irgendwelche Skrupel, obwohl er sogar von seiner eigenen Mutter als „Molch“ beschimpft und verflucht (Akt IV, 4) wird, bis zu dem Zeitpunkt, als er in seinen Träumen von den Geistern seiner Opfer heimgesucht wird. Richard beginnt zu ahnen, welche Taten er begangen hat und erkennt, daß er ein Mörder ist (Akt V, 3). Doch kehrt er nicht um und bereut sein Tun, sondern schickt seine Heere durch eine sehr geschickt formulierten Rede mit dem Mut der Verzweiflung in die letzte Schlacht; er selbst kämpft dabei an vorderster Front (Akt V, 4). Das Streben nach Macht ist aber das wohl herausragendste Merkmal seiner Persönlichkeit, was durch die Tatsache deutlich wird, daß er, als er bemerkt, daß seine im Laufe der Handlung Macht schwindet, verwirrt und desorientiert scheint (Anfang Akt V). Unterstützt wird er von dem Herzog von Buckingham, der nicht viel mehr als ein Handlanger und Werkzeug Richards ist. Aus reiner Habsucht unterstützt er den Usurpator, verspricht dieser ihm doch Ländereien. Als dieser sein Versprechen aber nicht einhält, fällt er von ihm ab und wechselt das Lager. Außerdem wirkt er als „amateurhaft“ 1 im Vergleich zu Richard, bringt er es doch nicht fertig, die Prinzen zu töten bzw. töten zu lassen, was ihm von Richard befohlen wird. Margaretha, die Frau des getöteten Heinrich VI., taucht nur sehr selten in Shakespeares Drama auf, doch schwebt ihr Fluch stets über dem gesamten Tun Richards. Sie erbittet von Gott Vergeltung der Verbechen des Haus Yorks am Haus Lancaster, welche tatsächlich Realität wird. Alle Lords, die von Richard hingerichtet werden, erinnern sich vor ihrem Tod an die Worte der früheren Königin. Und obwohl Margaretha keineswegs mit den Frauen des Hauses York befreundet ist, unterstützt sie diese doch in ihrem Haß auf Richard. Sie ist der eigentliche Gegenpart zu Richard, feindet sie diesen doch auch stets an und beschimpft ihn, nicht der Graf von Richmond. Dieser hat seinen ersten Auftritt erst im fünften Akt und wird stets nur indirekt durch Richard als „Milchbart“ (Akt V, 2) charakterisiert. Elisabeth ist die Witwe von Edward IV. und ist neben Margaretha die wohl erbittertste Gegnerin Richards, was in Akt IV, 4 deutlich wird: Im Dialog zwischen Richard und Elisabeth liefern sich die beiden Kontrahenten gegenseitig Argumente, „stacheln“ einander auf, bis sich der Höhepunkt der Szene durch Zeilenrede ankündigt. Elisabeth ist aber bei all ihrem Handeln stets stark geprägt durch die Trauer über den Verlust ihrer Kinder und ihres Gatten. Richard läßt sogar ihren Bruder ermorden, so daß Elisabeth große Wut empfindet. Sämtliche anderen Figuren sind eigentlich mehr oder weniger Nebenfiguren, obwohl viele von ihnen auch sehr deutlich gezeichnet und gut ausgestaltet sind, z.B. Lord Hastings. Dies rührt auch von der unglaublichen Dominanz Richards her, der stets im Mittelpunkt der gesamten Entwicklung der Handlung steht.
f) Sprache, Stilmittel
Der Großteil des Dramas ist im Blankvers geschrieben. Shakespeare verwendet, wie in vielen anderen Dramen auch, häufig Antithesen, hauptsächlich um die Gegensätzlichkeit der beiden Häuser darzustellen und auch zu verdeutlichen. Richard, der, wie bereits erwähnt, ein guter Redner ist, zeigt im Gebrauch von der Sprache stets sehr schlagfertig (vor allem, wenn er Margaretha antwortet) und benutzt, wie viele andere Figuren auch, viele Bilder, was laut B. Vickers 2 typisch für das Elisabethanische Drama ist. Auffallend ist auch, daß keineswegs ein einheitlich hoher Stil vorliegt, sondern z.B. Bürger deutlich weniger „gestelzt“ reden und z.B. die Mörder die Richard beauftragt, in Prosa sprechen. Shakespeare bedient sich ferner häufig der sogenannten „Dramatischen Ironie“, z.B. wenn Lord Hastings trotz seiner Erfahrungen mit Richard dessen Worten Glauben schenkt, das Publikum aber bereits weiß, daß seine Exekution schon geplant ist (Richard lügt Hastings an).
g) Monologe
Ein wichtiges Element in „Richard III.“ sind Monologe. Vor allem Richard bedient sich dieser, z.B. in der ersten Szene, mit der er und sein Machtstreben, seine Intrigen, dem Publikum vorgestellt werden und dieses in die Handlung hineingezogen wird. Richard stellt sich hier gewissermaßen selbst den Zuschauern vor. Der wichtigste Monolog in „Richard III.“ ist aber sicherlich der, in dem Richard zum ersten Mal seine Untaten einsieht. Er zeigt sich dabei verängstigt und furchtsam, es wird klar, daß er kurz vor dem tiefen Fall steht, dem Verlust seiner Macht und eventuell seinem Tod.
h) Zusammenfassende Deutung
Mit Richard zeigt Shakespeare das Idealbild eines Tyrann. Die Darstellung des Monarchen ist im Vergleich zur Realität aber sicher übertrieben, Richard III. führt in England auch sehr viele Reformen durch und war keineswegs ein allzu grausamer Herrscher, weswegen „Richard III.“ oft als „Tudor-Propaganda“ gescholten wurde und noch wird. Im Allgemeinen wird aber das Drama, wie viele andere von Shakespeares frühen Stücken, nicht unbedingt als Meisterwerk Shakespeares beurteilt. Der Dramatiker stand 1593 noch am Anfang einer Entwicklung und erprobte in Richard III. erst viele Dinge, die er später z.B. in „Hamlet“ verwandt hat, wie die rhetorische Symmetrie zwischen zwei Gegenspielern (die beiden Häuser). Quellen:
1 Kenneth Hardacre, Notes on Richard III, Brodie House Bath, 1957 2 K. Muir und S. Schoenbaum (Hrsg.), Shakespeare - Eine Einführung, Reclam Stuttgart, 1972 Wolfgang Clemen, Shakespeares Monologe, Serie Piper München, 1985 G. Müller-Schwefe, William Shakespeare, de Gruyer New York, 1978
Arbeit zitieren:
Andreas Sichelstiel, 2001, Shakespeare, William - Richard III. - Inhalt und Analyse, München, GRIN Verlag GmbH
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Sani
Absolut hilfreich!.
Mir gefiel Deine Arbeit wirklich.
Du hast natürlich recht, wenn Du sagst, dass Du Dich in einigen Punkten sehr kurz fasst, aber anderes war ja auch nicht Dein Anspruch.
Du gibst Einblicke in viele Themen, gibst gute Ansätze, die zu einer Vertiefung anregen.
Die Darstellungen sind in sich schlüssig, Charaktere werden nicht unabhängig voneinander beurteilt, sondern sofort in Beziehung zu den anderen gesetzt.
Das Referat hätte ich gerne gehört, ich erarbeite mir das Thema gerade fürs Studium.
am Friday, January 25, 2002-
Inga Ritter
Richard der Dritte.
Hey Andreas,
kleiner Fehler,
Anna ( nicht Anne) wurde am Sarg ihres
sogenannten Schwiegervaters ( Heinrich IV)bezirzt- nicht ihres Mannes.
Danke für die Zusammenfassung, war dennoch hilfreich für meine Reschergen
Gruß Inga
am Monday, February 18, 2002-
Minervawavian
Shakespeare, William - Richard III. - Inhalt und Analyse.
Ziemlich gutes Referentenpapier zu diesem Thema. Es werden viele wichtige Punkte angesprochen. Auch wird darauf eingeganen, daß dieses Stück escheidende Inhalte der Tudor Propaganda wiedergibt.
am Thursday, May 30, 2002-
Oli
Richard 3.
Sehr Praktisch vorallem sagst du ja das es nicht sehr vertieft ist aber für die 10 klasse reichts locker
am Thursday, June 19, 2008-