Er erinnert sich an seine endlosen Streitgespräche mit seinem Vater, er erinnert sich daran, dass er es versäumt hat sich von seinem Vater zu verabschieden, als dieser starb, seine eigene Vergangenheit holt ihn ein. Hedwig, seine Geliebte nimmt seine Probleme nicht wirklich ernst und erklärt alles mit ihrer „Feld-Wald-Wiesen-Psychologie“ wie Hunkeler sie selbst nennt.
Hunkeler ist ergriffen vom Tod des alten Mannes, der sich von der Brücke stürzte. Er recherchiert weiter und erhält Einblick in das erstaunliche Leben des Verstorbenen. Er findet bei einem Einbruch in die Wohnung des Toten, er heisst übrigens Freddy Lerch, ein Buch, quasi ein Tagebuch eine Kurzfassung seines Lebens. Interessiert beginnt Hunkeler darin zu lesen und erkennt sich in der Geschichte selbst wieder. Besonders die Jugendzeit des Freddy Lerch hat es ihm angetan. Schlüsselpunkt der Ausführungen Lerchs war eine Situation in einer Schulstunde. Ein benachteiligter Schüler wird verprügelt. Lerch, damals 15 Jahre alt, legt sich mit dem Lehrer an und wird deswegen von der Schule geschmissen. Kommissar Hunkeler ist während seiner Schulzeit dasselbe passiert, mit dem Unterschied, dass er nicht eingegriffen hat, sondern nur zugesehen wie sein Mitschüler verschlagen wird. Lerch heuerte nach seinem Rausschmiss auf einem Überseedampfer an und erlebte die Freiheit, von der Hunkeler als Kommissar immer träumte. Hunkeler war fasziniert von den Beschreibungen Lerchs. Freddy beschrieb sein Leben auf dem Südeseedampfer Andalusia. Die Aufenthalte auf Havanna waren sehr lebhaft geschildert. Diverse Liebschaften werden ausführlich geschildert.
Der eigentliche Umfang des Buches, nämlich eines Kriminalromans geht, verloren in den Gedanken und Launen des Kommissars Hunkeler. Das eigentliche Problem, nämlich, dass der Verstorbene kurz vor seinem Tod 50'000 Sfr. von seinem Konto abhob und, dass sein Neffe damit eine Edelkarosse kaufte, die ihm in Istanbul gestohlen worden war. Um den Verlust des Diebstahls auszugleichen willigte der Neffe ein, einen Koffer über die Grenze in die Schweiz zu bringen. Dass der Koffer voll Heroin war, wusste er nicht. Dass wieder um glaubte ihm die Polizei nicht. Diese Handlungen erfährt man nur am Rande, sie sind nicht im Vordergrund. So endet das Buch auch nicht mit der Auflösung des Falles. Am Schluss des Buches kommt Hunkeler endlich über den Tod seines Vaters hinweg, der ihn seit dem Tod von Freddy Lerch wieder beschäftigte. Seine Zweifel verschwanden als die Ferien zu Ende waren und er wieder arbeiten musste. Auch der Streit, den er mit Hedwig hatte ging zu Ende. Ende gut alles gut. Nur der eigentliche Fall bleibt ungelöst. Sprache
Es bleibt noch die Sprache zu beurteilen. Hansjörg Schneider hat für einen Kriminalromanschreiber einen sehr untypischen Schreibstil. Mit zum Teil poetischen Abschweifungen in die Gedankenwelt Hunkelers kommt eine melancholische Stimmung auf, die den Roman so lesenswert erscheinen lassen. Das Buch ist in langen, oft aufgegliederten Sätzen geschrieben. Dass der Autor nicht Deutscher ist, sondern Schweizer lässt sich aus diversen Ausdrücken aus dem hiesigen Dialekt erkennen. Schneider entführt die Leser seines Buches in das Leben des Kommissar Hunkeler und in das des toten Freddy Lerch. Die stimmungsvolle Atmosphäre des sommerlichen Basels unterstreicht die eigentlich gewöhnliche Geschichte, die uns entzückende Details zeigt und auf die Vielfalt des Alltags Hinweist.
Diskussion
- Kommissar Hunkeler sieht jemanden von einer Brücke stürzen und ist wie gelähmt. Er getraut sich nicht in diesen Selbstmordakt einzugreifen. Darf man Selbstmördern überhaupt den Tod verbieten, haben sie kein Anrecht darauf ihr Leben zu beenden? Sind Organisationen die Sterbehilfe leisten gerechtfertigt oder sollte man Sie verbieten?
- Welchen Eindruck habt ihr vom Buch bekommen, würdet ihr es lesen?
- Hunkeler kommt zu der Überzeugung, dass die Ungerechtigkeiten, die er als Kind in der Schule erlebte, ihn dazu führten als Polizist die Gerechtigkeit zu vertreten. Findet ihr, dass ist der richtige Weg? Vertritt man als Polizist die Gerechtigkeit? Kann man zu allen gerecht sein?
- Hunkeler wünscht sich zeitlebens eine mehr Freiheit und wäre gern wie der verstorbene Freddy Lerch zur See gefahren. Würdet ihr euch ein solches Leben wünschen? Ist man als Seefahrer freier als in anderen Berufen? Meinung
- Faszinierend durch die reizvolle Verknüpfung von Krimi und menschlichen Geschichten.
- kurzweilig geschrieben
- Das Ende wirkt jäh abgebrochen, die menschliche Geschichte ist zu Ende, der Kriminalfall bleibt ungelöst
Arbeit zitieren:
Sorin Marti, 1999, Schneider, Hansjörg - Der Flattermann, München, GRIN Verlag GmbH
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