - Selektion zugrunde:
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- Kombination
z.B. Selektion aus „Kind“ „Bub“ „Knirps“ etc und „ruhen“, „schlafen“ etc. und danach deren Kombination etwa zu „der Knirps schläft“.
2 Achsen bei der Entstehung von Texten: a) paradigmatische Achse - Selektion
hier gibt es zahllose Klassen von Wörtern (Paradigmen), die im Bezug auf ein best. Merkmal (z.B. ihre Bedeutung) äquivalent sind. Normalerweise kommt nur eines der Elemente in den Text. Ausnahme: poetische Texte, wie etwa bei Shakespeare. Bei ihm wandern oft viele Elemente der paradigmatischen Achse in ein Gedicht. b) syntagmatische Achse - Kombination
„The poetic function projects the principle of equivalence from the axis of selection into the axis of combination” Jakobson
=> es bestehen also in poetischen Texten, über die Kombination hinaus noch zusätzliche Äquivalenzbeziehungen. Diese kommen auf allen Ebenen vor: der semantischen, der phonologischen, der rhythmischen, der syntaktischen und sogar der graphischen Ebene. (Bsp. „r“ und „d“ als ALLITERATION bei Wain)
3.Ordnung der poetischen Strukturen mit Hilfe eines Grundmodells der Poetizität
In diesem Modell können verschiedene Mögliche Ebenen der Äquivalenzbildung zusammengefasst werden.
• Überstrukturierung (foreground regularity) durch:
• Unterstukturierung (foreground irregularity) durch:
§ lexikalische Abweichung, wie etwa mit Hilfe von Neologismen oder functional conversion (d.h. ein Nomen wird z.B. als Verb verwendet)
(Ironie, Metaphern, Metonymie...) oder auch Über- und Untertreibung (Hyperbel, Litotes), Doppelaussage (Pleaonasmus, Tautoligie) und Widersprüchlichkeit (Oxymoron, Paradoxon)
Gebrauch von Archaismen (=veraltete Begriffe)
§
In Wains Gedicht hat die grammatikalische Deviation (die Tatsache dass in ihm kein „main verb“ vorkommt) eine zentrale Funktion. Durch das Fehlen der
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Hauptverben erhält das Gedicht einen merkwürdig statischen Charakter. Nichts kann sich fortbewegen. => Das Gedicht endet in Resignation
4. Resümee
Poesie hat nicht nur mit einer besonderen Form, sondern auch mit besonderen Inhalten zu tun. Die Analyse der spezifisch poetischen Struktur eines lyrischen Textes muss also immer mit der Analyse seiner inhaltlichen Oppositionen und Parallelen einhergehen.
Poem Without a Main Verb
Watching oneself
being clever, being clever: keeping the keen equipoise between always and never;
delicately divining (the gambler’s sick art)
which of the strand must hold, and which may part;
playing off, playing off with pointless cunning
the risk of remaining against the risk of running;
balancing, balancing (alert and knowing)
the carelessly hidden with the carefully left showing;
endlessly, endlessly finely elaborating
the filigree threads in the web and the bars in the grating;
at last minutely and thoroughly lost in the delta where profit fans into cost;
with superb navigation afloat on the darkening, deepening sea, helplessly, helplessly. by John Wain
cleverness (Bedeutungselemente der Cleverness)
• Opposition zwischen „cleverness“ und „menace“
• „cleverness“ als Vorraussetzung für die „balance“, das Halten der Balance
•
in der Schwierigkeit des „Balancehaltens“ besteht aber auch „Bedrohung“
= Da es in diesem Gedicht keinen besonderen Sprecher gibt („oneself“), geht es dem Dichter wohl um die Beschreibung der Gesamtsituation des modernen Menschen, der trotz all seiner „cleverness“ nicht imstande ist die rechte „balance“ zu wahren, und deshalb in die Sackgasse der „Hilflosigkeit“ und „Verzweiflung“ gerät.
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Literatur: Fabian, Grundkurs (S.161-172)
Arbeit zitieren:
Daniela Aulich, 2001, Isotopienanalyse, München, GRIN Verlag GmbH
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